Johann Christian Kestner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Georg Christian Kestner

Johann Georg Christian Kestner (* 28. August 1741 in Döhren bei Hannover; † 24. Mai 1800 in Lüneburg) war ein deutscher Jurist und Archivar, berühmt vor allem als Ehemann von „Werthers Lotte“ Charlotte Buff.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Kestner gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zu den sogenannten hübschen Familien.[1] Johann Christian, als junger kurhannoverscher Legationssekretär 1767 bis 1773 am Reichskammergericht in Wetzlar tätig, lernte Charlotte Buff, die Tochter des Amtmanns am dortigen Deutschordenshof, kennen und verlobte sich mit ihr. Der junge Johann Wolfgang Goethe war 1772 ebenfalls Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar und wurde mit beiden bekannt. Er verliebte sich in die anmutige und lebensfrohe 19-jährige „Lotte“, als jene bereits versprochen war. Diese Liebe und der Suizid eines jungen Juristen-Kollegen mit Kestners geliehener Pistole wegen einer unglücklichen Liebe, bildeten den Anlass und „Rohstoff“ für Goethes berühmten Brief-Roman Die Leiden des jungen Werthers, erschienen 1774. Die Lotte im Roman trägt Züge der wirklichen Charlotte; für die Leser war auch der Albert im Roman eine Charakterisierung ihres Ehemannes Kestner. Nach der Heirat 1773 noch in Wetzlar ging das Paar nach Hannover, wo Kestner eine Stelle als Vizearchivar antrat und königlich großbritannisch-hannoverscher Hofrat wurde. Das Ehepaar Kestner hatte 12 Kinder, der älteste Sohn Georg (* 1774) war Goethes Patenkind. Der Sohn August Kestner war Diplomat und Kunstsammler. Die Familie wohnte zuerst in der Aegidienstraße, dann in der Großen Wallstraße (heute: Georgswall). Kestner starb auf einer Dienstreise in Lüneburg, sein dortiges Grab ist nicht erhalten.

Sein Nachlass befindet sich gemeinsam mit dem seiner Frau im Stadtarchiv Hannover.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Schröcker (Hrsg.): Die wahre Brunnenfreiheit. Das Kurtagebuch des Johann Christian Kestner vom 9. bis 30. Juli 1765 in Bad Rehburg. Wehrhahn, Laatzen 2005, ISBN 3-86525-023-8.
  • Alfred Schröcker (Hrsg.): „Du bist ein Sterblicher!“. Gedichte des jungen Johann Christian Kestner (1760/61). Wehrhahn, Laatzen 2006, ISBN 3-86525-044-0.
  • Alfred Schröcker (Hrsg.): „Reise auf den Harz“. Tagebuch vom 24. Dezember 1763 bis 3. Januar 1764. Mit einem Nachwort von Alfred Schröcker. Wehrhahn, Hannover 2013, ISBN 978-3-86525-336-1.
  • Johann Christian Kestner: Die Brockenreise. Tagebuch vom 10. bis 16. August 1789. Herausgegeben und kommentiert von Alfred Schröcker. Hannoversche Geschichtsblätter NF 69 (2015) S. 162–177.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Mlynek: Hübsche Familien. In: Stadtlexikon Hannover. S. 310.
  2. Kestner, Johann Chr. (1741–1800). In: Zentrale Datenbank Nachlässe, 2004/2005.