Günter Blobel

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Günter Blobel 2008

Günter Blobel (* 21. Mai 1936 in Waltersdorf) ist ein deutschstämmiger US-amerikanischer Biochemiker.

Er erhielt 1999 den Nobelpreis für Medizin „für die Entdeckung der in Proteinen eingebauten Signale, die ihren Transport und die Lokalisierung in der Zelle steuern“. Hauptforschungsgebiet von Blobel sind vor allem die Mechanismen der innerzellulären Sortierung von Proteinen und die Suche nach Möglichkeiten, ihre Funktion optimal zu erhalten.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Blobels Familie flüchtete Ende Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee aus dem heimatlichen Schlesien. Auf der Flucht Richtung Westen durchquerte sie das noch unzerstörte Dresden, das einen tiefen Eindruck auf den Neunjährigen machte. Nur Tage danach erlebte die Familie aus der Entfernung von etwa 30 Kilometern die Zerstörung der Stadt durch die alliierten Luftangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945. Der in der Nacht weithin sichtbare Feuerschein der brennenden Stadt blieb dem jungen Blobel unvergesslich in Erinnerung. Noch kurz vor Kriegsende, am 10. April 1945, wurde seine älteste, damals 19-jährige Schwester Ruth bei einem Bombenangriff auf einen Flüchtlingszug in der Nähe von Schwandorf getötet und dort in einem Massengrab beerdigt. Die Familie erfuhr davon jedoch erst Monate später.

Nach dem Kriegsende erwies sich die Rückkehr nach Schlesien als unmöglich und die Blobels ließen sich in Freiberg nieder, wo Günter Blobel aufwuchs und am Geschwister-Scholl-Gymnasium 1954 das Abitur ablegte. Nach dem Medizinstudium in Frankfurt am Main, München, Kiel, Freiburg im Breisgau und Tübingen promovierte er 1967 zum Ph.D. an der University of Wisconsin und wechselte danach an die Rockefeller University, New York, wo er mit dem späteren Nobelpreisträger George Emil Palade zusammenarbeitete. Im Jahre 1987 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Jahre 1992 wurde er zum ordentlichen Professor an der Rockefeller University ernannt.

Blobel entdeckte, dass viele Proteine eine sogenannte Signalsequenz besitzen, die dazu dient, das Protein nach seiner Herstellung in der Zelle (die sogenannte Proteinbiosynthese) an die richtige Stelle zu bringen. Für diese Entdeckung erhielt er 1999 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Rund 820.000 Euro des Preisgeldes des Nobelpreises hat Blobel im Gedenken an seine im Krieg getötete ältere Schwester Ruth für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden gespendet, namentlich an die von ihm selbst gegründete Stiftung „Friends of Dresden“, die sich dem Ziel des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche verschrieben hat. Er war Ehrenmitglied im Kuratorium Frauenkirche. Aufgrund der Entscheidung zum Einbau einer modernen Orgel gab er diese Ehrenmitgliedschaft im Jahre 2003 zurück.

Blobel setzt sich auch sehr für den Erhalt der Dresdner Elbwiesen und die originalgetreue Rekonstruktion des Neumarkts ein. Auch auf seine Initiative hin hat die UNESCO untersuchen lassen, ob das Weltkulturerbe Dresdner Elbtal durch den Bau der sehr umstrittenen Waldschlößchenbrücke gefährdet ist. Nach einem entsprechenden Gutachten wurde das Elbtal auf die „Rote Liste des gefährdeten Welterbes“ gesetzt und im Jahr 2009 der Titel schließlich aberkannt. Blobel setzte sich außerdem für einen originalgetreuen Wiederaufbau der 1968 gesprengten Leipziger Universitätskirche St. Pauli ein.

Seit dem 19. Juni 2000 ist Blobel Ehrensenator der Technischen Universität Dresden, am 20. Juni 2000 wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Freiberg verliehen und am 21. Mai 2001 erhielt er die Ehrendoktorwürde an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg.

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günter Blobel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien