Lyss

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Lyss
Wappen von Lyss
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Seelandw
BFS-Nr.: 0306i1f3f4
Postleitzahl: 3250 Lyss
3292 Busswil bei Büren
UN/LOCODE: CH LYS
Koordinaten: 589999 / 213785Koordinaten: 47° 4′ 30″ N, 7° 18′ 25″ O; CH1903: 589999 / 213785
Höhe: 444 m ü. M.
Fläche: 14.82 km²
Einwohner: i14'706 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 992 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
16,7 % (2015)[2]
Arbeitslosenquote: 2,5 % (2010)[3]
Gemeindepräsident: Andreas Hegg (FDP)
Website: www.lyss.ch
Bahnhof von Lyss

Bahnhof von Lyss

Karte
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Lyss [ˈliːs] (Berndeutsch: [ˈliːsː])[4] ist eine politische Gemeinde (Einwohnergemeinde) im Verwaltungskreis Seeland im Schweizer Kanton Bern.

Am 1. Januar 2011 fusionierte die Gemeinde Busswil bei Büren mit Lyss.

Lyss hat über 14'000 Einwohner. Da die Einwohnerzahl über 10'000 liegt, kann Lyss auch als Stadt gelten. Für die Förderung erneuerbarer Energien hat Lyss das Label ‚Energiestadt‘ erhalten. Das sich rasch entwickelnde Regionalzentrum hat bis heute viel vom seeländisch-dörflichen Charakter bewahrt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyss liegt am Rand der breiten Ebene am Jurasüdfuss, die sich von Südwesten nach Nordosten vom Murtensee über das Grosse Moos und die Alte Aare bis in die Nähe von Grenchen hinzieht. Den Westen dieser Ausdehnung schliessen der Neuenburgersee und der Bielersee ab. Im Nordwesten erhebt sich das Juramassiv mit dem 1606 m ü. M. hohen Chasseral, der von Lyss aus zu sehen ist. Diese Ebene hat wenig Gefälle und wird auch Berner Seeland genannt. Sie wurde bis zur Juragewässerkorrektion häufig von Überschwemmungen der Aare heimgesucht. Das Schwemmland besteht aus Ablagerungen der Flüsse Broye, Saane und Aare. Lyss liegt beim Eintritt des Lyssbachs – Bis zum Bau eines Hochwasserentlastungsstollen 2012[5] ist auch dieser in den letzten Jahrzehnten immer wieder über die Ufer getreten – in diese Ebene.

Das Gemeindegebiet von Lyss ist im Westen durch den Lauf der alten Aare und die Autostrasse Biel–Lyss begrenzt. Im Osten umfasst es die Hügellandschaft mit den Wäldern Bannholz, Dreihubelwald und Bagguul und im Südosten das Rikartsholz.[6] Am Fuss des Dreihubelwalds liegt das interkantonale Forstausbildungszentrum Bildungszentrum Wald Lyss.[7] Auf der Chrüzhöchi im Dreihubelwald steht der 2009 erbaute Lysser Aussichtsturm.

Fast der ganze flache Landschaftsteil des Gemeindeareal ist mit Siedlungsgebieten überbaut.

Etwa 8 km von Lyss entfernt liegt das Ostufer des Bielersees; südwestlich liegen der Neuenburger und der Murtensee und im Süden der Wohlensee. Die Entfernung zum Hauptort des Amtsbezirks Aarberg beträgt 3 km, zur Bundesstadt Bern ca. 20 km und zur Stadt Biel/Bienne 10 km.

Die Nachbargemeinden von Lyss sind Seedorf BE, Aarberg, Kappelen BE, Worben, Studen, Büetigen, Diessbach bei Büren und Grossaffoltern.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Lyss ist am ehesten als eine Übertragung vom ursprünglich gleichnamigen Lyssbach anzusehen. Der Gewässername könnte auf eine indogermanische Wurzel lei- ‚giessen, fliessen, tröpfeln‘ zurückgehen; er wäre dann später durch den verdeutlichenden Zusatz -bach erweitert worden, während die Siedlung die alte Form des Namens beibehalten hätte. Von den zahlreichen übrigen in der Vergangenheit vorgebrachten Deutungen erfreut sich vor allem noch die Herleitung von einem keltischen Wort *lessa, das ‚(kleine) Hütte, Stall‘ bedeuten soll, grösserer Beliebtheit, entbehrt aber wohl jeglicher Grundlage.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Seelands wurde ursprünglich von Kelten besiedelt. Später gehörte es zum Umland der römischen Stadt Aventicum.

Im Jahr 1009 wird Lyss in einer Schenkungsurkunde als Lissa erstmals erwähnt. Schon im frühen Mittelalter lag der Ort an der Siedlungs- und Sprachgrenze zwischen Alamannen und Burgunden. Lyss gehörte zur Grafschaft Aarberg und kam 1377 in den Besitz der Stadt Bern.

Wie andere Dörfer in der Umgebung hatte auch Lyss lange mit immer wiederkehrenden Überschwemmungen zu kämpfen. Der Lyssbach trieb damals Mühlen an, wovon heute noch einige Strassennamen zeugen (Oeleweg, Mühleplatz, Walkeweg). 1831 und 1832 gab es besonders schwere Überflutungen im Seeland, was dann zur Gründung eines ersten Korrektionskomitees führte. Es gab im Juni und August 2007 zwei weitere Überschwemmungen, die zu schweren Sachschäden führten.

Von 1868 bis 1878 dauerte die erste Phase der Juragewässerkorrektion. Die Aare wurde von Aarberg aus nach Westen in den Bielersee umgeleitet (durch den Hagneckkanal), nachdem der Nidau-Büren-Kanal fertiggestellt worden war, der als ein breiterer Abfluss des Bielersees unterhalb von Lyss wieder in die Aare mündet. Mit diesen Massnahmen waren weite Landstriche vor Überschwemmungen geschützt.

1864 wurde die Bahnlinie von Bern über Lyss nach Biel/Bienne eröffnet und zwölf Jahre später die Bahnlinie von Lausanne über Murten und Lyss nach Solothurn. Lyss wurde somit zum Verkehrsknoten. 1887 folgte eine neue Strasse von Biel über Lyss nach Bern. Für Handel, Gewerbe und Industrie bot dies sehr gute Bedingungen, was man an der Entwicklung der Einwohnerzahl ermessen kann.

1956 und 1979 wurden die Industriegebiete Schachen und Grien Süd erschlossen. Die ehemals selbständigen Schulgemeinden Lyss und Hardern bildeten nach der Fusion 1974 die Einwohnergemeinde Lyss in der heutigen Form.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1920 1946 2004 2009 2015
Einwohner 1'568 2'567 3'417 4'133 10'945 11'423 14'341

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat als Exekutive besteht aus fünf Mitgliedern, einschliesslich des Gemeindepräsidenten. Gemeindepräsident ist Andreas Hegg (FDP, Stand 2017). Zudem wurden bei der Wahl vom 24. September 2017 ein weiteres Mitglied der FDP und je ein Vertreter von SP, SVP und BDP gewählt.

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1
8
3
3
5
10
10
10 10 
Von 40 Sitzen entfallen auf:

Das Gemeindeparlament (Grosser Gemeinderat, GGR) als Legislative hat 40 Mitglieder (Frauenanteil 2017: 30 %) und tagt sechsmal im Jahr. Traditionell die stärksten Kräfte sind die FDP, SP und SVP, zudem ist die EVP seit längerer Zeit im Rat vertreten. Seit der 2010 begonnen Legislatur sind auch BDP, glp und die Grünen vertreten, nicht mehr angetreten war hingegen die Vereinigung für Gemeindepolitik (VGP). Infolge der auf den 1. Januar 2011 vollzogenen Fusion von Lyss mit Busswil wurden im September 2010 sieben Personen aus Busswil in den GGR nachgewählt, weshalb der Rat vorübergehend auf 47 Sitze erweitert wurde und für die Legislatur 2014–2017 44 Sitze umfasste.

Zusammensetzung des Grossen Gemeinderates
Partei 1993[8] 1997[8] 2001[8] 2005[8] 2009*[8] 2013*[9] 2017[10]
FDP 12 12 14 11 11 8 10
SVP 9 9 7 8 7 11 10
SP 11 13 11 11 9 9 8
BDP 6 6 5
EVP 2 2 3 5 4 6 3
glp 2 2 3
Grüne 1 1 1
EDU 1 0
VGP** 6 4 5 5
* Infolge Fusion mit Busswil 2011 7 Personen nachgewählt; 2013–2017 44 Sitze.[11]
** VGP = Vereinigung für Gemeindepolitik, seit 2009 nicht mehr angetreten

Nationale Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wähleranteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2015 betrugen: SVP 30.2 %, SP 20.2 %, BDP 13.9 %, FDP 12.5 %, EVP 6.6 %, glp 5.6 %, GPS 4.9 %, CVP 2.0 %, EDU 1.8 %, Piraten 1.0 %.[12]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lyss sind etwa 6'000 Personen in ca. 600 gewerblichen oder industriellen Betrieben beschäftigt. Die wichtigsten Branchen sind:

  • Metallbetriebe
  • Maschinenindustrie
  • Zementwaren- und Bausteinindustrie
  • Kunststeinindustrie
  • Elektronikbetriebe
  • Kunststoffverarbeitung
  • Confiserie- und Biscuitfabrikation
  • Handelsunternehmen
  • Verteilzentralen
  • Werkzeuge (Feintool)
  • Lebensmittel-Industrie

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyss war im letzten, 20. Jahrhundert ein Ost–West–Nord–Süd Verkehrskreuz im Seeland. Hier kreuzten sich die Hauptstrassen und Eisenbahnlinien von Solothurn nach Murten und Lausanne mit denen von Biel/Bienne nach Bern. Heutzutage sind nur noch die Eisenbahnlinie Biel/Bienne–Bern, die Hauptstrassen und die Autobahn A6, mit dem Autostrassenteil zwischen Biel und Lyss, von verkehrstechnischer Bedeutung.

Strasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum oben schon beschriebenen Verkehrsknoten kam 1986 die Anbindung an das schweizerische Autobahnnetz hinzu. Die A6 von Wimmis über Thun, Bern und Lyss nach Biel/Bienne schliesst dort an die A16, auch als «Transjurane» bekannt, an, welche über Delémont, Porrentruy und Boncourt zum französisches Autobahnnetz führt.

Nur 30 Autobahnkilometer von Lyss entfernt liegt der internationale Flughafen Bern-Belp.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyss liegt an den Bahnstrecken Biel/Bienne–Bern, Kerzers–Lyss und Lyss–Solothurn. Die Gemeinde verfügt über einen Bahnhof mit Schnellzuganbindungen Richtung Bern und Biel und ist mit der S3 in das Berner S-Bahnnetz eingebunden. Regionalzüge fahren in Richtung Biel, Bern, Büren an der Aare und Kerzers. Ein weiterer Regionalbahnhof befindet sich auf der Linie Bern – Biel im Ortsteil Busswil, der seit der Fusion zu Lyss gehört. Eine weitere Haltestelle (Lyss-Grien) befindet sich auf der Linie Lyss Aarberg zwischen der Sportanlage Grien und dem Industriering Süd.

Ortsbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quartiere innerhalb von Lyss werden durch einen Ortsbus auf 3 Linien bedient.[13] Nach einer dreijährigen Pilotphase wurden per Fahrplanwechsel 2014 drei der vier Linien in den Regulären Fahrplan aufgenommen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es das Sportzentrum Grien, ein Parkschwimmbad, die so genannte Seelandhalle mit Kunsteisbahn, die Tennisanlage Grünau und einige Sporthallen.

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KUFA (Kulturfabrik) wurde am 2. September 2010 wiedereröffnet. Der Programminhalt umfasst ein Spektrum von Konzerten bis Theater. Betrieben wird die KUFA durch den Jugendverein.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1982 wurde die Adria-Stadt Monopoli in der italienischen Provinz Apulien Schwesterstadt von Lyss. Die Wahl Monopolis fiel insofern nicht schwer, da seit Jahren viele ehemalige Monopolitaner in Lyss leben und arbeiten.[15]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Siegfried, ehemaliger Gemeindepräsident
  • Max Gribi, ehemaliger Gemeindepräsident
  • Kurt Wüthrich, Nobelpreisträger
  • Fritz Bösch, Unternehmer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lyss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Bevölkerung. In: Offizielle Webpräsenz BFS. Bundesamt für Statistik BFS, 2015, abgerufen am 26. August 2017 (Eingabe Lyss).
  3. Mitarbeiter: Gemeindesuche. Arbeit. In: Offizielle Webseite. Bundesamt für Statistik, 2011, S. 1, abgerufen am 28. August 2011 (HTML, deutsch, Eingabe Lyss. Jahresdurchschnitt).
  4. a b Wulf Müller/Andres Kristol: Lyss BE (Aarberg). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG), Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 558 f.
  5. Herbert Rentsch: Lyss – Der Lyssbach floss erstmals durch den Stollen. In: bernerzeitung.ch. Tamedia, 10. Oktober 2012, abgerufen am 2. November 2015.
  6. Website von Forst lyss
  7. Bildungszentrum Wald Lyss
  8. a b c d e Sitzverteilungen seit Einführung des Gemeindeparlamentes 1974. Gemeinde Lyss, abgerufen am 5. Mai 2016.
  9. Wahlprotokoll Grosser Gemeinderat 2013. Gemeinde Lyss, abgerufen am 5. Mai 2016 (PDF).
  10. Protokoll. Gemeinde Lyss, 24. September 2017, abgerufen am 29. September 2017 (PDF).
  11. Fusions-Info 2/2010
  12. http://www.sta.be.ch/sta/de/index/wahlen-abstimmungen/wahlen-abstimmungen/wahlen/wahlen_2015.html abgerufen am 12. November 2015
  13. [1] (PDF; 1,8 MB), Zugriff am 12. September 2012
  14. [2], Zugriff am 12. September 2012
  15. Schwesterstadt Monopoli, Italien. Gemeinde Lyss, abgerufen am 5. Mai 2016.