Ulsnis

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Ulsnis führt kein Wappen
Ulsnis
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ulsnis hervorgehoben
54.5666666666679.755Koordinaten: 54° 34′ N, 9° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Schleswig-Flensburg
Amt: Süderbrarup
Höhe: 5 m ü. NHN
Fläche: 19,81 km²
Einwohner: 671 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 24897,
24888 (Schmedeland)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 04641
Kfz-Kennzeichen: SL
Gemeindeschlüssel: 01 0 59 094
Adresse der Amtsverwaltung: Königstraße 5
24392 Süderbrarup
Webpräsenz: www.ulsnis.de
Bürgermeister: Heidrun Karaca (KWU)
Lage der Gemeinde Ulsnis im Kreis Schleswig-Flensburg
Karte

Ulsnis (dänisch: Ulsnæs) ist eine Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein.

Glockenstapel in Ulsnis
Wilhadikirche
Romanisches Steinrelief im Sockel der Wilhadikirche
Romanisches Steinrelief im Sockel der Wilhadikirche

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die waldreiche Gemeinde liegt in der Landschaft Angeln am Gunnebyer Noor an der Schlei.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zum Gemeindegebiet gehören Affegünt, Bremsdieck, Dallacker (Dalager), Düttnis (Dytnæs), Gunneby (Gundeby), Hestoft, Kius (Kjus), Knappersfeld, Ulsnis, Ulsniskirchenholz und Ulsnisland. In ihrer heutigen Form besteht die Gemeinde seit 1974.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Ulsnis wird erstmals 1349 als Vlfsnees (wörtlich: ins Meer vorspringende Landspitze) erwähnt. Die heutigen Ortsteile Ulsnis, Hestoft, Kius und zwei Höfe aus Gunneby gehörten nach 1509 zur Vogtei Ulsnis, die wiederum dem Domkapitel in Schleswig unterstand. Der Schleswiger Bischof hatte diese Ländereien mit den darauf befindlichen Bauernstellen 1504 vom letzten nichtkirchlichen Eigentümer des Edelhofes (bzw. der Burg - s. u.) Hesselgaard gekauft. Bis dahin waren die Einwohner Untertanen der Herren von Hesselgaard. Hiermit unterschied sich Ulsnis von anderen Teilen Angelns, das sich durch seine freien Bauern auf den Bondegütern auszeichnete. 1770 erfolgte die Auflösung des Domkapitels, in der Folge wurden einigen ortsansässigen Hufnern bzw, Kätnern das Land einschließlich der Anteile an Waldflächen zugeteilt. Ulsnis wurde Teil der angrenzenden Harde.

Nachdem Schleswig-Holstein im Jahre 1866 preußische Provinz geworden war, wurden am 1. Oktober 1889 die Harden aufgelöst. An ihre Stelle traten die kleineren Amtsbezirke. Die Gemeinden Steinfeld, Kius (mit Gunneby) und Ulsnis (mit Hestoft) bildeten den Amtsbezirk Ulsnis. Erst im Jahre 1969 wurde im Rahmen der Ämterneuordnung das Amt Ulsnis aufgelöst und mit Wirkung vom 1. April 1970 dem neu gebildeten Amt Süderbrarup zugeordnet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1973 erfolgte in der Gemeinde Kius die Beschlussfassung für die Zusammenlegung mit der Gemeinde Ulsnis. Am 28. Januar 1974 fand die letzte Gemeinderatssitzung der alten Gemeinde Kius statt. Am 1. Februar 1974 waren die Gemeinden Kius und Ulsnis formell zur Gemeinde Ulsnis vereint.[2] Erster gemeinsamer Bürgermeister wurde Hans Hansen aus Gunneby.

Ulsnis[Bearbeiten]

Der Name Ulsnis findet erstmals Erwähnung im Jahre 1349 als „Vlfsnees“. Das Wort ist abgeleitet aus dem dänischen „Ulf“, gleich „Wolf“ und dem dänischen „Näs“, deutsch „Nis“, was „Nase“, „Landvorsprung“ bedeutet (bzw. laut Jensen: Angeln, (1922): „Ins Meer vorspringende Landspitze“).

Die Geschichte des Namengebenden Ortsteiles mit seinen verstreuten Hufnerstellen spiegelt sich heute noch im weit auseinander gezogenen Dorfbild. Von einem Dorfkern kann man auch bei diesem eigentlichen Ulsnis kaum sprechen. Zwischen Ulsnis-Kirchenholz, dem zentralen Siedlungsteil um das ehemalige Schulgebäude herum über den Gallberg bis hin nach Ulsnishöh (Richtung Hestoft) ergibt sich ein mäanderndes Siedlungsbild. Zwischen dem früher völlig getrennt liegenden Siedlungsteilen Ulsnis-Strand an der Schlei mit dem in den 1920er bis 1940er beliebten Ausflugslokal Ulsnisser Fährhaus und der genannten Siedlungskette ist ab den 1980er Jahren ein Konglomerat von Einzelhäusern unterschiedlichsten Typus errichtet worden.

Ulsnis verfügt auch heute noch über eine Vielzahl von Waldstücken auf dem Gemeindegebiet. Der Wald Hagab am Gunnebyer Noor ist seit altersher ein beliebter Nistplatz für eine Unzahl von Krähen. Das Süderholz oberhalb von Ulsnis-Strand hat einen lichteren Charakter.

Hestoft[Bearbeiten]

Der Name des kleinen Ortes Hestoft setzt sich zusammen aus „Hest“ (dänisch für Pferd) und „Toft“ (dänisch für eingefriedetes Land). In Hestoft steht die älteste Eiche Schleswig-Holsteins. Hestoft ist der südlichste Ortsteil der Gemeinde, mit der Schleiinsel Kieholm wiederum als südlichsten Festlandspunkt der Gemeinde.

Das Dorf Hestoft ist stark von der Landwirtschaft geprägt.

Gunneby[Bearbeiten]

Gunneby gehörte zum Gut Dänisch Lindau, das heute zu Boren gehört. Am 1. Mai 1784 wird in Gunneby die Leibeigenschaft gegenüber dem Gut Lindau aufgehoben. Durch die Vermessung und Verteilung des Grundbesitzes im Jahre zuvor entstehen hier fünf Voll-Hufner-Stellen und zwölf Kätner-Stellen.

Kius[Bearbeiten]

In der Dorfchronik der Gemeinde Ulsnis (2006 in neuer Bearbeitung) wird darauf hingewiesen, dass sich der Ortsname von Kyus, Kues, in Island „enges Tal“ ableitet.

Politik[Bearbeiten]

Von den neun Sitzen in der Gemeindevertretung hat die Wählergemeinschaft KWU seit der Kommunalwahl 2013 fünf Sitze, die CDU und die Wählergemeinschaft FWU haben jeweils zwei Sitze.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Ulsnis, das seit 1995 ein anerkannter Erholungsort ist. Neben Ferienhäusern gibt es auch ein Schullandheim der Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig und ein Familienerholungsheim im Gemeindegebiet.

In den Ortsteilen Ulsnis und Kius befindet sich je ein Sportboothafen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Ulsnisser Kirche ist eine der größten romanischen Kirchen in der Region. Sie wurde 1338 dem heiligen Wilhadus (urspr. Willehad) geweiht. Das Portal wird jedoch schon auf 1150 datiert. Die Willhadikirche ist damit wohl die älteste Kirche von Angeln.[3] Ihre heutige Form der Saalkirche stammt aus einem Umbau des Jahres 1796. Zusammen mit den 100 Plätzen auf der Empore, dem Knechteboden, fasst die Kirche fast 400 Menschen. Wie auch bei anderen Kirchen in Angeln steht der Glockenturm (Glockenstapel) als Holzkonstruktion frei vom eigentlichen Kirchenbau. Unterhalb des Glockenturmes findet sich eine Sitzbank, von der man einen sehr guten Blick über die Angeliter Hügellandschaft bis hin nach Schwansen hat. Das Friedhofsgelände ist von einem Kranz alter Eichen eingefasst. Die Willhadikirche ist auf einem Fundament als Felssteinen errichtet und verfügt über einige sehenswerte Zeugnisse mittelalterlicher Steinplastik. Über die großen Steine am Fundament der Kirche und des Glockenturmes gibt es Sagen, nach denen diese von einem Streit zwischen Riesen herrühren. Die Nase des einen erschlagenen Riesen soll hiernach die Landzunge, „Nis“, in der Schlei gebildet haben.

Nur einige hundert Meter von der Kirche entfernt befindet sich das im späten 19. Jahrhundert von der preußischen Gemeinde Ulnis im Stile eines stattlichen Bauernhauses angelegte damalige Armenhaus, heute das Cafe Krog. Vom Cafegarten aus gibt es ebenfalls einen sehenswerten Blick bis hinunter zur Schlei.

Das an Sonntagen geöffnete Heimatmuseum befindet sich im Ortsteil Ulnisstrand.

Die 1360 erstmals erwähnte und 1644 zerstörte Burg Hesselgaard, die auf einem Plateau in einem See lag, befand sich im Gemeindegebiet. Der See wurde 1862 trockengelegt. Bis 1970 war das rechteckige Plateau mit einer kreisrunden Erhebung von etwa 20 m Durchmesser zu erkennen.

Begebenheiten[Bearbeiten]

In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1922 wurde in Ulsnisland eine Mutter mit ihren zwei Kindern sowie eine Haushaltshilfe ermordet.[4][5] Angesichts der blutigen Umstände und der Atmosphäre des Mißtrauens während der kriminalpolizeilichen Ermittlungen blieben die Morde noch Jahrzehnte im Gedächtnis der Einwohner haften. Die Tat war Gegenstand mehrerer literarischer Werke.[6][7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Gustav Johannsen (1840–1901), Lehrer, Journalist, Begründer der Flensborg Avis und Reichstagsabgeordneter für die dänische Minderheit 1881-1901.
  • Reinhold Tüxen (1899–1980), Chemiker, Botaniker und Pflanzensoziologe, einer der Wegbereiter der Pflanzensoziologie in Deutschland
  • Andi Feldmann (* 1957), Bildhauer, Schauspieler, Synchronsprecher und Autor

Literatur[Bearbeiten]

  • Gemeinde Ulsnis (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Ulsnis, bearbeitet von Hans Tüxen, Ulsnis 1987.
  • Gemeinde Ulsnis (Hrsg.): Chronik II der Gemeinde Ulsnis, Ulsnis 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulsnis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 185.
  3. Kirche Ulsnis
  4. Bernd Langmaack: Der Ulsnis-Mord von 1922, in: Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln , 64. Jahrgang 2000, S. 112-116.
  5. Cornelia Schellhorn: Der Mord von 1922, in: Chronik II, Ulsnis 2010, S. 376ff.
  6. Jacob Kronika: Den sidste slesviger og Ulsnæs-mordene, Flensborg 1971.
  7. Hanna Dunkel: Mordsache Ulsnis, Leer 2010.