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Saint-Dié-des-Vosges

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Saint-Dié-des-Vosges
Saint-Dié-des-Vosges (Frankreich)
Saint-Dié-des-Vosges (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Vosges (88)
Arrondissement Saint-Dié-des-Vosges
Kanton Saint-Dié-des-Vosges-1, Saint-Dié-des-Vosges-2
Gemeindeverband Saint-Dié-des-Vosges
Koordinaten 48° 17′ N, 6° 57′ OKoordinaten: 48° 17′ N, 6° 57′ O
Höhe 310–891 m
Fläche 46,15 km²
Einwohner 19.251 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 417 Einw./km²
Postleitzahl 88100
INSEE-Code
Website www.saint-die.eu

Rue Thiers im neu aufgebauten Teil von Saint-Dié-des-Vosges

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Saint-Dié-des-Vosges [sɛ̃ dje de voʒ (französisch, früher Sankt Diedolt oder auch Sankt Didel) ist eine französische Stadt mit 19.251 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023)[1] im Département Vosges in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie ist Verwaltungssitz (Unterpräfektur) des Arrondissements Saint-Dié-des-Vosges und Sitz des Gemeindeverbandes Saint-Dié-des-Vosges.

Lage von Saint-Dié-des-Vosges im Département Vosges
Blick von Südwesten auf die Stadt in den Vogesen

Die Stadt Saint-Dié liegt am Rand des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges an der Westabdachung der Vogesen. Durch das Stadtgebiet fließt die obere Meurthe. Nachbargemeinden von Saint-Dié-des-Vosges sind Hurbache und Denipaire im Norden, Saint-Jean-d’Ormont und Ban-de-Sapt im Nordosten, Nayemont-les-Fosses im Osten, Sainte-Marguerite und Saulcy-sur-Meurthe im Südosten, Taintrux im Süden, Les Rouges-Eaux und Mortagne im Westen sowie Saint-Michel-sur-Meurthe und La Voivre im Nordwesten.

Rue d’Alsace am unzerstörten linken Ufer der Meurthe

Der Name der Stadt geht auf den legendären Einsiedler Deodatus, Bischof von Nevers zurück, der im Jahr 679 hier gestorben sein soll.[2] Im Vertrag von Meerssen wird sie 870 als eine der wichtigen Orte erwähnt, die dem neuen Reich Ludwigs des Deutschen zugeschlagen wurde (Regesta Imperii I., Nr. 1480).

Im Jahr 1507 wurde in Sankt Didel von Martin Waldseemüller eine Landkarte veröffentlicht, in der der neuentdeckte Erdteil Amerika erstmals so benannt wurde – nach Amérigo Vespucci, dem Waldseemüller bzw. Matthias Ringmann die Entdeckung zuschrieb. Die 1910 in New York gegründete Saint-Dié-Society wollte die Erinnerung an dieses Ereignis wachhalten.[3]

Der französische Einfluss in der Region, die Teil des Heiligen Römischen Reiches war, nahm stetig zu. Im späten 17. Jahrhundert wurde das Elsass von Frankreich annektiert, Lothringen fiel 1766 an Frankreich. Aus dem 1871 errichteten Reichsland Elsaß-Lothringen zogen einige Elsässer zu.

Seit 1777 ist die Stadt Namensgeberin eines Bistums.

Nach der systematischen und fast kompletten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch die sich zurückziehende deutsche Wehrmacht und die Deportation der männlichen Bevölkerung zur Zwangsarbeit nach Deutschland im November 1944 sollte die Stadt im nüchternen Stil der 50er Jahre nach Plänen von Le Corbusier wiederaufgebaut werden.[4] Stattdessen erhielten Jacques André und Paul Malot den Auftrag zum Wiederaufbau. Der für die Zerstörung verantwortliche General Hermann Balck wurde in Abwesenheit von einem französischen Militärgericht zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[5]

Neben Balck waren auch der ehemalige Kommandierende General der IV. Luftwaffenfeldkorps, General Erich Petersen, der ehemalige Oberbefehlshaber der 19. Armee, General der Infanterie Friedrich Wiese, und der ehemalige Kommandeur der 198. Infanterie-Division, Generalmajor Otto Schiel, angeklagt. Diese wurden freigesprochen. Petersen und Schiel wurden vom französischen Gericht wegen Kriegsverbrechen schuldig gesprochen. Aufgrund einer französischen Verordnung von 1944 mussten aber beide die Strafe doch nicht antreten.[6]

Bevölkerungsentwicklung

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Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2016 2023
Einwohner 23.108 25.117 25.423 23.759 22.635 22.569 21.642 19.748 19.251
Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten

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  • Tour de la Liberté (Freiheitsturm), anlässlich der Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution 1989 von Jean-Marie Hennin (Architekt) und Nicolas Normier (Spezialist für Metallbau) zunächst in den Tuilerien von Paris errichtet. Die Einweihung in Saint-Dié erfolgte am 14. Juli 1990. Widmung der Künstler: Aller eingesetzte Eifer und jede verbrauchte Energie zur Erreichung der Freiheit widmen wir denen, für die jede Hoffnung auf Erreichung vor dem Unverständnis und der Angst der anderen aufhört, den körperlich und geistig Behinderten, Asylanten und Verlassenen. Höhe 36 Meter, Länge der großen Flügel 32 Meter.
  • Kathedrale Saint-Dié (romanisches Langhaus, Einwölbung 13. Jahrhundert, massive Zweiturmfassade des 18. Jahrhunderts). In der Seitenansicht wird das Langhaus, ungewöhnlich für die Romanik, durch Strebebögen und Stre}bepfeiler (Gewölbeschub des Langhauses) strukturiert.
  • Liebfrauenkirche (Église Notre-Dame-de-Galilée), einheitlich ausgewogener romanischer Innenraum mit klassischer Flächengliederung, Einwölbung mit Kreuzgratgewölben. Im Westen massiger Portalturm vorgebaut.
  • Kreuzgang (Cloitre gothique) zwischen Kathedrale und Liebfrauenkirche, unvollendet in spätgotischen Formen mit Maßwerkfenstern. Am Ostflügel eine vom Kreuzgang zu betretende kleine Außenkanzel.
  • Église Saint-Marin (Martins-Kirche)
  • Chapelle Saint-Roch (Sankt-Rochus-Kapelle)
  • Brunnen
  • Manufaktur Claude et Duval (Architekt Le Corbusier)[7]
  • Museum Pierre-Noël
  • Roche Saint-Martin
  • Bergrücken La Bure

Bildungseinrichtungen

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  • Technisches Hochschulinstitut: IUT (Institut universitaire de technologie)
  • Lycée Jules-Ferry, Gymnasium

Die Fußballer der Sports Réunis Déodatiens, die um 1980 mehrere Jahre in der zweiten Division spielten, tragen heute ihre Heimbegegnungen im Stade Émile Jeanpierre aus.

Regelmäßige Veranstaltungen

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Bahnhof

Der Bahnhof von Saint-Dié wurde 1864 von der Compagnie des chemins de fer de l’Est (EST) mit dem letzten Abschnitt der Bahnstrecke Lunéville–Saint-Dié eröffnet. Durch deren Verlängerung nach Arches wurde er 1876 zum Durchgangsbahnhof, bis 1904 umgebaut und im Ersten Weltkrieg durch deutsches Bombardement beschädigt. Ein Abzweig nach Provenchères-sur-Fave machte ihn 1923 zum Trennungsbahnhof; durch einen Lückenschluss wurde dieser Abschnitt 1928 Teil der Bahnstrecke Strasbourg–Saint-Dié. Anlässlich der Ankunft des ersten TGV-Hochgeschwindigkeitzugs aus Paris wurde der Bahnhof renoviert und modernisiert.

Aktuell wird der Bahnhof aus allen drei Richtungen von Regionalzügen des TER Grand Est bedient. Einmal täglich (morgens hin, abends zurück) verkehrt ein TGV über Lunéville, Nancy und die Schnellfahrstrecke LGV Est européenne direkt zum Bahnhof Paris-Est.

In der Stadt beginnt in westliche Richtung die Nationalstraße N 59 nach Nancy. Richtung Straßburg bzw. Colmar führt die alte Hauptverbindung D 459 als teilweise sehr kurvenreiche Passstraße durch die Vogesen. Die heutige Hauptroute nach Osten ist der mautpflichtige Maurice-Lemaire-Tunnel als N 159, die dann als östlicher Zweig der N 59 bis fast zur Autobahn A 35 führt.

Der Flughafen Straßburg ist 95 km weit entfernt, der Euroairport Basel 125 km. Östlich der Nachbargemeinde Remomeix befindet sich der Flugplatz Saint-Dié-Remomeix.

Persönlichkeiten

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  • Weitere Persönlichkeiten

Siehe auch: Liste der Bischöfe von Saint-Dié

Saint-Dié-des-Vosges unterhält freundschaftliche Beziehungen zu acht Städten in acht Ländern:[8]

Commons: Saint-Dié-des-Vosges – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Populations légales 2020 − Commune de Saint-Dié-des-Vosges (88413) | Insee. Abgerufen am 25. Oktober 2023.
  2. Ekkart Sauser: DEODAT. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 918–919.
  3. Das „Mekka der Neuen Welt“, in: Hannoverscher Courier Nr. 28604, 14. April 1910, S. 1 f.
  4. Stefan Woltersdorff: Literarisches Lothringen. Conte Verlag, Saarbrücken 2012, ISBN 978-3-941657-40-3, S. 372.
  5. Verbrannte Erde. In: gedenkorte-europa.eu. Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 e.V., abgerufen am 25. März 2022.
  6. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg?: Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70741-0, S. 496.
  7. Usine Claude-et-Duval Saint-Dié-des-Vosges, France, 1946-1950. In: Fondation Le Corbusier. 2025, abgerufen am 15. November 2025 (französisch).
  8. Saint-Dié-des-Vosges, une ville ouverte sur le monde