Donatien Alphonse François de Sade

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Marquis de Sade ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Marquis de Sade (Begriffsklärung) aufgeführt.
Porträt de Sades von Van Loo (≈1761)

Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade [dɔnaˈsjɛ̃ alˈfɔ̃ːs fʀɑ̃ˈswa, maʀˌkidəˈsad] (* 2. Juni 1740 in Paris; † 2. Dezember 1814 in Charenton-Saint-Maurice bei Paris) war ein französischer Adeliger aus dem Haus Sade. Er wurde bekannt dank einer Reihe pornographischer, kirchenfeindlicher und philosophischer Romane, die er während verschiedener Gefängnisaufenthalte schrieb. Sades Werke beeinflussten eine Reihe von wichtigen Bewegungen in Literatur und bildender Kunst und nahmen Freuds Prinzip von Eros und Thanatos um mehr als ein Jahrhundert vorweg. Von Sades Namen ist der Begriff Sadismus abgeleitet.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Vornamen[Bearbeiten]

Die Sades waren ein altes, wenn auch nicht mehr reiches Adelsgeschlecht der Provence, das ursprünglich den Grafentitel (französisch comte) führte. Der Großvater Gaspard-François de Sade verwendete als erstes Familienmitglied den höheren Titel Marquis und nannte sich Marquis de Sade oder auch Marquis de Mazan.[1] Obwohl Sades Vater den Titel Comte bevorzugte, nannte Donatien sich selbst meist Marquis de Sade.

Die korrekte Form von Sades Vornamen steht nicht völlig fest, da er verschiedentlich andere Vornamen angab:[2]

  • Seine Mutter hatte den Taufnamen Louis-Aldonse-Donatien vorgesehen. So nannte er sich auch bei einem Verhör 1768.
  • Getauft wurde er auf Donatien-Alphonse-François.
  • In seinem Ehevertrag heißt er Louis-Aldonse-Donatien.
  • Während der Revolutionszeit 1792 nannte er sich einfach Louis Sade.
  • 1794 gab er den Namen François-Aldonse-Donatien-Louis an.

Herkunft[Bearbeiten]

Sade wurde geboren im Pariser Stadtpalast der Condés, einer Seitenlinie des Königshauses der Bourbonen, mit der seine Mutter Marie-Eléonore de Maillé de Carman verwandt war. Sein Vater Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade, ein Feldmarschall und wichtiger Botschafter, hatte durch allzu offene Kritik seinen Ruf am Königshof ruiniert, war aber auch als Liebhaber bekannt und verfasste eine Reihe von Romanen und Theaterstücken, die er jedoch nie veröffentlichte.[3] Unter Donatiens Tanten waren zwei Äbtissinnen und zwei Nonnen.[4]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Seine frühe Kindheit verbrachte Sade im Pariser Stadtpalast der Condés unter Aufsicht von Charles de Bourbon-Condé, comte de Charolais, einem bekannten Libertin und Pair von Frankreich, den er später oft in seinen Schriften erwähnt[5]. Später wuchs er teils bei seinem Onkel Jacques-François-Paul-Aldonce de Sade auf Schloss Saumane, teils in Paris auf, wo er von seinem zehnten bis vierzehnten Lebensjahr das Collège Louis-le-Grand besuchte und anschließend eine Offiziersschule für junge Hochadelige durchlief. Der etwa zwölfjährige de Sade sei ein solch hübscher Junge gewesen, dass die Damen auf der Straße stehenblieben, um den Jungen anzustarren.[6] Mit 14 wurde er Offiziersanwärter bei den Chevau-léger de la garde du roi und nahm zwei Jahre später als Offizier im Karabinerregiment am Siebenjährigen Krieg (1756–1763) teil. 1759 wechselte er in das Kavallerieregiment Royal Bourgogne. Im Krieg wurde er mehrfach befördert und errang eine Auszeichnung für Tapferkeit vor dem Feind.

Hochzeit und erste Skandale[Bearbeiten]

Anne-Prospère
Gattin Renée Pélagie

Zurück in Paris, verliebte sich Sade in Anne-Prospère de Montreuil, jüngere Tochter aus einer sehr vermögenden Familie des hohen französischen Amtsadels. Die Montreuils hatten aber andere Pläne: sie wollten mittels einer guten Mitgift ihre ältere Tochter Renée Pélagie mit einem Spross aus einer prestigereichen altadeligen Familie verheiraten. Sade, der dieses Kriterium erfüllte, wurde deshalb von seinem Vater gezwungen, die Ehe 1763 zu schließen, um die finanziellen Verhältnisse der Familie aufzubessern.

1764 erbte er vom Vater das Amt des königlichen Generalleutnants der an die Schweiz grenzenden Provinzen Bresse, Bugey, Valromey und Pays de Gex, was vor allem eine ehrenhafte Sinekure darstellte.

Sein durch die Heirat erworbener Reichtum ermöglichte es Sade, ein skandalöses Leben zu führen, das bald selbst den Rahmen dessen sprengen sollte, was man damals bei adeligen Libertins hinzunehmen bereit war. Wie zu jener Zeit unter Angehörigen seines Standes durchaus üblich, unterhielt Sade Beziehungen zu Schauspielerinnen und Kurtisanen, wobei seinerzeit jene beiden Professionen kaum je wirklich voneinander abzugrenzen waren. Kurtisanen und Schauspielerinnen galten als „Aristokratie der Prostitution“[7] und diese Frauen scheint Sade auch stets entsprechend der damals herrschenden Etikette behandelt zu haben.

Er bediente sich aber auch Frauen aus dem einfachen Volk, die er ganz und gar nicht so schicklich behandelte wie die Vertreterinnen der Aristokratie der Prostitution. Noch im Jahr seiner Hochzeit mit Renée Pélagie kam es in Paris zum ersten von vielen weiteren Skandalen, als Sade von einer gewissen Jeanne Testard neben Sex offenbar auch gotteslästerliche Handlungen forderte. Sade wurde von Inspektor Louis Marais zum ersten Mal kurzzeitig verhaftet, wodurch er auf einen Mann traf, der für die nächsten fünfundzwanzig Jahre zu einer Art Nemesis für ihn werden sollte. Marais’ Polizeibericht über den Vorfall ist auch die einzige zuverlässige Beschreibung des jungen Ehemanns und Aristokraten. Sade sei, schrieb Inspektor Marais, „von durchschnittlicher Größe“ gewesen, habe „blaue Augen und dunkelblondes Haar“ gehabt, sein Gesicht war „oval und hübsch“ und seine Figur schlank.[8][9]

Sade hielt wiederholt weitere Orgien in Paris und auf seinem Landsitz in Lacoste ab, zu denen er Angehörige beiderlei Geschlechts entweder einlud und entlohnte oder aufgrund seiner Stellung einfach zur Teilnahme zwang.[10]

Aufgrund der Vorwürfe einer gewissen Rose Keller, sie sei von ihm unter Vorspiegelung falscher Tatsachen entführt, festgesetzt und durch Auspeitschungen schwer misshandelt worden, wurde Sade 1768 ein weiteres Mal verhaftet. Nachdem Sade der Frau jedoch eine Entschädigung gezahlt hatte, nahm sie von einer Klage Abstand.

1772 beschwerten sich zwei Prostituierte aus Marseille, sie seien von Sade mit Kantharidinbonbons, einem angeblichen Aphrodisiakum, vergiftet und so zu Gruppensex und Analverkehr gefügig gemacht worden. Sade wurde deshalb angeklagt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Flucht und Festungshaft[Bearbeiten]

Dem Prozess und der Vollstreckung der Strafe hatte er sich durch Flucht nach Italien entzogen. Hier verfasste er, nachdem er schon 1769 den Bericht einer Reise nach Holland veröffentlicht hatte, einen Bericht auch von seiner Italienreise (gedruckt 1775) und ein Buch über Rom, Florenz und Neapel (gedruckt 1776).[11]

Da er bei seiner Flucht heimlich seine junge Schwägerin Anne-Prospère, die inzwischen Stiftsfräulein (chanoinesse) geworden war, mitgenommen und dadurch entehrt hatte, ließ die Familie ihn fallen. Seine Schwiegermutter erwirkte einen königlichen Haftbefehl (lettre de cachet) gegen ihn, so dass er bei seiner Rückkehr nach Paris 1777 verhaftet und ohne weiteren Prozess (denn der König war ja oberster Richter seines Landes) in der als Gefängnis dienenden Festung Vincennes eingesperrt wurde, wobei Sade darauf bestand, von keinem anderen als Louis Marais nach Vincennes eskortiert zu werden. Das 1772 verhängte Todesurteil wurde dagegen 1778 aufgehoben.[12]

Schriftsteller hinter Gittern[Bearbeiten]

Nach einem Fluchtversuch 1784 wurde er in die Pariser Stadtfestung Bastille verlegt, wo er weitere fünfeinhalb Jahre in relativer Annehmlichkeit verbrachte. Wie damals üblich zahlte seine Ehefrau für die Haft und versorgte ihn mit allerlei Leckereien, Süßigkeiten, Wein und Büchern.

Intellektuell waren die Jahre in Vincennes und in der Bastille durchaus fruchtbar für Sade, da er sich Bücher bringen lassen und lesen konnte.

In der Haft wurde er endgültig zum Autor. Seine zentralen Werke aus dieser Zeit sind Les cent-vingt jours de Sodome (Die 120 Tage von Sodom, begonnen wohl 1782), Aline et Valcour ou Le Roman philosophique (Reiseroman in Briefform, 1786) und Les Infortunes de la vertu (Die unglücklichen Schicksale der Tugend, philosophische Erzählung, 1787; 1791 zum Roman ausgeweitet).

Wegen der religiösen und moralischen Anstößigkeit dessen, was er verfasste, schrieb er jedoch überwiegend heimlich und, um nicht durch übermäßigen Papierverbrauch aufzufallen, in winziger Schrift.

Auch zahlreiche Stücke entstanden in diesen Jahren. Seine Überzeugung, ein bedeutender Dramatiker zu sein, fand jedoch keine Bestätigung: Nur zwei seiner Dramen wurden, praktisch erfolglos, je zu seinen Lebzeiten aufgeführt und auch nur eines gedruckt.

Revolution und erneute Verhaftung[Bearbeiten]

Erst das Revolutionsjahr 1789 brachte eine Veränderung in seine Existenz. Einige Tage vor dem sogenannten Sturm auf die Bastille soll er der vor der Festung demonstrierenden Menge zugeschrien haben: „Sie töten die Gefangenen hier drinnen!“ Sade wurde allerdings sofort nach dem Vorfall in die Irrenanstalt von Charenton (bei dem heutigen Saint-Maurice) verlegt, wobei das in einem Versteck gelagerte Manuskript der 120 Tage zurückblieb und lange Zeit verloren schien. Da er nun als geisteskrank galt, konnte seine Frau, ohne Ehrverlust befürchten zu müssen, die Scheidung einreichen.

1790 wurde Sade aufgrund der politischen und rechtlichen Veränderungen in der Folge der Revolution entlassen. Trotz seiner aristokratischen Herkunft schloss er sich den radikalen Jakobinern an und vertrat eine utopische Variante des Sozialismus, verweigerte dabei allerdings die Aufgabe seines Familienschlosses Lacoste in der Provence und die Herausgabe seines Familienvermögens.

Zeitweilig übernahm er ein Richteramt, wurde Präsident der „Section des Piques“ in Paris und rettete seine Schwiegereltern vor der Guillotine, indem er sie auf eine sogenannte „Läuterungsliste“ setzen ließ.[13] Während der Terrorherrschaft 1793/94 geriet er aber ins politische Abseits, galt in seinem Richteramt als unzuverlässig und wurde unter dem Vorwand angeklagt, sich einstmals um den Dienst in der königlichen Garde beworben zu haben. Er blieb mehr als ein Jahr in Haft und wurde erneut zum Tode verurteilt. Vor der Vollstreckung des Urteils bewahrte ihn der Sturz Robespierres am 28. Juli 1794. Das neue Regime des Directoire ließ ihn nach drei Monaten frei. Sade musste nun die Reste seines durch die Revolution dezimierten Besitzes verkaufen und lebte von Gelegenheitsgeschäften, denn die diversen Werke, die er jetzt publizierte, brachten ihm selbst kaum etwas ein. Auch seine Stücke blieben weiterhin unaufgeführt, nachdem 1791 und 1792 Oxstiern und Le Suborneur keinen Erfolg gehabt hatten.

Obwohl Sade die Urheberschaft an vielen seiner Werke, mit Ausnahme der Theaterstücke und Reisebeschreibungen, bestritt, fanden vor allem die Romane Justine und Juliette in Form von Raubdrucken weite Verbreitung und wurden immer wieder mit ihm in Verbindung gebracht.

Aufenthalt in Charenton und Tod[Bearbeiten]

Seit 1799 war Napoléon Bonaparte erster Konsul der Französischen Republik. Napoleons aufkeimender Tyrannei wird die Verhaftung Sades 1801 zugeschrieben. Am 6. März 1801 wurde bei seinem Verleger und anschließend bei ihm eine Hausdurchsuchung durch die Polizei durchgeführt. Beim Verleger wurden mehrere Manuskripte und Bücher Sades gefunden und beschlagnahmt. Der Verleger und Sade wurden verhaftet. Dem Verleger wurde die Freiheit versprochen, wenn er das Versteck der gedruckten Exemplare des Buchs Juliette verriete – er kam nach 24 Stunden wieder frei. Die etwa 1.000 Bücher wurden beschlagnahmt und verbrannt. Des Weiteren wurden Buchläden ausfindig gemacht, die dieses Buch anboten. Sade wurde auf dem Verwaltungsweg, ohne Prozess, beschuldigt die Bücher Justine und Juliette verfasst zu haben und im Gefängnis Sainte-Pélagie untergebracht. Anfang des Jahres 1803 wollte er sich dort an Mithäftlingen vergehen und wurde daraufhin in das Gefängnis Bicêtre verlegt. Seine Familie erreichte im April 1803 eine Unterbringung in das Asyl von Charenton-Saint-Maurice (Irrenanstalt), das er bis zu seinem Tod nicht wieder verließ.[14] Maßgeblich auf Sades erneute Verhaftung bestanden hatte Napoleons Polizeiminister Joseph Fouché, der Sade in Charenton auch heimlich überwachen ließ. Zumindest zeitweise war Sades alter Bekannter Inspektor Louis Marais an der Überwachung beteiligt.[15] In Charenton genoss Sade zunächst eine humane Behandlung. So verfasste er die biografischen Romane La Marquise de Gange (1813 gedruckt) sowie – beide erst postum publiziert – Adélaïde de Brunswick, princesse de Saxe (1812) und Histoire secrète d'Isabelle de Bavière (1813). Zudem durfte er mit Anstaltsinsassen als Schauspielern mehrere Theaterstücke aufführen, worunter allerdings keine eigenen waren. Gegen Ende seines Lebens erhielt er, auf persönliche Anordnung des Polizeiministers Fouché, Einzelhaft mit Isolation und Schreibverbot.[16]

Die Version, wonach die Festnahme wegen Beschuldigung und persönlicher Rache erfolgte, weil 1800 auf Napoléon Bonaparte eine Satire verfasst wurde, die Sade zugesprochen wurde, war in der Biographie Michaud (1811) erstmals verbreitet und von nachfolgenden Autoren ohne Überprüfung übernommen worden. Sie konnte einer erneuten Überprüfung nicht standhalten, da die Satire Sade nicht zugeschrieben werden kann.[17]

Am 15. August 1808 heiratete sein jüngerer Sohn Donatien-Claude Louise-Gabrielle-Laure de Sade, die einem Seitenzweig des Hauses Sade angehörte. Am 9. Juni 1809 starb sein älterer Sohn Louis-Marie. Sade wurde in Charenton von seinem Sohn Donatien-Claude besucht.

Am 2. Dezember 1814 starb er im Alter von 74 Jahren in der Irrenanstalt Charenton-Saint-Maurice. In dem Totenschein wird Sades Beruf mit homme de lettres, also Schriftsteller, angegeben.[18]

Nach Sades Tod verbrannte Donatien-Claude, der den Atheismus seines Vaters ablehnte, dessen letztes großes Werk Les journées de Florbelle ou La nature dévoilée, das daher nicht erhalten ist. Sades Grabstein enthielt die Inschrift:

„Der Du vorübergehst, knie nieder und bete neben dem unglücklichsten unter den Menschen. Er wurde im vergangenen Jahrhundert geboren und starb in diesem. Der Despotismus mit seinem gräßlichen Haupt führte zu allen Zeiten Krieg gegen ihn. Unter den Königen bemächtigte sich dieses Scheusal seines ganzen Lebens. Unter der Schreckensherrschaft überlebte es und trieb Sade an den Rand des Abgrunds. Unter dem Konsulat kehrte es zurück, und wieder ist Sade sein Opfer.“[19]

Das Grab ist heute nicht mehr lokalisierbar, obwohl Maurice Heine in den 1920er Jahren noch fähig war, die Inschrift zu entziffern.[20]

Nachfahren[Bearbeiten]

Unter seinen Nachfahren wurde Sade innerhalb des Hauses Sade ein Tabuthema. Erst im 20. Jahrhundert bekannte sich Xavier de Sade erstmals wieder zu seinem Vorfahren, öffnete das Familienarchiv für Forscher und trug auch wieder öffentlich den Titel des Marquis.[21]

Obwohl es einige Kupferstiche gibt, die vorgeben, Sade zu zeigen, kann bislang kein authentisches Bild von ihm nachgewiesen werden.

Literarisches Schaffen[Bearbeiten]

Illustration einer niederländischen Ausgabe von Juliette von de Sade, ca. 1800
Illustration aus der Ausgabe von Aline und Valcour von 1795

Sade, der die Schriftstellerei 1769 mit Reiseschilderungen begonnen hatte, intensivierte nach der Inhaftierung seine Tätigkeit als Autor. 1782 stellte er den Dialog zwischen einem Priester und einem Sterbenden fertig, in dem ein sterbender Freigeist einen Priester von dem Unwert eines gottesfürchtigen Lebens überzeugen kann.

Sades Schicksal, nicht die Frau, die er liebte, heiraten zu dürfen, inspirierte sein erstes großes Werk, den Briefroman Aline und Valcour (verfasst 1785–1788, veröffentlicht 1795). Er geht aber weit über das Anfangsthema hinaus und ist eine Art Kompendium aufklärerischer Themen und Erzählformen, besonders bekannt ist der darin enthaltene Entwurf eines utopischen Staates: Die Südseeinsel Tamoe.

In seinem unvollendeten Episodenroman Die 120 Tage von Sodom, den er ab 1785 als Gefangener schrieb (und der erst 1904 von Iwan Bloch wiederentdeckt und 1909 veröffentlicht wurde), skizziert er eine 120-tägige Gewaltorgie und eine breite Palette sexueller Praktiken, die er von seinen Protagonisten an einer Gruppe entführter und versklavter Jugendlicher beiderlei Geschlechts ausführen lässt. Der Roman wurde 1975, unter Verlegung der Handlung in die Zeit des italienischen Faschismus, von Pier Paolo Pasolini verfilmt.

1791 veröffentlichte Sade Les Infortunes de la vertu (Das Missgeschick der Tugend), eine frühe Version des ebenfalls 1791 erschienenen Buches Justine. Darin schildert de Sade das Leben eines Mädchens, das trotz kontinuierlichen Unglücks unbeirrt an die Tugend glaubt. 1796 ergänzte er diesen Roman durch Juliette, die Beschreibung des Lebens von Justines Schwester, die als Kurtisane, Kriminelle und „Nichttugendhafte“ zum Glück findet. 1797 erschienen beide Romane anonym, komplett überarbeitet, in zehn Bänden mit 4000 Seiten und über einhundert Kupferstichen unter dem Titel Die neue Justine/Geschichte von Juliette.

Weitere Werke der Revolutionszeit waren Die Philosophie im Boudoir (1795) mit dem politischen Pamphlet Franzosen, noch eine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt, die Erzählungssammlung Verbrechen der Liebe (1800) und eine Reihe von Theaterstücken. In der Irrenanstalt von Charenton verfasste de Sade die biografischen Romane La Marquise de Gange (1813 gedruckt) sowie – beide erst posthum publiziert – Adélaïde de Brunswick, princesse de Saxe (1812) und Histoire secrète d'Isabeau de Bavière (die geheime Geschichte Isabellas von Bayern, 1813).

Das wohl am weitesten verbreitete seiner Werke ist Les instituteurs immoraux ou La Philosophie dans le boudoir (= die unmoralischen Lehrer oder die Philosophie im Boudoir, 1795), das 1878 auch als erster Sade-Text ins Deutsche übersetzt wurde. Es schildert die ungefähr einen Nachmittag und Abend füllende sexuelle und intellektuelle Initiation eines adeligen jungen Mädchens durch eine adelige Frau und zwei adelige Männer sowie einen gut bestückten Bauernburschen, wobei die vier Hauptfiguren in den nötigen Erholungspausen philosophische Gespräche führen, in denen sich als „unmoralischer Lehrer“ der homosexuelle Hedonist und Atheist Dolmancé hervortut. Leitmotiv seiner Einstellung ist die wohl von Paul Henri Thiry d’Holbach übernommene Vorstellung des „Rechtes des Stärkeren“, das Sade interpretiert als Recht einer sozialen und geistigen Elite – letztlich der Hocharistokratie – auf eine ungehemmte Verfolgung ihres Strebens nach Lustgewinn.

Die pornografischen Passagen der Texte von Sade schildern in aller Ausführlichkeit alle vorstellbaren sowie auch viele nur mühsam vorstellbare sexuellen Handlungen. Sade lässt sich daher nicht auf den „Sadismus“ als begrenzte Menge von Praktiken reduzieren. Lustgewinn aus den Schmerzen anderer ist für ihn nur die eindeutigste Form, wie menschliche Sexualität in all ihren Formen strukturiert ist.

Naturgemäß hatten de Sades Schriften immer mit der Zensur zu kämpfen. So standen einige im Londoner „Verzeichnis verbotener Bücher“ von Pisanus Fraxi („Index librorum prohibitorum“, London 1877). Die Philosophie im Boudoir wurde 1963 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert (später aufgehoben).

Philosophische Position[Bearbeiten]

Einflüsse[Bearbeiten]

Satanische Einflüsse auf de Sade aus der Sicht der christlich geprägten Restaurationszeit (Gemälde von 1830)

Die für Sade wichtigsten philosophischen Quellen waren Holbach, LaMettrie, Machiavelli, Montesquieu und Voltaire. Die beiden letzten Aufklärer waren persönliche Bekannte seines Vaters.[22]

Sade hat die Werke folgender Autoren gelesen (oder zumindest ausgeliehen): Bibel, Boccaccio, Cicero, Dante, Defoe, Diderot, Erasmus, diverse Geschichtswerke, Hobbes, Holbach, Homer, LaMettrie, Molière, Heloise & Abälard, Linnaeus, Locke, Machiavelli, Martial, Milton, Mirabeau, Montaigne, Montesquieu, Morus, Rabelais, Racine, Radcliffe, Richelieu, Rousseau, Abbé Sade, Louis-Marie de Sade, Sallust, Seneca, Staël, Sueton, Swift, Tacitus, Vergil, Voltaire, Wolff,[23] Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade.[24]

Am wichtigsten waren folgende Werke:[23]

Inhalte[Bearbeiten]

Viele bedeutende Autoren haben sich an einer Wertung Sades versucht, darunter Arthur Rimbaud, Charles Baudelaire, Albert Camus, Simone de Beauvoir, Roland Barthes, Jacques Derrida und Michel Foucault oder Susan Sontag und Angela Carter, aber auch der konservative US-amerikanische Literaturkritiker Roger Shattuck.

Die Wertung von Sades Werken erfuhr im Laufe der Zeit vielfache Veränderungen. Während mancher ihn noch im ausgehenden 20. Jahrhundert als „Bluthusten der europäischen Kultur“ bezeichnete,[25] setzte sich im Laufe der Zeit, die seit seinem Tod verstrichen ist, nach und nach eine differenziertere Sicht auf sein Schaffen durch.[26][27][28]

Sades Texte haben jedenfalls entscheidend die künstlerischen Bewegungen des Fin de siècle, der Decadence, des Symbolismus und Surrealismus beeinflusst.[29][30]

Innerhalb der Unterhaltungsliteratur ist Sades Einfluss bis heute in der Horrorliteratur, dem modernen Nachfolger der Gothic Novel, beziehungsweise dem Horrorfilmgenre zu beobachten. Während Vertreter des frühen Schauerromans wie Anne Radcliffe oder William Beckford heute nahezu vergessen sind, blieb Sades Werk neben dem seiner Zeitgenossen Percy Bysshe Shelley, Lord Byron und Mary Shelley bis in die Moderne hinein innerhalb der Literatur und ihrer Rezeption präsent und konnte schon aus dieser Präsenz heraus seinen Einfluss entfalten.[31]

Ebenfalls heute unumstritten ist Sades Selbstverständnis als Vertreter der Aufklärung, die er zwar nicht als erster, aber als prominentester Vertreter seiner Zeit bis in den sexuellen Bereich hinein wirksam gemacht sehen wollte. Zumindest Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos ging ihm mit seinen Gefährlichen Liebschaften allerdings zeitlich voraus.[32][33]

Die bevorzugten Positionen von Sades Libertin-Protagonisten mögen Atheismus, Materialismus,[34] Naturalismus, Determinismus, Amoralismus[35] oder Ethischer Egoismus sein, doch vergaß Sade selten jedem gerade postuliertem Standpunkt auch eine Gegenmeinung gegenüberzustellen, was es schwierig macht, zu einer gültigen homogenen Gesamtsicht auf diese Aspekte seines Werkes zu gelangen.

Bei Sade finden sich zwar diverse Bezüge, die später unter dem Begriff Sozialdarwinismus[36] definiert wurden, aber er propagierte auch die freie Liebe, die Gemeinschaftserziehung und setzte sich vor allem für die Entkriminalisierung bestimmter, von seinen Zeitgenossen als Perversionen angesehener Sexualpraktiken und sexuellen Identitäten wie der Bisexualität und der Homosexualität ein.[37][38]

Der Literaturnobelpreisträger Albert Camus nahm Sade jedenfalls gegen Vorwürfe in Schutz, eine frühe Form des Faschismus und Totalitarismus vertreten zu haben.[37]

Angela Carter und in deren Folge Francine du Plessy Gray, in abgeschwächter Form auch Susan Sontag, sahen Sade als frühen sexuellen Aufklärer und Vorläufer des Feminismus.[39] was bei ihnen vor allem durch Sades Romane Justine und Juliette begründet wird, aber auch dadurch untermauert, dass in Sades Die 120 Tage von Sodom, aber auch in Die Philosophie im Boudoir geschlechtsneutral Übergriffe sowohl von Frauen als auch von Männern sowohl an Frauen als auch an Männern verübt werden.

Die Journalistin und Pornoproduzentin Manuela Kay schrieb über Sades Werke, „dass hier Frauen auch endlich das Recht eingestanden werde, genauso aggressiv, tyrannisch und grausam zu ficken wie Männer. Kurz: dass de Sade somit die Sexualität politisiert habe.“[40]

Neben den literarischen und philosophischen Aspekten war Sades Oeuvre vor allem im Bereich der Psychologie einesteils so einflussreich, aber auch von der Fachwelt so verschmäht wie kaum ein anderes. Denn über 130 Jahre, bevor Sigmund Freud mit seiner Eros-und-Thanatos-Theorie einen Zusammenhang zwischen Todestrieb und Lebenstrieb beschrieb, hatte Sade dieses Phänomen bereits in seinen beiden Romanen Juliette und Justine explizit untersucht und herausgestellt.[41]

Rezeption[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bereits zu Lebzeiten forderte Sades Werk Literaten und Kritiker zu teilweise heftigen Reaktionen heraus. Restif de la Bretonne schrieb 1798 den Roman Anti-Justine, ou les Delices de l’Amour, den er als „Antidote zu Sades Theorien“ konzipierte.[42]

Falls überhaupt vorhanden, wurden Sades Werke während der ersten Jahre nach seinem Tod in Bibliotheken nur besonders geschützt aufbewahrt[43] und nicht allgemein zugänglich gemacht.[44] Der Grund dafür war wohl vor allem in deren explizit sexuellem Gehalt zu suchen, weniger in Sades radikaler Philosophie.[45]

Während der Restaurationsepoche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Sade dann vor allem wegen seiner expliziten anti-christlichen Haltung negativ bewertet. Man bezichtigte ihn des Satanismus und sah in ihm nichts als einen besonders verwerflichen Pornographen.[25] Er verschwand aber nicht völlig aus dem Bewusstsein der literarischen Welt und wird zum Beispiel 1825 in Louis Gabriel Michauds Biographie universelle ancienne et moderne[46] erwähnt, allerdings in einem eindeutig abwertenden Sinne.

Auch der scharfzüngige Stilist und Kritiker Jules Janin[46] nimmt „Geruch von Schwefel“ wahr, sobald ihm Sades Name oder Werk begegnet. Was Janin allerdings nicht davon abhielt, mit L'âne mort et la femme guillotinée einen Roman zu verfassen, der Ähnlichkeiten mit Sades Juliette aufweist, die weder als Satire noch als Kopie zu bezeichnen sind. Jedenfalls zeigt die Gestaltung der weiblichen Hauptfigur dieselben deutlich amoralischen Züge, die Janin an Sades Werk als abstoßend bewertet, hier aber durchaus mit Sympathie schildert.[47]

Mit der Restauration, die nach Napoleons Ende ab 1820 europaweit einsetzte, verschwanden Sades Werke nach und nach aus der öffentlichen Rezeption. Es führte dafür ein umso lebhafteres Eigenleben im Untergrund. Es wurde von Swinburne gelesen und von Edgar Allan Poe, den es womöglich zu einigen seiner tief düsteren Geschichten wie zum Beispiel Die Grube und das Pendel angeregt haben mag. Aber auch Thomas de Quincey muss Teile von Sades Werken gekannt haben.[48]

Baudelaire erwähnt Sades Werke[49] und stellt sie in einen Zusammenhang mit Poe, dem er bescheinigt, in seinen Novellen die Liebe ausgemerzt zu haben. Baudelaire schreibt über Sade: Um das Böse zu verstehen, muss man immer zu Sade zurückkehren, das heißt zum natürlichen Mann.[50]

Doch abgesehen von der literarischen Avantgarde eines Rimbaud, Baudelaire, De Quincey, Swinburne oder Edgar Allen Poe vertrat das meinungsbildende Bürgertum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffentlich eine Sexualmoral, die eine breitere, gar öffentliche, Rezeption von Sades Werken nicht zuließ.

Eine neue, teilweise positivere Bewertung erfuhr Sades Werk erst wieder mit der literarischen Strömung des Symbolismus, die von Frankreich geprägt war, etwa ab 1862 begann und später nach den 1920er Jahren den literarischen Surrealismus entscheidend beeinflussen sollte. In Frankreich, wo der Symbolismus seinen Anfang nahm, war er unter anderem eng mit einer Tendenz zur Dekadenz und der Kultur des Fin de siècle verbunden. Jetzt wurde Sade, wenn auch vorsichtig, erneut öffentlich rezipiert. Auguste de Villiers de L’Isle-Adam kannte Sades Werke zumindest teilweise, genauso wie seine Bekannten Paul Verlaine, Charles Baudelaire und Joris-Karl Huysmans. Baudelaire geht sogar soweit anzumerken, dass die Liebe der Folter oder einem chirurgischen Eingriff sehr ähnlich sei. Ein Satz, der wie viele ähnliche Bemerkungen in Baudelaires Werk deutliche Bezüge zu Sade herstellt, auch ohne diesen direkt zu benennen.[51]

Nach Charles Baudelaire waren Stéphane Mallarmé, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud und Maurice Maeterlinck wichtige Vertreter des französischen Symbolismus, die sich mal offener, mal kryptischer mit Sades Werk und Philosophie auseinandersetzten. Diese Auseinandersetzung fiel nicht immer positiv aus. So wandten sich Joris-Karl Huysmans und Auguste de Villiers de L’Isle-Adam in späteren Lebensjahren einem mystischen Katholizismus zu, der teilweise nur sehr schwer oder überhaupt nicht mit ihren früheren Ansichten und Werken zu vereinbaren war.[30]

Die gerade im Entstehen begriffene Arbeiterbewegung und deren intellektuelle Avantgarde konnte mit Sade als einem Angehörigen des Hochadels und angeblichem Apologeten einer von Eliten geprägten Gesellschaftsstruktur schon gar nichts anfangen.

Dennoch war Sade über den ganzen Verlauf des 19. Jahrhunderts hinweg keineswegs vergessen oder blieb gar unbeachtet, sondern übte auf die progressivsten und radikalsten Schriftsteller dieser Zeit erheblichen Einfluss aus.[52][53]

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahre 1899 fand der Arzt Iwan Bloch Teile von Sades verschollen geglaubtem Manuskript 120 Tage von Sodom und gab es 1900 unter dem Pseudonym Eugen Dühren in einer geringen Auflage als angebliche Fallstudie zu Richard von Krafft von Ebings Psychopathia sexualis heraus[54]. Im Vorwort verlieh er der Begeisterung über seinen Fund Ausdruck und bezeichnet Sade als den bemerkenswertesten Mann des 18. Jahrhunderts, dessen Lektüre für jeden unverzichtbar sei, der sich für die Psychologie des Menschen interessiere.[55]

Krafft–Ebing hatte 1886 in seiner Psychopathia sexualis die Begriffe Masochismus und Sadismus für die von ihm damit verbundenen und als psychische Störungen angesehenen Sexualpraktiken durchgesetzt. Der Begriff beschreibt heute die medizinische (psychiatrische) Diagnose einer Paraphilie, bei der ein Mensch (sexuelle) Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, dass er andere Menschen demütigt, unterdrückt oder ihnen Schmerzen zufügt. Der Wiener Psychoanalytiker Isidor Sadger prägte schließlich 1913 in seinem Artikel Über den sado-masochistischen Komplex erstmals den zusammengesetzten Begriff „Sado-Masochismus“.

Noch im Jahre 1901 warnte ein Dr. Jacobus X in einem populärwissenschaftlichen Buch namens Le marquis de Sade et son oeuvre devant la science médicale & la littérature moderne (Der Marquis de Sade und seine Werke im Lichte der Medizin und der modernen Literatur) eindringlich vor den vermeintlich schrecklichen Auswirkungen der Lektüre von Sades Schriften, die zu jenem Zeitpunkt höchstens als schlechte Schwarzkopien, teure Privatdrucke oder unter Verschluss in den „Giftschränken“ der Bibliotheken zu haben waren.[56]

Guillaume Apollinaire, einer der Begründer des Surrealismus, gab 1909 mit Das Werk des Marquis de Sade erstmals wieder einige wichtige Teile von Sades Werk heraus. Dem Vorwort, das er seinem Buch voranstellte, gab er den Titel Der göttliche Marquis und schuf damit einen Beinamen für den Marquis de Sade, der noch heute, vor allem im französischen und im englischen Sprachraum, verwendet wird.[55]

Für die Surrealisten galt Sade als eine zentrale Figur. Was die Vertreter des Surrealismus so an ihm anzog, war Sades unbeugsame sexuelle und geistige Freizügigkeit, seine rücksichtslose Suche nach dem absoluten Vergnügen und seine Verachtung für die traditionellen Werte von Kirche, Kleinfamilie und Obrigkeitsstaat.[55]

Apollinaire war es auch, der den Ästheten Maurice Heine dazu brachte, das Manuskript der 120 Tage von Sodom aus Berlin, wo es von Bloch veröffentlicht worden war, für Sades Heimatland wieder zugänglich zu machen, was in den Jahren 1929 und 1930 in einer sehr geringen Auflage geschah. Maurice Heine und dessen Förderer Vicomte Charles de Noailles trugen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weitere Schriften und Belege des Marquis de Sade aus Bibliotheken und Privatsammlungen zusammen, um sie einer Veröffentlichung zugänglich zu machen. Nach dem Tode Maurice Heines setzte der Lektor Gilbert Lely dessen Mission fort, der Sade als Moralisten betrachtete, dessen geistige Tiefe nicht einmal vom Genie eines Friedrich Nietzsche übertroffen werde.[57]

Auch wies der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer in einer Studie über den deutschen Schriftsteller Ernst Jünger darauf hin, dass in Jüngers surrealistischen Werken aus den 1920er Jahren (besonders Das abenteuerliche Herz) Einflüsse de Sades nachzuweisen sind.[58]

Seit den späten 1920er Jahren begann man Sade generell offener zu rezipieren. Man sah ihn seither verstärkt eher als Aufklärer denn als bloßen Pornographen.

Erich Fromm besprach 1934 für die Zeitschrift für Sozialforschung, das Organ der frühen Kritischen Theorie, Geoffrey Gorers Buch The revolutionary ideas of the Marquis de Sade und sah in Sade enthusiastisch einen bedeutenden Aufklärer.

Horkheimer und Adorno forderten die Aufklärung der Aufklärung über sich selbst: Die von der Aufklärung gegen den bloßen Glauben an die religiöse Offenbarung ins Feld geführte menschliche Vernunft kann sich moralfrei als zynische Zweckrationalität gebärden und somit die humanistischen Ideale einiger Aufklärer torpedieren. In Dialektik der Aufklärung (1944) sehen sie in Sade (mit seinem Werk Juliette) ebenso wie in Nietzsche solch einen radikalen Aufklärungsphilosophen, der im Gegensatz zu Kant stehe.[33]

Der französische Schriftsteller Pierre Klossowski betrachtete 1947 in Sade mon prochain die Gedankenwelt Sades als Ausbruch aus der vom Zeitalter der Aufklärung an propagierten „anthropomorphen“ Vernunft und als Versuch, eine theologische Auseinandersetzung mit der Leerstelle Gott zu führen, und die Schwierigkeit sichtbar zu machen, eine gottlose Gesellschaft ohne Henker zu schaffen.[26]

Simone de Beauvoir hat in ihrem Essay Soll man Sade verbrennen? Sades Schriften unter dem Blickwinkel einer Philosophie der Freiheit untersucht, die dem Existenzialismus um rund 150 Jahre vorausging. Die Ideen Sades wurden in ihrem Focus auf Sexualität als treibende Kraft mitunter auch als Vorläufer der Psychoanalyse Sigmund Freuds interpretiert.[59] Doch auch sie konnte sich nicht vollständig der Faszination des Tabubruchs entziehen, der immer noch mit Sades Schriften verbunden war. Es sei Sades ungeheures Verdienst, die Wahrheit des Menschen gegen jeden Abwehrmechanismus der Abstraktion und Entfremdung proklamiert zu haben[60] Drei Monate zuvor (Sept. 1951) war Albert Camus' Werk Der Mensch in der Revolte erschienen, in dem der Marquis de Sade bemerkenswert viel Raum einnimmt. Camus bescheinigt Sade darin in einer einzigen enormen Kriegsmaschine die Argumente der Freidenker zusammengefasst zu haben.[61] Auch wenn Camus Sade als letztlich Gescheiterten ansah, nahm er ihn doch gegen diejenigen in Schutz, die den Marquis in die Nähe von Totalitarismus und Faschismus rücken.[37] Der Psychoanalytiker Jacques Lacan kam zu dem Schluss, dass de Sades Ethik die komplementäre Ergänzung des von Immanuel Kant formulierten Kategorischen Imperativs darstellt.[62]

1979 endlich beschrieb Angela Carter in The Sadeian Woman: And the Ideology of Pornography Sade zwar als einen Terroristen der Phantasie, weist ihm aber auch die Erkenntnis zu, dass eine freie Frau in einer unfreien Gesellschaft zu einem Monstrum werde, und arbeitet weiterhin heraus, dass Sade unter den Pornographen eindeutig Moralist sei und in seinem Werk an die Möglichkeit glauben kann, dass eines Tages das in Gestalt von Gott, König und Recht herrschende dreieinige männliche Autoritätssymbol einmal endgültig seinen Abschied nehmen kann.[39]

Einer ähnlichen Argumentationslinie folgend verteidigte Susan Sontag sowohl Sade als auch Georges Batailles Histoire de l'oeil in ihrem 1967 erschienenen Essay The Pornographic Imagination. Sontag vertritt hierin die Auffassung, dass die Werke beider Autoren transgressive Wunschbilder beschreiben, da in ihnen herkömmliche Gedanken und Realitäten überschritten werden und daher nicht zensiert werden dürften.

Im Gegensatz hierzu betrachtete Andrea Dworkin de Sade als den beispielhaften frauenhassenden Pornografen, der ihre These belegte, dass Pornografie unweigerlich zu Gewalttaten gegen Frauen führe. Sie widmete 1979 ein Kapitel ihres Buches Pornography: Men Possessing Women einer Analyse Sades. Inwiefern zum Beispiel Juliettes Gleichgültigkeit und Tötung ihres Vaters Ausdruck von Frauenhass statt emotionslosem Amoralismus sind, blieb unklar.

Susie Bright vertritt die These, dass Dworkins erste Erzählung Ice and Fire, deren zentrale Themen Gewalt und Missbrauch sind, als eine moderne Nacherzählung der Juliette aufgefasst werden sollte.[63]

Das Schauspiel von Peter Weiss Die Verfolgung und Ermordung des Jean-Paul Marat, aufgeführt von den Insassen des Asyls von Charenton unter der Regie des Marquis de Sade, oder kurz „Marat/Sade“, nimmt die Figur Sades auf und benutzt sie als individualistischen und resignierten Gegenpart zu Jean-Paul Marat.

Für konservative Christen galt und gilt Sade als Beleg für den Zusammenhang zwischen Aufklärung und Amoralismus. So warnte 1980 die Katholische Akademie in Bayern auf dem Kongress „Tendenzwende“ vor Sade als „aufgeklärtem Geist“.[64]

Der als christlich-konservativ geltende Kulturwissenschaftler und Literaturkritiker Roger Shattuck plädierte in seinem 1996 erschienenen Buch Forbidden Knowledge zwar nicht mehr dafür, Sade etwa zu verbrennen, ihn aber auch nicht als neuen Klassiker zu feiern, sondern ihn nur äußerst vorsichtig zugänglich zu machen.[65]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

  • Man Ray malte 1938 das Bild Imaginary Portrait of D.A.F. de Sade. [66]
  • Clovis Trouille setzte sich in seinen Gemälden wiederholt mit Sade auseinander, u.a. Voyeuse. [67]
  • Johannes Grützke widmete de Sade 1990 eine Radiermappe mit dem Titel Aus dem Leben des Marquis de Sade.
  • Im Jahre 2000 benutzte der niederländische Musiker The Prophet das Pseudonym MarQuiz De Sade.
  • Von Oktober 2014 bis Januar 2015 zeigte das Pariser Musée d'Orsay als Hommage zum 200. Todestag des Marquis de Sade die Ausstellung „Sade. Attaquer le soleil“. Hierfür hatten die beiden Kuratorinnen Annie Le Brun und Laurence des Cars rund 500 Kunstwerke zusammengetragen, die von den Ideen des Autors beeinflusst sind.[68]

Werke[Bearbeiten]

Einzelne Werke de Sades, oft in unvollständiger Fassung, gibt es in zahllosen Ausgaben und Übersetzungen sehr unterschiedlicher Qualität.

Eine Gesamtausgabe seiner Schriften auf Französisch:

Die neueste, zuverlässige und ausführlich kommentierte Ausgabe der Hauptwerke auf Französisch:

Die erste zuverlässige deutsche Werkausgabe wurde von Marion Luckow herausgegeben und erschien in 3 Bänden 1962 im Merlin-Verlag, Hamburg. Sie liegt auch der folgenden Ausgabe zugrunde:

  • Ausgewählte Werke. Band 1 – 6. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 1972 (TB Nr. 1301–1306)[69]

Eine sorgfältige kommentierte Neuübersetzung des vollständigen Textes des Sadeschen Hauptwerkes verfassten Stefan Zweifel und Michael Pfister. Sie erschien mit Essays verschiedener Autoren in zehn Bänden:

  • Justine und Juliette, 10 Bände, Matthes & Seitz, München 1990–2002

Weitere – unvollständige – Werkausgaben de Sades in deutscher Sprache sind:

  • Gesammelte Werke. Stephenson Verlag, Flensburg 1979. Ein Band. Recht unzureichende, unkommentierte Leseausgabe, die vor allem kürzere Geschichten und die „Justine“ enthält. Ansonsten keines der Hauptwerke.
  • Werke. Eine Auswahl. Verlag Kurt Desch, Basel 1965. Ein Band. Ausgewählt, übersetzt, mit Dokumentation und Nachwort von Gerd Henninger.
  • Werke in fünf Bänden. Könemann Verlag, Köln 1995. Herausgegeben von Bettina Hesse. Enthält die wichtigsten Hauptwerke.

Literatur[Bearbeiten]

Biographien[Bearbeiten]

  • Laurence L. Bongie: Sade. A Biographical Essay. University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 1998, ISBN 0-226-06420-4.
  • Geoffrey Gorer: The life and ideas of the Marquis de Sade. Panther Books, London 1963
  • Raymond Jean: Ein Portrait des Marquis de Sade. Aus dem Französischen von Nicolaus Bornhorn. Schneekluth, München 1990, ISBN 3-7951-1150-1.
  • Walter Lennig: Marquis de Sade. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (= Rowohlts Monographien. RM 50108). 9. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-50108-2.
  • Gilbert Lély: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, Düsseldorf 2001, ISBN 3-491-96025-8 (zuerst französisch 1952–1957).
  • Maurice Lever: Marquis de Sade. Die Biographie. Europaverlag, Wien u. a. 1995, ISBN 3-203-51238-6 (zuerst französisch 1991).
  • Marion Luckow: Biographie. In: Donatien Alphonse François Marquis de Sade: Ausgewählte Werke. Band 6: Die Tage von Florbelle. Persönliche Notizhefte [u. a.] (= Fischer-Taschenbücher. 1306). Herausgegeben von Marion Luckow. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01585-7, S. 343–386 (Eine detaillierte Biografie unter Betonung der Revolutionsjahre und seines Anti-Klerikalismus).
  • Jean-Jacques Pauvert: Sade vivant. 3 Bände. Robert Laffont, Paris 1986–1990;
  • Francine du Plessix Gray: At Home With the Marquis de Sade. A Life. Simon & Schuster, New York NY 1998, ISBN 0-684-80007-1.
  • Volker Reinhardt: De Sade oder Die Vermessung des Bösen. Eine Biographie. C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66515-8
  • Neil Schaeffer: The Marquis de Sade. A life. Hamilton, London 1999, ISBN 0-241-13120-0.

Analysen[Bearbeiten]

  • Timo Airaksinen: The philosophy of the Marquis de Sade. Routledge, London u. a. 1995, ISBN 0-415-11229-X.
  • Roland Barthes: Sade, Fourier, Loyola. Éditions du Seuil, Paris 1971 (In deutscher Sprache: Sade, Fourier, Loyola (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 585). Übersetzt von Maren Sell und Jürgen Hoch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-28185-2).
  • Georges Bataille: L'homme souverain de Sade und Sade et l'homme normal. In: Georges Bataille: L'érotisme. Les Éditions de Minuit, Paris 1957, S. 164–175 und S. 197–218 (In deutscher Sprache: Der souveräne Mensch Sades und Sade und der normale Mensch. In: Georges Bataille: Der heilige Eros (= Ullstein-Buch 5039). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1982, ISBN 3-548-35039-9, S. 161–173 und 174–193).
  • Simone de Beauvoir: Faut-il brûler Sade? In: Les Temps Modernes. 7e année, Nr, 74, Décembre 1951, ISSN 0040-3075, S. 1002–1033; Nr. 75, Janvier 1952, S. 1197–1230; als Buch: Simone de Beauvoir: Privilèges. Gallimard, Paris 1955 (In deutscher Sprache: Soll man de Sade verbrennen? In: Simone de Beauvoir: Soll man de Sade verbrennen? Drei Essays zur Moral des Existentialismus (= Rororo. Taschenbücher 5174). Deutsch von Alfred Zeller. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1983, ISBN 3-499-15174-X, S. 9–75).
  • Alexandra Beilharz: Die Décadence und Sade. Untersuchungen zu erzählenden Texten des französischen Fin de Siècle. M & P, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-45161-5 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1995: Sade décadent.).
  • Maurice Blanchot: A la rencontre de Sade. In: Les Temps Modernes. 3e année, Nr. 25, Octobre 1947, S. 577–612; mit geändertem Titel La raison de Sade. In: Maurice Blanchot: Lautréamont et Sade. Les Éditions de Minuit, Paris 1949 (In deutscher Sprache: Sade (= Das neue Lot. Bd. 10, ZDB-ID 540609-2). Autorisierte Übersetzung von Johannes Hübner. Henssel, Berlin 1963 (2. Auflage, Nachdruck. ebenda 1986, ISBN 3-87329-117-7)).
  • Iwan Bloch (unter dem Pseudonym Eugen Dühren): Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia Sexualis (= Studien zur Geschichte des Menschlichen Geschleschtslebens. Bd. 1, ZDB-ID 530801-x). Barsdorf, Berlin u. a. 1900 (ZIP, englisch).
  • Angela Carter: The Sadeian Woman. An Exercise in Cultural History. Virago, London 1979, ISBN 0-86068-054-1.
  • David Cooper, Michel Foucault, Marquis de Sade u. a.: Der eingekreiste Wahnsinn (= Edition Suhrkamp 965). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-518-10965-0.
  • Bernhard Dieckmann, François Pescatore (Hrsg.): Lektüre zu de Sade. Stroemfeld u. a., Basel u. a. 1981, ISBN 3-87877-163-0 (Aufsätze von Philippe Roger, Pierre Klossowski, Philippe Sollers, Maurice Blanchot, Alain Robbe-Grillet, Gilles Deleuze u. a.).
  • Melanie Harmuth: Zur Kommunikation von Obszönität. Der Fall de Sade. Driesen, Taunusstein 2004, ISBN 3-936328-28-5 (Zugleich: Siegen, Universität, Diplomarbeit, 2002).
  • Ronald Hayman: Marquis de Sade. The genius of passion. Tauris Parke, London u. a. 2003, ISBN 1-86064-894-0.
  • Elke Heitmüller: Zur Genese sexueller Lust. Von Sade zu SM. Konkursbuch, Tübingen 1994, ISBN 3-88769-081-8.
  • Pierre Klossowski: Sade, mon prochain. Éditions du Seuil, Paris 1947 (In deutscher Sprache: Sade – mein Nächster (= Edition Passagen. Bd. 42). Passagen-Verlag, Wien 1996, ISBN 3-85165-200-2).
  • Jacques Lacan: Kant avec Sade. In: Critique. Nr. 191, Avril 1963, ISSN 0011-1600, S. 291–313 (In deutscher Sprache: Kant mit Sade. In: Jacques Lacan: Schriften. Band 2. Ausgewählt und herausgegeben von Norbert Haas. Walter, Olten u. a. 1975, ISBN 3-530-50202-2, S. 133–164).
  • Thomas Moore: Dark Eros. The Imagination of Sadism. Spring Publishing, Putnam CT 2005, ISBN 0-88214-365-4.
  • Michel Onfray: Sade, déconstruction d'un mythe. Frémeaux & Associés, Vincennes 2012.
  • Jean Paulhan: Le Marquis de Sade et sa complice ou Les revanches de la pudeur. Lilac, Paris 1951 (Nachdruck: (= Le regard littéraire. Bd. 14). Éditions Complexe, Brüssel 1987, ISBN 2-87027-215-4).
  • Octavio Paz: An Erotic Beyond. Sade. Harcourt Brace, New York NY 1998, ISBN 0-15-100352-1.
  • Maurice Schuhmann: Die Lust und die Freiheit. Marquis de Sade und Max Stirner. Ihr Freiheitsbegriff im Vergleich. Karin Kramer, Berlin 2007, ISBN 978-3-87956-308-1.
  • Maurice Schuhmann: Radikale Individualität. Zur Aktualität der Konzepte von Marquis de Sade, Max Stirner, Friedrich Nietzsche. transcript Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-8376-1719-1 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2010).
  • Hans-Ulrich Seifert: Sade: Leser und Autor. Quellenstudien, Kommentare und Interpretationen zu Romanen und Romantheorie von D. A. F. de Sade (= Studien und Dokumente zur Geschichte der romanischen Literaturen. Bd. 11). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1983, ISBN 3-8204-7295-9 (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 1982), Online frei verfügbar bei Hathi Trust.
  • Hans-Ulrich Seifert, Michael Farin: Marquis de Sade: „Der Mensch ist böse.“ Ein erotisch-philosophisches Lesebuch (= Heyne-Bücher 7708). Heyne, München 1990, ISBN 3-453-04354-5 (Nachwort der Herausgeber S. 254 ff.; Bibliographie S. 273–349 (eine Rezeptions-Bibliographie, einschließlich Radiosendungen etc.)). Enthält: Karl Bleibtreu, Sade 1907; Hans Rau (Pseud. A. Sper): Der M. de Sade und der Sadismus. zuerst Berliner Zeitschriften-Verlag 1904; Ernst Ulitzsch: Der Mensch ist böse. Leben und Sprüche des M. de Sade. Berlin 1920; von den Herausgebern.: Das schwärzeste Herz. Sade in Deutschland. (Editorische Notiz, Quellennachweis).
  • Gonzague Saint Bris, Marquis de Sade. L'ange de l'ombre. Télémaque, Paris 2013, ISBN 978-2-7533-0195-5.
  • Philippe Sollers: Writing and the Experience of Limits. Columbia University Press,New York NY 1983, ISBN 0-231-05292-8.
  • Philippe Sollers: Sade contre l'Être suprême. Gallimard, Paris 1996, ISBN 2-07-074528-7.
  • Jörn Steigerwald: Auslöschungsverfahren. Rituale des Vergessens in D. A. F. de Sades Les 120 journées de Sodome. In: Heike Brohm, Claudia Eberle, Brigitte Schwarze (Hrsg.): Erinnern – Gedächtnis – Vergessen. Beiträge zum 15. Nachwuchskolloquium der Romanistik (= Forum Junge Romanistik. Bd. 6). Romanistischer Verlag, Bonn 2000, ISBN 3-86143-109-2, S. 295–304.
  • Jörn Steigerwald: Origo und Originalität der Novellistik de Sades. In: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte. Bd. 24, Nr. 3/4, 2000, ISSN 0343-379X, S. 297–327.
  • Jörn Steigerwald: Die Neugier des Auges und die Wollust des Ohres. Zur Logik der Sinne im Reich de Sades (am Beispiel der Justine). In: Caroline Welsh, Christina Dongowski, Susanna Lule (Hrsg.): Sinne und Verstand. Ästhetische Modellierungen der Wahrnehmung um 1800 (= Stiftung für Romantikforschung. Bd. 18). Königshausen & Neumann, Würzburg 2001, ISBN 3-8260-2085-5, S. 207–224.
  • Colette Verger Michael: The Marquis de Sade. The man, his works, and his critics. An annotated bibliography (= Garland Reference Library of the Humanities. Bd. 469). Garland, New York NY 1986, ISBN 0-8240-8998-7.
  • Colette Verger Michael: Sade. His ethics and rhetoric (= American University Studies. Bd. 106). Lang, New York NY u. a. 1989, ISBN 0-8204-0884-0.
  • Colin Wilson: The Misfits. A Study of Sexual Outsiders. Grafton Books, London u. a. 1988, ISBN 0-246-12974-3.
  • Caroline Warman: Sade. From materialism to pornography (= Studies on Voltaire and the Eighteenth Century. 2002, 1). Voltaire Foundation, Oxford 2002, ISBN 0-7294-0773-X.

Filme[Bearbeiten]

Werk und Leben de Sades haben mehrere Filmemacher inspiriert. Neben einer großen Anzahl pornografischer Filme gibt es auch mehrere Mainstream-Produktionen die sich mit ihm und der durch ihn geschaffenen Literatur auseinandersetzen:

Romane[Bearbeiten]

  • Sibylle Knauss Die Marquise de Sade – Roman einer Ehe. Hoffmann & Campe, 2006. (fiktionalisierte Annäherung an Sades Ehe und Lebensgeschichte)

Bühnenstücke[Bearbeiten]

  • 1963 Peter Weiss Marat / Sade
  • 1965 Mishima Yukio Madame de Sade. Deutsche Übersetzung: Kai Molvig.
  • 1995 Doug Wright Quills Bühnenstück das später als Vorlage für den gleichnamigen Film mit Michael Caine und Kate Winslet diente
  • 2002 Das Bühnenstück XXX der Theatergruppe La Fura dels Baus bezieht sich auf das Werk Die Philosophie im Boudoir. Die Aufführung in Deutschland wurde in einigen Städten (zum Beispiel Hamburg) von der Tagespresse als „Skandal“ gewertet, insbesondere aufgrund der offenen Darstellung oralen Geschlechtsverkehrs auf der Bühne, bei der auch Besucher aus dem Publikum einbezogen wurden. Aufführungen in anderen Städten (zum Beispiel Frankfurt) blieben ohne nennenswerte Presseresonanz.
  • 2006 Der Mensch ist ein schönes böses Tier. Marquis de Sade. Cross-Genre-Aktionstheater von Gregor Seyffert, Uraufführung: 2. Juni 2006 im Kraftwerk Vockerode

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 15.
  2. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 21f.
  3. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 58–61.
  4. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 18–20.
  5. Iwan Bloch: Der Marquis de Sade und seine Zeit. Heyne, 1978, S. 273f.
  6. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 21.
  7. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 124 ff.
  8. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 130 ff.
  9. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 209.
  10. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 89–93.
  11. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 139–140 und 172–175.
  12. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 139–140 und 172–175 und 196–199
  13. Brief an Gaufridy v. 3. August 1793. In: Ausgewählte Werke, Hamburg, 1962–1965, Bd.II, S. 1218.
  14. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Karl Rauch Verlag, 1961, Seite 414 und 415.
  15. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998.
  16. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001.
  17. Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Karl Rauch Verlag, 1961, Seite 414 und 415.
  18. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 415.
  19. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 598, zitiert aus: Notes littéraires, Archives de la famille de Sade
  20. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 416.
  21. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 424 ff.
  22. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 40.
  23. a b Hans Ulrich Seifert: Sade: Leser und Autor. 1982 Dissertation an der Universität Marburg, Romanisches Seminar. Lang, Frankfurt a.M. 1983, ISBN 3-8204-7295-9.
  24. Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, München 1995, S. 39.
  25. a b Volker Faust: MARQUIS DE SADE (SADISMUS). auf: psychosoziale-gesundheit.net
  26. a b Pierre Klossowski, Sade mon prochain, Seuil, Paris 1947, Einleitung
  27. Simone de Beauvoir in dem Magazin "Le Temps Modernes, Ausgabe Dezember 1951.
  28. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 428.
  29. Baudelaire Oeuvres completes, Gallimard, Paris 1961, S. 521.
  30. a b Jean-Poul Bourre: Villiers de L’Isle-Adam: Splendeur et misére, Paris 2002.
  31. Sichtweisen der moderne ii: phantastik und schrecken : Prometheische Helden. auf: litde.com
  32. Das höchste Glück der Tiere. auf: nachtkritik.de, 28. Februar 2009.
  33. a b Theodor Adorno, Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: Gunzelin Schmid Noerr (Hrsg.): Gesammelte Schriften. Band 5: Dialektik der Aufklärung und Schriften 1940–1950. Fischer, Frankfurt am Main 1987.
  34. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 273 und 384.
  35. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 272.
  36. Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. Büchergilde Gutenberg, S. 46.
  37. a b c Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. Büchergilde Gutenberg, S. 56.
  38. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 386.
  39. a b Angela Carter: Sexualität ist Macht – die Frau bei de Sade. Rowohlt, 1981, S. 32–35.
  40. Unvermitteltes Poppen. auf: taz.de 14. Oktober 2006.
  41. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 385.
  42. Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 109.
  43. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419–421.
  44. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 281–283.
  45. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 282.
  46. a b Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419.
  47. Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 126 ff und 146
  48. Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 127.
  49. Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 148.
  50. Baudelaire: Oeuvres completes. Gallimard, Paris 1961, S. 521.
  51. Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 151.
  52. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419–420.
  53. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 292–294, wenn auch dort als weniger eindeutig bewertet.
  54. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 293–294.
  55. a b c Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 422–423.
  56. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 292.
  57. Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 423–424.
  58. Helmuth Kiesel: Ernst Jünger. Siedler, 2007, S. 356.
  59. Simone de Beauvoir in dem Magazin Le Temps Modernes, Ausgabe Dezember 1951.
  60. zitiert nach dem Original in Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 302.
  61. Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. Büchergilde Gutenberg, S. 44.
  62. Jacques Lacan: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 765–790.
  63. Andrea Dworkin has Died. In: Susie Bright's Journal. 11. April 2005.
  64. Hans Ulrich Seifert: Sade: Leser und Autor. 1982 Dissertation an der Universität Marburg, Romanisches Seminar. Lang, Frankfurt a.M. 1983, ISBN 3-8204-7295-9, S. 13.
  65. Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 356.
  66. Abbildung
  67. Abbildung
  68. Informationen zur Ausstellung auf der Website des Musée d'Orsay. Abgerufen am 16. Oktober 2014.
  69. ein Teil der Auflage noch ohne,ein Teil mit ISBN, z.B. Band 6: ISBN 3-436-01585-7, mit ausf. Biographie Sades

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marquis de Sade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Donatien Alphonse François de Sade – Quellen und Volltexte (französisch)