Postfeminismus

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Postfeminismus bezeichnet eine mittels des Dekonstruktivismus und des Poststrukturalismus radikalisierte Strömung des Feminismus. Im Postfeminismus werden sowohl das biologische Geschlecht (englisch sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte angesehen und deshalb als Klassifizierungseinheiten abgelehnt. Im Mittelpunkt steht beim Postfeminismus nicht mehr das Subjekt „Frau“, sondern dessen Subjektivierung.

Ins Zentrum dieser Theorie tritt die Differenz unter Menschen, angenommene Gemeinsamkeiten beziehungsweise Geschlechtsidentitäten werden aufgelöst (dekonstruiert). Anstelle dessen wird davon ausgegangen, dass es so viele Identitäten gibt, wie es Personen gibt. Auch die in vorangegangenen Ansätzen angenommene binäre Zweigeschlechtlichkeit wird aus dekonstruktivistischer Sicht bestritten und durch die Annahme von Vielgeschlechtlichkeit ersetzt (vergleiche Nichtbinäre Geschlechtsidentität, Drittes Geschlecht).

Judith Butler

Als wichtigste Vertreterin des Postfeminismus gilt die US-amerikanische Philosophin Judith Butler (* 1956). Sie schrieb 1990 Gender Trouble – Feminism and the Subversion of Identity (deutsch: Das Unbehagen der Geschlechter) und 1994 Bodies That Matter („Körper von Gewicht“). In beiden Werken beschäftigte sie sich mit der von ihr entwickelten Queer-Theorie. Einer von Butlers bedeutendsten Beiträgen war das performative Modell von „Gender“, in welchem die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ als Wiederholung von Handlungen verstanden werden, und nicht als natürliche oder unausweichliche Absolutheiten. Diese Beiträge waren auch bedeutend zur feministischen und kritischen Theoriebildung, weil Butler damit die Kategorie „Frau“ als Subjekt des Feminismus in Frage stellte. Dies führte besonders in Deutschland zu erbitterten Debatten innerhalb der feministischen Theorie.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea D. Bührmann: Das authentische Geschlecht: Die Sexualitätsdebatte der Neuen Frauenbewegung und die Foucaultsche Machtanalyse. Münster 1995.
  • Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main 1993.
  • Judith Butler: Körper von Gewicht. Frankfurt am Main 1995.
  • Christine Hauskeller: Das paradoxe Subjekt: Unterwerfung und Widerstand bei Judith Butler und Michel Foucault. Tübingen 2000.
  • Andrea Maihofer: Geschlecht als Existenzweise: Macht, Moral, Recht und Geschlechterdifferenz. Helmer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-927164-21-6 (Habilitationsschrift Universität Frankfurt am Main 1994).
  • Heike Raab: Foucault und der feministische Poststrukturalismus. Dortmund 1998.
  • Seyla Benhabib, Judith Butler, Drucilla Cornell, Nancy Fraser: Der Streit um Differenz: Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt am Main 1995.
  • Birgit Wartenpfuhl: Dekonstruktion von Geschlechtsidentität: Transversale Differenzen. Eine theoretisch-systematische Grundlegung. Leske Budrich, Opladen 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]