Niedererbach

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Dieser Artikel behandelt die Ortsgemeinde Niedererbach im Westerwaldkreis. Zum Ort Niedererbach im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) siehe Obererbach (Westerwald)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Niedererbach
Niedererbach
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Niedererbach hervorgehoben
50.4266666666677.9769444444444160Koordinaten: 50° 26′ N, 7° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Montabaur
Höhe: 160 m ü. NHN
Fläche: 4,43 km²
Einwohner: 1000 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 226 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56412
Vorwahl: 06485
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 054
Adresse der Verbandsverwaltung: Konrad-Adenauer-Platz 8
56410 Montabaur
Webpräsenz: www.vg-montabaur.de
Ortsbürgermeister: Gerhard Theis
Lage der Ortsgemeinde Niedererbach im Westerwaldkreis
Karte

Niedererbach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Montabaur an.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westerwald zwischen Koblenz und Limburg an der Lahn am Rande des Naturparks Nassau. Sie grenzt an das Land Hessen. Naturräumlich wird die Ortsgemarkung den Emsbach-Gelbachhöhen im Niederwesterwald zugeordnet. Das Gelände ist vom Erbach gegliedert, in dessen von Norden nach Südosten verlaufenden Tal sich der Ort befindet. Fischbach und Sandbach münden im Ort von rechts kommend in den Erbach. Die Taleinschnitte dieser Bäche gliedern das Gelände weiter. Der Untergrund besteht vornehmlich aus Basalt, Andesit, Schiefer und Grauwacke.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Obererbach, Dreikirchen, Nentershausen, Görgeshausen und das hessische Elz.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Urkundliche Ersterwähnung Niedererbachs 12. Mai 1291
Pfarrkirche Niedererbach 1725-1904
Pfarrkirche Niedererbach
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Niedererbach wurde erstmals in einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Theoderich II. von Wied erwähnt, die dem Kloster Seligenstatt bei Seck eine Schenkung des Siegfrid von Runkel bestätigt. Die genaue Datierung ist unklar, vermutet wird aber der Zeitraum von 1213 bis 1215. Die erste eindeutige Datierung ist für eine Urkunde vom 12. Mai 1291 möglich. In ihr werden ein Pastor namens Friedrich und die Pfarrgemeinde Erlebach erwähnt, die ein Rechtsgeschäft mit dem Komtur und den Brüdern des Deutschordens in Koblenz beurkunden. Das Original der Urkunde befindet sich im Zentralarchiv des Deutschordens in Wien. Die Gemeinde Niedererbach ist seit 2006 im Besitz einer Kopie der Urkunde.

Für das Spätmittelalter sind in Niedererbach Rechte der Herren von Limburg nachgewiesen, die mit dem Aussterben des Geschlechts an die Grafschaft Diez übergingen, die bereits zuvor die Landesherrschaft innehatte. Mit der Auflösung der Grafschaft Diez fiel Niedererbach 1564 an Kurtrier. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Gericht des benachbarten Kirchspielgerichts in Nentershausen, die höhere Gerichtsbarkeit zunächst am alten Gerichts- und Archidakonatsstandort Dietkirchen, von 1564 an beim kurtrierischen Gericht in Diez.

Für 1594 ist eine Plünderung durch Söldnertruppen aus dem Achtzigjährigen Krieg verbürgt, bei der sieben Gebäude niedergebrannt und ein Bewohner umgebracht wurde. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zum kurtrierischen Amt Montabaur. Am 19. September 1795 überfielen französische Truppen im Rahmen des Ersten Koalitionskriegs den Ort. Sie erschossen den Heimberger (Ortsvorsteher) und fünf weitere Einwohner und plünderten Niedererbach drei Tage lang. Bis 1797 folgten mehrere Plünderungen durch Truppen unterschiedelicher Herkunft. Durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde Niedererbach, so wie der gesamte rechtsrheinische Rest des Kurfürstentums Trier, dem Fürsten von Nassau-Weilburg zugesprochen und gehörte von 1806 an nach Errichtung des napoleonischen Rheinbunds zum Herzogtum Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung gehörte der Ort zunächst zum Amt Meudt und bis 1867 zum Amt Wallmerod.[2] Nach dem sogenannten Deutschen Krieg kam die Region 1866 zum Königreich Preußen und 1868 zur neuen Provinz Hessen-Nassau, Niedererbach war nun eine Gemeinde im Unterwesterwaldkreis.

Da sich die Niedererbacher früher auf das Anfertigen von Pfeifchen aus Weidenzweigen verstanden, werden sie heute noch als „Erwocher Peifscher“ bezeichnet.

1913 erhielt der Ort Wasserleitungen und den ersten Telefonanschluss, zehn Jahre später Elektrizität. Am Abend des 26. März 1945 erreichten amerikanische Truppen den Ort. 1972 wurde Niedererbach Teil der Verbandsgemeinde Montabaur. Seit Dezember 2010 besitzt die Gemeinde Niedererbach ein eigenes Rathaus. Das seit Anfang der 1980er Jahre unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus, ein sogenanntes Tagelöhnerhaus, stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und war zuletzt völlig heruntergekommen. 2006 erwarb die Gemeinde es von einer Erbengemeinschaft. Es wurde von 2008 bis 2010 innen und außen vom 2006 gegründeten Förderverein „Unser Dorf hat Zukunft“ in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde Niedererbach restauriert. Am Zuschnitt der Zimmer wurde nichts verändert, so dass noch heute im Inneren die Struktur des rund 200 Jahre alten Hauses erhalten ist. Nach Vorgabe des Denkmalschutzes wurde es außen vollständig verschiefert. Damit wird auch indirekt an den ehemaligen Schieferabbau in Niedererbach erinnert.

Die Gemeinde Niedererbach nahm im Mai 2011 am bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teil und erreichte auf Kreisebene in der Hauptklasse den zweiten Platz. Damit hatte sie sich für den Gebietsentscheid qualifiziert, bei dem im Juni 2011 unter 20 teilnehmenden Gemeinden ein Mittelplatz belegt wurde.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die ältesten bekannten Angaben zur Niedererbacher Bevölkerung datieren auf 1684 und berichten von 15 Feuerstellen im Ort. 1787 waren 196 Einwohner verzeichnet, im Jahr 1833 waren es 299. 1870 lag die Einwohnerzahl bei 475, 1903 bei 450, 1913 bei 416, 1921 bei 419. Die letzte Erhebung vor dem Zweiten Weltkrieg stammt von 1936 und weist 537 Niedererbacher aus. 1956 waren es wieder 600. Bis 1980 stieg die Bevölkerungszahl auf 700, bis 1990 auf 840. 2001 waren es 993 Einwohner und im Jahr 2004 1005.

Kirchengeschichte[Bearbeiten]

Kirchlich dürfte Niedererbach zunächst Teil der benachbarten Pfarrei Nentershausen gewesen sein. Da bereits für 1291 ein eigener Pfarrer erwähnt wird, dürfte zu diesem Zeitpunkt aber bereits eine eigene Pfarrei bestanden haben. Zum Kirchspiel Nentershausen gehörte der Ort jedoch weiter. Mit Gewissheit ist eine eigene Pfarrkirche für 1320 nachzuweisen. Die Reformation wurde in Niedererbach nie eingeführt.

Im Jahr 2006 feierte die Gemeinde die 100. Kirmes. Dieses wichtigste Dorffest findet jedes Jahr am letzten Wochenende im August statt und erinnert an die Weihe der Pfarrkirche St. Katharina im Jahr 1906. Ein Teil des Kirchturms ist wesentlich älter und dürfte aus der Zeit um 1200 stammen. Vor der jetzigen Kirche stand an der gleichen Stelle ein im Jahr 1738 errichtetes barockes Gotteshaus, etwa in der Größenordnung des heutigen Seitenschiffs. Späatestens 1892 war ein Kirchenbaufonds tätig, um eine neue Kirche zu errichten. Die alte Kirche wurde 1904 abgerissen, der Kirchturm blieb aber stehen. Nur das obere Drittel wurde abgebrochen und erneuert.

Aus einem „Architektenwettbewerb“ von 1903 ging Architekt Jakob Fachinger aus Limburg als Sieger für den Neubau hervor. Die Baupläne wurden am 1. Februar 1904 dem Bischöflichen Ordinariat in Limburg und dem Königlichen Landratsamt in Westerburg zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Es erfolgte jeweils ein positiver Bescheid.

Am 27. Juli 1904 begann der Abbruch der alten Kirche durch Maurermeister Sellmann aus Limburg. Die Kosten betrugen 230 Mark. Zur gleichen Zeit erfolgte die Ausschreibung der Arbeiten für den Kirchenneubau im „Nassauer Boten“. Auf die Ausschreibung hin gingen 80 Angebote ein. Den Zuschlag erhielt Bauunternehmer Jakob Eufinger aus Elz für 25.387,77 Mark. Der Auftrag umfasste Erd- und Maurerarbeiten, Lieferung der Baumaterialien, Steinhauer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Spengler-, Schlosser- und Schmiedearbeiten.

Im September 1904 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für die neue Pfarrkirche begonnen. Am 14. Mai 1905 wurde der Grundstein gelegt und am 10. August 1905 Richtfest gefeiert. Der Rohbau war im Dezember 1905 fertiggestellt. Im Mai 1906 begann der innere Verputz, der Einbau der Fenster und der Inneneinrichtung. Am 19. August 1906 wurde der neue Kirchenbau von Bischof Dominikus Willi feierlich eingesegnet.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus in der Mittelstraße

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Niedererbach besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden. In der vorherigen Wahlzeit von 2004 bis 2009 gehörten dem Gemeinderat 16 Mitglieder an.[3]

Seit dem 6. April 2011 ist Gerhard Theis neuer ehrenamtlicher Ortsbürgermeister. Er löste Berthold Ortseifen ab, der nach 17 Jahren vorzeitig sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Theis war am 27. März 2011 als einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl angetreten und hatte 89,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten.

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Schwert und Richtrad versinnbildlichen das Patrozinium der Pfarrkirche, der Hl. Katharina. Auf die Deutung des Ortsnamens Erbach = Erlenbach verweist der Erlenzweig. Die Wellenspaltung macht auf die landschaftlich reizvolle Lage des Ortes im Erbachtal aufmerksam. Als Zeichen für die ehemalige Zugehörigkeit zu Kurtrier wurden dessen Wappenfarben Rot und Silber in das Wappen von Niedererbach aufgenommen.

Kultur, Vereine, Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

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Theater[Bearbeiten]

  • Theaterfreunde Niedererbach 1976 e. V.

Feuerwehr[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • CHORamel (ehem. Junger Chor) Niedererbach
  • Chorgemeinschaft „Cäcilia-St.Katharina“

Sport[Bearbeiten]

  • Sportverein Niedererbach 1920 e. V.
  • Schützenverein Niedererbach 1978 e. V. (Disziplinen: Luftgewehr, Luftpistole, Sportbogen)
  • Trimm-Treff Niedererbach

Heimatpflege[Bearbeiten]

  • Verschönerungsverein Niedererbach 1936 e. V.
  • Förderverein „Unser Dorf hat Zukunft“ 2006 e. V.
  • Förderverein zur Traditions- und Brauchtumspflege Niedererbach 2010 e. V.

Kindergarten[Bearbeiten]

  • Förderverein KITA Rappelkiste e. V.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St.Katharina
  • Eisenbahnviadukt
  • Historische Schieferstollen
  • Freilichtbühne „Alter Sportplatz“

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Schieferberg „Gaasekippel“
  • Friedhofslinde

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kirmes (letztes Wochenende im August, maßgebend ist der letzte Sonntag im August)
  • Ostereierschießen, Schützenverein (Sonntag vor Ostern)
  • Maiwanderung, Verschönerungsverein (1. Mai)
  • Dorfpokalschießen, Schützenverein (1. Samstag im Oktober)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Die nächste Autobahnanschlussstelle ist DiezNentershausen an der Bundesautobahn 3 KölnFrankfurt, etwa drei Kilometer entfernt.
  • Die nächstgelegenen ICE-Bahnhöfe sind Limburg Süd und Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main (jeweils 13 Kilometer entfernt), sowie Koblenz an der Rechten Rheinstrecke.
  • Niedererbach besitzt eine Haltestelle an der Eisenbahnstrecke Limburg/Lahn – Siershahn (Unterwesterwaldbahn). Der Abschnitt Staffel – Siershahn wurde nach zweijähriger Bauzeit am 30. Mai 1884 dem Betrieb übergeben. Die Nahverkehrsstrecke bindet heute die Region an den ICE-Bahnhof Montabaur an und wird von der privaten Verkehrsgesellschaft "vectus" betrieben. Die Unterwesterwaldbahn wurde im Frühjahr 2007 technisch komplett modernisiert und auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Durch diese Maßnahmen wurde der Betrieb auf Jahre gesichert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mehrere Jahrhunderte lang wurde in der Niedererbacher Gemarkung Schiefer gewonnen. Die früheste Erwähnung des Schjieferabbaus datiert auf 1566.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Rathaus
  • Kindergarten „Rappelkiste“
  • Dorfgemeinschaftshalle „Haus Erlenbach“
  • Jugendraum
  • Grillplatz mit Grillhütte
  • Sportplatz

Natur[Bearbeiten]

Seltene Tierarten[Bearbeiten]

In den ehemaligen Schieferstollen haben Fledermäuse eine Heimat gefunden. In den vom Naturschutzbund (NABU), Ortsgruppe Hundsangen, betreuten Stollen konnten bisher folgende Fledermausarten nachgewiesen werden:

  • Großes Mausohr
  • Großer Abendsegler
  • Wasserfledermaus
  • Bechsteinfledermaus
  • Große Bartfledermaus
  • Kleine Bartfledermaus
  • Braunes Langohr
  • Zwergfledermaus
  • Fransenfledermaus

Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Niedererbach

Literatur[Bearbeiten]

  • Pfarr- und Zivilgemeinde Niedererbach (Hg.): Festschrift aus Anlass der 100-jährigen Kirchweihe der Pfarrkirche Niedererbach, 2006

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niedererbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung, 10. Band, 1868, S. 334 (Google Books)
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen