Pierre Littbarski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Pierre Littbarski
Pierre Littbarski 2006 (cropped).jpg
Personalia
Name Pierre Michael Littbarski
Geburtstag 16. April 1960
Geburtsort West-BerlinDeutschland
Größe 168 cm
Position Offensives Mittelfeld
Junioren
Jahre Station
1967–1976 VfL Schöneberg
1976–1978 Hertha Zehlendorf
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1978–1986 1. FC Köln 234 (89)
1986–1987 Racing Club Paris 34 0(4)
1987–1993 1. FC Köln 172 (27)
1993–1995 JEF United Chiba 63 (10)
1996–1997 Brummell Sendai 29 0(5)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1979–1982 Deutschland U-21 21 (18)
1980 Deutschland B 1 0(0)
1981–1990 Deutschland 73 (18)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1999–2000 Yokohama FC
2001 Bayer 04 Leverkusen (Co-Trainer)
2001–2002 MSV Duisburg
2003–2004 Yokohama FC
2005–2006 Sydney FC
2007–2008 Avispa Fukuoka
2008 Saipa Teheran
2008–2010 FC Vaduz
2010–2012 VfL Wolfsburg (Co-Trainer)
2011 → VfL Wolfsburg (interim) (Leihe)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Pierre Michael „Litti“ Littbarski (* 16. April 1960 in West-Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und späterer Fußballtrainer.

Werdegang als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gebürtige Berliner Littbarski, der vor allem bei seinen Großeltern aufwuchs[1], begann mit dem Vereinsfußball beim VfL Schöneberg. 1974 kommt er erstmals mit dem „großen“ Fußball in Berührung, während der Weltmeisterschaft 1974 ist er Balljunge beim Aufeinandertreffen der DDR-Auswahl und der chilenischen Nationalmannschaft im Berliner Olympiastadion.[1] 1976 wechselte er als Jugendlicher zum höherklassig antretenden Hertha Zehlendorf. Als Berliner A-Juniorenmeister nahm er mit der Juniorenmannschaft an der Deutschen A-Junioren-Meisterschaft 1977/78 teil. Auf dem Weg ins Endspiel setzten sich die Berliner im Sommer 1978 unter anderem gegen die A-Junioren des 1. FC Köln durch, die sowohl Hin- als auch Rückspiel verloren. Zwar ging letztlich das Endspiel gegen den MSV Duisburg mit einer 2:5-Niederlage deutlich verloren, die beiden Treffer der Berliner hatte jedoch Littbarski erzielt.

Kurz danach nahm Kölns Manager Karl-Heinz Thielen Littbarski unter Vertrag, wenngleich Hennes Weisweiler zurückhaltend ob der Verpflichtung war.[2] Als Ablösesumme zahlte der FC 13.000 D-Mark, eine zuvor begonnene Ausbildung zum Finanzbeamten brach der Spieler ab.[1] In Köln konkurrierte er mit Roger van Gool, wenige Zeit zuvor mit einer Ablösesummer von 1 Million D-Mark teuerster Transfer der Bundesliga-Geschichte, um den Platz im Sturm. Sein erstes Bundesligaspiel für den amtierenden Meister bestritt er am 26. August 1978 gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg.[1] Nach 16 Bundesligaspielen und vier Saisontoren sowie drei Spielen im Europapokal der Landesmeister 1978/79, in dem der 1. FC Köln erst im Halbfinale am späteren Titelträger Nottingham Forest scheiterte, mit einem Tor in seiner ersten Spielzeit in der deutschen Eliteserie avancierte er in der Saison 1979/80 zum Stammspieler sowohl im Verein als auch in der U-21-Nationalmannschaft (siehe unten).

Im Sommer 1980 stand Littbarski im Endspiel um den DFB-Pokal gegen den Lokalrivalen Fortuna Düsseldorf in der Startformation, der Titel ging jedoch trotz zwischenzeitlicher 1:0-Führung durch Bernd Cullmann nach einer 1:2-Niederlage an den rheinischen Konkurrenten. Im Pokalfinale saß Interimstrainer Karl-Heinz Heddergott auf der Bank, der den kurz vor Saisonende nach einem Streit mit der Vereinsführung zurückgetretenen Weisweiler vertrat. Mit Rinus Michels verpflichtete der Klub einen namhaften Nachfolger, unter dessen Leitung der Klub die Saison 1980/81 als Tabellenachter außerhalb der Europapokalränge beendete, aber im UEFA-Pokal 1980/81 erneut ein Europapokalhalbfinale erreichte. Wiederum war der spätere Titelträger Endstation, gegen Ipswich Town verloren die Kölner beide Semifinalspiele. In der Saison 1981/82 gelang Littbarski der endgültige Durchbruch, mit 15 Saisontoren war er maßgeblich an der Vizemeisterschaft beteiligt. Zwar wurde dieser Erfolg in der Meisterschaft in den folgenden Jahren nicht bestätigt, aber bis 1986 erzielte der Offensivspieler nun regelmäßig eine zweistellige Toranzahl. 1983 holte er zudem seinen ersten nationalen Titel, als sie im Kölner Müngersdorfer Stadion in einem Stadtderby gegen Fortuna Köln den DFB-Pokal 1983 gewann. In einem Spiel, in dem der Zweitligist und damit vermeintliche Außenseiter Fortuna Köln über weite Strecken mit offensivem Angriffsfußball dominierte, erzielte er mit dem Treffer zum 1:0-Endstand das spielentscheidende Tor.

1984 hatte Hannes Löhr das Traineramt beim 1. FC Köln übernommen und den Klub in seiner ersten Spielzeit als Tabellendritter erneut in den UEFA-Pokal geführt. Nachdem die Mannschaft in der Saison 1985/86 in akute Abstiegsgefahr geraten war, auch weil Littbarski zeitweise verletzt gefehlt hatte, wechselte der Verein den Trainer und übergab die Verantwortung an Georg Keßler. Unter dessen Leitung erreichte der Verein, der auf dem 13. Tabellenplatz die Klasse hielt, die Endspiele im UEFA-Pokal 1985/86 gegen Real Madrid. Im Hinspiel wurde Littbarski beim Zwischenstand von 1:3 nach 84 Minuten vom Feld genommen und durch Norbert Dickel ersetzt, nach zwei weiteren Gegentoren in den Schlussminuten war mit einer 1:5-Niederlage der Traum vom europäischen Titelgewinn ausgeträumt. Im Rückspiel, das wegen vorangegangener Ausschreitungen Kölner Anhänger im Halbfinale beim KSV Waregem im Berliner Olympiastadion ausgetragen wurde, erzielten Uwe Bein und Ralf Geilenkirchen die Tore zum 2:0-Rückspielerfolg der Kölner.

Nach der Weltmeisterschaft 1986 wechselte Littbarski nach Frankreich zu Racing Paris, wo der Industrielle Jean-Luc Lagardère ein Superteam aufbauen wollte und neben Littbarski unter anderem Enzo Francescoli und Rabah Madjer verpflichtet hatte.[3] Dort bestritt er 32 Spiele in der Division 1 und erzielte dabei vier Tore. Allerdings fühlte er sich in Paris nicht wohl und bestritt in seiner zweiten Saison dort noch zwei Punktspiele. Sodann kehrte Littbarski im August 1987 nach Köln zurück; um seinen Transfer abzuwickeln, stellte er dem 1. FC Köln ein Darlehen zur Verfügung. Im Mai 1993 ging er schließlich zu JEF United Ichihara in die neu gegründete japanische J. League. Seine letzte Station war 1996 Brummell Sendai.

Im Jahr 1985 wurde Littbarski von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum Torschützen des Jahres gekürt.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettbewerb(e) Einsätze Tore
1. Bundesliga 406 116
Division 1 (Frankreich) 034 004
DFB-Pokal 043 012
Europapokal der Landesmeister; Europapokal der Pokalsieger; UEFA-Cup 055 016
J1 League 092 015
Summe 538 148

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1980 bis 1982 spielte Littbarski 21-mal für die U-21-Nationalmannschaft, deren Rekordtorschütze er mit 18 Toren ist und mit der er 1982 unter anderem zusammen mit Rudi Völler Vize-Europameister wurde.

Von 1981 bis 1990 trug er 73-mal das Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft und erzielte dabei 18 Tore, darunter drei Tore bei einer Weltmeisterschaft. Er nahm an drei Fußball-Weltmeisterschaften (1982 in Spanien, 1986 in Mexiko und 1990 in Italien) und zwei Fußball-Europameisterschaften (1984 in Frankreich und 1988 in Deutschland) teil. Der Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn des Weltmeistertitels 1990 in Italien. Littbarski gehörte zu der Elf, die im Finale Argentinien mit 1:0 besiegte. Für den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1990 wurde ihm das Silberne Lorbeerblatt verliehen.

Titel und Erfolge als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1983 DFB-Pokal-Sieger
  • 1990 Weltmeister

Trainerlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Trainerlaufbahn begann Littbarski in Japan, wo er 1997 eine Klasse-S-Lizenz bekam, die höchstmögliche, die das Training von J.-League-Vereinen erlaubt.[4] Von 1999 bis 2000 trainierte er den J.-League-Klub Yokohama FC, mit dem er in beiden Jahren die Meisterschaft gewann. Danach arbeitete er als Co-Trainer von Berti Vogts bei Bayer 04 Leverkusen. Später war er für die Mannschaft des MSV Duisburg in der Zweiten Fußball-Bundesliga verantwortlich. Ab 2004 kümmerte er sich in der neu ins Leben gerufenen A-League um den Sydney FC, mit dem er im März 2006 den australischen Meistertitel gewann. Wegen Streitigkeiten um die Vertragsverlängerung verließ er den Verein am 3. Mai 2006. Im Dezember 2006 unterschrieb er einen Einjahresvertrag beim japanischen Erstliga-Absteiger Avispa Fukuoka. Im Juli 2008 entließ ihn der Verein, obwohl noch im Februar eine Vertragsverlängerung bis Januar 2009 vereinbart worden war.[4]

Wenige Wochen später wurde Littbarski als neuer Trainer des iranischen Vereins Saipa Teheran präsentiert, doch schon am 21. Oktober 2008 trennte sich dieser wieder von Littbarski. Am 4. November 2008 verpflichtete der in der Schweizer Axpo Super League spielende Liechtensteiner Verein FC Vaduz Littbarski als Nachfolger des bisherigen Trainers Heinz Hermann.[5] Am 12. April 2010 wurde er beim FC Vaduz entlassen.[6]

Ab der Saison 2010/11 war Littbarski Co-Trainer der Bundesligamannschaft des VfL Wolfsburg. Nach der Entlassung von Steve McClaren am 7. Februar 2011 war er Interimscoach des VfL,[7] für den er in fünf Spielen an der Seitenlinie stand, von denen vier verloren gingen. Littbarski wurde am 18. März 2011 durch Felix Magath ersetzt,[8] unter dem er dann wieder zum Co-Trainer wurde. Seit dem 1. Februar 2012 leitet er den Arbeitsbereich „Spielerbeobachtung und Entwicklung“ des VfL.[9]

Nach der aktiven Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 betätigte sich Pierre Littbarski als Co-Kommentator bei Live-Übertragungen von RTL.

Pierre Littbarski gehört dem Kuratorium der Stiftung Jugendfußball an. Die Stiftung wurde im Jahr 2000 von Littbarski, Klinsmann und weiteren erfolgreichen Nationalspielern sowie Dozenten des Fußball-Lehrer-Sonderlehrgangs gegründet.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Littbarskis erster Ehe (bis 1994) stammen zwei Töchter. In zweiter Ehe ist er mit einer Japanerin verheiratet, mit ihr hat er zwei Söhne.[10]

Er lebt mit seiner Familie in Wolfsburg.

1994 veröffentlichte er seine Autobiografie Litti – Meine Geschichte im Verlag Hoffmann und Campe.[11] Im Februar 2005 ließ seine erste Frau die „Sammlung Littbarski“ im Internet versteigern, darunter Littis Goldene Kamera, diverse Fußballauszeichnungen und Pokale sowie Erinnerungsfotos, Sonnenbrillen und Bekleidungsstücke des Fußballers.[12]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Littbarski wurde 1989 von der nordrhein-westfälischen CDU zur Wiederwahl Richard von Weizsäckers zum Bundespräsidenten in die Bundesversammlung berufen.[13]

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde er im Berliner Olympiastadion beim Vorrundenspiel DDR gegen Chile als Balljunge eingesetzt.[14]

Littbarski tritt als Figur in einem Japanisch-Lehrbuch Japanisch im Sauseschritt unter seinem Spitznamen „Litti“ auf.

Am 10. Juni 2018 hatte er einen Gastauftritt in der Comedyserie Dittsche.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Pierre Littbarski - von Köln nach Wolfsburg einmal um die ganze Welt. In: www.europapokal.de. Abgerufen am 7. März 2018.
  2. 11freunde.de: „»In Japan wurde ich neugeboren«“ (abgerufen am 7. März 2018)
  3. nytimes.com: „The Sensational Rise and Expensive Fall of a Paris Superclub“
  4. a b Avispa Fukuoka Players Profile : littbarski. Avispa Fukuoka, archiviert vom Original am 31. Mai 2008; abgerufen am 27. November 2010 (japanisch). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.avispa.co.jp
  5. International: Littbarski übernimmt Traineramt beim FC Vaduz. FOCUS Online. 4. November 2008. Abgerufen am 5. November 2008.
  6. http://www.kicker.de/news/fussball/intligen/startseite/523573/artikel_Orie-ersetzt-Littbarski.html Orie ersetzt Littbarski
  7. VfL trennt sich von Steve McClaren / Pierre Littbarski übernimmt vom 7. Februar 2011 auf vfl-wolfsburg.de
  8. Felix Magath neuer VfL-Chefcoach vom 18. März 2011 auf vfl-wolfsburg.de
  9. Neue Aufgabe für Littbarski, abgerufen am 13. März 2013
  10. Pierre Littbarski: Ich habe nur noch ein O-Bein, bild.de, 11. November 2013
  11. Balla, Balla, welt.de, 8. Mai 2003
  12. Lothar Berndorff, Tobias Friedrich: Die 100 größten Fußball-Dramen: Abstürze, Pleiten und Verderben, Edel:Books, 2011 [1]
  13. Littbarski-Interview mit der Welt
  14. www.tagesspiegel.de
  15. Weltmeisterlicher Besuch bei "Dittsche". In: Heilbronner Stimme. 8. Juni 2018, abgerufen am 13. Juni 2018.