Foča

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Foča
Фоча

Wappen von Foča

Foča (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Koordinaten: 43° 30′ N, 18° 47′ O43.50722222222218.775277777778Koordinaten: 43° 30′ 26″ N, 18° 46′ 31″ O
Fläche: 1.180 km²
Einwohner: 22.024 (2013)
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 58
Postleitzahl: 73300
Struktur und Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Radisav Mašić (SNSD)
Webpräsenz:

Foča (serbisch-kyrillisch Фоча; deutsch veraltet Fotscha) ist eine Stadt und Gemeinde im Osten von Bosnien und Herzegowina. Die Gemeinde gehört zur Republika Srpska, umfasst eine Fläche von 1180 km² und grenzt an Montenegro. Sie hatte bei der Volkszählung von 1991 40.513 Einwohner. Nach der Volkszählung 2013 leben nur noch etwa 22.000 Einwohner in der Gemeinde.

Im Nordosten der Gemeinde Foča befindet sich die Gemeinde Foča-Ustikolina mit einer Fläche von 180 km² und etwa 2500 Einwohnern, die früher zur Gemeinde Foča gehörte und mit dem Dayton-Vertrag zur Föderation Bosnien und Herzegowina kam.

Blick auf Foča
Der Uhrturm von Foča

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Foča liegt in einer gebirgigen und zumeist bewaldeten Region an der Mündung der Ćeotina in die Drina auf einer Höhe von etwa 400 Meter über dem Meeresspiegel. Die umliegenden Gebirge erreichen mit dem Berg Maglić Höhen bis zu 2386 Meter. Dieser Berg stellt zugleich die höchste Erhebung des Landes dar. Zum Gebiet der Gemeinde zählt der Nationalpark Sutjeska, zu dem neben einer durch den gleichnamigen Fluss gebildeten langgestreckten Schlucht mit dem Perućica genannten Waldgebiet einer der letzten Urwälder in Europa gehört. Hauptort des Nationalparks ist Tjentište.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Mittelalter trug die Stadt den Namen Hvoča (Хвоча). Zu dieser Zeit war sie ein Zentrum auf der Handelsstraße zwischen Ragusa und Konstantinopel. Seit 1470 war Foča Sitz des Herzegowinischen Sandschak. Aus der Zeit der Herrschaft des Osmanischen Reichs (15. bis 19. Jahrhundert) stammen zahlreiche beachtenswerte Bauwerke, so die Aladža-Moschee aus dem Jahr 1551, die als eine der schönsten Europas galt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Bezirke Foča-Čajniče-Pljevlja Schauplätze von Massakern, ausgeführt von serbischen sogenannten Tschetniks an muslimischen Bosniaken. Befohlen von Draža Mihailović fielen diesen Massakern zwischen August 1942 und Februar 1943 insgesamt etwa 11.000 Menschen zum Opfer; der weit überwiegende Teil davon waren alte Männer, Frauen und Kinder. Nach eigenen Berichten der Täter wurden dabei alle bosniakischen Dörfer in den Bezirken dem Erdboden gleichgemacht.[1] Daneben war die Gemeinde Schauplatz der Sutjeska-Schlacht zwischen jugoslawischen Partisanen und der Wehrmacht. Ein Denkmal in der Nähe des Dorfes Tjentište erinnert an die dabei getöteten Partisanen.

Überreste der am 28. Mai 1992 gesprengten Mehmed-Pascha-Kukavica-Moschee im Stadtzentrum

Bereits mit Beginn der Auseinandersetzungen im Zuge des Bosnienkrieges kam Foča im April 1992 unter die Kontrolle bosnisch-serbischer Truppen. Der größte Teil der nicht-serbischen Bevölkerungsmehrheit wurde vertrieben oder ermordet. Am 22. April 1992 wurde die Aladža-Moschee gesprengt, acht weitere Moscheen aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden im Laufe von April und Mai durch Beschuss oder gezielte Sprengungen zerstört oder schwer beschädigt. Kurz danach wurde die Stadt in Srbinje (auf Deutsch etwa Ort der Serben) umbenannt. Diese Umbenennung wurde 2004 auf Beschluss des Verfassungsgerichts von Bosnien und Herzegowina rückgängig gemacht.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Entsprechend der 1991 durchgeführten Volkszählung hatte die Gemeinde Foča zu diesem Zeitpunkt 40.513 Einwohner. Die setzten sich zusammen aus:

Die Stadt Foča selbst hatte eine Bevölkerung von 16.628 Einwohnern. Darunter waren:

  • Serben: 8.713 (52,39 %)
  • Bosniaken: 7.029 (42,27 %)
  • andere: 886 (5,34 %)

Seit 1991 gab es keine Volkszählung. Aktuelle Zahlen der Stadtverwaltung geben die Einwohnerzahl mit etwa 24.000 an. Die meisten der Einwohner sind heute bosnische Serben, von denen ein großer Teil aus Sarajevo und anderen Gebieten der heutigen Föderation Bosnien und Herzegowina zugezogen ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Foča – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Klejda Mulaj: Politics of Ethnic Cleansing : Nation-state building and provision of in/security in twentieth-century balkans. Lexington Books, 2008, ISBN 9780739146675, S. 71. Auch in  Noel Malcolm: Geschichte Bosniens. S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-10-029202-2, S. 220. Siehe auch  Jozo Tomasevich: War and Revolution in Yugoslavia, 1941-1945 : The Chetniks. Stanford University Press, Stanford, Ca. 1975, ISBN 0-8047-0857-6, S. 258. Faksimiles von Mihailovićs Durchführungsbefehl und den Vollzugsreporten in  The trial of Dragoslav-Draža Mihailović : Stenographic record and documents from the trial of Dragoslav-Draža Mihailović. Belgrad 1946, S. 456–458.