Christian Streich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christian Streich

Christian Streich (2013)

Spielerinformationen
Geburtstag 11. Juni 1965
Geburtsort Weil am RheinDeutschland
Größe 181 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
SpVgg Märkt-Eimeldingen
FV Lörrach
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1983–1985
1985–1987
1987–1988
1988–1990
1991–1994
Freiburger FC
Stuttgarter Kickers
SC Freiburg
FC 08 Homburg
Freiburger FC
56 0(8)
21 0(2)
22 0(2)
31 0(1)
77 (27)
Stationen als Trainer
1995–2011
2007–2011
2011–
SC Freiburg U19
SC Freiburg (Co-Trainer)
SC Freiburg
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Christian Streich als Graffito an der Dreisam, in der Nähe der Schwabentorbrücke, gemalt von Andreas Herre und Julian Mielke; Anlass war der Klassenerhalt des SC Freiburg 2014

Christian Streich (* 11. Juni 1965 in Weil am Rhein) ist ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler. Er ist seit Dezember 2011 Cheftrainer des SC Freiburg.

Spielerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streich, Sohn eines Metzgers,[1] wuchs im südbadischen Eimeldingen auf. Seine aktive Karriere begann er 1983 beim Freiburger FC in der Oberliga Baden-Württemberg. In seiner ersten Saison wurde er mit der Mannschaft Meister, in der Aufstiegsrunde zur 2. Fußball-Bundesliga scheiterte der Verein an dem FC 08 Homburg und dem VfR Bürstadt.

Schritt in den Profifußball (1. und 2. Bundesliga)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer weiteren Saison beim FFC wechselte der Mittelfeldspieler 1985 in die 2. Bundesliga zu den Stuttgarter Kickers. Dort kam er in zwei Spielzeiten zu 21 Einsätzen. 1987 kehrte Streich nach Freiburg zurück, er wurde vom Zweitligisten SC Freiburg unter Vertrag genommen. Nach einer Saison verließ er den Sportclub und unterschrieb beim Zweitligisten FC 08 Homburg, mit dem er 1989 als Vizemeister in die 1. Bundesliga aufstieg. In der Bundesligasaison 1989/90 kam er zu zehn Einsätzen für Homburg.

Nach dem direkten Wiederabstieg beendete er seine Profikarriere und spielte bis 1994 nochmals beim Freiburger FC, bei dem er in der Saison 1991/92 mit 13 Treffern bester FFC-Torschütze wurde (Torschützenkönig der Oberliga Baden-Württemberg mit 19 Treffern wurde Fredi Bobic vom TSF Ditzingen [2]).

Trainerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 kehrte Streich als Jugendtrainer zum SC Freiburg zurück. Mit den A-Junioren gewann er 2006, 2009 und 2011 den DFB-Junioren-Vereinspokal und 2008 durch einen 2:0-Finalerfolg über den VfL Wolfsburg die deutsche A-Jugendmeisterschaft. Nachdem im Sommer 2007 Robin Dutt als Cheftrainer der Profimannschaft verpflichtet worden war, war Streich zusätzlich Trainerassistent, kümmerte sich aber weiterhin hauptsächlich um die A-Jugend. Unter seiner Leitung schafften einige Jugendspieler den Sprung zu den Profis, darunter Dennis Aogo, Jonathan Pitroipa, Daniel Schwaab, Eke Uzoma, Ömer Toprak und Oliver Baumann.

Zu Beginn der Saison 2011/12 wurde Streich Co-Trainer der 1. Mannschaft unter dem neuen Trainer Marcus Sorg, der dem bisherigen Cheftrainer Dutt, der zu Bayer Leverkusen gewechselt war, nachfolgte.[3]

Cheftrainer SC Freiburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Dezember 2011 wurde Streich Chef-Trainer des SC Freiburg. Er übernahm die Nachfolge von Sorg, der am selben Tag wegen ausbleibenden Erfolgs (nur drei Siege aus 17 Spielen) beurlaubt worden war.[4] Die Rückrunde unter Streich verlief für den SC erfolgreich; die Mannschaft verließ die Abstiegsränge und sicherte am 32. Spieltag den Klassenerhalt. Durch diesen überraschenden Erfolg[5] und durch seine unkonventionellen Äußerungen auf Pressekonferenzen erfuhr Streich eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Der lokale Fernsehsender TV Südbaden widmete ihm eine Videokolumne (Streich der Woche), die bald auch die Badische Zeitung aufgriff.

Aufgrund des für viele Beobachter nicht mehr für möglich gehaltenen Nichtabstieges und der insgesamt guten Leistungen des SC Freiburg in der Rückrunde 2011/12 belegte Streich bei der Wahl zum Trainer des Jahres 2012 den dritten Platz hinter Jürgen Klopp und Lucien Favre.[6] Nachdem der SC Freiburg in der darauf folgenden Saison 2012/13 überraschend den fünften Tabellenplatz belegt und sich damit für die Europa League qualifiziert hatte, erreichte Streich bei der Wahl zum Trainer des Jahres 2013 hinter Jupp Heynckes den zweiten Platz, noch vor Klopp.[7]

Am 10. Mai 2013 verlängerte er seinen bis 2014 laufenden Vertrag beim SC Freiburg langfristig.[8] Sein ursprünglich im Juli 2016 auslaufender Vertrag wurde am 19. Februar 2016 ebenso wie die Verträge des gesamten Trainerteams erneut verlängert.[9]

Nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga in der Saison 2014/15 sicherte sich Streich mit seiner Mannschaft den direkten Wiederaufstieg am 32. Spieltag nach einem 1:2 Auswärtssieg gegen den SC Paderborn 07. Am 33. Spieltag wurde er mit der Mannschaft durch einen 2:0-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim Meister der 2. Fußball-Bundesliga 2015/16.

Pressekonferenzen und politische Statements

Streichs Pressekonferenzen erfahren regelmäßig hohe mediale Aufmerksamkeit. Oft nimmt der Trainer, unabhängig von Bundesliga-Spielen, Bezug auf das politische Geschehen abseits des Platzes. Im September 2015 äußerte er sich vor einem Spiel gegen Arminia Bielefeld zur Flüchtlingskrise: "Jetzt geht es darum, dass man sich den Menschen öffnet, dass man sie empfängt, dass man Ängste abbaut. Es geht oft um die Angst vor dem Anderen und die Angst vor dem Fremden. Das kann man bei sich selbst beobachten. Es geht darum, andere Denkweisen kennenzulernen."[10]

Im Dezember 2016 gab er ein kurzes Statement zum Mordfall einer Freiburger Studentin, den die Alternative für Deutschland zum Anlass nahm, Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik zu üben: "Mir wurde mitgeteilt, dass ein Mensch aus der AfD den Vater von der Maria, der dieses Furchtbare erleben musste, als pathologisch bezeichnet hat, weil er vor dieser Tat Flüchtlinge unterstützt hat. Dass in diesem Land jemand einer als demokratisch eingeordneten Partei zugehören darf, und jemand noch verhöhnen darf, der so etwas erleben musste, da sehen Sie, was los ist."[11]

Nachdem Roger Schmidt, Trainer des Bayer Leverkusen e.V., aufgrund einer verbalen Entgleisung kritisiert wurde, nahm Streich diesen in Schutz: "Warum werden wir in den extremsten Situationen vorgeführt und die ganzen Leute hören, was uns in totaler Anspannung mal rausrutscht?"[12]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streich, der mit 19 Jahren eine Berufsausbildung zum Industriekaufmann bei der Fritz Düsseldorf GmbH erfolgreich abschloss, holte mit 25 Jahren auf dem Zweiten Bildungsweg am Kolping-Kolleg in Freiburg das Abitur nach und studierte anschließend Germanistik, Sport und Geschichte für das Lehramt.[13]

Trainerstatistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mannschaft von bis Wettbewerb Ergebnisse
Sp. S U N T GT Diff. Gew. %
SC Freiburg 29. Dezember 2011 heute Fußball-Bundesliga 119 37 37 45 148 170 -22 31,09
2. Fußball-Bundesliga 34 22 6 6 75 39 +36 64,71
DFB-Pokal 14 10 0 4 28 15 +13 71,43
Europa League 6 1 3 2 5 8 -3 16,67
insgesamt 173 70 46 57 256 232 + 24 40,46
Karriere insgesamt Liga 153 59 43 51 223 209 +14 38,56
Nationale Pokale 14 10 0 4 28 15 +13 71,43
Internationale Pokale 6 1 3 2 5 8 -3 16,67
insgesamt 173 70 46 57 256 232 + 24 40,46
Quelle: transfermarkt.de[14][15], Stand: Saisonende 2015/2016

Erfolge als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sonderpreis der BARMER GEK im Rahmen des Trainerpreis Baden-Württemberg 2012 für seine herausragende Arbeit in der Fußballschule des SC Freiburg[16]
  • Trainerpreis des deutschen Fußballs 2013[17][18][19]
  • Trainer der Saison 2012/2013[20]
  • Markgräfler Gutedelpreis[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. René Kübler: Porträt Christian Streich: Erfrischend anders. In: Badische Zeitung, 22.März 2012.
  2. Die Torjägerliste der AOL Baden-Württemberg 1991/92. Abgerufen am 30. Juli 2014.
  3. René Kübler: Dutt und Sorg: zwischen den Welten. In: Badische Zeitung, 22. März 2011
  4. SC trennt sich von Marcus Sorg SC Freiburg Webseite
  5. Wolfgang Prosinger: Zwei auf einen Streich. In: Der Tagesspiegel, 10. April 2012
  6. Reus Fußballer des Jahres – Klopp bester Trainer. In: Focus, 12. August 2012, abgerufen am 24. Januar 2014
  7. Trainer des Jahres: Das Ergebnis 2013. In: kicker, 28. Juli 2013, abgerufen am 24. Januar 2014
  8. Trainerteam verlängert Verträge scfreiburg.com, abgerufen am 28. August 2013
  9. Vertragsverlängerung mit Christian Streich und Trainerteam. scfreiburg.com, abgerufen am 19. Februar 2016.
  10. Sport1.de: Eindringliche Worte von Christian Streich zum Thema Flüchtlinge. In: Sport1.de. (sport1.de [abgerufen am 13. Dezember 2016]).
  11. Warum Christian Streichs Angst-Bekenntnis so viel Mut macht | VICE Sports. In: VICE Sports. (vice.com [abgerufen am 13. Dezember 2016]).
  12. Aaron Knopp: Warum Freiburgs Trainer die besten PKs gibt: König der Streichs. In: RP ONLINE. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  13. Uwe Marx: Freiburger Freigeist. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. März 2012
  14. Leistungsdaten: Ligen national
  15. Leistungsdaten: Pokale national
  16. Laudatio "Trainerpreis Baden-Württemberg 2012" für Christian Streich
  17. René Kübler: Christian Streich erhält Trainerpreis des deutschen Fußballs. In: Badische Zeitung, 26. März 2013
  18. Streich: "Immer den Spieler und Menschen sehen" dfb.de vom 27. März 2013
  19. Trainerpreis an Streich - Bisanz für Lebenswerk geehrt dfb.de vom 27. März 2013
  20. Kai Psotta: Trainer des Jahres: Christian Streich schlägt Jupp Heynckes! In: Bild, 10. Juni 2013
  21. Martin Pfefferle: SC-Coach Christian Streich erhält den Markgräfler Gutedelpreis. Badischer Verlag GmbH & Co. KG, 27. Juni 2014, abgerufen am 27. Juni 2014.