Nordirland

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Northern Ireland (englisch)

Tuaisceart Éireann (irisch)
Norlin Airlann (Ulster Scots)
Nordirland

Flagge Wappen
Wahlspruch: Dieu et mon droit
französisch für „Gott und mein Recht“
Amtssprache Englisch (de facto), Irisch, Ulster Scots
Hauptstadt Belfast
Staatsform Konstitutionell-parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.
Regierungschef Erster Minister Peter Robinson
Fläche 13.843 km²
Einwohnerzahl 1.823.634[1] (2012)
Bevölkerungsdichte 132 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt $ 33,2 Mrd. (Schätzung 2002)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner $ 19500 (Schätzung 2002)
Währung Pfund Sterling, £, GBP
Gründung 1920 durch den Government of Ireland Act
Nationalhymne UK: God Save the Queen, Regional de facto: A Londonderry Air
Zeitzone UTC +0, Sommerzeit: UTC +1
Internet-TLD .uk (für Vereinigtes Königreich) (inoffiziell auch .ie für Irland in Gebrauch)
Telefonvorwahl +44
Frankreich Guernsey Jersey Isle of Man Irland Wales Nordirland England SchottlandNorthern Ireland in United Kingdom.svg
Über dieses Bild
Karte von Nordirland
Karte von Nordirland

Nordirland (englisch Northern Ireland, irisch Tuaisceart Éireann) ist ein Land und Teil des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. Es besteht aus sechs der neun Grafschaften der historischen irischen Provinz Ulster im Norden Irlands.

Im Verhältnis zur Republik Irland ist Nordirland dichter bevölkert und weist einen höheren Industrialisierungsgrad auf.

Geographie[Bearbeiten]

Nordirland bildet die Fortsetzung des Landschaftsbildes in Nordengland und Südschottland nach Westen hin. Die Küstenlinie ist reich gegliedert. Das Klima ist – wie überall auf den Britischen Inseln – ozeanisch und wird vom Golfstrom beeinflusst.

Nordirland hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 140 km. Von Osten nach Westen sind es 180 km. Die Länge der nordirischen Küste ist etwa 500 km. Die Insel Rathlin im Nordosten gehört zu Nordirland. Nordirlands Anteil an der gesamten irischen Insel liegt bei ca. 16 Prozent.

Es gibt drei Höhenzüge: im Nordwesten die Sperrin Mountains, im Nordosten das Antrim Plateau, im Südosten die Mourne Mountains (852 m).

Wichtige Städte[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nordirland war – wie die Republik Irland – von Auswanderung geprägt.

Größere Investitionen wurden aufgrund der ethnisch-konfessionellen Spaltung und der politischen Unsicherheit kaum getätigt; das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bewegte sich 1991 auf 81 Prozent des Durchschnitts im Vereinigten Königreich; die Arbeitslosigkeit war hoch.

Seit 1997 wird mehr investiert und die Wirtschaft wächst stärker. Seit 1999 erlebt das Land einen Anstieg beim Tourismus. Ein wichtiges Unternehmen ist Premier Power.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte Nordirland 2010 einen Index von 125 (EU-Durchschnitt: 100).[2]

Die Währung in Nordirland ist das Pfund Sterling. Vier Geschäftsbanken (Bank of Ireland, First Trust Bank, Northern Bank, Ulster Bank) dürfen eigene nordirische Banknoten drucken.

Verwaltung[Bearbeiten]

1972 wurde das Nordirlandministerium (Northern Ireland Office, Abk. NIO) in London geschaffen, das von einem Minister oder einer Ministerin geleitet wird. Seit 2012 ist dies die konservative Politikerin Theresa Villiers. Das Ministerium ist verantwortlich für die Bereiche Strafgerichtsbarkeit und Justizvollzug, Polizei (siehe unten), die Fürsorge für Opfer politisch motivierter Verbrechen sowie in der Vergangenheit (2002–2007), als die Regionalregierung direkt der Zentralregierung unterstellt war, für die Rechtsaufsicht über die Behörden in Nordirland.

Wie auch in Wales und Schottland setzte die Regierung von Tony Blair ihre Politik der Devolution auch in Nordirland um und schuf eine Regionalverwaltung. In Nordirland gibt es das Büro der Exekutive („Erster Minister und Stellvertretender Erster Minister von Nordirland“) sowie zehn Regional-Ministerien, nämlich für Landwirtschaft, für Kultur, Kunst und Freizeit, für Bildung, für Umwelt, für Finanzen und Personal, für Gesundheit, für Wirtschaft, für Beschäftigung und Fortbildung, für Regionalentwicklung sowie für Soziale Entwicklung. Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass die Ministerien der Republik Irland ein Gegenüber nicht in London, sondern in Belfast haben und das allmähliche Zusammenwachsen Irlands so gefördert wird.

Bis 1972 war Nordirland in die sechs Grafschaften Antrim, Armagh, Down, Fermanagh, Derry (Londonderry) und Tyrone gegliedert. Seit 1973 gibt es eine einstufige Verwaltung mit 26 Distrikten.

Symbole[Bearbeiten]

Es gibt zurzeit keine offizielle Flagge Nordirlands. Bis 1973 wurde in Nordirland die Red Hand Flag of Ulster als offizielle Flagge verwendet. Daneben gab es auch ein Wappen.

Siehe auch:

Wappen der Counties (Grafschaften)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Teilung Irlands in die Republik Irland und Nordirland fand 1921 nach dem Irischen Unabhängigkeitskrieg statt.

Nachfolgend wurde der katholische Bevölkerungsteil bei der Arbeitsstellen- und Wohnungssuche benachteiligt. Die Gesellschaft teilte sich politisch in meist irischstämmige katholische Republikaner, die das Ziel einer Wiedervereinigung mit der Republik Irland verfolgten, und meist protestantische Unionisten oder Royalisten, die von Zuwanderern abstammen und den Verbleib im Vereinigten Königreich wollten.

Politik[Bearbeiten]

Die bedeutendsten politischen Parteien in der Northern Ireland Assembly und ihre derzeitige grobe Charakterisierung:

protestantisch, pro-britisch, für Verbleib beim Vereinigten Königreich („unionistisch“):

katholisch, pro-irisch, für Vereinigung mit der Republik Irland („republikanisch“):

überkonfessionell:

Die Wahlen zum britischen Unterhaus vom 6. Mai 2010 ergaben für Nordirland folgende Ergebnisse.

Partei Stimmen Anteil (%) Sitze Lager
total 673.871 100 % 18
DUP 168.216 25,0 % 8 unionistisch
Sinn Fein 171.942 25,5 % 5 republikanisch
SDLP 110.970 16,5 % 3 republikanisch
Alliance 42.762 6,3 % 1 überkonfessionell
UUP 102.361 15,2 % 0 unionistisch
TUV 26.300 3,9 % 0 unionistisch
Green 3.542 0,5 % 0 überkonfessionell
sonstige 47.778 7,1 % 1

Religion[Bearbeiten]

Die größte protestantische Gemeinschaft bildet die calvinistisch-reformierte Presbyterianische Kirche mit etwa 19 Prozent. Sie ist schottischer Herkunft (dort: Church of Scotland)

Church of Ireland (Anglikaner): Anders als in England besteht seit 1871 keine Staatskirche mehr. Etwa 250.000 Menschen (14 % der Bevölkerung) rechnen sich zur anglikanischen Gemeinschaft der Church of Ireland, deren Erzbischof (Robert Eames) in Armagh residiert und auch für die etwa 70.000 Mitglieder in der Republik Irland zuständig ist.

Katholiken: Etwa 41 Prozent der Nordiren bezeichnen sich als römisch-katholisch. Der Sitz des Primas von ganz Irland (Sean Brady) befindet sich ebenfalls in Armagh. Auch der katholische Primas und die Irische Bischofskonferenz (Irish Bishops’ Conference) sind gesamtirische Institutionen.

Bevölkerung nach Kirchenzugehörigkeit (Census 2011):[3]

Polizei[Bearbeiten]

Die frühere Royal Ulster Constabulary (RUC) heißt seit 2001 Police Service of Northern Ireland (PSNI). Während sie bis 1998 fast ausschließlich aus britisch-protestantischen Beamten bestand, wurde sie 1999 um die Hälfte auf etwa 7000 Beamte verkleinert und soll bei Neueinstellungen zur Hälfte katholische Bewerber einstellen, um den sozialen Frieden gewährleisten zu können. In Belfast existiert eine Anlaufstelle für Beschwerdeführer gegen die Polizei, der sogenannte „Ombudsmann“.

Tourismus[Bearbeiten]

Nordirland ist ein sicheres Reiseland; die Grenzkontrollen zwischen Nordirland und der Republik Irland sind zum Großteil entfallen.

Mussenden Temple im County Antrim

Sehenswertes Naturdenkmal ist der Giant’s Causeway (dt. Damm des Riesen), rund 40.000 Basaltsäulen am Meer, geschützt durch den National Trust, etwa 20 km westlich von Ballycastle an der Nordküste von Antrim. Weitere sehenswerte Gegenden und Landschaften sind:

Wie auch in der Republik Irland gehört Golf, Angeln, Wandern und Bootstourismus zu den möglichen Urlaubsaktivitäten; es gibt Bootstouren, die die Republik Irland und Nordirland verbinden.

Kulturelle Ereignisse konzentrieren sich in Belfast und Derry. Der Tourismus trägt mit 1,5 Millionen Besuchern (2002) zu zwei Prozent zum nordirischen Bruttonationaleinkommen bei; die große Mehrheit der Besucher kommt aus der Republik Irland sowie aus den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreiches. Etwa 100.000 Besucher kommen je aus der übrigen Europäischen Union und den USA.

Verkehr[Bearbeiten]

Flüge: Nordirland hat drei internationale Flughäfen, zwei bei Belfast, einen bei Derry.

Auto: Der Motorway M1 verbindet Belfast mit Dungannon, der Motorway M2 führt von Belfast nach Antrim, der Motorway M3 von Belfast nach Ballymacarrett.

Bus: Da das Bahnnetz sehr dünn ist, hat sich ein recht dichtes Netz aus Buslinien entwickelt.

Eisenbahn: Nordirland hat ein relativ dünnes Bahnnetz von 340 km. Translink nutzt ausschließlich Züge mit Dieselantrieb und verbindet Belfast mit:

  • Derry (via Ballymena und Coleraine) nach Norden,
  • Portrush (via Ballymena und Coleraine) nach Norden,
  • Larne nach Nordosten,
  • Dublin (via Portadown) nach Süden
  • Bangor nach Osten

Irland und Großbritannien bilden trotz der Unabhängigkeit des Südens Irlands eine informelle Common Travel Area (etwa: gemeinsame Reisezone), welche dafür sorgt, dass bei Reisen zwischen der Republik und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Norden keine Grenzkontrollen stattfinden. Sowohl die Republik Irland als auch das Vereinigte Königreich haben zwar das Schengener Abkommen unterzeichnet, benutzen jedoch nur den Zugang zum SIS (Schengener Informationssystem). Sollte demnach einer der beiden Staaten die Grenzkontrollen, wie zwischen den anderen Schengen-Staaten üblich, generell fallen lassen, würde die Common Travel Area zerbrechen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Líam Kennedy/Philip Ollerenshaw (Hrsg.); An Economic History of Ulster 1820–1939. Manchester University Press, Manchester. ISBN 0-7190-1827-7.
  • Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Nordirland Reisehandbuch. Westflügel Verlag 2006, ISBN 978-3-939408-02-4,
  • Friedhelm Rathjen: Singende Fahrradreifen in Ulster. Eine irische Grenzerfahrung. Edition ReJoyce, Scheeßel 2004, ISBN 3-00-013551-0
  • Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.): Nordirland. Geschichte, Landschaft, Kultur, Touren. Vg. Die Werkstatt, Göttingen 1996, ISBN 3-89533-177-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Nordirland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Nordirland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Nordirland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mid-Year Population 2012
  2. EU-Statistik: So reich ist Europa - und so arm Spiegel online, 21. Juni 2011, abgerufen am 31. Januar 2014.
  3. 2011 Census Religion details (abgerufen am 12. August 2013).


54.583333333333-6.9333333333333Koordinaten: 55° N, 7° W