Klaus von Dohnanyi

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Klaus von Dohnanyi (1978)
Klaus von Dohnanyi bei der Matinee für Siegfried Lenz zum 85. Geburtstag 2011

Klaus Karl Anton von Dohnanyi [doˈnaːni] (* 23. Juni 1928 in Hamburg) ist ein deutscher Jurist und Politiker (SPD). Er war von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft und von 1981 bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Leben[Bearbeiten]

Klaus von Dohnany (links) mit Eberhard Diepgen (1986)
SPD-Parteitag, Klaus von Dohnanyi (links) mit Bruno Kreisky (1982)
Klaus Dohnanyi (links) mit Lothar Späth (1983)

Von Dohnanyi wuchs in Berlin-Grunewald auf. Sein Vater Hans von Dohnanyi wurde 1938 als Reichsgerichtsrat nach Leipzig versetzt. Er wurde als Widerstandskämpfer kurz vor Kriegsende hingerichtet. Von 1938 bis 1940 besuchte von Dohnanyi die Thomasschule zu Leipzig, von 1940 bis 1944 das Benediktinergymnasium Ettal und schließlich das Victoria-Gymnasium Potsdam.

Ab Herbst 1944 wurde er dem Volkssturm zugeteilt, dann aber im November 1944 als „kriegsverwendungsfähig“ gemustert und im Januar des nächsten Jahres in ein Kampfbataillon des Reichsarbeitsdienstes nach Karstädt in der Prignitz einberufen. Im Mai 1945 geriet er für wenige Tage in kanadische Gefangenschaft. Im Herbst 1945 traf er in Frankfurt am Main wieder auf seine Familie, von der er während des Kriegsdienstes getrennt war.

Er absolvierte 1946 sein Abitur am Benediktinerkloster St. Ottilien. Nach Kriegsende begann er 1946 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das er 1949 mit dem ersten juristischen Staatsexamen abschloss. 1949 wurde er „magna cum laude“ mit einer Dissertation über „Die Grundstücksteilung – Erscheinungsform und Rechtsfolgen nach geltendem Recht“ zum Dr. jur. promoviert.

Er studierte dank zweier Stipendien von 1950 bis 1951 an der Columbia University und der Stanford University. 1953 erwarb er an der Yale University den zur damaligen Zeit noch nicht sehr verbreiteten Abschluss eines Bachelor of Laws (LL.B.).

Von 1951 bis 1952 war er am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in München und von 1952 bis 1953 als Assessor in einem amerikanischen Anwaltsbüro in New York und bei den Ford-Werken in Detroit beschäftigt. Ab 1954 arbeitete er als Volontär bei Ford in Köln, von 1956 an als Leiter der Planungsabteilung. 1957 legte er das zweite juristische Staatsexamen ab. Von 1960 bis 1968 war er geschäftsführender Gesellschafter und Leiter der Abteilung „Planung und Prognosen“ des Marktforschungsinstituts Infratest.

Von 1990 bis 1994 war von Dohnanyi unter anderem als Beauftragter der Treuhandanstalt für die Privatisierung ostdeutscher Kombinate, insbesondere beim Fördermaschinen- und Kranbauer TAKRAF in Leipzig, tätig. Von 2003 bis 2004 war er Sprecher des Gesprächskreises Ost.

Er ist Gründungskommissar der Bucerius Law School in Hamburg.

1997 sprach Klaus von Dohnanyi anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Deutschen Bundestag.

Heute gehört Klaus von Dohnanyi als stellvertretender Vorsitzender dem Konvent für Deutschland (Vorsitzender: Roman Herzog) an, einem überparteilichen Gremium, das unter anderem für eine Föderalismusreform in der BRD eintritt, die mit klaren Zuständigkeiten für Bundestag und Bundesrat wieder schnellere Entscheidungen in der bundesdeutschen Politik ermöglichen soll. Zudem war er Kurator der von den Arbeitgeberverbänden finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Beiratsvorsitzender des Berliner Wirtschaftsverlages Wegweiser GmbH, Mitglied des Aufsichtsrates der Audi AG und der PrimaCom AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Design Bau AG und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Seit 2009 leitet er den Mindestlohn-Ausschuss der Bundesregierung und im Jahr 2010 war er der federführende Schlichter im Tarifkonflikt bei der Lufthansa.

Von Dohnanyi ist Mitglied der Atlantik-Brücke und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Er war 1986 Gründer der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.

Familie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dohnányi

Klaus von Dohnanyi ist der Sohn des Juristen Hans von Dohnanyi und seiner Frau Christine Bonhoeffer, einer Schwester des 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Auch von Dohnanyis Vater wurde - kurz vor Kriegsende - am 8. oder 9. April 1945 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Von Dohnanyi ist mit der Schriftstellerin Ulla Hahn verheiratet. Seine erste Frau Renée Illing, die er 1951 heiratete, starb 1958 an einem Gehirntumor.[1] Seine zweite Ehe führte er mit Christa Seidel, geborene Groß, einer Heidelberger Kaufmannsfamilie entstammend. Er hat drei Kinder: Sein Sohn aus erster Ehe Johannes von Dohnanyi (* 1952) ist ein deutsch-amerikanischer investigativer Journalist und Schriftsteller. Dieser war zusammen mit Bruno Schirra 2005 in die Cicero-Affäre verwickelt. In zweiter Ehe wurde Tochter Babette von Dohnanyi (* 1966), Künstlerin, geboren und Jakob von Dohnanyi (* 1961), Architekt, adoptiert.

Sein Bruder ist der Dirigent Christoph von Dohnányi.

Partei[Bearbeiten]

Von Dohnanyi ist seit 1957 Mitglied der SPD. 1979 wurde er zum Landesvorsitzenden der SPD in Rheinland-Pfalz gewählt. Nach seiner Wahl zum Hamburger Bürgermeister legte er seine Parteiämter in Rheinland-Pfalz nieder.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Von 1969 bis zu seiner Mandatsniederlegung am 24. Juni 1981 war Dohnanyi Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist stets über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag eingezogen.

1979 wurde von Dohnanyi in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt, legte das Mandat aber nach kurzer Zeit wieder nieder. Von 1982 bis 1988 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Am 1. März 1968 trat von Dohnanyi als beamteter Staatssekretär in das von Karl Schiller geleitete Bundesministerium für Wirtschaft ein.

Im Oktober 1968 war er Parlamentarischer Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft.

Am 22. Oktober 1969 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Bildung und Wissenschaft. Als Hans Leussink im Januar 1972 von diesem Amt zurücktrat, wurde von Dohnanyi am 15. März 1972 zu dessen Nachfolger im Amt des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft ernannt. Mit dem Rücktritt von Willy Brandt vom Amt des Bundeskanzlers am 7. Mai 1974 schied auch von Dohnanyi am 16. Mai 1974 aus der Bundesregierung aus.

Am 16. Dezember 1976 wurde er als Staatsminister in das Auswärtige Amt berufen.[2]

Am 24. Juni 1981 wurde Klaus von Dohnanyi als Nachfolger von Hans-Ulrich Klose zum Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg gewählt und schied gleichzeitig aus dem Amt des Staatsministers im Auswärtigen Amt aus.

Das Amt des Ersten Bürgermeisters hatte er bis zu seinem Rücktritt am 8. Juni 1988 inne. In seine Amtszeit fielen unter anderem

  • die Affäre um die lange Einkesselung von Antikernkraft-Demonstranten (sog. „Hamburger Kessel“)
  • die friedliche Lösung des Hafenstraßenkonflikts - diese setzte er gemeinsam mit seinem Stellvertreter Ingo von Münch (FDP) gegen Widerstände in beiden Parteien durch.
  • der Bau des Kernkraftwerks Brokdorf. Sein Vorgänger Klose war unter anderem zurückgetreten, weil er gegen den KKW-Bau war, sich aber nicht gegen Werner Staak, Vorsitzender der Hamburger SPD, durchsetzen konnte[3].

Seit März 2011 ist von Dohnanyi Mitglied der Ethikkommission für sichere Energieversorgung.

Nach dem Rücktritt von Christian Wulff war er im Februar 2012 als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Brief an die Deutschen Demokratischen Revolutionäre. München 1990 ISBN 978-3-378-00428-3
  • Das deutsche Wagnis. München 1990 ISBN 978-3-426-26495-9
  • Notenbankkredit an den Staat?: Beiträge und Stellungnahmen zu dem Vorschlag, öffentliche Investitionen mit zins- u. tilgungsfreien Notenbankkrediten zu finanzieren. Klaus von Dohnanyi (Hrsg.). [Willi Albers ...]. - 1. Aufl. - Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1986. (Schriften zur monetären Ökonomie; 22) ISBN 3789012149

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Thies: Die Dohnanyis. Eine Familienbiografie. Propyläen, München 2004, ISBN 3-549-07190-6.
  • Marikje Smid: Hans Dohnanyi – Christine Bonhoeffer. Eine Ehe im Widerstand gegen Hitler. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2002, ISBN 3-579-05382-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. welt.de: Interview mit Klaus von Dohnanyi vom 8. August 2008
  2. „Als Klaus von Dohnanyi im Dezember 1976 Staatsminister im Auswärtigen Amt wurde, schien der Höhepunkt seiner politischen Karriere schon hinter ihm zu liegen. Der Yale-Absolvent, eine Entdeckung Willy Brandts und von Karl Schiller 1968 als Staatssekretär ins Wirtschaftsministerium berufen, war im Mai 1974 aus dem Bonner Kabinett geflogen, weil der neue Kanzler Helmut Schmidt den Intimus seines Vorgängers nicht ausstehen konnte. Schon vor Entwicklungsminister Erhard Eppler musste Bildungsminister Dohnanyi (Schmidt: ‚Noch so'n Spinner‘) damals seinen Dienst quittieren, weil er zwar ideenreich, aber administrativ unzulänglich sein Amt geführt hatte. Seitdem eilt Dohnanyi der Ruf voraus, er sei untalentiert zur Leitung eines Ministeriums - nicht gerade eine Empfehlung für das, was ihn in der größten westdeutschen Kommune erwartete. So schien, zwei Jahre nach seinem Ministersturz, auch sein Verbleiben auf Bonns politischer Bühne gefährdet: Mit dem Vorwurf, er habe die Basis in seinem Wahlkreis Germersheim-Landau verkümmern lassen, platzierte die rheinland-pfälzische SPD Dohnanyi (Parteispitzname: ‚Doch-nie-da‘) auf dem scheinbar aussichtslosen Listenplatz 13. Wider Erwarten schaffte der ungeliebte adlige Genosse den Sprung zurück ins Bonner Parlament. Und zwei Monate später, Hans-Jürgen Wischnewski war auf Schmidts Wunsch als Staatsminister ins Kanzleramt gewechselt, trat Dohnanyi, auf Fürsprache seines Mentors Brandt, in Genschers AA-Dienste.“  Spitz auf Knopf. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1981, S. 102-103 (15. Juni 1981, online).
  3.  Spitz auf Knopf. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1981, S. 102-103 (15. Juni 1981, online).
  4. welt.de: Plötzlich war ein Sozialdemokrat für Bellevue im Spiel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klaus von Dohnanyi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien