Rhens

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rhens
Rhens
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rhens hervorgehoben
50.2804888888897.618111111111177Koordinaten: 50° 17′ N, 7° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Rhein-Mosel
Höhe: 77 m ü. NHN
Fläche: 16,3 km²
Einwohner: 2903 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 178 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56321
Vorwahl: 02628
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 221
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 44
56330 Kobern-Gondorf
Webpräsenz: rhens.welterbe-mittelrhein.de
Stadtbürgermeister: Raimund Bogler (CDU)
Lage der Stadt Rhens im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte
Brey (links) und Rhens am Rhein
Mineralwasserflasche "Rhenser Mineralbrunnen" mit dem Stadtwappen von Rhens, 19. Jahrhundert

Rhens (/ˈʁeːns/) ist eine Stadt im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz und zweiter Verwaltungssitz der zum 1. Juli 2014 neu geschaffenen Verbandsgemeinde Rhein-Mosel, der sie auch angehört. Rhens ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Die Lage der Stadt am relativ flachen Westufer des Rheins ist durch den Gegensatz zu den Steilhängen der Ostseite geprägt, über denen – schräg gegenüber der Stadt – die Marksburg thront. Rhens gehört seit 2002 zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Verkehrsmäßig ist Rhens durch die Bahn und die B 9 gut erschlossen, und ins hügelige Hinterland führen zwei Routen der Rheingoldstraße.

Zu Rhens gehören die Stadtteile Hünenfeld und Schauren.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte am 29. September 874, als der Trierer Erzbischof Bertolf dem Kunibertstift in Köln den Besitz von Gütern in Boppard, Spay, Oberspay und Rhens bestätigte.[3]

Die Vogtei über Rhens war 1174 im Besitz der Grafen von Saffenburg, die sie für 200 Mark an den Erzbischof von Köln verkauften. Seit dieser Zeit gehörte Rhens zum Kurfürstentum Köln. Das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der Stadt war 1338 die Bildung des Kurvereins zu Rhense, in dem sich die sieben Kurfürsten auf die künftigen Modalitäten der Wahl eines deutschen Königs einigten und dem Papst das von ihm beanspruchte Approbationsrecht absprachen. An dieses Ereignis erinnert bis heute der Königsstuhl von Rhens.

Am 11. Juni 1346 wurde Karl IV. in Rhens zum römisch-deutschen König gewählt.

Schon um 1370 besaß Rhens Stadtrechte.

1400 wurde Wenzel, Sohn Kaiser Karls IV., als römischer König von den drei geistlichen Kurfürsten und von Ruprecht III., dem Pfalzgrafen bei Rhein, auf der Burg Lahneck in Oberlahnstein abgewählt. Ruprecht wurde daraufhin in Rhens zum neuen König gewählt.

Anzumerken ist, dass der Königsstuhl vor 1929 direkt am Rhein stand und sich nun auf einer Anhöhe in Richtung Waldesch befindet.

Hexenprozesse: Im 17. Jahrhundert kam es auch in Rhens zu Hexenverfolgungen. Die Einkerkerung und Folterung fand im „Scharfen Turm“ (Teil der Stadtmauer, direkt am Rhein) statt. Die Hinrichtungen fanden an mindestens zwei verschiedenen Orten statt.

Auf eine lange Tradition kann sich auch der Rhenser Mineralbrunnen berufen. Erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, wird hier seit über 150 Jahren Mineralwasser industriell abgefüllt. Das Unternehmen gehört zu den bedeutendsten Anbietern von Mineralwässern und Süßgetränken in Deutschland. Es bietet u. a. die Marken „Rhenser“, „Perling“ und „Silvetta“ an.

Am 7. November 1970 wurde der Gebietsteil Kripp mit 248 Einwohnern nach Koblenz umgemeindet. Seit dem 6. September 1984 hat Rhens erneut das Stadtrecht.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Rhens, bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.355
1835 1.476
1871 1.493
1905 1.646
1939 2.018
1950 2.315
Jahr Einwohner
1961 2.711
1970 2.932
1987 2.761
1997 2.898
2005 3.051
2013 2.903

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Rhens besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[5]

Wahl SPD CDU Gesamt
2014 9 11 20 Sitze
2009 8 12 20 Sitze
2004 7 13 20 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Der Wappenschild zeigt in seiner rechten Hälfte das schwarze kurkölnische Kreuz und in seiner linken Hälfte zwei goldene Stadtschlüssel.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1984 hat die Stadt Rhens eine Partnerschaft mit der Stadt Bramley in Großbritannien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten in Rhens[Bearbeiten]

  • Königsstuhl - „Auf Schawall“ in Rhens (von ungefähr 1400)
  • Scharfer Turm - ab 1396 direkt am Rhein als Zollturm errichtet. Später als Gefängnis genutzt. 1645/46 Inhaftierung und Folterung von 10 angeblichen Hexen und Hexenmeistern. Generalsanierung Ende der 80er Jahre, seitdem Nutzung als Veranstaltungsraum.
  • Rathaus am Marktplatz. Das Erdgeschoss entstammt etwa dem Jahr 1500, sein Obergeschoss mit Giebel wurde um 1600 aufgesetzt.[6]
  • Deutsches Haus - erbaut von 1566 -1570 unmittelbar am Rheinufer, besonders imposantes Fachwerkgebäude unmittelbar mit dem Rheintor verbunden; im 19. Jahrhundert Stammsitz der rheinischen Verwandtschaft des Malers Wilhelm von Kügelgen (siehe Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 1944, Seite 278). Das Deutsche Haus besitzt einen großen historischen Gewölbekeller. Es geht die Legende um, das Napoleon auf seiner Flucht vor den nachrückenden alliierten Truppen dort einkehrte, während die Truppen Blüchers in der Neujahrsnacht 1813/14 bei Kaub den Rhein überquerten.
  • Historischer Ortskern („Flecke“) - neu gestaltet mit Marktplatz, „Ochsenbrunnen“ und vielen Fachwerkhäusern
  • Stadtmauer - rund um die Altstadt mit zahlreichen Toren
  • Pfarrkirche St. Dionysius - am Friedhof, erstmals 873 urkundlich erwähnt, Bausubstanz aus dem 11. Jahrhundert, mit einer überwiegend barocken Innenausstattung, neu saniert, mit prächtigen Gemälden
  • Pfarrkirche St. Theresia - direkt beim Ortskern

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Rhens

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Rhein in Flammen - Großfeuerwerke und Schiffskonvoi am 2. Samstag im August von Spay nach Koblenz.
  • Stadtfest - im historischen Ortskern am zweiten Wochenende im September
  • Mittelrhein-Marathon - Großsportereignis von Oberwesel bis Koblenz im Juni
  • Tal Total - Jährlich stattfindende Großveranstaltung, bei der Teile des Mittelrheintals ausschließlich dem nichtmotorisierten Verkehr zur Verfügung stehen
  • Rhenser Rhein-Hunsrück MTB Marathon, eine jährliche Mountainbike-Veranstaltung über die Strecken 35, 50 und 80 km mit Teilnehmern aus ganz Europa.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weinbau[Bearbeiten]

Rhens gehört zum „Weinbaubereich Loreley“ im Anbaugebiet Mittelrhein. Im Ort sind zwei Weinbaubetriebe tätig, die bestockte Rebfläche beträgt 2 ha. Etwa 90 % des angebauten Weins sind Weißweinrebsorten (Stand 2007). Im Jahre 1979 waren noch zwölf Betriebe tätig, die Rebfläche betrug 10 ha[2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Hoppe: Architektur der Renaissance am Rhein. In: Renaissance am Rhein, Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn, 2010/2011. Verlag: Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-2707-5

Dokumente[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rhens – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Christian Rutsch: Boppard und das Rheinthal, Coblenz: Denkert & Groos, 1880, S. 123 ff (Online-Ausgabe bei dilibri Rheinland-Pfalz)
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (PDF; 2,1 MB), Seiten 164, 194 und 204
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Stephan Hoppe: Architektur der Renaissance am Rhein, S. 79