Šolta

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Insel Šolta
Šolta (Kroatien)
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43.39094444444416.286186111111Koordinaten: 43° 23′ 27″ N, 16° 17′ 10″ O
Basisdaten
Meer: Adriatisches Meer
Lage: Südliche Adria
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Wappen der Gespanschaft Split-Dalmatien Split-Dalmatien
Fläche: 58,17 km²
Länge: 19 km
Breite: 4,9 km
Küstenlänge: 79,450 km
Einwohner: 1.675 (2011)
Bevölkerungsdichte: 29 Einwohner je km²
Größte Ortschaft: Grohote
Höchster Punkt: Vela Straža (237 m)
Insolation: 2,718 h  (0 Tage)
Webpräsenz:
Šolta OpenStreetMap 120828.png

Šolta [ˈʃɔːlta] ist eine mittelgroße, bewaldete kroatische Insel in der Adria gegenüber von Split westlich von Brač. Die dalmatinische Insel hat 1.675 Einwohner.[1] Der Hauptort ist Grohote. Die täglich vier- bis sechsmal [2] verkehrende Auto-Fähre legt in Rogač an.[3]

Geographie & Demographie[Bearbeiten]

Martinis Marchi in Maslinica, früher Piratenschutz, heute Luxushotel
Typische Landschaft an der Nordküste bei Nečujam
Rathaus von Šolta, das Kastell der Familie Slavić in Grohote

Die von Südosten nach Nordwesten verlaufende Insel ist ca. 19 km lang, bis zu 4,9 km breit und hat eine Fläche von 51,9 km². Die sieben im Westen vorgelagerten kleinen Inseln Stipanska, Polebrnjak, Saskinja, Grmej (Gmej), Rudula (Radula), Balkun und Kamičić hrid gehören ebenfalls zu Šolta. Der höchste Gipfel ist Vela Straža mit einer Höhe von 237 Meter. Die Ortschaften liegen durchwegs an der Nordküste und im Inselinneren. An der steilen Südküste zum offen Meer hin gibt es keine Orte. Die Fahrwege zu den Buchten der Südseite sind nicht ausgebaut und können nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahren werden. Die Badebuchten liegen an der Nordseite. Die größten heißen Nečujam, Rogač und Stomorska. Das sind auch jene Orte, die von den Fähren angefahren werden, wobei nur in Rogač auch Autos verladen werden. Eine Katamaran-Fähre legt in Rogač und Stomorska an. Auf der über die Insel führende Straße zwischen Maslinica und Stomorska verkehrt eine Autobuslinie (gelbe Busse), die die großen Orte verbindet. Die kleineren Buchten wie Donja Krušica oder Gornja Krušica sind über wenig ausgebaute Wege erreichbar und verfügen über fast keine touristische Infrastruktur.

2011 hatte die Insel 1.675 Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts waren es noch 3.687.[4] Wie die Einwohnerentwicklung der großen Orte zeigt, wird erst langsam wieder das Bevölkerungsniveau des 19. Jahrhunderts erreicht, wobei allerdings die Anzahl der Häuser massiv gestiegen ist. Tatsächlich dürften weniger Menschen auf der Insel wohnen, als die aktuelle Einwohnerstatistik ausweist. Da es auf der Insel viele Fälle von unklaren Eigentumsverhältnissen gibt, werden Scheinmeldungen vermutet. Ansonst weist die Statistik vier Ärzte, vier Krankenschwestern, elf Gemeindeangestellte und zwanzig Kommunalarbeiter aus.

Bevölkerung in den Dörfern 1857–2011[5]
Jahr 1857 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1931 1948 1953 1961 1971 1981 1991 2001 2011
Grohote 750 870 944 1.160 1.362 1.245 1.212 1.269 996 992 913 712 619 631 425 441
Gornje Selo 356 517 491 592 715 725 809 641 629 578 437 349 252 252 217 237
Stomorska 112 0 165 199 294 295 213 312 312 286 303 206 101 117 199 241
Maslinica 92 0 123 157 173 171 169 199 180 191 179 147 64 69 174 208
Rogač 0 0 13 59 0 17 0 0 0 36 50 49 0 0 100 110
Nečujam 0 0 0 0 0 0 0 0 0 12 19 6 0 0 80 173
Donje Selo 161
Srednje Selo 256 325 316 355 394 372 324 309 321 308 285 206 143 150 128 104
Dörfer gesamt 1566 1712 2052 2522' 2938 2825 2727 2730 2438 2043 2186 1675 1179 1219 1323 1675

Dörfer und Häfen[Bearbeiten]

Ältester Hafen Stomorska

Die größeren Ortschaften liegen im Inselinneren. Grohote ist das älteste und größte Dorf der Insel und das wirtschaftliche Zentrum, Sitz der Verwaltung und Schulort. Es gibt einen Bauernmarkt, zwei Supermärkte, eine Apotheke, eine permanent besetzte Feuerwehrstation und ein Inselkrankenhaus mit Arzt und Helikopterlandeplatz.[6] Grohote liegt in der Inselmitte, an einem Punkt, an dem sich die wichtigen Straßen kreuzen und ist ca. zwei Kilometer von Rogač entfernt. Srednje Selo, das "Mittleres Dorf", ein typisches Bauerndorf, liegt wenige Kilometer westlich von Grohote am Srednje polje, gegen den Nordwind (Bora) geschützt, auf einem Südhang. Etwas weiter im Westen liegt Donje Selo, das "Untere Dorf", ein altes Bauerndorf mit der Kirche St. Jele und dem Betraum der Martinsbruderschaft. Von hier führt ein Weg in die kleine Bucht Donja Krušica. Donje Selo ist das Jagdzentrum der Insel. Östlich von Grohote liegt Gornje Selo, das "Obere Dorf", von weitem an seinem Burghügel erkennbar, der in kommunistischer Zeit als Wasserspeicher umgebaut wurde. Das Dorf liegt in der Nähe des höchsten Bergs der Insel. Rogač, ein Ort mit wenigen Häusern, ist der wichtigste Fährhafen der Insel. Hier hat das Hafenamt seinen Sitz. Es gibt eine Tankstelle für Autos und Schiffe. Maslinica, in einer Bucht ganz im Westen, wurde erst 1703 erbaut. Es gibt einen Yachthafen und ein Luxus-Hotel. Im Nordosten liegt Stomorska der älteste Hafenort der Insel. In der engen Bucht gibt es viel Lokale und einen Yachthafen. Nečujam ist der jüngste Ort der Insel. Diese Streusiedlung liegt in der größten Bucht der Insel.

Besiedelung[Bearbeiten]

Alt- und Neubauten in der Podkamenica / Nečujam

Über mehr als ein halbes Jahrtausend prägten Plünderungen und Piraterie die Art der Besiedelung der Insel. Die Lage der Insel, auf der einen Seite das offene Meer, auf der anderen die nicht weit entfernten, seit altersher reichen Küstenstädte, brachte Šolta immer wieder in den Fokus feindlicher Mächte. Die sanfthügelige Insel mit 70 km Küste, an der man fast überall relativ leicht an Land kommt, bietet kaum natürlichen Schutz. Der erste schriftlich festgehaltene Überfall fand 1240 von Piraten aus Omiš (25 km südlich von Split) statt. 1387 und 1418 plünderten die Venezianern die Insel. Der letzte Piratenüberfall fand 1810 statt. Die Insel selbst war auch Zufluchtsort der Uskoken, Piraten aus Senj, die sowohl gegen die Türken als auch die Venezianer kämpften und dabei die Landgüter der Adeligen aus Split auf Šolta plünderten. Die Namen Vela und Mala Senjska erinnern an diese Zeit. Am Festtag des hl. Johannes des Täufers im Jahre 1669 haben die Piraten aus Ulcinj das Dorf Donje Selo verwüstet und sogar 64 Männer als Sklaven mitgenommen.[7] Die Dörfer liegen seit Jahrhunderten geschützt im Inselinneren. Die Häfen waren bis auf Stomorska kaum ausgebaut. In jedem Ort gab es ein Kastell oder Wehrtürme. Erst im 18. Jahrhundert wurden die Häfen langsam erweitert. Seit dem Aufschwung des Tourismus wird vor allem im Küstenbereich gebaut, während viele Häuser und landwirtschaftliche Gebäude im Inselinnern verfallen. Seit Ende 2005 sind verbindliche Bebauungspläne in Kroatien vorgeschrieben.[8] Näher als 70 m entfernt vom Ufer darf außerhalb von Ortschaften nicht mehr gebaut werden. Schwarzbauten werden seit 2007 zunehmend abgerissen.[9] Für ausländische Investoren im Immobilienbereich ist die Situation rechtlich noch unübersichtlich. Das heutige Luxushotel Schloss Martinis Marchi in Maslinica wurde von einem deutschen Investor auf Basis einer internationalen Ausschreibung gekauft. Die staatliche Forstbehörde hingegen vertritt die Ansicht, dass die Gemeinde die Anlage nicht hätte verkaufen dürfen.[10]

Geschichte[Bearbeiten]

Steinzeit & 1000-jähriger römischer Friede[Bearbeiten]

Römer Sarkophag in Grohote
Bunja in der U Maslinica Bucht Nečujam
Alte Häuser in Grohote

Wie viele der dalmatinischen Inseln ist Šolta mindestens seit 6000 v. Chr. bewohnt.[11] Neolithische Siedlungen aus der Bronzezeit wurden in Doci und Grohote entdeckt. Auf Šolta findet man immer noch viele bunjas, einräumige, fensterlose, ohne Holz erbaute runde Steinhäuschen mit einem aus Kalksteinen aufgeschichteten Runddach.[12] Sie sind eine Art einfache Form der italienischen Trulli. In prähistorischer Zeit dienten sie als Wohnung und bis ins 20. Jahrhundert als Werkzeugraum oder Stall der Bauern. Spuren von Festungen der Illyrer aus der Zeit um 2300 v. Chr. finden sich in Gradac, Vodnjak und Gradina. Illyrische Steingräber entdeckten die Archäologen bei Mala Stranza (Grohote), Mirine und Grebine (zwischen Donje Selo und Maslinica) und in Gornje Selo. Spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. kamen die Griechen auf die Insel. Šolta wird in der Pseudo-Skylax mit dem griechischen Namen Olyntha erstmals erwähnt, was wahrscheinlich mit Insel der Feigen übersetzt werden kann.[13] Zur Zeit des Aufstiegs des Römischen Reiches zur Weltmacht, gehörte Šolta zum Inselstaat Vis (Issa), der diesen Teil Dalmatiens kontrollierte. Fast 1000 Jahre bis ins 6. Jahrhundert beherrschten die Römer die Insel und etablierten die noch heute sichtbare Kulturlandschaft mit Olivenhainen, Weinbau und Fischfang. In der wichtigsten Karte der Antike, der römischen Tabula Peutingeriana, wird die Insel insula Solentii später Solenta, also Insel der Sonne genannt. Die römischen Spuren wie Münzen, Keramikscherben und alte Mauern finden sich überall. Eine kleine Nekropole wurde beim Bau der Appartementsiedlung in Nečujam gefunden. Dort und in Rogač sind auch unter Wasser liegende Mauerreste zu sehen. Eine Villa rustica mit Badezimmer wurde an der Südküste bei Banje gefunden. Der berühmteste Römer mit Bezug zu Šolta ist Kaiser Diokletian, der 245 in Dalmatia starb. Er erbaute in Split einen phantastischen Palast als Alterssitz und soll in Piškera, dem hinteren Teil der Bucht von Nečujam, eine Fischfarm betrieben haben. Einige Historiker vertreten auch die Ansicht, dass er auf der Insel eine Therme erbauen ließ. Spätestens im 5. Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon im 4. Jahrhundert, als das Christentum die Reichskirche im römischen Reich wurde, kam der katholische Glaube auf die Insel. Eindrucksvolle Relikte dieser Zeit sind die Grundmauern der alten St. Stephans Basilika und die zwei Sakopharge bei der Kirche von Grohote. Weitere Mauerreste aus dieser Zeit gibt es auf dem Inselchen Stipanska vor Maslinica.

Als 614 die Slawen und Awaren mit der Zerstörung von Salona die Herrschaft übernahmen, endete die römische Friedenszeit. Mehr als 50.000 Römer flüchteten in die sicheren Mauern des Diokletianspalasts und von dort weiter auf die Inseln wie Šolta.

Kroatische Besiedelung ab dem 7. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kapelle hl. Michael zwischen Srednje Selo und Grohote

Um das 7. Jahrhundert kamen die ersten Kroaten auf die Insel. Im Jahre 1100 entstand das Königreich Dalmatien, das zur Verteidigung immer wieder auf das Königreich Ungarn bzw. Herzogtum Österreich angewiesen war. Spätesten ab dem 15. Jahrhundert verlegte man die Siedlungen weitgehend in das Innere der Insel. Wie fast immer, werden bewährte Siedlungsplätze nicht aufgegeben. In Starine in der Nähe von Gornje Selo gibt es eine mittelalterliche Festung, die einer römischen Vorläuferburg steht. Mauerreste aus dem Mittelalter finden sich in Sveti Mihovil im Grohoter Feld, in Donje Selo, in Nečujam und in Stormoska. Man nimmt an, dass es auf der Insel drei kleine Benediktinerklöster gab, für die es erste schriftliche Hinweise im 11. Jahrhundert gibt. Standorte waren Stormoska, Nečujam und Stipanska. Das am besten erhaltene Relikt aus dieser Zeit ist die St. Nikolauskapelle mit ihren Fresken am Weg zwischen Grohote und Donje Selo. Als Soluta wird die Insel um 1266 in der Historia salonitana genannt. Im Kroatischen wurde spätestens ab dem 10. Jahrhundert die Bezeichnung Sulet verwendet, die bis ins 20. Jahrhundert üblich war. Im Statut von Split von 1312 ist erstmals der Name Solta angeführt, der in den venezianischen Karten und später von den Hydrographen Österreich-Ungarns, Kroatien gehörte ab 1745 zur Donaumonarchie, übernommen wurde.

Osmanen & Venezianer[Bearbeiten]

Šolta war Venezianische Kolonie

1537 eroberten die Osmanen die Festung Klis (Clissa) und vertrieben die Venezianer. Die Türken bauten Klis als Verwaltungszentrum eines Sandschak und als Militärstützpunkt aus und operierten von dort gegen Venedig. Zwei venezianische Rückeroberungsversuche 1596 und 1648 scheiterten. Erst 1669 fiel die Republik Klis wieder an Venedig. Bei der Konfrontation dieser Mächte wurde Šolta immer wieder ein Rückzugsgebiet von Festland-Flüchtlingen. Aufgrund seines kärglichen Bodens, des fehlenden Frischwassers und seiner Geomorphologie, es gibt keine Buchten die sowohl als Naturhäfen als auch für den Festungsbau geeignet sind, war Šolta selbst militärisch uninteressant. Zur Zeit der Renaissance lebte der Vater der kroatischen Literatur, Marko Marulić (1450-1524), Mitglied einer Spliter Adelsfamilie auf der Insel. 1501 schrieb er in Šolta an seinem Werk Judita, in dem einfache, gottgläubige Kroaten beschrieben werden, die weder wegen des Schreckens der türkischen Belagerung noch wegen schlechter Ernten an Gott verzweifeln. Zu dieser Zeit war die osmanische Expansion in Dalmatien noch nicht abgeschlossen.

1566 begab sich der Universalgelehrte Petar Hektorović auf seine Spuren. Er schrieb auf der einzigen Reise seines Lebens, er lebte in Stari Grad auf der Nachbarinsel Hvar, zu diesem Aufenthaltsort von Marulic in der Bucht Supetar in Nečujam sein wichtigstes Werk „Ribanje i ribarsko prigovaranje“ (dt. „Fischerei und die Dialoge von Fischern“). Auf der Basis seiner quasi-ethnographischen Beobachtungen versuchte er, die Dialoge seiner Skipper, die Fischer Paskoje Debelja und Nikola Zet aus Hvar, in ihrer Alltagssprache in Form eines epischen Gedichts darzustellen,[14] Das Werk wurde am 14. Januar 1566 abgeschlossen und 1568 in Venedig gedruckt. Sein dreiteiliges Werk, in Briefform an seinen Cousin gerichtet, ist die erste realistische, weltliche Reisebeschreibung in kroatischer Sprache, die Landschaft und Schönheiten der Natur beschreibt. Die Ribanje sind eine der frühesten Aufzeichnungen der kroatischen Volksmusik.[15] Neben dem Anlegeplatz vor dem Haus in Nečujam erinnert eine Gedenksäule an ihn. Der Legende nach soll er den Lebkuchen nach Šolta gebracht haben, der hier auch mit Johannisbrot, Honig, Öl und dem Dessertwein prošek zubereitet wird.[16] Der Härtegrad des Pfefferkuchens diente früher der volkstümlichen Wettervorhersage. Knackigkeit und Härte zeigte schönes Wetter und Bora (Nordwind), Weichheit hingegen Regen und Jugo, den Scirocco (Südwind).

Nur die Republik Dubrovnik (Ragusa) war im Verlauf der Jahrhunderte relativ autonom, da sie mit den Osmanen kooperierte. Im 16. Jahrhundert war die Handelsflotte Dubrovniks die drittgrößte im Mittelmeer und bestand aus über 300 Schiffen. Kroaten aus dem umliegenden Land zogen nun in die Städte und bildeten bald schon den größten Teil ihrer Bevölkerung. Nach einer Kriegsphase, 1645 bis 1699, fiel im Frieden von Karlowitz (Sremski Karlovci) Dalmatien ohne Dubrovnik an Venedig. Die Venezianer überließen den besetzten kroatischen Städten zwar eine gewisse Autonomie, jedoch mussten die Oberhäupter der Städte venezianische Adelige sein. Eine Folge der antikroatischen Politik war, dass z.B. den Bürgern der Stadt Zadar (Zara) verboten war, Ehen mit Kroaten einzugehen. Venedig betrieb massiven Raubbau an den dalmatinischen Wäldern. Die Stadt Venedig steht zu einem großen Teil auf Baumstämmen aus Dalmatien, die venezianische Flotte verschlang ebenfalls Unmengen von Holz. Die teilweise vegetationslosen Karstbereiche Istriens und Dalmatiens entstanden größtenteils durch die massiven Abholzungen der Venezianer. Das einzig Verbindende mit den Venezianer war der katholische Glaube. Die oligarchische und kolonialistische Politik Venedigs führte zu Widerstand und Aufständen. Der größte fand 1510 unter der Führung von Matija Ivanić auf der Insel Hvar statt. Ein Spliter Adelige Ivan Alberti holte die Uskoken auf Šolta geholt, wo sie in der Bucht Senjska auf der Südseite der Insel eine Militärbasis hatten. Sie bekämpften die Venezianer zu Lande mit Guerilla-Taktiken, zur See mit Piraterie. Bei der vorübergehenden Rückeroberung von Klis waren 1596 waren sie ebenfalls beteiligt. Nach weiteren Kriegen und dem Frieden im Vertrag von Passarowitz 1718, trat Österreich-Ungarn in Dalmatien auf den Plan. Erst die Truppen Napoléon Bonapartes beendeten während seiner kurzen Regierungszeit die Herrschaft Venedigs über den Großteil Dalmatiens.

Österreich-Ungarn & Napoleon Bonaparte[Bearbeiten]

Gornje Selo
Verlassene Häuser in Grohote

Nach dem Untergang der Republik Venedig 1797 fiel Dalmatien im Vertrag von Campo Formio und damit auch Šolta an Österreich. Da Österreich-Ungarn es nicht schaffte, sich gegen die Eroberungskriege Napoleon Bonapartes durchzusetzen, kam Dalmatien mit dem Frieden von Pressburg 1805 an Frankreich, das es in das Königreich Italien integrierte, womit auch die Insel Šolta Teil der Illyrischen Provinzen wurde. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 fiel der gesamte Landstrich wieder an Österreich, nun Kronland Dalmatien im Kaisertum Österreich. Man scheint ganz froh gewesen zu sein, dass man die italienischen Herren los war. In einer Tagebucheintragungen des Gelehrten Francesco Carrara, der 1843 Maslinica besuchte, heißt es: Übel stünde es um unsere dalmatinischen Aristokraten, wenn sie auf den Spuren der damaligen Zeiten weiter lebten. Dank sei der französischen Revolution und der österreichischen Justiz, die den größten Teil der Titel des hl. Markus und die Eitelkeit, welche die Ungarn in Dalmatien hinterließen, für ungültig erklärt haben.[17] Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 blieb das autonome Kroatien-Slawonien unter den Ländern der ungarischen Krone; Dalmatien gehörte zu den im Wiener Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern. Im Jahr 1900 hatte das Kronland Dalmatien 12.835 km² und 610.000 Einwohner. Dalmatien war mit Triest und Istrien der wichtigste Küstenbereich der k.u.k. Kriegsmarine, in der viele Offiziere und Matrosen aus Dalmatien dienten. Aus dem 18. Jahrhundert stammen die casella, kleine Häuschen, die als Desinfektionsgebäude für Schiffe dienten und in Stormonska, Rogač, zwischen Rogač und Nečujam, in Maslinica und in Straćinska noch zu sehen sind.

Adel & Pächter[Bearbeiten]

Die geografische Nähe zu Split, Šolta schützte die Stadt gegen Südwesten hin zum offen Meer gegen Wetter und feindliche Mächte, führte dazu, dass die Insel als wichtiger Rohstofflieferant vom 14. Jahrhundert bis 1905 vom Adel aus Split beherrscht wurde. Während im österreichischen Teil der Monarchie sich die Ideen der Französische Revolution und der Revolution von 1848/49 stärker verbreiteten, mussten die Pächter Šoltas, der Grund und Fischrechte gehörte dem Adel, lange auf die Grundentlastung warten.

Die Gemeinde Split verkaufte bis 1853 die Erträge der Insel bei öffentlichen Auktionen. Insbesondere seit der Revolution von 1848/49, in deren Folge es im österreichischen Teil der Monarchie zur Grundentlastung kam und die Bauern sich von der Grundherrschaft frei kaufen konnten, begehrten die Kolonialpächter von Šolta gegen die Grundbesitzer auf. Nach Jahrzehnten der Verhandlungen kam es 1884 zu einer vorläufigen Einigung zwischen Šolta und Split. Erst im Juni 1905 wurde der endgültige Kaufvertrag von allen Pächtern unterschrieben. Das Ende des Kolonats, der erblichen Bodenpacht, wurde mit einem großen Fest gefeiert. Der Kaufpreis für 5.000 Hektar Land betrug 900.000 Kronen bzw. 450.000 Forint mit einem Zinssatz von 4,5 % auf 25 Jahre, nach heutigem Wert etwa 11 Millionen Kuna (1,5 Millionen Euro).

Die Abgeschiedenheit der Insel machte es für die adeligen Grundeigentümer schwierig, den Ertrag ihrer Bauern zu kontrollieren. Bewaffnete Kontrolleure, die Sagumare, was für Messgerät oder gebogene Bohrstange Saguma steht, kamen zur Erntezeit auf die Insel und suchten mit eisernen Stangen im Heu und Stroh nach versteckten Ernteerträgen wie Dinkel, Gerste oder Trauben. Die Bewohner von Šolta zeigen bei Interesse die in den Steinmauern und -häufen zwischen den Feldern angelegten Verstecke, die noch immer zu sehen sind.

Auswanderung[Bearbeiten]

Verschlossenes Fenster in Grohote
Verfallendes Haus in Grohote
Kriegerdenkmal in Grohote

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten landwirtschaftliche Probleme (ausländischer Billigwein und die Reblaus), die lange unsichere rechtliche Situation (Freikauf von der Adelsherrschaft), dann die für die armen Bewohner hohen Kosten für den Grundkauf und später die politischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts zu einer starken Emigration. Neben den Städten Westeuropas wanderten viele nach Australien, Neuseeland oder Nord- und Südamerika aus. Viele Auswanderer unterstützten später Projekte in ihrer früheren Heimat wie den Bau von Schulen in Donje Selo (1928) und Maslinica (1935) oder von Wasserspeichern in den Dörfern bzw. Zisternen auf den Feldern (Basilija, Svilaja). Das Geld der Auswanderer führte um 1900 zu einem Bauboom auf der Insel. In dieser Zeit entstanden die meisten mehrgeschossigen Häuser. Diese Häuser verfügen aus heutiger Sicht über eine schlechte Wohnqualität. Sie sind im Winter kaum heizbar. Das Holz der Dachstühle mit den typischen Steindächern ist meist von minderer Qualität. Eine Restaurierung ist sehr aufwändig, daher baut man lieber neu.

Die Dürre war auf der Insel immer wieder ein großes Thema. Nordöstlich von Gornje Selo, in der Nähe der Stelle, in der vom 13. bis 15. Jahrhundert das Benediktinerkloster Madonna unter den Tannen stand, liegt die Kirche der Madonna von Stomorija. Die Kirche war für die Šolteraner ein beliebter Wallfahrtsort. Kurz vor Maria Himmelfahrt pilgerten man von der ganzen Insel, das letzte Stück von Gornje Selo sogar barfuß, zum Madonnenbildnis. Bei großer Dürre wurde das Madonnenbild zur Kirche des hl. Ivan in Gornje Selo getragen und eine Woche lang gebetet und Rituale vollzogen, um den Regen herbeizurufen.[18]

Die Namen der Einwohner Anfang des 15. Jahrhunderts zeigen, dass die Untertanen des Adels hauptsächlich Kroaten waren. Von den 266 bekannten Familien dieser Zeit waren 1940 noch immer 109 auffindbar.[19] Die vom 17. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre zugewanderten Familien kamen aus Mostar, dem Hinterland von Split und Trogir. Die meisten Inselbewohner sind römisch-katholisch.[20] Charakteristisch für die Insel sind die vielen verfallenen Häuser auf der Insel. Bedingt durch die Auswanderung sind bei vielen Liegenschaften die Eigentumsverhältnisse ungeklärt. Grundsätzlich gibt es auf der Insel aber ein früher gut geführtes Grundbuch auf Basis der Verwaltung des österreichischen Kaiserreichs.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

1941 wurde Šolta im Zuge des deutschen Balkanfeldzugs von italienischen Truppen annektiert. Die italienische Küste ist nur ca. 200 km von Šolta entfernt. Einige der Bewohner setzten sich zur Wehr und gründeten im Sommer 1942 ein Volksbefreiungskomitee und kämpften als Partisanen gegen die Besatzer. Aber nicht alle gingen in den Widerstand. Einige kollaborierten mit den Italienern, andere schlossen sich den kroatischen Faschisten der Ustascha an. Die Folgen für die Inselbewohner waren fürchterlich. Traurige Berühmtheit erlangte eine Karsthöhle in der Gegend von Gornje Selo, die Jama, wo eine Lehrerin von den Tito-Partisanen hingerichtet wurden, weil sie mit den Italienern kollaboriert habe. Italiener und deutsche Wehrmacht reagierten heftig auf den Widerstand. Im Lauf des Zweiten Weltkrieges wurden 1825 Bürger aus Šolta vertrieben.[21] 939 wurden nach El Shatt am Sinai am südlichen Ende des Suezkanals in Ägypten deportiert. Grohote wurde durch italienische Bombenangriffe beschädigt. In der Endphase des Krieges lebte über ein halbes Jahr kein einziger Einwohner auf der Insel. Auch die Rückkehr war gefährlich. Wichtige Verbindungen wie der alte Hohlweg zwischen Rogač und Grohote waren vermint.

Jugoslawien[Bearbeiten]

Einzige Appartementsiedlung der Insel

Nach der Etablierung des jugoslawischen Staates hatten alle Segelbootsbesitzer Šoltas ihre Segel abzugeben, damit frühere Ustascha-Anhänger nicht die Flucht nach Italien ergreifen konnten. Einige hatten mit versteckten Segeln im Wald vorgesorgt und wanderten in die USA oder nach Kanada aus. Selbst im Ausland Gestorbenen wurde in den 1970er-Jahren von den Behörden eine Bestattung im Heimatland nicht erlaubt.

Im Mai 1952 wurde die Gemeinde Šolta neu gegründet. Bald darauf begann die Elektrifizierung, das Wasser vom Festland kam aber erst 1972. Die Erwerbsmöglichkeiten auf der Insel blieben weiter schlecht. In Nečujam wurde später ein kleines Spritzgusswerk errichtet, um zumindest einige Arbeitsplätze zu schaffen. Projekte von Rückkehrern hingegen wurden boykottiert. Ein Australier wollte eine Hühnerfarm und Melonenzucht aufbauen, bekam aber keine Unterstützung. Von Kriegsende bis 1958 wanderten noch einmal rund 1.000 Einwohner aus, wodurch sich Einwohnerzahl um die Hälfte verringerte.[22] Die schlechte Situation auf der Insel wurde in Split zum geflügelten Wort. Die ärgste Verwünschung, die eine verärgerte Mutter ihrer Tochter an den Kopf werfen konnte war „Dabog da te Šolta dopala!“ (Es möge Šolta Dein Schicksal sein!).[23]

Der Zusammenbruch Jugoslawiens ab 1991 führte 1993 zu einer Neugründung der Gemeinde, die nun in den Räumen des Kastells Slaviča in Grohote ihren Sitz hat. Heute ist der Tourismus die wichtigste wirtschaftliche Perspektive. Ein Problem dabei ist allerdings der Mangel an Arbeitskräften auf der Insel.

Kroatienkrieg[Bearbeiten]

Gefecht im Kanal von Split
am 15. November 1991
Historische Olivenpresse in Grohote
Steinfundament einer Weinpresse in Grohote

Als Kroatien seine Unabhängigkeit erklärte, war Split eine wichtige Garnisonstadt der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) mit Soldaten aus ganz Jugoslawien, sowie die Zentrale der jugoslawischen Kriegsmarine (JRM).[24] Die politische Situation führte insbesondere ab Sommer 1991 über Monate zu Spannungen und Vorfällen zwischen der serbisch dominierten JNA und der kroatischen Nationalgarde. Die kroatische Marine (HRM) war zu dieser Zeit auf See noch nicht einsatzfähig und begann mit dem Aufbau von Küstenartillerie Batterien (OTB) am Festland bzw. auf Inseln wie Šolta oder Brač. Die Artillerie-Batterien auf Šolta lagen südöstlich von Maslinica zum offen Meer hin, die andere bei Stomorska Richtung Split. Als Gegenmaßnahme verhängte die JRM mehrere Seeblockaden, bei denen Ziele am Land beschossen wurden. Am 14. November formierte sich die taktische Gruppe "Kastela" der JRM mit mehreren Schiffen im Splitski Kanal zwischen den Inseln Šolta und Čiovo bzw. mit weniger Schiffen im Südosten von Split und südlich von Šolta. Der schlimmste Vorfall ereignete sich im Morgengrauen des 15. November 1991, als die JRM Fregatte Splitt Granaten auf die Stadt und ihre Umgebung abfeuerte.[25] Der Schaden war nicht sehr groß, aber es gab sechs Tote. Durchwegs zivile Ziele wurden beschossen. In Šolta gab es Beschädigungen in Gornje Selo. Über Šolta wurden zwei feindliche Flugzeuge abgeschossen, deren Piloten ins Meer sprangen.[26] Ein von einem Torpedo beschädigtes Kanonenboot der JRM wurde von Fischerbooten in den Hafen von Stomorska geschleppt und damit vor dem Untergang gerettet. Nach der Instandsetzung wurde das Schiff später von der HRM "PB-62 Šolta" (seit 2008 "OB-02 Šolta") genannt. Die weitaus stärkere JRM konnte sich gegen die kroatischen Kräfte jedoch nicht durchsetzen. Der Kampf gilt für den weiteren Kriegsverlauf an der Küste als richtungsweisend. Die JNA und JRM evakuierten im Januar 1992 ihre gesamten Truppen aus Split.

Tourismus[Bearbeiten]

Die touristische Entwicklung verlief und verläuft noch immer sehr langsam. In der Frühphase des Dalmatien-Tourismus war Šolta aufgrund der schlechteren Autos und der langen Fahrt auf der Adriatischen Küstenstraße zu weit von den Zentren entfernt. Bis heute ist Šolta vom Massentourismus verschont. Nur bei Nečujam gibt es eine Apartmentsiedlung, deren Betreiber pleiteging. Die meisten der neuen Häuser gehören Einwohnern von Split, die hier einen Zweitwohnsitz haben.

2009 sorgte ein futuristisches Großprojekt des Architekturbüros Richard Hywel Evans für Aufsehen. Auf der Landzunge zwischen der Podkamenica und Maslinica in Nečujam sollte eine ausgedehnte Marina mit einem Steg über die Piškera mit einem rotierenden Hotel entstehen, wo jedes Zimmer Meerblick haben sollte.[27] Bisher fand sich kein Investor. Auf einem Teil des geplanten Geländes, vis á vis der Buchten Podkamenica und Maslinica, entsteht gegenwärtig ein Villenkomplex mit elf Häusern.

Kritisiert wird auf Šolta die "unbedachte Raumplanung und der Bau neuer touristischer Zonen"[28] Neue Projekte würden keine Rücksicht auf die typische Architektur der Insel nehmen, nicht den Bauvorschriften entsprechen (Schwarzbauten) oder aufgrund der demographischen Situation (fehlende Arbeitskräfte) kein Gewinn für die Insel sein. Bemängelt wird auch das Fehlen eines Kanalisationssystems. Für die Kontrolle der Abwasserentsorgung stünden zu wenige Beamte zur Verfügung. Die Küstenwache habe zu wenig Personal und die Yachten, die in den Buchten ohne Liegegebühr ankern dürfen, verklappen ihre Abwässer oft unkontrolliert. Der unkontrollierte Betrieb von den von den Yachten mitgeführten Jet-Skis gefährde Schwimmer und Umwelt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Küstenabschnitt in der Podkamenica, an dem Gestein für Olivenölgefäße abgebaut wurde

In der Gegenwart ist die Insel stärker bewaldet, da viele frühere Kulturflächen wieder langsam zuwachsen. Die alte landschaftsprägende kleinbäuerliche Struktur gibt es nicht mehr, aber sie immer noch präsent. Unübersehbar sind die vielen aufgehäuften Steinmauern, die die Feldbegrenzungen markieren. Auf den Karstfeldern im Inneren der Insel finden sich verschiedene Mittelmeerpflanzen. Die Flora und Fauna gilt mit über 100 Vogelarten, Wildschweinen oder Hasen als üppig. Das Symbol der Insel ist die "čuvita", die Zwergohreule, die man gelegentlich auch tagsüber hört. Darauf geht auch der frühere Spottname der Inselbewohner, "čuvitari", zurück. Ganz typisch für die Insel ist das permanente Zirpen der Zikaden. Die Insel liegt soweit südlich, dass Palmen prächtig gedeihen. Orangen und Zitronen können problemlos angebaut werden. Vor dem Bau der Wasserleitung vom Festland, 1972, war die Bewässerung ein großes Problem. Heute steht hochwertiges Trinkwasser aus den Bergen um Split zur Verfügung.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Oliven & Weinbau[Bearbeiten]

Altes, fensterloses Fischerhaus aus Kalkstein, mit Steinplatten gedeckt
Sardellen-Fischer der Familie Cecić vlg. Bilini bei Nečujam

Šolta war vom 14. Jahrhundert bis 1905 im Besitz des Adels von Split bzw. der Katholischen Kirche. Die Nähe zur Stadt, ca. 17 km mit dem Schiff, prädestinierte die Insel zu einem wichtigen Lieferanten für Holz, Kalk, Fleisch, Fisch, Öl, Wein, Mandeln, Johannisbrot, Feigen und Honig. Olivenöl und Wein wurde mit hölzernen Segelschiffen von Stomorska aus bis nach Italien exportiert.[29] Einige der Schiffe sind noch immer zu besichtigen.

Aufgrund des antiken Namens kann man wohl davon ausgehen, dass die Feigen in alter Zeit sehr wichtig waren. Spätestens mit den Römern kamen die Oliven auf die Insel.[30] Olivenöl ist sehr universell als Lebensmittel, für die Beleuchtung oder die Medizin einsetzbar und war daher das Hauptprodukt im antiken Welthandel. In der Podkamenica in Nečujam gibt es eine Küstenabschnitt zwischen den alten Häusern direkt am Ufer, an dem in der Antike Kalksteinblöcke für Olivenölgefäße gehauen wurden, wovon sich auch der Name der Bucht ableite. Um 1880 gab es auf der Insel noch 300.000 Olivenbäume.[31] Aktuell wird der Bestand auf 100.000 geschätzt, wobei die Hälfte für eine Ernte kultiviert ist. In jugoslawischer Zeit wurde die private Olivenproduktion durch Kleinbauern nicht gefördert. Am Weltmarkt spielt kroatisches Olivenöl keine große Rolle (0,02 % der Weltproduktion).[32] Seit dem Kroatischen Unabhängigkeitskrieg 1991 werden Olivenhaine und Weinberge wieder zunehmend erneuert. Der Anbau ist nicht mechanisiert, es wird von Hand gepflückt. Es dominieren die Sorten Oblica und Šoltanka. In Gornje Selo hat die Kooperative „Olynthia Natura“ eine zugängliche Ölproduktion. Neben der Verkostung werden Führungen durch Olivengärten u.a. zu den bis zu 1000 Jahre alten Bäumen angeboten.[33] Bei alten Häusern, z.B. in Grohote, finden sich noch immer Mahlsteine der von Hand betriebenen Ölpressen. In einigen Häusern gibt es im Erdgeschoss in Stein gehauene Ölbecken. Nach der örtlichen Überlieferung stammen sie schon aus der Zeit der Römer.

Weinbau gibt es auf der Insel seit der Antike. Die berühmteste autochthone Rotwein-Sorte ist der Dobričic. Wie eine DNA-Analyse ergab, ist diese Sorte neben dem Kaštelanski aus dem Umland von Split eine der Ursprungssorten des amerikanischen Zinfandel.[34] Der aus Kroatien stammende amerikanische Weinpionier Mike Grgich brachte die Sorten nach Kalifornien. Die Spliter Adelsfamilie des Vaters der kroatischen Literatur, Marko Marulić (1450-1524), die auch auf Šolta lebte, gehörte zu den ersten, die den Dobričic intensiv kultivierten. Im 19. Jahrhunderts erlebte der Weinbau in Šolta schwere Rückschläge. Durch ein Handelsabkommen von Österreich-Ungarn mit Italien konnten preisgünstige italienische Weine zollfrei importiert werden. Krankheiten wie Falscher Mehltau und die Reblaus reduzierten die Bestände. Als Folge des kommunistischen Wirtschaftens gibt es bis heute keine größere Weinkellerei. Angebaut wird nur für den Eigenbedarf.

Fischfang[Bearbeiten]

Fischerhaus zur Sardellen-Produktion der Familie Cecić in Pod Kamenica
Maja Ettinger-Cecič "Mittagessen" in Srednje Selo

Der Fischfang spielt in Šolta seit jeher eine große Rolle. In der lokalen Überlieferung heißt es, dass es zur Zeit des Kaisers Diokletian in Piškera, einem Teil der größten Bucht Šoltas, jener von Nečujam, ein Fischreservoir gab, in dem lebende Fische bis zur nächste Orgie aufbewahrt wurden.[35] Diokletian hatte sich in Split als Alterssitz einen phantastischen Palast bauen lassen. Archäologisch gesichert ist das nicht, aber die Legende ist vermutlich auf die zahlreiche Reste von Gebäudemauern im Wasser um die Insel zurückzuführen, da der Meeresspiegel in den letzten 2000 Jahren ca. 1,7 m gestiegen ist.[36] In der Zeit vor 1905, als Šolta noch dem Adel oder Klerus gehörte, hatten die Familien ihre Haupthäuser im vor Seeräubern sicheren Inselinneren. Am Meeresufer gab nur einfache, steingemauerte und -gedeckte fensterlose Fischerhäuser. In den letzten Jahren der Österreich-Ungarischen Monarchie hat die Fischerei einen Aufschwung erlebt. So lieferte man lebende Langusten sogar an den Kaiserhof.[37] Während des Jahres wurde die Tiere in einem Meeresbecken, ein ca. 10 mal 10 Meter großen Holzkäfig, genannt der Deposit in der Bucht von Rogač gesammelt. Die Zucht wurde bis in die 1970er Jahre betrieben.

Bis in die 1970er Jahre war die Sardellenfischerei eine Hauptbeschäftigung und Einnahmequelle vieler Familien auf Šolta. Gefischt wurde mittels der „Pod sviču“-Methode. Fischerboote, auf denen Petroleum-Lampen montiert waren, fuhren in der Nacht im Konvoi aufs Meer. Bei der richtigen Lichtsituation, ein heller Vollmond durfte nicht am Himmel stehen, konnten in guten Nächten mehr Sardellen mit den Netzen gefangen werden, als die einfachen Boote vom Typ Leuti oder Gajete transportieren konnten. Boote waren teuer, sodass Fischer aus ärmeren Familien bei Bootseigentümern als Mannschaft anheuerten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die selbständigen Fischer zunächst enteignet. Die Sardellen-Fischerei wurde später zwar geduldet aber erschwert. In Pod Kamenica wurde kein Strom eingeleitet. Die Fischer hatten eine Sonderlizenz und bezogen verbilligtes Petroleum. Allerdings gingen die Fischbestände durch Überfischung der Adria immer stärker zurück. Bis Anfang der 1970er Jahre wurde noch mit dieser Methode gefischt. Man schwenkte auf Langusten- und Hummerzucht um. Einstweilen gibt es fast nur mehr Hobby-Fischerei. In der Nachkriegszeit zeichnet sich bald ab, dass der Tourismus als Einnahmequelle interessant wurde.

Fisch war früher die wichtigste Fleischquelle, denn die Schafzucht spielte auf der Insel keine große Rolle.[38] Wie eine Kochrezeptsammlung von der Insel zeigt, galten Thunfisch, Calamari sowie Scampi und Garnelen als die edelsten Meeresfrüchte.[39] Der Thunfisch ist heute ausgerottet. Andere Edelfische finden sich nur mehr in geringen Mengen und werden für die Gastronomie meist importiert.

Kalkbrennerei[Bearbeiten]

Kalklöschgruben in Grohote

Der große Waldbrand von 2007 im östlichen Teil der Insel, bei dem 70 Hektar Kiefernwälder und Gebüsch verbrannten, legte ein ganzes Netz von Hügelgräbern, einstigen Olivenhainen und Weinterrassen sowie Reste von Kalköfen (Erdgruben) frei.[40] Bei Pod Gaj gibt es einen niemals verwendeten, in der Bucht von Jorja einen relativ großen Ofen. Die Kalkbrennerei war auf der Insel wegen des Kalkgesteins und der Wälder seit der Antike wichtig. Seit dem Mittelalter waren die Inselbewohner von Šolta verpflichtet, Split mit Kalk zu beliefern. Alleine um Gornje Sele mit 120 Familien gab es 270 Gruben, auf der ganzen Insel rund 600. Einige finden sich heute überflutet unter Wasser wie z.B. in der Bucht von Nečujam. Um die Wälder vor der weiteren Abholzung zu schützen, wurde 1885 der erste mit Steinkohle beheizte kreisförmige Kalkbrennofen neueren Typs in der Bucht Šešula bei Maslinica gebaut. Das Gestein wurde über eine Brücke mit Waggons in den Ofen eingebracht. Die Anlage, die von Petar Alberti konzipiert war, befand sich lange im Besitz des Barons Juraj Vranyczany-Dobrinović aus Rijeka. Vor dem Zweiten Weltkrieg errichtete man jährlich noch 50 bis 150 Kalköfen, die zwischen 200 bis 600 Waggons besten Kalk lieferten. In der Bucht von Stomorska wurde 1916 ein großer Ofen für die industrielle Kalkproduktion gebaut, der noch zu sehen ist. Heute wird auf der Insel kein Kalk mehr produziert.

Honig und dalmatinische Insektenblumen[Bearbeiten]

Laut Reiseschriftsteller Pater Alberto Fotis[41] galt der Honig als Šolta schon in der Antike als sehr gut. Im 19. Jahrhundert gewannen Aussteller zahlreiche internationale Preise z.B. in Paris, Tetschen, Preßburg oder Steyr.[42] Als Kaiser Franz Joseph I. von Österreich 1875 auch Split besuchte, bekam er ein Glas als Geschenk. Šolta wurde damals als „honigsüße Insel“ bezeichnet. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg zählte der Honig zu den drei besten der Welt. Der Grund dafür ist die weite Verbreitung von Rosmarin, auf der Insel Olintio genannt. Als 1875 in Grohote der Imkerverein gegründet wurde, gab es auf der Insel rund 600 Imker. Die Bienenzucht ist auf der Insel heute stark zurückgegangen, da es heute weniger Blütenpflanzen gibt. Meist sind es Imker vom Festland, die die Körbe über dem Sommer auf der Insel haben. Auf dem Markt in Grohote hat der alte Traditionsbetrieb von Goran Tvrdić noch einen eigenen Honigstand.

Ebenfalls bekannt war die Insel durch den großflächigen Anbau der Dalmatinischen Insektenblume, die einst ein Hauptexportartikel Dalmatiens war. Die ersten Plantagen legte 1870 der damalige Bürgermeister von Šolta, Petar degli Alberti bei Polebrnjak an. Die Produktion erreichte vor dem Zweiten Weltkrieg mit 18 Tonnen Trockenblumen den Höhepunkt. Noch immer kann man die Insektenblumen da und dort verwildert antreffen.

Kultur und Brauchtum[Bearbeiten]

Einen Überblick über alle Veranstaltungen gibt die in den Tourismusinformationen aufliegende, am Sommeranfang erscheinende Gratiszeitung Discover Šolta (englischsprachig).

  • Musiker- und Sängervereinigung Olinta. gegründet 1922 von Ivan Cecić, Fischern, Tagelöhnern und Kalkherstellern (mehrere Auftritte im Sommer; Singgruppentreffen am ersten Augustwochenende)
  • Piratennacht in Maslinica (Mitte Juli)
  • Ziehen von Mrduja. (potezanje Mrduje), Bootsfahrer aus Šolta und Brač befestigen ihre Seile am Inselchen und versuchen es in ihre Richtung zu ziehen (am letzten Samstag und Sonntag im Juli)
  • Šoltanski trudi. Zusammenschluss von lokalen Bauern und Kunsthandwerkern (jeden Donnerstag Markttag in Maslinica)
  • Volks- und Kirchenfest der Bruderschaft des hl. Nikolaus in Stomorska (um den Nikolaustag)
  • Heimatkundliche Zeitschrift Bašćina. mit bereits 19 Ausgaben[43]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Vjekoslav Blaškov (1912–1948), geb. in Donje Selo, Offizier, Politiker und Journalist
  • Eugen Buktenica (1914–1997), geb. in Grohote, wichtiger Vertreter der kroatischen Naiven Kunst
  • Maja Ettinger-Cecič (* 1962, Srednje Selo), in Wien lebende Malerin
  • Marin Kalajzić (1911–1979), geb. in Grohote, Vertreter der kroatischen Naiven Kunst
  • Vesna Parun (1922–2010), geb. in Zlarin, Poetin, stammte mütterlicherseits von Šolta und ist dort begraben
  • Dinko Sule (* 1953, Grohote), Maler (Naive Kunst) und Dichter

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Šolta – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistical yearbook for 2006 of the Central Bureau of Statistics of the Republic of Croatia (PDF; 2,5 MB)
  2. http://www.jadrolinija.hr/hr/schedule/LineSearchResults/Index/2331792/2331784/18072014
  3. Überblicksvideo Croatia Airlines – Otok Šolta
  4. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 50.
  5. Republika Hrvatska - Državni zavod za statistiku: Naselja i stanovništvo Republike Hrvatske 1857.-2001.; Statistical yearbook for 2006 of the Central Bureau of Statistics of the Republic of Croatia (PDF; 2,5 MB)
  6. Wichtige Telefonnummern / Notfallnummern (Polizei / Feuerwehr / Rettung) auf Šolta
  7. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 61.
  8. Regia Domus: Neues Baurecht in Kroatien, aufgerufen am 16. August 2014.
  9. Eckhard Tollkühn: Schwarzbauten in Kroatien. Ein Traum in Trümmern. Auf: www.sueddeutsche.de, 18. Mai 2007, aufgerufen am: 25. August 2012.
  10. Josef Ruhaltinger: Kroatien bietet Investoren noch wenig Rechtssicherheit, aufgerufen am 28. November 2013.
  11. N.N.: Šolta's history In: Discover Šolta, 2012, S. 8–9.
  12. Bunja von Nečujam | Šolta | Bunja in U Maslinica Bay of Nečujam
  13. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 7.
  14.  Ante Kadić: Croatian Renaissance. In: Studies in the Renaissance. 6, 1959, S. 28-35, S. 34 (http://www.jstor.org/stable/2857180, abgerufen am 9. September 2012).
  15. Fishing and Fishermen's Talk
  16. Belamaric: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 70 f.
  17. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 63 f.
  18. Belamarič, Insel Šolta, Zagreb, 2011, S. 47.
  19. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 14.
  20. Mladen Andreis: Stanovništvo otoka Šolte do godine 1900. Šolta, Općina, 2011. (in kroatischer Sprache)
  21. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 17.
  22. Belamarić: Insel Šolta. Zagreb, 2011, S. 17.
  23. Informationen lt. Maja Ettinger-Cecić, 29. Juli 2012.
  24. youtube.com: Spit in War 1991 Dan D
  25. hr.wikipedia: Boj u Splitskom kanalu
  26. domovinskirat.com
  27. N.N.: Solta Island Resort: Europe’s First Rotating Hotel. In: Architecture, Breakthrough Thinking, Globalism, Science & Technology News, auf www.impactlab.net, aufgerufen am 16. August 2012.
  28. Belamarič, Insel Šolta, Zagreb, 2011, S. 50.
  29. Zoran Civadelic / Zoran Bursac: Welcome to Stomorska!, aufgerufen am 19. August 2012.
  30. Weitere Fotos siehe Commons | Šolta | Olive Oil Production
  31. Belamarić, Insel Šolta, Zagreb, 2011, S. 13.
  32. N.N.: A tradition of olives, culture and wine. In: Discover Šolta, 2012, S. 3–4.
  33. www.olynthia.com, aufgerufen am 31. Juli 2012.
  34. N.N.: A tradition of olives, culture and wine. In: Discover Šolta, 2012, S. 3–4.
  35. Informationen lt. Maja Ettinger-Cecić, 29. Juli 2012.
  36. Belamarić, Insel Šolta, Zagreb, 2011, S. 9.
  37. Informationen lt. Maja Ettinger-Cecić, 29. Juli 2012.
  38. Weitere Fotos siehe Commons | Šolta | Fishing
  39. Maja Ettinger-Cecić: Bilina. Ess-Lust-Kunst ein mediterranes Insel-Kochbuch. Wien, 2012, 2. Auflage, ISBN 978-3-200-01794-8.
  40. Belamarić, Insel Šolta, Zagreb, 2011, S. 49.
  41. Viaggio in Dalmazia, 1774 zitiert nach Belamarić, Insel Šolta, S. 13.
  42. N.N.: A tradition of olives, culture and wine. In: Discover Šolta, 2012, S. 2.
  43. N.N.: Promocija dvadeset i prvog broja "Bašćine" urednika Dinka Sule. unter solta.hr, aufgerufen am 7. September 2012.