Rüssingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Rüssingen ist auch der deutsche Name der französischen Gemeinde Russange im Département Moselle.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rüssingen
Rüssingen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rüssingen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 37′ N, 8° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Donnersbergkreis
Verbandsgemeinde: Göllheim
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 4,84 km²
Einwohner: 490 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67308
Vorwahl: 06355
Kfz-Kennzeichen: KIB, ROK
Gemeindeschlüssel: 07 3 33 064
Adresse der Verbandsverwaltung: Freiherr-vom-Stein-Straße 1 - 3
67307 Göllheim
Webpräsenz: www.ruessingen.com
Ortsbürgermeister: Steffen Antweiler
Lage der Ortsgemeinde Rüssingen im Donnersbergkreis
Obermoschel Niedermoschel Unkenbach Finkenbach-Gersweiler Waldgrehweiler Schiersfeld Sitters Alsenz Oberndorf (Pfalz) Mannweiler-Cölln Winterborn (Pfalz) Kalkofen (Pfalz) Niederhausen an der Appel Münsterappel Oberhausen an der Appel Gaugrehweiler Seelen Rathskirchen Teschenmoschel Bisterschied Ransweiler Stahlberg Bayerfeld-Steckweiler Sankt Alban (Pfalz) Gerbach Würzweiler Ruppertsecken Dielkirchen Katzenbach (Donnersbergkreis) Schönborn (Pfalz) Dörrmoschel Reichsthal Gundersweiler Gehrweiler Imsweiler Rockenhausen Höringen Schweisweiler Falkenstein (Pfalz) Winnweiler Lohnsfeld Wartenberg-Rohrbach Münchweiler an der Alsenz Gonbach Sippersfeld Breunigweiler Imsbach Börrstadt Steinbach am Donnersberg Ramsen (Pfalz) Kerzenheim Eisenberg (Pfalz) Göllheim Dreisen Standenbühl Lautersheim Biedesheim Ottersheim Bubenheim (Pfalz) Zellertal Einselthum Immesheim Albisheim (Pfrimm) Rüssingen Weitersweiler Marnheim Bennhausen Jakobsweiler Dannenfels Bolanden Kirchheimbolanden Mörsfeld Kriegsfeld Oberwiesen Orbis Morschheim Ilbesheim (Donnersbergkreis) Bischheim (Donnersberg) Rittersheim Stetten (Pfalz) Gauersheim Landkreis Bad Kreuznach Landkreis Alzey-Worms Landkreis Kusel Landkreis Kaiserslautern Landkreis Bad DürkheimKarte
Über dieses Bild

Rüssingen ist eine Ortsgemeinde im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Göllheim an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt nördlich des Naturparks Pfälzerwald, zwischen Kaiserslautern und Worms. Durchflossen wird sie vom Wiesenbach, einem linksseitigen Zufluss des Ammelbachs. Göllheim befindet sich im Südwesten, Ottersheim im Nordosten und südöstlich liegt Biedesheim. 80,5 % der Gemarkungsfläche Rüssingens werden landwirtschaftlich genutzt.

Zu Rüssingen gehört auch der Wohnplatz Lindenhof.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rüssingen ist ein altes Siedlungsland. In der Rüssinger Gemarkung aufgedeckte archäologische Funde belegen Siedlungen aus der Jungsteinzeit, aus der älteren Frühbronzezeit und aus der älteren Eisenzeit. Der bekannteste der vor- und frühgeschichtlichen Funde ist das „Rüssinger Pflugschar“ aus Kalkstein.

Rüssingen ist 773 erstmals im Lorscher Codex eingetragen. Für das Ende des 8. Jahrhunderts sind dort mehrere Grundstücksschenkungen an das Kloster Lorsch verzeichnet. Die Bedeutung des Ortsnamens ist nicht sicher zu klären, alternativ wird er als „Platz an dem es viele Rosse gab“ oder „Platz bei den Leuten des Hrusso“ gedeutet.

In späterer Zeit scheint das Dorf in Reichsbesitz gekommen und um 1190 als Reichslehen von den Grafen von Leiningen an Werner II. von Bolanden verlehnt worden zu sein. Rüssingen gelangte dadurch zu den sponheim-dannenfelsischen Besitzungen und fiel 1393 an Philipp I. von Nassau-Saarbrücken. Bis 1574 stand es unter nassau-saarbrückischer Herrschaft, von 1574 bis zum Besetzung des Linken Rheinufers durch französischen Revolutionstruppen unter der Hoheit von Nassau-Weilburg. Unter französischer Herrschaft wurde Rüssingen dem Kanton Göllheim zugeteilt und der Mairie Göllheim direkt unterstellt.

Urkundlich nachweisbar war von 1135 bis 1424 ein Niederadelsgeschlecht, die Herren von Rüssingen, im Ort ansässig, die als Lehnsleute in Diensten der Herren von Bolanden standen.

Die geschlossene Außenfront des Dorfes lässt vermuten, dass Rüssingen im Mittelalter befestigt war, was allerdings nicht urkundlich zu belegen ist.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Rüssingen besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl SPD GRÜNE FWG Gesamt
2014 2 2 4 8 Sitze
2009 3 2 3 8 Sitze
2004 3 1 4 8 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein silbernes springendes lediges Pferd, goldbewehrt, -bemähnt und -beschweift“.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Adolphslinde war ein über 700 Jahre alter Lindenbaum nordwestlich des Dorfes, mit einem Stammumfang von 8 m. Der Sage nach lagerte 1298 Adolf von Nassau einen Tag vor der Schlacht am Hasenbühl gegen Albrecht von Österreich bei Rüssingen und brach sich einen Zweig dieses Baumes als Helmzier ab. Galgen und Schindanger lagen im Mittelalter ganz in der Nähe, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Linde um den Gerichtsbaum des Ortes handelte. Der Baum fiel im Oktober 1952 einem Sturm zum Opfer. Heute steht unweit der Stelle eine neugepflanzte Linde. Der Heimatdichter Rudolf Dietz (1863–1942) erwähnt sie in einem seiner Gedichte.
  • Rüssingen ist wie seine Nachbargemeinden Biedesheim und Ottersheim ein typisches langgestrecktes Straßendorf. Bemerkenswert ist die nahezu vollständig geschlossene historische Bausubstanz, überwiegend aus dem 18. und 19. Jh. stammender, klassizistischer Hofbauten entlang der Hauptstraße.
  • Sehenswert ist die in der Ortsmitte gelegene protestantische Kirche. Ein im Kern romanischer, barock überformter Bau aus dem 11. Jahrhundert. Darum gelegen der Friedhof mit altem Baumbestand, zwei Kriegerdenkmälern und Grabsteinen aus mehreren Jahrhunderten. Kunsthistorisch keinesfalls unbedeutend ist ein Taufbecken aus der Spätgotik. Dieses fand nach wechselvoller Geschichte im Kapitelsaal der Kartäuser Kirche (Germanisches Nationalmuseum) in Nürnberg seinen neuen Platz.[5]

    Bis auf die um das Jahr 1700 abgerissene und neu aufgebaute Apsis und die um 1770 vergrößerten Fenster hat sich die Kirche weitgehend in den romanischen Formen erhalten.
    Protestantische Kirche
    Die drei unteren, mit Eckquadern versehenen Geschosse des Westturmes stammen noch aus romanischer Zeit, das vierte mit Sonnenuhr, samt der Turmhaube wurden ebenfalls im Barock erneuert. Das unterste Geschoss wurde bei Sicherungsmaßnahmen in den 1970er Jahren außen mit Sandstein verblendet, innen wurden an den Wänden rundbogige Doppelnischen zugemauert; das zweite ist mit Lisenen und zweischichtigen Blendbögen gegliedert, im dritten schließlich befinden sich Doppelfenster, mit Mittelsäulen und Würfelkapitellen. Die Schlusssteine der barocken Fenster des Schiffes sind mit „SXA“ gekennzeichnet, was auf die Zugehörigkeit zu dem und die Unterhaltung durch das Andreasstift in Worms hindeutet.
    Man betritt die Kirche von Süden her. Der einzigartige romanische Türsturz, mit Kreuz, um das sich Tauben scharen, umgeben von einem Löwen und einem Drachen, unter dem ein Mann mit einem Speer und an der linken Seite zusätzlich angebrachten Knotenornamente gibt bis heute Rätsel auf. Darüber ein Entlastungsbogen mit Widderkopf als Schlussstein. Der ursprüngliche Türsturz wurde bereits 1937 wegen starker Verwitterung ausgebaut und durch eine Kopie ersetzt; das Original befindet sich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Das Innere ist heute ein schlichter, aber dennoch schön gestalteter Raum. Bei der schon erwähnten Renovierung in den Jahren 1973-75 wurde die Nutzungsrichtung von Ost nach West verkehrt. Der Altar wurde damals im Turmuntergeschoss aufgestellt und das Gestühl nach Westen ausgerichtet. Diese Maßnahme wurde bei der letzten Renovierung nach 2010 wieder rückgängig gemacht. Die ursprüngliche, liturgische Nutzung dieses untersten Raumes im Turm ist unbekannt. Ein romanischer Chorbogen trennt die Apsis, in der sich wegen Platzmangel die Orgelempore befindet, vom kurzen Kirchenschiff. Die massiv gemauerte, nördlich gelegene Sakristei erreicht man durch eine spitzbogige Tür, mit noch originalen Beschlägen.

    Das ursprünglich katholische Gotteshaus war dem Hl. Martin geweiht. Nach der Reformation wurde es den Protestanten übergeben. Ab dem Frieden von Rijswijk bis zum Bau einer eigenen katholischen Kirche 1972 bestand ein Simultaneum. Der Altarstein des transportablen katholischen Altares kam nach dem Ende des Simultaneums nach Göllheim und befindet sich heute im Zelebrationsaltar der Göllheimer katholischen Kirche.[6]
Wingertshäuschen
  • Die Kreuzkapelle stand unweit der Adolphslinde. Sie war wohl eine vorreformatorische Stiftung der Grafen von Nassau, die sie um 1469 mit Bezug zu dem nahen Göllheimer Königskreuz zum Gedenken an ihren Vorfahren Adolph von Nassau errichten ließen. Im dreißigjährigen Krieg beschädigt, verfiel sie bis Ende des 17. Jh.s; die oberirdischen Teile wurden zum Wiederaufbau des Dorfes genutzt. 1910 entdeckte man die Fundamente wieder, daneben fanden sich bemalte Glasscheiben und spätgotische Gewölbesteine. Aus den Steinen der Grundmauern wurde 1911 ein Haus in der Hauptstraße errichtet.[6]
  • Ungefähr 500 m nördlich des Dorfes liegt der nicht zu übersehende Steinbruch der Firma Dyckerhoff. Seit den 60er Jahren des 20. Jh.s wird hier Kalkstein für die Zementgewinnung abgebaut. Der mächtige Steinbruch, mit seiner markanten gelb-weißen Silhouette, kennzeichnet schon von fern das Dorf und ist mittlerweile zu einem Rückzugsgebiet für Wildtiere geworden.
  • Annähernd auf halber Strecke zwischen dem Dorf und dem Steinbruch steht ein für die Gegend untypisches Weinberghäuschen (Wingertshäuschen). Das aus Kalkstein gemauerte, bienenkorbförmige Häuschen - ähnlich italienischen Trulli - steht heute inmitten von Feldern, weist aber auf die frühere Nutzung als Weinberg (Wingert) hin. Leider wurde es in den 1980er Jahren bei Erhaltungsmaßnahmen mit Zement verputzt. Solche Bauten finden sich ehr im rheinhessischen Raum.

Einige Sehenswürdigkeiten:

Siehe auch:

Kerwe (Kirchweih): zwei Kerweborsch beim Verlesen der Kerwerede

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorffest am 3. Wochenende im Juni
  • Kerwe am 1. Wochenende im September
  • "Gaulssteigwanderung" im Oktober
  • Nikolausmarkt am 2. Adventswochenende

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die A 63 (Mainz - Kaiserslautern) im Westen besteht Anschluss an den Fernverkehr.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rüssingen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 89 (PDF; 2,3 MB)
  3. a b M. Hoffmann: Die Verbandsgemeinde Göllheim - Ein kulturhistorischer Reiseführer, Göllheim 1997
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Der Rüssinger Taufstein bei www.heimat-pfalz.de
  6. a b S. Altmayer; M. Ries: 1686–1986 300 Jahre katholische Pfarrei Göllheim nach ihrer Wiedererrichtung