Thomas Tuchel

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Thomas Tuchel
2019-07-17 SG Dynamo Dresden vs. Paris Saint-Germain by Sandro Halank–175.jpg
Tuchel als Trainer von PSG (2019)
Personalia
Geburtstag 29. August 1973
Geburtsort KrumbachDeutschland
Größe 190 cm
Position Abwehr
Junioren
Jahre Station
1979–1988 TSV Krumbach
1988–1992 FC Augsburg
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1992–1994 Stuttgarter Kickers 8 (0)
1994–1998 SSV Ulm 1846 69 (3)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
Deutschland U18 3 (0)
Stationen als Trainer
Jahre Station
2000–2004 VfB Stuttgart Jugend
2005–2006 VfB Stuttgart U19 (Co-Trainer)
2006 FC Augsburg U19
2007–2008 FC Augsburg II
2008–2009 1. FSV Mainz 05 U19
2009–2014 1. FSV Mainz 05
2015–2017 Borussia Dortmund
2018–2020 Paris Saint-Germain
2021– FC Chelsea
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Thomas Tuchel (* 29. August 1973 in Krumbach) ist ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger -spieler. Der frühere Abwehrspieler war mehrere Jahre erfolgreich als Jugendtrainer tätig und wurde im August 2009 zum Cheftrainer des 1. FSV Mainz 05 befördert. Danach war er bis Mai 2017 zwei Jahre lang Cheftrainer von Borussia Dortmund und gewann den DFB-Pokal 2017. Von Juli 2018 bis Ende Dezember 2020 war er Cheftrainer bei Paris Saint-Germain und gewann zweimal die französische Meisterschaft, einmal den französischen Pokal und einmal den französischen Ligapokal. Seit Januar 2021 ist er Trainer des FC Chelsea und feierte im Mai 2021 mit dem Sieg in der UEFA Champions League den größten Erfolg seiner Trainerkarriere.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tuchel begann unter Anleitung seines Vaters mit dem Fußballspielen beim TSV Krumbach und wechselte 1988 in die Jugend des FC Augsburg. An der Seite von Harald Gfreiter gewann er 1991 und 1992 mit dem FC Augsburg den DFB-Jugend-Kicker-Pokal. 1992 schloss er sich den Stuttgarter Kickers an und kam zu acht Spielen in der 2. Bundesliga. Nachdem er in der folgenden Spielzeit nicht mehr in der 1. Mannschaft zum Einsatz gekommen war, verließ er den Klub aus Degerloch in Richtung Ulm. Für den SSV Ulm 1846 lief Tuchel in den folgenden Jahren in der Regionalliga Süd auf. Nachdem er drei Jahre lang unter anderem unter Trainer Ralf Rangnick zur Stammformation in der Abwehrkette gehört hatte, musste er 1998, im Jahr des Aufstiegs in die 2. Bundesliga, aufgrund einer Knorpelverletzung frühzeitig seine aktive Laufbahn beenden.

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge in Jugendmannschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tuchel wechselte im Jahr 2000 auf die Trainerbank. Beim VfB Stuttgart trainierte er die U-15-Mannschaft und rückte 2004 als Co-Trainer zur U-19-Mannschaft des VfB auf. Mit der Mannschaft holte er 2005 den Meistertitel der A-Junioren-Bundesliga. Anschließend kehrte er zum FC Augsburg zurück, bei dem er ebenfalls als Trainer und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums in der Jugendarbeit tätig war.

2006 absolvierte Tuchel die Ausbildung zum Fußballlehrer, die er mit einer Gesamtnote von 1,4 abschloss.[1] Zum 1. Juli 2008 wechselte er ins Nachwuchsleistungszentrum des 1. FSV Mainz 05, um bei der A-Jugend des Klubs den als Co-Trainer zu den Profis aufgerückten Jürgen Kramny zu ersetzen.[1] Mit der Nachwuchsmannschaft gewann er 2009 den Meistertitel bei den A-Junioren.[2]

Erste Bundesligastation bei Mainz 05[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tuchel als Mainzer Trainer bei einem Bundesligaspiel (2014)

Ab dem 3. August 2009 war Tuchel Trainer der Profimannschaft von Mainz 05, die zuvor in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen war. Sein Vorgänger Jørn Andersen war nach dem Ausscheiden in der ersten Runde des DFB-Pokals und internen Unstimmigkeiten freigestellt worden.[3] In der Saison 2010/11 stellte Tuchel mit seiner Mannschaft den damaligen Bundesliga-Startrekord von sieben Siegen in Serie ein.[4] Mit den Mainzern sorgte Tuchel mit modernem Tempo- und Angriffsfußball für Furore.[5]

Unmittelbar nach dem letzten Spiel der Saison 2013/14 wurde bekannt, dass Tuchel den Verein ein Jahr vor Vertragsende verlassen werde. Sein Vertrag wurde jedoch nicht aufgelöst, was Tuchel einen Wechsel zu einem anderen Verein nur gegen Zahlung einer Ablöse möglich machen würde. Der Vertrag ruhte vom 15. Juni 2014 bis zum 30. Juni 2015. In dieser Zeit erhielt Tuchel kein Gehalt.[6]

Borussia Dortmund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tuchel als Trainer des BVB (2016)

Während seines Sabbatjahres sagte Tuchel mögliche Engagements bei RB Leipzig oder dem Hamburger SV nach seinem Vertragsende in Mainz ab.[7] Am 19. April 2015 verpflichtete ihn Borussia Dortmund zur Saison 2015/16 als Nachfolger des zurückgetretenen Jürgen Klopp. Tuchel erhielt beim BVB einen bis zum 30. Juni 2018 laufenden Vertrag.[8] Am 30. Mai 2017 gab Tuchel die Trennung vom Verein zum Saisonende Mitte 2017 bekannt.[9] Obwohl er mit der direkten Qualifikation der Borussia für die Champions League und dem Pokalsieg erfolgreiche Arbeit geleistet hatte, wurde die Zusammenarbeit vorzeitig beendet. Als Grund wurden verschiedene Differenzen mit der Klubführung genannt; unter anderem hatte es unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Trainer und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei der Frage gegeben, ob die Champions-League-Partie gegen die AS Monaco nur einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB im April 2017 hätte ausgetragen werden dürfen. Darüber hinaus soll auch ein angespanntes Verhältnis von Tuchel zu Teilen der Mannschaft den Ausschlag für die Trennung gegeben haben.[10]

Paris Saint-Germain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Saison 2018/19 übernahm Tuchel die Mannschaft des französischen Meisters Paris Saint-Germain. Er unterschrieb im Mai 2018 einen Zweijahresvertrag.[11] Unter seiner Führung gewann die Mannschaft die ersten 14 Ligaspiele und stellte einen neuen Startrekord in der Ligue 1 auf.[12] Als PSG fünf Spieltage vor Saisonende erneut vorzeitig als Meister – Tuchels erster nationaler Meistertitel – feststand, wurde seine Vertragslaufzeit bis Juni 2021 verlängert.[13] Das Finale der Coupe de France 2018/19 verlor PSG gegen Stade Rennes im Elfmeterschießen, in der Champions League schied man im Achtelfinale aus.

Die Saison 2019/20 wurde Ende April 2020 wegen der globalen COVID-19-Pandemie abgebrochen und Tabellenführer PSG zum Meister erklärt.[14] Im Juli des Jahres gewann Tuchel mit PSG die Coupe de France 2019/20. Er gewann auch das Finale des letztmals ausgetragenen französischen Ligapokals. Das Finale der Champions League 2019/20 verlor PSG gegen Bayern München.

Ende Dezember 2020 wurden sein Vertrag und die seines Trainerteams mit PSG aufgelöst.[15] Hintergrund war ein Zerwürfnis zwischen Tuchel und Sportdirektor Leonardo.[16][17]

FC Chelsea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Januar 2021 – rund einen Monat nach seinem Ausscheiden bei PSG – übernahm Tuchel die Premier-League-Mannschaft des FC Chelsea, die nach 19 Spielen der Saison 2020/21 mit 29 Punkten auf dem 9. Platz stand, als Nachfolger von Frank Lampard. Der 47-Jährige unterschrieb einen zunächst bis zum 30. Juni 2022 laufenden Vertrag mit einer Option auf eine Verlängerung.[18] Die Saison beendete er mit seiner Mannschaft als Tabellenvierter und gewann das Champions-League-Finale gegen Manchester City. Anfang Juni wurde seine Vertragslaufzeit um zwei Jahre bis 2024 verlängert.[19][20] Am 11. August 2021 gewann er mit dem FC Chelsea auch den UEFA Supercup nach einem 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen gegen den UEFA Europa League-Sieger von 2021, FC Villarreal.

Erfolge als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FC Augsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SSV Ulm 1846[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolge als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VfB Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. FSV Mainz 05[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borussia Dortmund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paris Saint-Germain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FC Chelsea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2011 wurde Tuchel der mit 10.000 Euro dotierte Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verliehen. Der Preis würdigt herausragende Leistungen eines Trainers im Spielbetrieb und in der Nachwuchsarbeit. Er kann ebenso für ein besonderes gesellschaftliches Engagement im Rahmen der Trainertätigkeit verliehen werden.

Tuchel unterstützt als Botschafter die Initiative Respekt! Kein Platz für Rassismus.[21]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Tuchel parallel zur Fußballerkarriere schon zeitweise eine Berufsausbildung zum Physiotherapeuten begonnen und Sportwissenschaften sowie Anglistik bis zur Zwischenprüfung studiert hatte, diese Doppelbelastung aber nicht durchhielt, absolvierte er nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Fußball an der Berufsakademie Stuttgart ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, das er mit dem Diplom abschloss.[22][23]

Tuchel sagte im März 2009, kurz nach dem Tod des im Alter von 53 Jahren gestorbenen Fußballtrainers Hermann Badstuber[24] (Vater des Fußballers Holger Badstuber), dieser sei sein Mentor gewesen.[22]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner akribischen Arbeitsweise und seiner taktischen Detailverliebtheit wird Tuchel in Anlehnung an seine Initialen ironisch auch „Taktik T-Rex“ genannt.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thomas Tuchel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Thomas Tuchel trainiert die A-Junioren in der Bundesliga“, kigges.de, abgerufen am 3. August 2009.
  2. Dimitri Taube: A-Jugend FSV Mainz 05: Die zuckersüße Zukunft von Mainz 05. In: fr-online.de. 29. Juni 2009, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  3. „Tuchel ersetzt Andersen!“, sport1.de, abgerufen am 3. August 2009.
  4. Startrekord – Magische Mainzer schreiben Geschichte. In: welt.de. 2. Oktober 2010, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  5. Sabbatjahr? Tuchel auf den Spuren Guardiolas – Bundesliga. In: kicker.de. 10. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  6. Vertrag ruht – Einigung zwischen Mainz 05 und Thomas Tuchel, mainz05.de, abgerufen am 30. Januar 2021 (archivierte version)
  7. Perfekt! Tuchel beerbt Klopp beim BVB – Bundesliga. In: kicker.de. 19. April 2015, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  8. Borussia Dortmund verpflichtet Thomas Tuchel. In: bvb.de. 19. April 2015, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  9. Tuchel bestätigt: Trennung vom BVB vollzogen, sportbild.bild.de, abgerufen am 30. Mai 2017.
  10. Tuchel bestätigt Trennung vom BVB, sportschau.de, abgerufen am 30. Mai 2017.
  11. Thomas Tuchel devient le nouvel entraîneur du Paris Saint-Germain. Abgerufen am 14. Mai 2018 (französisch).
  12. Thomas Tuchel: Ex-BVB-Trainer knackt Uralt-Rekord aus dem Jahr 1936 – und hat trotzdem ein großes Problem. In: derwesten.de. 1. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2018.
  13. Thomas Tuchel prolonge jusqu'au 30 juin 2021, psg.fr, abgerufen am 25. Mai 2019 (französisch).
  14. Mitteilung der französischen Liga. Abgerufen am 30. April 2020 (französisch).
  15. Départ de Thomas Tuchel du Paris Saint-Germain auf psg.fr, abgerufen am 29. Dezember 2020 (französisch).
  16. Oliver Meiler: PSG: So kam es zum Rauswurf von Thomas Tuchel. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 17. Februar 2021.
  17. "Seien wir ehrlich": Tuchel-Assistent Löw nennt wahren Grund für Rauswurf bei PSG. In: sportbuzzer.de. Abgerufen am 17. Februar 2021.
  18. Tuchel joins Chelsea, chelseafc.com, 26. Januar 2021, abgerufen am 26. Januar 2021.
  19. Contract extension for Thomas Tuchel | Official Site | Chelsea Football Club. In: chelseafc.com. Abgerufen am 4. Juni 2021 (englisch).
  20. "Wie vereinbart": Tuchel erhält neuen Vertrag bei Chelsea. In: kicker.de. Abgerufen am 4. Juni 2021.
  21. Thomas Tuchel. (Nicht mehr online verfügbar.) In: respekt.tv. Archiviert vom Original am 22. Dezember 2015; abgerufen am 16. Dezember 2015.
  22. a b Sein Tod ist ein furchtbarer Verlust. In: spox.com. 21. September 2009, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  23. Mainz-Coach Tuchel im Interview: „Ich war kein einfacher Spieler“. In: fr-online.de. 21. August 2009, abgerufen am 16. Dezember 2015.
  24. schwaebische.de
  25. XXL BEST OF THOMAS TUCHEL CLIPS von Matze Knop, YouTube, abgerufen am 30. Mai 2021