Offizierschule der Luftwaffe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Offizierschule der Luftwaffe
Verbandsabzeichen
Verbandsabzeichen
Aufstellung 1956
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Luftwaffe with lettering.svg Luftwaffe
Unterstellung Kommando Unterstützungsverbände Luftwaffe
Standort Fürstenfeldbruck
Motto Ich will!
Führung
Kommandeur Brigadegeneral Bernhardt Schlaak[1]

Die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck ist die zentrale Ausbildungsstätte für den gesamten Offiziernachwuchs der deutschen Luftwaffe. Die Offizierschule ist auf dem Kasernengelände des ehemaligen Militärflugplatzes in Fürstenfeldbruck im so genannten Blauen Palais untergebracht. Neben der eigentlichen Offizierausbildung dient die Schule der Fort- und Weiterbildung von Offizieren und Unteroffizieren. Im Zuge der Bundeswehrreform wird der Standort Fürstenfeldbruck 2019 aufgegeben und die OSLw in den Standort Roth bei Nürnberg verlegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1935 wurde im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht die Teilstreitkraft Luftwaffe gegründet. Die damalige Offizierausbildung in den Truppengattungen Flieger-, Flak- und Luftnachrichtentruppe fand an den neu gebauten Luftkriegsschulen in Berlin-Gatow, Klotzsche (bei Dresden)[2], Wildpark-Werder und Fürstenfeldbruck (seit 1937) statt.

Bis 1945 gab es 13 Luftkriegsschulen. Im Verlauf des Krieges senkte sich sowohl die Ausbildungszeit als auch das Alter der Offizieranwärter ständig und sein Ende erlebten viele Schüler der Luftkriegsschulen in Bodenkämpfen. Im selben Jahr wurden die deutschen Streitkräfte vollständig aufgelöst.

1955 wurden die deutschen Truppen als Bundeswehr mit den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine wieder aufgestellt und am 4. Juli 1956 wurde der Beginn der Ausbildung der Offizieranwärter der Luftwaffe zum 1. Oktober 1956 festgelegt.

Von 1956 bis 1958 fand die Ausbildung der Offizieranwärter der Luftwaffe dann in Faßberg in Niedersachsen statt, wobei schon zu Beginn feststand, dass der Standort nur als Provisorium zu betrachten war. Zeitweise war der zu dieser Zeit französische Fliegerhorst Mainz-Finthen (später von der US Army übernommen) als Standort im Gespräch, letztendlich zog die OSLw aber 1958 auf das Gelände des seit der Zeit des Nationalsozialismus bestehenden Fliegerhorsts Neubiberg. Die dortige Infrastruktur wurde 1973 für den Aufbau der Hochschule der Bundeswehr (heute Universität der Bundeswehr München) genutzt und die OSLw zog ein drittes und bisher letztes Mal um, diesmal auf den (für militärischen Flugverkehr seit 1997 nicht mehr genutzten) Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck, wo der Lehrbetrieb im Sommer 1977 aufgenommen wurde.

In Fürstenfeldbruck sind ebenfalls das Kommando 1. Luftwaffendivision, das Flugmedizinische Institut der Luftwaffe sowie die Schule für Wehrgeophysik untergebracht. Weiterhin ist das Ehrenmal der Luftwaffe in der Nähe der Kaserne zu finden.

Im Rahmen der durch die Verteidigungsminister zu Guttenberg und de Maiziere durchgeführten Bundeswehrreform wird die Offizierschule nach Roth bei Nürnberg verlegt und der Standort Fürstenfeldbruck aufgegeben. Eine als Alternative im Raum stehende Sanierung der Gebäude in Fürstenfeldbruck wurde im Herbst 2011 als zu teuer verworfen.[3] Im Juni 2012 wurde bekannt, dass der Umzug der Offiziersschule wegen notwendiger Bauarbeiten erst 2019 erfolgen könne.[4]

Führung[Bearbeiten]

Die OSLw wird grundsätzlich von einem Brigadegeneral geführt. Der Kommandeur der Lehrgruppe Ausbildung (LGA) nimmt zugleich den Posten des stellvertretenden Kommandeurs wahr. Der Kommandeur der OSLw wird bei der Führung der Schule durch die Stabsgruppe unterstützt, deren Offiziere, wie die Lehrgruppenkommandeure, ihm unmittelbar unterstellt sind. Dem Leiter des Schulstabes, der die Stabsarbeit koordiniert, ist die Luftwaffenunterstützungskompanie Fürstenfeldbruck (LwUstgKp FFB) mit dem Lehrzug unterstellt, die Aufgaben für alle am Standort Fürstenfeldbruck stationierten Dienststellen wahrnimmt.

Gliederung[Bearbeiten]

Die OSLw gliedert sich in drei Lehrgruppen:

  • I. Lehrgruppe mit der 1. - 4. Inspektion
  • II. Lehrgruppe mit der 6. - 9. Inspektion sowie das Ausbildungszentrum abbildende Aufklärung Luftwaffe (AZAALw)
  • Lehrgruppe Ausbildung (LGA), der die Fachlehrer angehören

Weiterhin gehören die Lehrmittelwerkstätten der Luftwaffe (LMW) zur OSLw.

I. Lehrgruppe[Bearbeiten]

In der I. Lehrgruppe finden die Offizierlehrgänge für Offiziere des Truppendienstes der Luftwaffe statt. Sie wird von einem Oberst geführt. Der I. Lehrgruppe gehören vier Inspektionen an, die sich jeweils in vier bis sechs Hörsäle (A bis F) unterteilen. Die Inspektionen selbst haben einen Inspektionschef, im Dienstgrad Oberstleutnant oder Major. Jeder Hörsaal wird von einem Oberleutnant oder Hauptmann als Hörsaalleiter geführt und hat eine Stärke von ca. 20 Offizieranwärtern.

II. Lehrgruppe[Bearbeiten]

In der II. Lehrgruppe finden die sonstigen Lehrgänge statt. Sie wird von einem Oberst geführt. Hörsaalleiter sind zumeist Hauptleute, teilweise sind auch Oberstleutnante vorgesehen.

6. Inspektion

Hier finden die Kommandeur- und Einheitsführerlehrgänge, sowie der Lehrgang Ausbildungslehre für Lehroffiziere statt. Ferner sind Lehrgänge für Presseoffiziere und InfoMeister sowie die Controllingseminare und die Systematische Ausbildungsplanung in dieser Inspektion beheimatet.

7. Inspektion

Die 7. Inspektion ist überwiegend mit der Ausbildung der Offiziere des Militärfachlichen Dienstes im Rahmen eines 4 1/2-monatigen Lehrgangs betraut, der zweimal im Jahr abgehalten wird. Daneben werden Unteroffiziere des fliegerischen Dienstes und des Flugsicherungskontrolldienstes, die zum Offizier des militärfachlichen Dienstes zugelassen wurden, ausgebildet. Diese beginnen ihren Lehrgang einen Monat früher, um die Ausbildungsinhalte des fehlenden Feldwebellehrgangs zu kompensieren und nehmen dann am Lehrgang der OffzMilFD teil. Des Weiteren findet dort der zweiwöchige Militärische Auswahllehrgang (MAL) für Bewerber zum Offizier des Truppendienstes mit Vordienstzeit in der Unteroffizierslaufbahn gemäß §29 Soldatenlaufbahnverordnung (alt: §33 SLV) und die Ausbildung zum Reserveoffizier außerhalb des aktiven Wehrdienstes (a.d.W.) in Form von zwei vierwöchigen Lehrgängen statt. Zusätzlich führt die 7./OSLw die dreimonatige allgemeinmilitärische Basisausbildung der Sanitätsoffizieranwärter im Uniformträgerbereich Luftwaffe durch.

8. Inspektion

Hier findet der achtwöchige Lehrgang Führungstraining für Offiziere statt, den jeder Offizier als Abschluss seiner Offizierausbildung, zumeist direkt nach dem Studium besucht.

Auch das vierwöchige Führungstraining für Reserveoffiziere wird seit 2007 hier durchgeführt.

9. Inspektion

Hier findet die vorfliegerische Ausbildung für Offizieranwärter und Offiziere des fliegerischen Dienstes statt. Es ist die einzige Inspektion an der OSLw, in der auch Marinesoldaten ausbilden und ausgebildet werden. Außerdem findet hier der Fachlehrgang "Luftfahrtenglisch" (Aviation English) statt, in dem die Anwärter für die Flugsicherung und den Einsatzführungsdienst der Luftwaffe (früher Radarführungsdienst) in die Grundlagen der Luftfahrt eingewiesen werden. Ferner gehört die Fachlehrgruppe Flugsicherheit zur 9. Inspektion[5].

Ausbildungszentrum für abbildende Aufklärung der Luftwaffe (AZAALw)

Das AZAALw ist die zentrale Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr für den Luftbilddienst. Dort werden Fotografen, Bildgerätetechniker und Luftbildauswerter ausgebildet. Die Luftbildauswerter lernen "Luftbilder" von optischen, Infrarot- und Radarsensoren auszuwerten. Die Ausbildung erfolgt streitkräftegemeinsam, das heißt, dass alle Teilstreitkräfte ihr Personal am AZAALw ausbilden lassen. Neben verschiedenen Kursen für die unterschiedlichen Dienstgradgruppen werden auch streitkräftefremde Behörden nach Bedarf ausgebildet. Als besonderer Punkt im Rahmen der angebotenen Lehrgänge kann die Ausbildung als Radarbildauswerter gesehen werden. Diese Art der Ausbildung ist in der NATO einzigartig. Die Ausbildung erfolgt in einem mehrwöchigen Kurs am AZAALw. Im Rahmen einer militärischen Kooperation wird auch militärisches Personal aus Österreich und der Schweiz ausgebildet. Neben diesem Lehrbetrieb unterhält das AZAALw eine Lehrsammlung über die Geschichte der Luftaufklärung, welche seltene Exponate enthält. Diese Lehrsammlung wird u.a. durch die Initiative und den Einsatz ehemaliger Angehöriger des AZAALw ermöglicht.

Kommandeure der OSLw[Bearbeiten]

Name Dienstgrad von bis
Rudolf Löytved-Hardegg Oberst 1. Oktober 1955 31. Dezember 1958
Richard Heuser Brigadegeneral 1. Januar 1959 20. Juni 1961
Konrad Stangl Brigadegeneral 21. Juni 1961 30. September 1963
Willi Wagenknecht Brigadegeneral 1. Oktober 1963 30. September 1967
Josef Jaitner Brigadegeneral 1. Oktober 1967 31. März 1971
Werner Schmitz Brigadegeneral 1. April 1971 30. September 1973
Karl-Heinz Franke Brigadegeneral 1. Oktober 1973 31. Dezember 1974
Wolfgang Kessler Brigadegeneral 1. Januar 1975 30. September 1977
Fred Noack Brigadegeneral 1. Oktober 1977 31. März 1979
Horst Lamberty Brigadegeneral 1. April 1979 31. März 1983
Hubert Marquitan Brigadegeneral 1. April 1983 30. September 1984
Jürgen Schnell Brigadegeneral 1. Oktober 1984 30. September 1986
Friedrich P. Busch Brigadegeneral 1. Oktober 1986 31. Dezember 1988
Bruno Mielke Brigadegeneral 1. Januar 1989 13. Februar 1991
Jörg Köpke Brigadegeneral 14. Februar 1991 15. März 1994
Hans-Werner Jarosch Brigadegeneral 16. März 1994 11. März 1999
Johann-Georg Dora Brigadegeneral 12. März 1999 18. September 2000
Heinz Marzi Brigadegeneral 18. September 2000 19. September 2001
Norbert Finster Brigadegeneral 20. September 2001 26. August 2003
Jochen Both Brigadegeneral 27. August 2003 28. April 2005
Gerhard Schulz Brigadegeneral 29. April 2005 29. April 2008
Klaus Habersetzer Brigadegeneral 29. April 2008 4. April 2012
Bernhardt Schlaak Brigadegeneral seit 4. April 2012[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Offizierschule der Luftwaffe - Der Kommandeur. Luftwaffe, abgerufen am 18. April 2012.
  2. Luftkriegsschule Klotzsche – Wehrmachtsarchitektur mit besonderen Anspruch, Das-neue-dresden.de, abgerufen am 9. Oktober 2011
  3. Gerhard Eisenkolb: Sanierung zu teuer – Fürstenfeldbruck gibt Offizierschule verloren. 26. Oktober 2011, abgerufen am 18. April 2012: „Die Offizierschule hatte 1977 einen Neubau in Fürstenfeldbruck bezogen, der nach offizieller Schätzung der Bundeswehr für 60 bis 80 Millionen Euro saniert oder abgerissen werden müsste. Es kursieren aber auch weit höhere Summen, von mehr als 100 Millionen Euro ist die Rede. Dafür gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung.“
  4. Gerhard Eisenkolb: Luftwaffe bleibt bis 2019., sueddeutsche.de, 12. Juni 2013, abgerufen am 25. März 2013
  5. Die Offizierschule der Luftwaffe, abgerufen am 9. Oktober 2011