Zentralasien

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Definitionen von Zentralasien:
  • Aus Zeiten der Sowjetunion
  • Moderne Definition
  • Definition der UNESCO
Zentralasien in der Welt

Zentralasien oder Mittelasien ist eine zusammenfassende Bezeichnung für die Großregion im Zentrum des Kontinentes Asien. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich die Vorstellungen, welche Länder dazugehören sollen, immer wieder geändert.

Abgrenzung und Begriffe[Bearbeiten]

Zentralasien im engeren Sinne
Die Topographie Zentralasiens

Zu Zentralasien werden heute im engeren Sinne zumeist Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan gezählt. Im Jahr 2012 hatten diese 5 Staaten 64,7 Mio. Einwohner. Diese Einteilung Zentralasiens[1] wird neben anderen von der UN-Statistikbehörde UNSD verwendet.

Manche Darstellungen ergänzen in wechselnden Zusammenstellungen Afghanistan, Mongolei, den östlichen Iran, das nördliche Pakistan, Jammu und Kashmir sowie Xinjiang und Tibet im westlichen China. Dem entspricht die umfassendere Definition von Zentralasien durch die UNESCO,[2] sie umfasst neben dem zentralasiatischen Steppenland auch die innerkontinentalen Hochgebirgsräume um Hindukusch, Himalaya und Tienshan.

Eine noch weitere Definition rechnet zu Zentralasien alle Staaten bzw. Regionen, die keinen Zugang zum Ozean haben, bzw. die Regionen im Inneren Asiens, deren Flüsse nicht in einen Ozean entwässern. Nach dieser Sichtweise kommen zu den fünf oben genannten Staaten noch Armenien, Aserbaidschan, Georgien und die Mongolei dazu.

Unter Raum- und Sozialwissenschaftlern wird bis heute eine intensive Debatte über die genaue Abgrenzung geführt. Iran, Afghanistan, die NWFP-Region und die Panjab-Region in Pakistan und Indien werden mittlerweile meist zu Südasien gezählt.[2][3]

Früher bezeichnete man Zentralasien aufgrund der türkischen Bevölkerung als Land der Tataren, aufgrund der politischen Dominanz tadschikischer Bevölkerungsteile als Buchara oder im Zuge der russischen Kolonisation als Turkestan, wobei man zwischen West- und Ostturkestan, sowie Nord- und Südturkestan unterschied. Teilweise werden auch das südlicher gelegene Südturkestan, Afghanistan sowie im Osten die Mongolei und die Wüste Gobi (Innere Mongolei) zu Zentralasien gezählt. Geografisch würde auch der an Kasachstan grenzende Süden Russlands dazugehören.

CAC-Länder[Bearbeiten]

Die Central Asia and Caucasus (kurz: CAC) Länder sind acht Staaten, von denen fünf zu Zentralasien und drei zum Kaukasus gehören. Zu Zentralasien zählen Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, zum Kaukasus Armenien, Aserbaidschan und Georgien.

Mittelasien, Zentralasien, Innerasien[Bearbeiten]

Zentralasien (politisch), 2010

Russische beziehungsweise sowjetische Geographen unterscheiden zwischen „Mittelasien“ (Srednjaja Asija), das die ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan umfasst, und „Kasachstan“, das eine Sonderstellung einnahm, sowie dem kaum genutzten Begriff „Zentralasien“ (Zentralnaja Asija). Letzteres umfasst nach dieser Definition die Mongolei und die zentralasiatischen Teile Chinas. In Anlehnung an diesen russischen Sprachgebrauch wurde auch in der DDR zwischen Mittelasien und Zentralasien unterschieden. In der Bundesrepublik war als Sammelbegriff für das Gebiet der damaligen Kasachischen, Kirgisischen, Tadschikischen, Turkmenischen und Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik der Ausdruck „Sowjetisch-Mittelasien“ gebräuchlich.

Das riesige innerasiatische endorheische Becken

Im außerdeutschen westeuropäischen Sprachgebrauch wurden die Begriffe Zentralasien und Mittelasien oft synonym verwendet, Innerasien hingegen von diesen unterschieden. Zu Innerasien im engeren Sinne werden nur Sinkiang (Ostturkestan), die (äußere) Mongolei, Tibet sowie die Republik Tuwa im sibirischen Russland) gezählt. Im weiteren Sinne umfasst es aber das gesamte innerasiatischen Becken, die hydrographisch von allen Ozeanen isolierte (endorheische) Senke von der Gegend um Moskau über das Kaspische Meer bis in die Mongolei und unweit des Golf von Bengalen.

Neuerdings – mehr politisch als geografisch inspiriert – wird der Begriff „Zentralasien“ oft auch auf die heute selbstständigen asiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken eingeschränkt. Allerdings gibt es hier keine allgemein verbindliche Konvention.

Geschichte[Bearbeiten]

Zentralasien war im Altertum und Mittelalter geprägt von Stammesgesellschaften, die teils sehr erfolgreich Großreiche bilden konnten bzw. in den Bereich der chinesischen, indischen, iranischen und europäischen Hochkulturen einfielen. Als Beispiele seien die Skythen, Xiongnu, Hunnen, Saken, Wusun, Mongolen und Timuriden genannt.

Alexanderreich

Im 5. Jahrhundert v. Chr. reichte das Persische Reich unter König Dareios I. bis nach Zentralasien. Alexander der Große eroberte das Perserreich und errichtete bis 323 v. Chr. ein eigenes Großreich, das ebenfalls bis nach Zentralasien, ins Ferghana-Tal reichte und vielfältige kulturelle Impulse setzte. Dieser Einfluss zeigt sich im Nachfolgereich der Seleukiden und im Griechisch-Baktrischen Königreich (beide 3. - 2. Jahrhundert v. Chr) sowie überhaupt im Hellenismus, der in Zentralasien sehr wirksam wurde.[4]

Seidenstraße und eine Vielzahl von Völkern[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Seidenstraße mit ihrer Hochzeit ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. bis ins 13. Jahrhundert n. Chr. prägte zumindest den Südteil der Region.

Die Seidenstraße in Zentralasien im Mittelalter

Die Seidenstraße in Zentralasien erstreckte sich von der ostiranischen Hochebene und der Stadt Merw im Westen bis zur Wüste Gobi und der Stadt Dunhuang im Osten sowie dem Abzweig Richtung Süden nach Kaschmir und Peschawar. Sie verband drei der wichtigsten asiatischen Kulturräume: Iran, Indien und China. Das Land ist gekennzeichnet durch Wüsten mit alten Oasenstädten, der Kasachensteppe im Westen und der mongolischen Steppe im Osten sowie hohen Gebirgen.[5]

Eine Vielzahl an Völkern wirkten in dieser Zeit in Mittelasien:[6]

  • die iranischsprachigen Saken begegneten bereits Alexander dem Großen, tauchten im 1. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien auf und bildeten bis ins 10. Jahrhundert ein Reich im Tarimbecken.
  • die Yuezhi wanderten jahrhundertelang von Gansu nach Baktrien und schufen ungefähr 100 bis 250 n. Chr. das Kuschana, ein Reich, das sich vom Ferghanatal im Norden bis zum Indischen Ozean im Süden erstreckte. Teile des Reiches bestanden bis zum Anfang des 4. Jahrhunderts. Sie wurden im Altertum mit dem Namen Tocharer belegt.
Der Fluss Ili, 2006
  • die Hephthaliten, auch weiße Hunnen genannt, bildeten im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. ein Reich im iranisch-indischen Grenzraum.
  • die ostiranischen Sogdier bildeten keinen Staat, wirkten aber vom 2. - 11. Jahrhundert n. Chr. intensiv in den Oasenstädten der Seidenstraße.
  • die nomadischen, altaischsprachigen Xiongnu errichteten in Gansu und der Mongolei im 2. Jahrhundert n. Chr. ein Reich, das 48 n. Chr. endete, danach besiedelten sie das Ordos-Plateau
  • die nomadischen Rouran errichteten 400 n. Chr. ein Reich, das vom Tarimbecken bis weit in den Osten reichte und bis 552 n. Chr. bestand.
  • die ursprünglich nomadischen Tabgatsch wurden sesshaft, begründeten die Nördliche Wei-Dynastie und beherrschten im 5. und 6. Jahrhundert das Gebiet zwischen Nordchina, Tarimbecken bis in die mongolische Steppe
  • die Kök-Türken gründeten 552 n. Chr. ein Reich etwa im Gebiet der heutigen Mongolei. Sie wurden im 8. Jahrhundert von den türkischen Uiguren abgelöst.
  • der Herrscher der Uiguren nahm 762 den manichäischen Glauben an. 840 wurde das Uigurenreich von den Kirgisen zerstört und die Uiguren zogen in die Oasenstädte der Seidenstraße, unter anderem ins Tarimbecken, nach Turfan und Kocho.
  • das Reich der turksprachigen Kirgisen umfasste ab 840 die Gebiete zwischen Lena, Irtysch, Baikalsee bis an den Tianshan. Die Kirgisen unterwarfen sich 1207/8 den Mongolen, rebellierten aber kurz darauf erfolglos und ihr Name verschwand für fast 2 Jahrhunderte.

Die Araber drangen aus dem Westen bis 712 an die Grenzen Chinas und Indiens vor. In Transoxanien eroberten sie die türkischen Besitzungen, verbunden mit deren langsamer und folgenschwerer Islamisierung, wobei den Arabern teils hartnäckig Widerstand geleistet wurde.[7] Der Vorstoß nach West- und Zentralindien wurde durch die Niederlage von 738 gegen die Herrscher von Sindh verhindert. 751 besiegten die Araber in der Schlacht am Talas ein chinesisches Heer, da angeblich weite Teile der Truppen die Araber als Befreier ansahen und zu ihnen überliefen. Das arabische Vordringen endete hier, in den folgenden Jahren wurde der chinesische Einfluss in Zentralasien zu Gunsten des arabisch-islamischen zurückgedrängt.

Mongolisches Reich und Nachfolgestaaten[Bearbeiten]

Die Mongolen waren Nomadenvölker, die im 13. Jahrhundert von hochentwickelten landwirtschaftlichen und städtischen Kulturen umgeben waren, von denen jedoch keine über eine starke Zentralgewalt verfügte. Die Mongolen verbanden diese Regionen dank überlegener Kriegführung zu einer Art Staatenverband mit politischen wie wirtschaftlichen Interessen. Von 1206 bis 1260 bestand das einheitliche Mongolische Reich, das in mehrere Teilreiche zerfiel: Goldenen Horde, Tschagatai-Khanat, Reich der Ilchane und das Reich der Yuan-Dynastie. 1468 kam es nochmals zu einem einheitlichen Reich.

Zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert beherrschte das aus dem Mongolenreich hervorgegangene Tschagatai-Khanat weite Teile Zentralasiens. Der regierende Khan hatte seine Residenz in der Stadt Almalyq, dem heutigen Gulja.

Die Dynastie der Timuriden war ein von Timur (Tamerlan) gegründetes, muslimisches Herrscherhaus, das von 1370–1507 ein Reich in Zentral- und Südwestasien (im Gebiet der heutigen Staaten Afghanistan, Iran und Usbekistan) regierte. Hauptstadt war anfangs Samarkand, später auch Herat. Im 16. Jahrhundert dehnten diese ihren Einfluss bis über fast ganz Indien aus, und begründeten dort das Reich der Moguln (Mongolen), das bis in das mittlere 19. Jahrhundert Bestand hatten. Aus dieser Zeit rühren die Gemeinsamkeiten zumindest des nördlichen Indischen Subkontinents mit Zentralasien her.

Das kasachische Khanat mit dem Gebiet

In der Folgezeit traten weitere Steppenvölker in Erscheinung:

  • Ab 1447 errichteten die Usbeken das Usbeken-Khanat, auch Khanat von Buchara genannt. 1512 wurde in Choresm das Khanat Chiwa gegründet, das 1873 von Russland erobert wurde. 1710 bis 1876 bestand das Khanat Kokand.
  • Ab dem 15. Jahrhundert nannten sich zentralasiatische Steppennomaden wieder Kasak-Kirgisen. Kasak-Kirgisen bezeichnete Steppennomaden und Kara-Kirgisen die Bewohner des Berglandes, die in einem lockeren Bündnis standen. Aus den Kasak-Kirgisen gingen später die Kasachen und aus den Kara-Kirgisen die heutigen Kirgisen hervor. Ab 1640 gerieten die Kirgisen unter die Herrschaft der Oiraten.
  • Ab dem 15. Jahrhundert werden erstmals die Kasachen erwähnt, die aus verschiedenen Steppennomaden-Völkern hervorgegangen sind. Die Kasachen versuchten in den nördlichen Steppengebieten, in Konkurrenz zu den Usbeken, eine eigene Herrschaft zu etablieren. Sie gründeten 1509 das bis 1848 bestehende kasachische Khanat.
  • Die Oiraten waren zu Zeiten Dschingis Khans westmongolischer Stamm, der als Stammeskonföderation vom 15. bis ins 18. Jahrhundert weite Teile Zentralasiens kontrollierte. Eine Untergruppe der Oiraten waren die Dsungaren

Russische Eroberungen[Bearbeiten]

Russland hatte ab dem 16. Jahrhundert an seinen südöstlichen Grenzen vom Kaspischen Meer bis zum Altaigebirge eine lange Linie von Kosakensiedlungen errichtet, deren Basen Orenburg, Petropawl, Omsk, Semipalatinsk (heute Semei) und Ust-Kamenogorsk (heute Öskemen) waren und die Kasachen an Einfällen in das Wolgagebiet und Westsibirien hindern sollten.[8] Die Kasachen brachen aber häufig durch die russischen Linien und griffen die Siedlungen an.

Russland dehnte im beginnenden Zeitalter des Imperialismus sein Einflussgebiet auf Turkestan aus. Durch die Beseitigung der Kleinen Horde 1822 und der Mittleren Horde 1824 wurde die kasachische Unabhängigkeit untergraben. In der Steppe wurden Grenzposten errichtet. Es folgten zunächst erfolglose Expeditionen gegen das Khanat Chiwa. In den 1840er Jahren wurden die Stützpunkte in die Steppe vorgeschoben. Russland drang in Gebiete ein, die vom Khanat Kokand beansprucht wurden, aber praktisch unverteidigt waren.[9] 1853 wurde Kasalinsk (heute Qasaly) erreicht, ein Jahr später Alma-Ata gegründet. Durch den Krimkrieg kam es zu einer Unterbrechung des Vordringens.

1864 begannen erneute Operationen und Dschambul (heute Taras), Jassy und Tschimkent (heute Schymkent) wurden erobert. Die Russen erreichten den Fluss Tschu und umgaben die Kasachensteppe mit einem Ring von Forts. 1867 wurden die neu gewonnenen Gebiete als "Oblast Turkestan" einem Militärgouverneur unterstellt.[10] Danach wurde die Stadt Chudschand erobert, und als Folge erklärte sich der Khan von Kokand, Khudayar Khan, zum Vasall des Zaren. Ein neuer Feldzug gegen das Emirat von Buchara schloss sich an, 1868 nahmen die Russen Samarkand ein.

Zentralasien am Ende des 19. Jahrhunderts

Die abgetretenen Gebiete wurden in das Generalgouvernement Turkestan eingegliedert, das am 11. Juli 1867 gegründet worden war. 1873 wurde schließlich das Khanat Chiwa erobert. Kokand wurde nach einer Phase der Unsicherheit und nach einem erfolglosen Aufstand 1876 als Oblast eingegliedert.[11]

Auch im Gebiet südlich des Amurdarja hatte Russland bereits Fuß gefasst. 1881–85 wurde das transkaspische Gebiet im Zug eines Feldzugs annektiert, dabei kamen Aschgabat und Merw unter russische Kontrolle.

Die russische Expansion südwärts kam 1887 zum Stillstand, als mit dem Kontrahenten Großbritannien die afghanische Nordgrenze festgelegt wurde, die gleichzeitig die Demarkationslinie der Interessen- und Einflusssphären bildete. Afghanistan wurde zum Pufferstaat zwischen den beiden imperialen Mächten, was 1907 im Vertrag von Sankt Petersburg bekräftigt wurde (vgl. The Great Game).

Gegenwart[Bearbeiten]

Mit dem Ende der Sowjetunion und dem Erstarken Chinas treten die lange am Rande liegenden Gebiete Mittelasiens wieder mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit. Im weiteren Sinn gehören dazu

Landschaft mit Zug und Friedhof in Kasachstan, 2012

In der Region ist eine Häufung ungelöster, oft blutiger Konflikte festzustellen. Es überlagern sich ethnische Konflikte und islamistische Tendenzen sowie die Versuche Russlands, verlorenen Einfluss wieder herzustellen und die Versuche Chinas und der USA, Einfluss zu gewinnen und die Bestrebungen aller drei Großmächte, dem Islamismus entgegenzutreten.

Der von Iran, Pakistan und der Türkei 1985 gegründeten Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO) traten nach der Auflösung der Sowjetunion Afghanistan, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan bei.

Seit 1991 sind Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan Mitglieder der im gleichen Jahr gegründeten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), Turkmenistan ist seit 2005 nur noch beigeordnet.

1996 wurde in Shanghai die Shanghai-Five-Gruppe (Shanghai-Fünf) gegründet; sie bestand aus der Volksrepublik China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan. 2001 wurde daraus nach der Aufnahme Usbekistans die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), deren Ziele die Förderung von Vertrauen, Zusammenarbeit und Frieden in der Region sind.

1999 wurde in den USA mit der „Seidenstraßenstrategie“ die US-Interessen in Zentralasien definiert.

Im Rahmen des ISAF-Einsatzes sind seit 2001 in Afghanistan zahlreiche westliche Truppen stationiert. Sie werden unter anderem über einen deutschen Luftwaffenstützpunkt in Termez (Usbekistan) und einem französischen Luftwaffenstützpunkt in Duschanbe (Tadschikistan) versorgt.

Im Dezember 2007 wurde in Ashgabad (Turkmenistan) das „UN Regionalzentrum für Präventive Diplomatie für Zentralasien“ eingerichtet („United Nations Regional Centre for Preventive Diplomacy for Central Asia“, UNRCCA). Die Einrichtung soll die Regierungen Zentralasiens bei gemeinsamen „Herausforderungen“ unterstützen; genannt werden Organisiertes Verbrechen, Drogenschmuggel, Terrorismus und Umweltschäden.[12]

Am 22. September 2011 wurde im Rahmen der Unterstützung Afghanistans von 30 Staaten und Organisationen die Initiative „Neue Seidenstraße“ gegründet. Ihr Ziel: „Wie in Zeiten der historischen Seidenstraße soll Afghanistan zu einer regionalen Drehscheibe zwischen Zentral- und Südasien sowie dem Nahen Osten werden“.[13]

Am 12. Juni 2012 fand in Bischkek (Kirgisien) der erste Indien-Zentralasien-Dialog statt, vom „Indian Council of World Affairs (ICWA)“ veranstaltet. Der indische Außenminister E. Ahamed formulierte dort die indische „Connect Central Asia“-Politik (so viel wie: Binde Zentralasien ein).

Geografie und Vegetation[Bearbeiten]

Die Vegetation ist vom extremen kontinentalen und trockenen Klima geprägt.

Im Norden Mittelasiens erstrecken sich weite, baumlose Steppen, Teile eines bis nach Osteuropa reichenden Steppengürtels, genannt Eurasische Steppe. Dazu gehören die Kasachensteppe, die Kulundasteppe und die mongolische Steppe.

Balchaschsee

Im Süden finden sich große Wüsten: Karakum, Kysylkum, Taklamakan und Gobi.

Im Südosten erheben sich an und jenseits der Grenzen der Region große Gebirge: Tian Shan, Alai-Gebirge, Altai und Pamir-Gebirge.

Weite Teile der Fläche sind für eine landwirtschaftliche Nutzung zu trocken oder zu felsig. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von Viehzucht, überwiegend als Nomaden. In den städtischen Zentren konzentriert sich die Industrie.

Wichtige Flüsse sind Amu Darja, Syr Darya, Serafschan, Hari Rud, Murgab, Ili und der Tarim. Große Gewässer sind der Aralsee und der Balchaschsee, beide verloren an Größe, weil ihren Zuflüssen zu viel Wasser für künstliche Bewässerung entnommen wurde. Das Kaspische Meer bildet die Grenze der Region nach Westen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ethnische Karte Zentralasiens

Der westliche und zentrale Teil (einschließlich Sinkiangs) ist hauptsächlich von Turkvölkern bewohnt und kulturell vom Islam beeinflusst. Im Südosten leben die Tadschiken, ein iranisches Volk, zum großen Teil auch islamisch. Der dünner besiedelte östliche Teil ist von Tibetern und Mongolen bewohnt und vom Lamaistischen Buddhismus geprägt.

Historisch betrachtet lebten in der Region Völker, die die Steppe bewirtschaften konnten und eine eher nomadische Lebensweise pflegten, sowie Städter, die durch Handel und Handwerk den Oasen ihr Gepräge gaben. In den Städten beherrschte als lingua franca das Persische das Marktgeschehen und das Handwerk, während in den Steppenregionen türkische und mongolische Idiome gesprochen wurden.

Durch die lange währende Zugehörigkeit Zentralasiens zum Russischen Reich und später zur Sowjetunion hat die Russische Sprache heute das Persische als lingua franca in der Region abgelöst. Über ganz Zentralasien verteilt wohnen heute auch mehrere Millionen Russen und Angehörige anderer Völker der ehemaligen Sowjetunion.

Literatur[Bearbeiten]

Bücher

  • Jürgen Paul: Zentralasien. Frankfurt am Main 2012. (Neue Fischer Weltgeschichte, Band 10)
  • Rudolf A. Mark: Im Schatten des Great Game. Deutsche Weltpolitik und russischer Imperialismus in Zentralasien 1871 - 1914. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-506-77579-5.
  • Rudolf A. Mark: Krieg an fernen Fronten. Die Deutschen in Zentralasien und am Hindukusch 1914–1924. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013,ISBN 978-3-83530981-4.
  •  Mahabat Sadyrbek: Die Zentralasienstrategie der EU. Neues „Great Game“ oder neue Chance für die Region?. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4334-8.
  •  Boris Shiryayev: Großmächte auf dem Weg zur neuen Konfrontation?. Das „Great Game“ am Kaspischen Meer: eine Untersuchung der neuen Konfliktlage am Beispiel Kasachstan. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3749-1.
  • Daniel Schwartz: Schnee in Samarkand. Ein Reisebericht aus dreitausend Jahren. Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-8218-5831-9.
  • Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hrsg.): Machtmosaik Zentralasien. Traditionen, Restriktionen, Aspirationen. Berlin 2007. (=OSTEUROPA. 8-9/2007)
  • Hermann Parzinger: Die frühen Völker Eurasiens. Vom Neolithikum bis zum Mittelalter. München 2006.
  • Bert Fragner, Andreas Kappeler (Hrsg.): Zentralasien. 13. bis 20. Jahrhundert. Geschichte und Gesellschaft. Wien 2006.
  • Peter Böhm: Tamerlans Erben. Zentralasiatische Annäherungen. Picus Verlag, 2005, ISBN 3-85452-910-4.
  • Marie-Carin Gumppenberg, Udo Steinbach (Hrsg.): Zentralasien: Geschichte - Politik - Wirtschaft. Ein Lexikon. C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-51113-9.
  • Klaus Pander: DuMont-Kunst-Reiseführer Zentralasien. 6. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3680-2.
  • Rene Grousset: The Empire of the Steppes. A History of Central Asia. 1939. (Reprint: Rutgers Univ. Print, New Brunswick 1988, ISBN 0-8135-1304-9)
  • History of Civilizations of Central Asia. Hrsg. im Auftrag der UNESCO. 6 Bde., Paris 1992ff. (Wohl die beste und detaillierteste Gesamtdarstellung)

Zeitschriften

  • Central Asian Survey
  • Zentral-Asien-Analysen

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe auch Regionale Gliederungen
  2. a b Central Asia, unesco.org → Regions, Stand 2010.
  3. South and West Asia , unesco.org → Regions, Stand 2010.
  4. Hans-Joachim Klimkeit: Die Seidenstraße, S. 48; DuMont-Buchverlag, Köln 1990.
  5. Hans-Joachim Klimkeit: Die Seidenstraße, S. 8; DuMont-Buchverlag, Köln 1990.
  6. Hans-Joachim Klimkeit: Die Seidenstraße, S. 50ff; DuMont-Buchverlag, Köln 1990.
  7. Vgl. Kennedy: The Great Arab Conquests, S. 225ff.
  8. Gavin Hambly: Zentralasien (Weltbild Weltgeschichte, Bd. 16), Augsburg 1998, S. 217.
  9. Gavin Hambly: Zentralasien (Weltbild Weltgeschichte, Bd. 16), Augsburg 1998, S. 219.
  10. Gavin Hambly: Zentralasien (Weltbild Weltgeschichte, Bd. 16), Augsburg 1998, S. 220.
  11. Gavin Hambly: Zentralasien (Weltbild Weltgeschichte, Bd. 16), Augsburg 1998, S. 221.
  12. http://www.un.org/wcm/content/site/undpa/main/activities_by_region/middle_east/central_asia
  13. Seite des Auswärtigen Amtes, abgerufen am 17. Februar 2013

45.363.9Koordinaten: 45° N, 64° O