Béla Guttmann

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Béla Guttmann

Guttmann 1925 im Trikot von Hakoah Wien

Spielerinformationen
Geburtstag 27. Jänner 1899
Geburtsort BudapestÖsterreich-Ungarn
Sterbedatum 28. August 1981
Sterbeort WienÖsterreich
Position Abwehr/Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1917–1919 Törekvés
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1919–1921
1922–1926
1926
1926–1929
1929–1930
1930
1931–1932
1932–1933
MTK Budapest FC
SC Hakoah Wien
Brooklyn Wanderers
New York Giants
New York Hakoah
New York Soccer Club
Hakoah All-Stars
SC Hakoah Wien

96 0(8)

83 0(2)
21 0(0)
22 0(0)
50 0(0)
04 0(0)
Nationalmannschaft
1921–1924 Ungarn 04 0(1)
Stationen als Trainer
1933–1935
1935–1937
1937–1938
1938–1939
1945
1946
1947
1947–1948
1949–1950
1950–1951
1953
1953
1953–1955
1955–1956
1956–1957
1957–1958
1958–1959
1959–1962
1962
1964
1965–1966
1966–1967
1967
1973
1973
SC Hakoah Wien
Sportclub Enschede
SC Hakoah Wien
Újpest Budapest
Vasas Budapest
Ciocanul Bukarest
Újpest Budapest
Kispesti AC
Calcio Padova
US Triestina
Quilmes AC
APOEL Nikosia
AC Mailand
Lanerossi Vicenza
Honvéd Budapest
FC São Paulo
FC Porto
Benfica Lissabon
CA Peñarol
Österreich
Benfica Lissabon
Servette FC Genève
Panathinaikos Athen
FK Austria Wien
FC Porto
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Béla Guttmann (* 27. Jänner 1899 in Budapest; † 28. August 1981 in Wien) war ein ungarischer Fußballspieler und -trainer. Sein größter Erfolg waren die zwei Triumphe im Europapokal der Landesmeister mit Benfica Lissabon 1961 und 1962. Er gilt als Entdecker des portugiesischen Fußballstars Eusébio. Bekannt ist er vor allem auch als Namensgeber des Guttmann-Fluchs mit dem er 1962 als Trainer seinen damaligen Verein Benfica Lisabon verflucht haben soll.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Seine Spielerkarriere begann Guttmann 17-jährig in der ersten ungarischen Liga bei Törekvés, bevor er 1919 zum MTK Budapest wechselte, mit dem er 1920 und 1921 die ungarische Meisterschaft gewann. Bereits bevor in Ungarn 1925 offiziell der Profifußball eingeführt wurde, kassierten viele Spieler verdeckt hohe Gagen. Béla Guttmann wechselte Anfang 1922 zu Hakoah Wien. Der Autor Ludwig Tegelbeckers wies nach, dass der Wechsel Guttmanns nach Österreich vor dem Hintergrund eines Schwarzgeld-Skandals in Ungarn stattfand, in dessen Verlauf die illegale Bezahlung etlicher Spieler aufflog und bestraft wurde.

Mit der rein jüdischen Mannschaft von Hakoah Wien holte Guttmann in der Saison 1924/25 die österreichische Meisterschaft, es war die erste Profisaison im österreichischen Fußball. Guttmann stand auch in der Hakoah-Elf, die am 3. September 1923 den englischen Cup-Finalisten West Ham United auf dessen eigenem Platz mit 5:0 bezwang und damit als erste kontinentale Mannschaft überhaupt ein Spiel in England gewinnen konnte.

Mit der Wiener Hakoah, die in den 1920er Jahren Tourneen in der ganzen Welt unternahm, bereiste Guttmann 1926 die USA und ging nach Abschluss der Reise in der nordamerikanischen Soccer-League bei den New York Giants unter Vertrag. In seinen sechs New Yorker Jahren spielte Guttmann an fünf Stationen für insgesamt vier Teams (New York Giants, New York Hakoah FC, Hakoah All Stars Brooklyn, New York Soccer Club). Gleichzeitig avancierte er zum Geschäftsmann: Er organisierte Varieté-Auftritte europäischer Fußballspieler (an denen er auch persönlich mitwirkte) und war – bis zum Börsencrash 1929 – Teilhaber einer der größten New Yorker Bars.

Im Herbst 1932 verließ Béla Guttmann die USA und kehrte nach Österreich zurück. Für Hakoah Wien lief er bis zum Ende der Saison 1932/33 noch einmal als Spieler auf, bevor – bei ebendiesem Club – im Juli 1933 die vier Jahrzehnte lange Trainerkarriere Guttmanns begann.

Trainerkarriere[Bearbeiten]

Als Trainer arbeitete Béla Guttmann an 24 Stationen für 18 Vereinsmannschaften und eine Nationalmannschaft (Österreich) in 13 Ländern Europas, Nord- und Südamerikas.

Der erste große Erfolg in der Trainerlaufbahn des Ungarn war der Gewinn des Mitropacups, des historischen Vorläufers der heutigen Champions League, mit Újpest Budapest im Spätsommer 1939, unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Wo und auf welche Weise Guttmann den Krieg und den Holocaust überlebte, ist bislang unerforscht. Zeitgenossen Guttmanns berichteten, dass der Trainer, als er 1945 in Budapest wieder auf der Bildfläche erschien, Portugiesisch sprach (das er vor dem Krieg noch nicht beherrschte). Der Autor Detlev Claussen verneint dies in seinem 2006 erschienenen Guttmann-Buch und hält den Verbleib Guttmanns in Budapest für wahrscheinlich, allerdings ohne jeden Beleg.

Nach dem Krieg trainierte Guttmann zunächst Vasas Budapest (1945), Ciocanul Bukarest (1946), erneut Újpest (1946/47) und dann Kispest Budapest (1947/48). Danach verließ Guttmann Ungarn erneut. 1949 ging er nach Italien und trainierte in der Serie A Padova Calcio (1949/50) und dann die US Triestina (1950/51). 1952 war Guttmann laut inoffiziellen Quellen im Trainerstab der ungarischen Nationalmannschaft tätig, die bei den Olympischen Spielen in Helsinki Gold gewann. Ab Jänner 1953 war Guttmann Trainer des argentinischen Zweitligateams Quilmes, bevor er im gleichen Jahr für einige Monate die Elf von APOEL Nikosia coachte.

Béla Guttmann (1953)

Ab November 1953 war Béla Guttmann Trainer des AC Mailand. Im Frühjahr 1955 fiel er – mit dem Team an der Spitze der Serie A stehend – einer vereinsinternen Intrige zum Opfer. Guttmann wurde entlassen, obwohl – wie er auf einer Pressekonferenz mitteilte – „ich weder schwul noch kriminell bin“. Milan gewann die Meisterschaft ohne den Ungarn. Als nächste – und letzte – Station in der Serie A folgte 1955/56 noch ein Engagement für Lanerossi Vicenza. Guttmann verließ Italien im Zorn und mit vielen zwar negativen, aber letztlich lehrreichen Profifußball-Erfahrungen im Gepäck. Was folgte, waren die erfolgreichsten Jahre seiner Karriere.

Im Spätherbst 1956 schloss sich Guttmann der Exil-Mannschaft von Honvéd Budapest an. Das Team um Ferenc Puskás, das bis dahin den Kern der legendären „goldenen“ ungarischen Fußball-Nationalmannschaft gebildet hatte, war nach dem Ungarn-Aufstand im Oktober 1956 nicht mehr von einer Auslandsreise zurückgekehrt. Es ging auf eine Südamerikatournee, die Guttmann als Trainer betreute. Puskas und Guttmann waren alte Bekannte aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Kispest (nicht lange nach Guttmanns Weggang von Kispest 1948 wurde das Team zur Mannschaft der ungarischen Armee und deshalb in „Honvéd“ umbenannt – Zentraler Sportklub der Armee). Die Tournee führte Honvéd und Guttmann nach Brasilien. Während aber das Team im Februar 1957 nach Europa zurückreiste und sich dort auflöste, blieb Guttmann in Brasilien und wurde Coach des FC São Paulo.

Die Bedeutung des Guttmann-Engagements in Brasilien wurde lange Zeit unterschätzt. Erst der englische Autor Rogan Taylor brachte Ende der 1990er Jahre in die Erinnerung der internationalen Fußball-Öffentlichkeit zurück, dass es Guttmann war, der das angriffsbetonte und kreative 4-2-4-System nach Brasilien brachte – jenes Spielsystem also, mit dem die brasilianische Nationalelf 1958 nach Schweden reiste und dort zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde.

Guttmann kann daher als der zweite ungarische Fußballpionier in Brasilien angesehen werden. Bereits Ende der 1930er Jahre sorgte Izidor Kürschner für einen Innovationsschub, als er neben europäischer Trainingsmethodik das WM-System nach Brasilien brachte. Zusammen mit Gyula Mándi, der Ende der 1950er beim America FC in Rio war, sind diese beiden die einzigen europäischen Trainer, die sich in Brasilien behaupten konnten – und alle drei spielten zum Anfang ihrer fußballerischen Karriere beim MTK in Budapest.

Triumphe in Lissabon[Bearbeiten]

Im Sommer 1959 kehrte Guttmann nach Europa zurück und ging beim FC Porto unter Vertrag. Er holte mit dem Team nach einem „Herzschlagfinale“ auf Anhieb den portugiesischen Titel, um direkt im Anschluss zum – diesmal – unterlegenen Konkurrenten Benfica Lissabon zu wechseln. Über die folgenden, wohl glücklichsten Jahre in der Trainerkarriere Guttmanns schrieb der Autor Detlev Claussen:

„In Lissabon, wo mit Béla Guttmann der rechte Mann zur rechten Zeit am rechten Ort stand, berührten sich Brasilien und Europa buchstäblich. Guttmann konnte die brasilianischen Stilelemente, die er in São Paulo selbst mit entwickelt hatte, in den europäischen Fußball integrieren. Und er konnte mit seinen jungen Spielern, die sich an brasilianischen Idealen orientierten, eine ganz neue Mannschaft kreieren“.

Vereinswappen von Benfica Lissabon

Mit Benfica holte Guttmann 1960 und 1961 den portugiesischen Titel. Vor allem aber trumpfte er mit seinem Team im Europapokal der Landesmeister auf, der Königsklasse des europäischen Vereinsfußballs, die seit ihrer Einführung im Jahr 1955 von Real Madrid dominiert worden war. Erst Benfica mit Béla Guttmann als Trainer durchbrach die Dominanz der Spanier. 1961 bezwang die Elf den FC Barcelona in Bern mit 3:2. Im Jahr darauf kam es zum direkten Showdown mit Real Madrid in Amsterdam. Das Finale von 1962 gilt bis heute als eines der besten in der Geschichte des europäischen Fußballs. Real Madrid wurde von Guttmanns Benfica förmlich überrollt, nach anfänglicher Führung der Madrilenen, 2:0 bzw. 3:2, drehte das furios spielende Benfica in der zweiten Hälfte das Spiel und gewann 5:3. Matchwinner war der erst 20-jährige Eusebio, der mit seinen Treffern zum 4:3 und 5:3 innerhalb von drei Minuten das Spiel entschied.

Guttmann verließ im Zorn Benfica Lissabon 1962 auf dem Höhepunkt seines Ruhms, noch vor dem am 1. Juli stattfindenden Pokalfinale, weil man ihm eine geforderte Gehaltserhöhung nicht genehmigt hatte. Er soll daraufhin unter Ausstoßung des Fluches „In den nächsten 100 Jahren wird Benfica nie wieder einen Europacup gewinnen“ gekündigt haben.[1]

Was nach 1962 folgte, war im Grunde nur noch sein schrittweiser Abstieg. Denn nie wieder, an keiner der noch folgenden Stationen, konnte der Trainer nur annähernd noch einmal an das vorher Erreichte anknüpfen.

Nach seiner raschen Abreise aus Lissabon übernahm er kurz darauf Peñarol Montevideo als Nachfolger von Roberto Scarone, der mit diesem Verein drei[2] Meisterschaften in Serie, zweimal die damals noch Copa Campeones de América genannte Copa Libertadores und einmal den Weltpokal, bei dem er im Vorjahr noch Benfica im Finale mit 5:0 überrollte, gewonnen hatte. Scarone schloss sich dem Stab der Nationalmannschaft für die 1962 in Chile stattfindende Weltmeisterschaft an. Am 8. Juli saß Guttman bereits beim Halbfinalspiel um den Südamerikapokal gegen den Stadtrivalen Nacional auf der Bank, über den Peñarol schließlich nach drei Spielen das Finale gegen den aufstrebenden Santos FC um Pelé erreichte. Dort scheiterte Guttman mit Peñarol nach Ergebnissen von 1:2 und 3:2 im notwendig gewordenen Entscheidungsspiel in Buenos Aires klar mit 0:3. Für Guttmann war das auch das Ende vom Traum, letztendlich doch noch den Weltpokal, eben in den Endspielen gegen seinen Vorverein Benfica, zu gewinnen. Die Rache fiel aus.

Zu jenem Zeitpunkt schwelte bereits die Unzufriedenheit mit Guttmann, der sich mit einem Kauderwelsch aus Portugiesisch und Italienisch verständlich machte und dem es schwer fiel, die Namen der Spieler im Gedächtnis zu behalten. Fehler in der Aufstellung wurden ihm vorgeworfen, als er beispielsweise den Flügelstürmer Julio Abbadie in die Defensive abordnete, und auch die offensivere Taktik, die er den Schwarz-Gelben verordnete und die einen Abschied von der vornehmlich auf Konter ausgelegten typisch uruguayischen Spielweise bedeutete, wurde kritisiert. Dies kulminierte schließlich im Oktober in der Trennung, und es war Juan Pelegrín Anselmo vorbehalten, Peñarol zur fünften Meisterschaft hintereinander zu führen.[3] Luciano Álvarez berichtet, dass offenbar gesundheitliche Gründe den Rückzug Guttmans im Anschluss an den am 14. Oktober 1962 mit 4:1 gewonnenen Clásico gegen Nacional bedingten. Zudem sei Guttmann zur Spielzeit 1963 zu den Aurinegros zurückgekehrt.[4]

Béla Guttmann (November 1966)

Im März 1964 heuerte Guttmann als Teamkapitän, als Teamchef, der österreichischen Nationalmannschaft an, und dies sogar mit einer – im Rahmen des Möglichen – sehr guten Bilanz (3/2/1). Nach dem österreichischen Autor Michael John führten letztlich öffentlich geäußerte antisemitische Ressentiments dazu, dass Guttmann sein Amt bereits im Oktober enttäuscht wieder aufgab.

Ab 1965 sank der Stern des Trainers Béla Guttmann dann endgültig. Sein zweites Engagement bei Benfica Lissabon in der Saison 1965/66 endete im Frühjahr 1966 mit dem demütigenden Rauswurf Guttmanns an der Stätte seiner größten Triumphe. Die anschließende Trainerstation in der Schweiz bei Servette Genf (1966/67) nahm denselben Verlauf: Entlassung wegen Misserfolgs im Frühjahr 1967. Sein folgendes Engagement in Griechenland bei Panathinaikos Athen beendete Guttmann 1967 nach wenigen Spielen selbst.

1973 erschien Béla Guttmann ein letztes Mal auf der Fußballbühne: Als technischer Direktor bei FK Austria Wien sowie danach nochmals als Trainer des FC Porto, wo er als Tabellenvierter der portugiesischen Liga im Sommer 1974 75-jährig endgültig seine Karriere beendete.

Am 28. August 1981 starb Béla Guttmann in Wien und wurde am Wiener Zentralfriedhof begraben.[5]

Erfolge[Bearbeiten]

Als Spieler (1916–1933)

Als Trainer (1933–1974)

Guttmann-Fluch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Guttmann-Fluch

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Detlev Claussen, Béla Guttmann. Weltgeschichte des Fußballs in einer Person, Berenberg Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-937834-11-7
  • Ludwig Tegelbeckers, Béla Guttmann. Weltenwanderer ohne Kompromiss. In: Dietrich Schulze-Marmeling, Davidstern und Lederball, S. 347-368, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-407-3
  • Rogan Taylor & Klara Jamrich, Puskas on Puskas. The Life and the Times of a Footballing Legend, Robson Books, London 1997, ISBN 1-86105-083-6
  • Michael John & Dietrich Schulze-Marmeling, "Hauts die Juden". Antisemitismus im europäischen Fußball. In: Dietmar Beiersdorfer e.a., Fußball und Rassismus, S. 133-160, Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1993, ISBN 3-923478-73-9
  • Jenő Csaknády, Die Béla Guttmann Story. Hinter den Kulissen des Weltfußballs, Bintz-Dohany, Offenbach/M. 1964, ohne ISBN

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Béla Guttmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.goal.com/br/news/619/especiais/2014/05/14/4815909/nem-em-100-anos-o-benfica-ser%C3%A1-campe%C3%A3o-europeu-novamente-a?ICID=HP_FT_1
  2. Marcos Silvera Antúnez: Club Atlético Peñarol - 120, "Directores Técnicos", Ediciones El Galeón, Montevideo 2011, S. 192f - ISBN 978-9974-553-79-8
  3. Gustavo Martín: Guía Campeonato - Campeones, Observa, Uruguay, 14. August 2010
  4. Luciano Álvarez: Historia de Peñarol, 3. Auflage 2010, 424ff
  5. Aloys Behler: A Fußballer woa dös, Artikel der Zeit vom 7. Juni 2006