Bijeljina

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Bijeljina
Бијељина

Wappen von Bijeljina

Bijeljina (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Gemeinde: Bijeljina
Koordinaten: 44° 45′ N, 19° 13′ O44.75694444444419.215555555556Koordinaten: 44° 45′ 25″ N, 19° 12′ 56″ O
Fläche: 734 km²
Einwohner: 114.663 (2013)
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76300
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Mićo Mićić (SDS)
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Hl.Pantaleon

Bijeljina (serbisch-kyrillisch Бијељина) ist eine Stadt und die zugehörige Gemeinde im Nordosten von Bosnien und Herzegowina. Sie befindet sich in der Republika Srpska (RS) und erstreckt sich über 734 km². Nach Einwohnerzahl ist Bijeljina nach Banja Luka die zweitgrößte Stadt in der RS und heute die fünftgrößte Stadt des Landes.

Name[Bearbeiten]

Der veraltete deutsche Name der Stadt ist Bieglin.

Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bijeljina befindet sich im Dreiländereck Kroatien-Serbien-Bosnien und Herzegowina. Sie wird im Norden von der Save und im Osten von der Drina eingegrenzt. Die Region ist auch als Semberija bekannt. Das im 16. Jahrhundert erbaute Kloster Tavna gilt als geistiges Zentrum der ansässigen serbisch-orthodoxen Christen.

Gliederung[Bearbeiten]

Folgende Städte und Dörfer sind Teile der Opština Bijeljina:

Amajlije, Balatun, Banjica, Batković, Batar, Bijeljina, Bjeloševac, Brijesnica, Brodac Donji, Brodac Gornji, Bukovica Donja, Bukovica Gornja, Velika Obarska, Velino Selo, Vršani, Glavičice, Glavičorak, Glogovac, Gojsovac, Golo Brdo,Gozdevice, Dazdarevo, Dvorovi, Dragaljevac Donji, Dragaljevac Srednji, Dragaljevac Gornji, Zagoni, Janja, Johovac, Kacevac, Kovanluk, Kojcinovac Gornji,Kojčinovac, Korenita, Kriva Bara, Ljeljenča, Ljeljenca Donja, Ljeljenca Gornja, Ljeskovac, Magnojević Donji, Magnojević Srednji, Magnojević Gornji, Međaši, Mezgraja, Modran, Novo Naselje, Novo Selo, Obrijež, Ostojićevo najbolje, Patkovača, Piperci, Popovi, Pučile, Ruhotina, Slobomir, Suvo Polje, Triješnica, Trnjaci, Trnova Donja, Trnova Gornja, Tutnjevac, Ugljevik, Stari Ugljevik, Ravno Polje, Ćipirovine, Hase, Crnjelovo Donje, Crnjelovo Gornje, Čađavica Gornja, Čađavica Srednja, Čađavica Donja, Čardačine, Čengić, Donje Zabrdje.

Bevölkerung und Geschichte[Bearbeiten]

1991 waren 59 % der Einwohner der Großgemeinde (Opština) Serben und 31 % Bosniaken, wobei die Stadt Bijeljina und das Dorf Janja überwiegend bosniakische Bevölkerung hatten.

Bijeljina war einer der ersten Orte, die Schauplatz des Bosnienkrieges wurden. Grund war die strategisch wichtige Lage im nord-östlichen Landesteil an der serbischen Grenze. Paramilitärischen Gruppen, geführt von Željko Ražnatović (auch bekannt als Arkan) griffen in den ersten Tagen des April 1992 die bosniakische Bevölkerung der Stadt an und töteten laut damaligen Presseberichten bis zu 1.000 Zivilisten. Die nicht-serbische Bevölkerung wurde nach diesem Anschlag komplett vertrieben.[1]Die Einnahme der Stadt Bijeljina und die darauf hin folgende Vertreibung der Bosniaken gilt als erster Schritt zur ethnische Säuberung in Bosnien und Herzegowina.[2] Die Stadt und die Gemeinde konnten somit ohne nennenswerten Widerstand in die Republika Srpska eingegliedert werden.

Während des Bosnienkrieges wurden am 13. März 1993 alle fünf Moscheen durch die serbische Miliz von Željko Ražnatović gesprengt.[3] Die größte Moschee am Hauptplatz wurde mittlerweile mit Geldern der Europäischen Union wiederaufgebaut. Die katholische Ortskirche verwahrloste zwar in dieser Zeit, blieb aber unbehelligt.

Während sich die Zahl der Bosniaken um 83,5 % reduzierte, sind Angehörige anderer Volksgruppen fast gänzlich verschwunden. Während der Flucht von Bosniaken zwischen 1992 und 1995 kamen zahlreiche serbische Flüchtlinge bzw. vertriebene aus anderen Teilen Bosniens in die Gemeinde. Diese leben zum großen Teil in eilig errichteten Überbauungen, deren Häuser praktisch im Rohbau belassen wurden.

Heute (2007) wird Bijeljina überwiegend von bosnischen Serben bewohnt. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Bijeljina stieg wegen der Flüchtlingsströme im Krieg von 37.216 im Jahr 1991 auf rund 110.000.

Religion[Bearbeiten]

Nachdem die Moscheen im Krieg zerstört wurden, investiert man gegenwärtig in den Wiederaufbau. Im Zentrum der Stadt befindet sich zur Zeit der Sitz des orthodoxen Bischofs von Zvornik und Tuzla.

Fernsehen und Radio[Bearbeiten]

In Bijeljina befindet sich der Hörfunk- und Fernsehsender RTV BN (Radio Televizija Bijeljina), der in ganz Bosnien und Herzegowina sowie über Satellit verbreitet wird.

Tourismus[Bearbeiten]

Mosche in Bijeljina

In der Stadt gibt es ein Museum zur Regionalgeschichte sowie die Filip-Višnjić-Bibliothek.

Zu Ehren des Heiligen Pantaleon, dem Stadtpatron Bijeljinas, findet jedes Jahr im August ein mehrtägiges Fest statt mit Konzerten, einem Straßenmarkt und weiteren Kulturveranstaltungen.

Wenige Kilometer entfernt von Bijeljna liegt der Kurort Banja Dvorovi.

Ein touristischer Anziehungspunkt ist das ca. 5 Kilometer östlich von Bijeljina gelegene Etno Selo Stanišić, ein zum Teil der altertümlichen Bauweise der Region nachempfundenes Dorf mit einem künstlich angelegten See in der Mitte.

Partnerstadt/städte[Bearbeiten]

König-Peter Platz und das Rathaus von Bijeljina

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Noel Malcolm: Bosnia: A Short History. New York University Press, New York 1994, ISBN 978-0-8147-5520-4.
  2. Alex Alvarez: Regierungen, Bürger und Völkermord:. Vergleichende und interdisziplinäre Ansatz. Indiana University Press, .
  3. [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bijeljina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien