Rudo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rudo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Rudo
Рудо

Wappen von Rudo

Rudo (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Koordinaten: 43° 37′ N, 19° 22′ O43.61666666666719.366666666667390Koordinaten: 43° 37′ 0″ N, 19° 22′ 0″ O
Höhe: 390 m. i. J.
Fläche: 344 km²
Einwohner: 8.834 (2013)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 58
Postleitzahl: 73260
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Rato Rajak (SRS RS)
Webpräsenz:

Rudo (serbisch-kyrillisch Рудо) ist ein Ort im Osten von Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Serbien und Sitz der gleichnamigen Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Staro Rudo wurde 1555 von Mustafa-paša Sokolović, einem Bruder des legendären Mehmed-paša Sokolović, am linken Ufer des Lim gegründet. Wie ganz Bosnien befand sich die Region bis 1878 unter osmanischer, danach bis 1918 unter österreichischer Herrschaft.[1]

1896 gab es am Lim ein katstrophales Hochwasser, durch das Staro Rudo völlig zerstört wurde. In der Folge wurde ein planmäßig neuer Ort – Novo Rudo – am rechten Ufer gegründet.[1] (Novo) Rudo besitzt eine schachbrettartige Straßenanordnung.

Während des Zweiten Weltkrieges war die Region von schweren Kämpfen zwischen Ustascha-, Tschetnik- und Partisaneneinheiten betroffen. Der Einsatz ersten regulären Partisaneneinheit in Rudo („Erste Proletarische Brigade“) am 22. Dezember 1941 wurde im sozialistischen Jugoslawien als Tag der Jugoslawischen Volksarmee gefeiert.[1]

Im Bosnienkrieg verübten bosnisch-serbische Paramilitärs unter dem Kommando von Milan Lukić zwei Kriegsverbrechen an serbischen Staatsbürgern muslimischen Glaubens.[2] Am 22. Oktober 1992 hielten sie in Mioče oberhalb von Rudo einen Bus an, der von Priboj über bosnisches Territorium nach Sjeverin fuhr, einem zu Priboj gehörenden Dorf am linken Limufer. Sie entführten und ermordeten 16 Passagiere. Am 27. Februar 1993 stoppten sie in der Ortschaft Štrpci einen Zug der Strecke Belgrad–Bar, die hier ein Stück bosnisches Territorium quert, und entführten 19 serbische Staatsbürger muslimischen Glaubens, die sie später ermordeten. Die Opfer stammten in beiden Fällen überwiegend aus den benachbarten Gemeinden in Serbien, das sich zu dieser Zeit nicht im Kriegszustand befand.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt am rechten Ufer des Flusses Lim im äußersten Osten Bosniens auf etwa 400 m Höhe. Die Mittelgebirge Varda im Norden und Tmor im Süden der Stadt steigen bis 1389 m bzw. 1280 m an. Zur Gemeinde gehört auch die Exklave Sastavci.

Benachbarte Gemeinden sind Čajniče, Novo Goražde, Rogatica und Višegrad, sowie Čajetina, Priboj und Užice in Serbien.

Ab 1906 führte ein Zweig der Bosnischen Ostbahn von Međeđa über Rudo nach Uvac an der serbischen Grenze. 1929 wurde die Strecke bis nach Priboj verlängert, 1978 - nach der Eröffnung der Bahnstrecke Belgrad–Bar - eingestellt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1991 hatte die Gemeinde Rudo 11.572 Einwohner, darunter

Im Hauptort Rudo lebten 3.109 Menschen.

Die Serben stellen auch heute die absolute Mehrheit der Einwohner. Bis zur Volkszählung von 2013 war die Einwohnerzahl in der abgelegenen Gemeinde auf unter 9.000 gesunken. Bereits vor dem Krieg war die Gemeinde von starker Abwanderung gekennzeichnet. Im Jahre 1971 hatte die Einwohnerzahl noch 15.982 betragen.

Die Gemeinde umfasst insgesamt 89 Orte: Arbanasi, Arsići, Bare, Bijelo Brdo, Biševići, Bjelugovina, Bjelušine, Bjeljevine, Blizna, Bovan, Božovići, Boranovići, Budalice, Vagan, Viti Grab, Gaočići, Gojava, Gornja Rijeka, Gornja Strmica, Gornje Cikote, Gornji Ravanci, Grabovik, Grivin, Danilovići, Dolovi, Donja Rijeka, Donja Strmica, Donje Cikote, Donji Ravanci, Dorići, Dubac, Dugovječ, Zagrađe, Zarbovina, Zlatari, Zubač, Zubanj, Janjići, Knjeginja, Kovači, Kosovići, Kula, Ljutava, Međurečje, Mikavice, Mioče, Misajlovina, Mokronozi, Mrsovo, Nikolići, Obrvena, Omarine, Omačina, Oputnica, Orah, Oskoruša, Pazalje, Past, Peljevići, Petačine, Plema, Polimlje, Popov Do, Pohare, Prebidoli, Pribišići, Prijevorac, Ravne Njive, Radoželje, Rakovići, Resići, Rudo, Rupavci, Setihovo, Sokolovići, Stankovača, Staro Rudo, Strgači, Strgačina, Trbosilje, Trnavci, Trnavci kod Rudog, Uvac, Ustibar, Cvrkote, Čavdari, Džihanići, Šahdani und Štrpci.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Strukturschwäche der Region hat eine seit langem anhaltende Landflucht zur Folge. Vor dem Bosnienkrieg existierten einige Industriebetriebe, insbesondere Zulieferer des Automobilherstellers FAP. Auch die Unternehmen Rudoplast und Dekorplast, die Kunststoffe herstellten, haben die Produktion eingestellt. Der größte Teil der Einwohner ist heute in der Landwirtschaft und kleinen Dienstleistungsbetrieben beschäftigt.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Straßennetz der Gemeinde ist nur teilweise ausgebaut. Die westliche Hälfte der serbischen Gemeinde Priboj ist auf befestigten Straßen nur über Rudoer Gebiet zu erreichen. Der Ortsteil Štrpci liegt an der Bahnstrecke Belgrad–Bar und wird von täglich fünf Zugpaaren bedient.[3] Busverkehr besteht nach Priboj, Višegrad, Belgrad und Sarajevo.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Opštinska razvojna agencija Rudo
  2. a b Amnesty International: Serbia and Montenegro: Sjeverin war crimes verdict in Belgrade, 1. Oktober 2003
  3. Fahrplanauskunft der serbischen Eisenbahn
  4. Register der Linien beim bosnischen Verkehrsministerium