Gradiška

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gradiška
Градишка

Wappen von Gradiška

Gradiška (Bosnien und Herzegowina)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Koordinaten: 45° 8′ N, 17° 15′ O45.14111111111117.2593Koordinaten: 45° 8′ 28″ N, 17° 15′ 0″ O
Höhe: 93 m. i. J.
Fläche: 762 km²
Einwohner: 56.727 (2013)
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 51
Postleitzahl: 78400
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Zoran Latinović (unabhängig)
Webpräsenz:
Blick auf das Stadtzentrum

Gradiška (kyrillisch Градишка; vor dem Bosnienkrieg Bosanska Gradiška, kyrillisch Босанска Градишка) ist eine Stadt im Norden von Bosnien und Herzegowina mit ca. 22.000 Einwohnern. Sie gehört zur Republika Srpska, einer der beiden Entitäten von Bosnien und Herzegowina und ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde mit 56.727 Einwohnern auf einer Fläche von 762 km².

Geschichte[Bearbeiten]

In der römischen Zeit existierte nach den Aufzeichnungen in Geographia des Ptolemaios (* um 100 - † um 175 n. Chr.) auf dem Gebiet der heutigen Stadt eine Siedlung mit dem Namen Σερβίτιον (transkr. Serbition) bzw. Σέρβινου[1] (transkr. Serbinou bzw. Serbinov), nach Quelle latinisiert zu Servitium.[2][3][4] Es ist nicht geklärt, ob der damalige Name sich auf die Ethnie Serben bezieht, die als Slawen, wie weitgehend angenommen, erst um die 450 Jahre nach Ptolemaios Aufzeichnungen in Westmakedonien und Südosteuropa auftauchen.

Um das Jahr 1330 hat Gradiška (Gradiški Brod) das Stadtrecht erhalten, im Jahre 1537 wurde die Stadt zum Teil des Osmanischen Reiches. Ab 1878 gehörte sie zum österreichisch-ungarisch besetzten Bosnien.

Nachdem zwischen Kroaten und Serben in Slawonien schwere Kämpfe ausbrachen, überquerte im August 1991 der Banjalučki Korpus die Save, und in wenigen Wochen rückte die JNA bis nach Virovitica. Im Oktober und November griff die kroatische Armee in zwei Operationen serbisch kontrollierte Gebiete in Westslawonien an, woraufhin 50.000 Serben über die Save nach Gradiška und von dort aus nach Serbien flohen.

Während der Operation Blitz (Bljesak) 1995 wurde Gradiška und die Umgebung von der kroatischen Armee stark beschossen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Mittellauf der Save, die dort die Grenze zu Kroatien bildet, rund 40 km nördlich der Stadt Banja Luka. Südlich der Save, von wo ihr der Vrbas aus dem Gebirge zuströmt, ist die Flussebene fast 20 km breit. Nördlich des Stroms befindet sich die kroatische Stadt Stara Gradiška.

Serbisch-orthodoxe Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche in Gradiška

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1991 hatte die Gemeinde Bosanska Gradiška in 68 Siedlungen 59.974 Einwohner, von denen sich 29.630 als Serben (49,4 %), 25.297 als Muslime (42,2 %), 1.894 als Kroaten (3,2 %) und 1.811 als Jugoslawen (3,0 %) bezeichneten. 1.342 Einwohner ordneten sich sonstigen Volksgruppen zu oder verzichteten auf eine Angabe.

In der Stadt selbst bildeten die Muslime mit 7.188 von 16.841 (42,68 %) eine knappe Bevölkerungsmehrheit. 6.502 Einwohner bezeichneten sich als Serben (38,61 %) und 1.788 als Jugoslawen (10,62 %). 80 % der kleineren Orte der Gemeinde waren mehrheitlich serbisch besiedelt. In sechs Dörfern stellten die Muslime, in fünf die Kroaten die Mehrheit.

Die Serben stellen heute die absolute Mehrheit sowohl in der Stadt, wie in der Gemeinde.

Ortschaften[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören insgesamt 68 Orte: Adžići, Berek, Bistrica, Bok Jankovac, Brestovčina, Bukovac, Cerovljani, Cimiroti, Čatrnja, Čelinovac, Čikule, Donja Dolina, Donja Jurkovica, Donji Karajzovci, Donji Podgradci, Dragelji, Dubrave, Elezagići, Gašnica, Gornja Dolina, Gornja Jurkovica, Gornja Lipovača, Gornji Karajzovci, Gornji Podgradci, Gradiška, Grbavci, Greda, Jablanica, Jazovac, Kijevci, Kočićevo, Kozara, Kozinci, Krajišnik, Kruškik, Laminci Brezici, Laminci Dubrave, Laminci Jaružani, Laminci Sređani, Liskovac, Lužani, Mačkovac, Malkoc, Mašići, Mičije, Miloševo Brdo, Miljevići, Mokrice, Nova Topola, Novo Selo, Orahova, Orubica, Petrovo Selo, Rogolji, Romanovci, Rovine, Samardžije, Seferovci, Sovjak, Srednja Jurkovica, Šaškinovci, Trebovljani, Trnovac, Trošelji, Turjak, Vakuf, Vilusi, Vrbaška und Žeravica.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Brücke über die Save in der Stadt

Gradiška liegt an der Nationalstraße 16 (nach Banja Luka; 48 km), die hier über einen internationalen Grenzübergang nach Kroatien verfügt. Bis zur kroatischen Autobahn 3 (Zagreb-Belgrad) sind es 11 km. Über die abzweigenden Magistralstraßen sind Kozarska Dubica (44 km) und Prijedor (58 km) zu erreichen. Über die Save ist die Stadt an das europäische Binnenschifffahrtsnetz angebunden.

Sport[Bearbeiten]

Aus der Stadt stammt der FK Kozara, der 2002/03 in der Premijer Liga vertreten war. Zurzeit spielt der Verein in der Prva Liga RS, der zweithöchsten Spielklasse. Weitere Traditionsvereine sind der FK Dubrave, FK Omladinac Brestovcina und der FK Bratstvo Orahova.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gradiška ist Geburtsort des seinerzeit im süd- bzw. südosteuropäischen Raum sehr bekannten Rabbiners, Arzts und Liturgisten Samson Ben Joshua Moses Morpurgo (1681–1740, verstorben in Ancona, Italien). Morpurgo war von 1721 bis zu seinem Tod Oberrabbiner von Ancona. Neben zahlreichen religionskundlichen Veröffentlichungen zeichnete er sich auch als kompetenter Arzt aus; für seinen Einsatz bei der Grippeepidemie im Jahr 1730 erhielt er eine Dankesurkunde des Erzbischofs Benedict IV. von Ancona.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ω-Rezension
  2. Alfred Stückelberger, Gerd Graßhoff (Hrsg.): Ptolemaios, Handbuch der Geographie, Schwabe Verlag, Basel 2006, S. 248f
  3. Anmerkung: Zu Servitium mit v, altgriechisch β wird üblicherweise mit b transkribiert.
  4. Ptol. Geographia Anfügung in V: ἀπὸ τοΰ Σέρβινου τούτου οἶμαι καἱ Σέρβοι [(Serboi)] λέγονται