Heinrich Voit
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Heinrich Voit (* 1834 in Karlsruhe-Durlach; † 1914) war ein badischer Orgelbauer und der namentlich bekannteste Vertreter der Orgelbauerfamilie Voit. Nach ihm hieß das Durlacher Orgelbauunternehmen von 1890 bis 1932, als es aufgegeben wurde, H. Voit & Söhne.
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[Bearbeiten] Vorfahren
Das Familienunternehmen Voit stammte ursprünglich aus Franken. In Schweinfurt hatten gem. alten Urkunden „schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts sich Angehörige der Familie von Geschlecht zu Geschlecht im Orgelbau beschäftigt“.
Dann siedelte Johann Volkmar Voit (1772–1806) von Schweinfurt nach Durlach (heute Stadtteil von Karlsruhe) über, wo er 1794 Katherina Friederike Stein, die Tochter des Durlacher Orgel- und Klavierbauers Georg Markus Stein (1738–1794), heiratete und nach dem Tod des Schwiegervaters das Unternehmen übernahm. Nach dem frühen Tod von Johann Volkmar Voit, der 1804 durch Kurfürst Karl Friedrich zum Badischen Hoforgelmacher ernannt worden war, heiratete die Witwe den Orgelmachergesellen Johann Ludwig Wilhelm Bürgy (1761–1838). Dieser bildete seinen Stiefsohn Louis Voit (1802–1883) zum Orgelbauer aus und machte ihn 1835 zu seinem Teilhaber und Nachfolger.
[Bearbeiten] Firmenchef Heinrich Voit
1870 wurde Louis’ Sohn Heinrich Voit Geschäftsführer und firmierte ab 1890 zusammen mit seinen Söhnen Emil (1865–1924) und Siegfried (1870–1939) als H. Voit & Söhne. Des Weiteren waren auch die jüngeren Söhne Heinich Voit jun. (1871–1926) und Julius Voit (* 1883) im Familienunternehmen tätig.
Bis zum Ersten Weltkrieg erlebte das Unternehmen ihre Blütezeit. In das Jahr 1890 fällt die erste Voit-Orgel mit pneumatischer Traktur. Zu Heinrich Voits Zeit wurde 1899 ein auf der amerikanischen Rooseveltlade fußendes sehr reaktionsschnelles pneumatisches Windladensystem entwickelt. Die pneumatischen Systeme waren sehr erfolgreich, doch wurden bis etwa 1895 auch noch mechanische Kegelladen gebaut. Möglicherweise wurde Heinrich Voit von seinen nach New York ausgewanderten Verwandten auf das System der Rooseveltlade aufmerksam gemacht.
1903 wurde in Heidelberg der erste fahrbare elektrische Orgelspieltisch überhaupt gebaut. In der Evangelischen Stadtkirche und der Kirche St. Bernhard, beide in Karlsruhe, wurden Hochdruckregister disponiert.
Eine Spezialität der Firma waren großzügig gebaute Konzertsaalorgeln. Im Jahr 1912 gelang es Voit, eine dreimanualige Orgel mit 50 Registern an eine Musikschule nach Paris zu liefern.
Die ersten Versuche mit elektrischer Traktur fanden bereits in den 1870er Jahren in der Kirche St. Barbara in Forst (Baden) statt.
Heinrich Voit belieferte auch diverse kleinere badische Orgelbauer mit Orgelteilen und Pfeifen, so zum Beispiel seinen ehemaligen Lehrling Mathias Burkart (1838–1922) in Heidelberg-Kirchheim oder Wilhelm Schwarz & Sohn in Überlingen.
Hans Voit (1904–1994), Sohn von Heinrich Voit jun., gründete 1930 in Stendal einen eigenen Betrieb.
[Bearbeiten] Niedergang der Firma
Der Erste Weltkrieg schwächte das Unternehmen beträchtlich. Ab 1914 wurden bis zu Kriegsende beinahe alle Arbeiter eingezogen, Carl Hess (1879–1943), langjähriger Betriebsleiter und Intonateur, hielt zusammen mit Emil und Siegfried Voit in Durlach den Betrieb notdürftig aufrecht. Nur wenige der erfahrenen ehemaligen Mitarbeiter kehrten nach Kriegsende wieder heim.
An vielen der nach 1918 neu gebauten Orgelwerke waren bereits bei der amtlichen Abnahme schwerwiegende technische Mängel vorhanden. Den 1927 misslungenen Umbau der Orgel in Mannheim-Feudenheim nahm der für Baden tätige evangelische Orgelbauinspektor Walter Leib zum Anlass, öffentlich vor den Arbeiten Voits zu warnen.
[Bearbeiten] Firmenaufgabe
Betriebsleiter Carl Hess gründete 1920 in Durlach einen eigenen Orgelbaubetrieb und förderte systematisch den Niedergang seines ehemaligen Arbeitgebers. Im Frühjahr 1932 gab Siegfried Voit das Unternehmen auf. Die bis dahin noch bei Voit verbliebenen Orgelbaumeister Reinhold Sauder (als Intonateur) und Wilhelm Wagner (als Windladenschreiner) machten sich selbstständig. Die oft verbreitete Anmerkung, Hess habe sich in Voits Werkstätten eingerichtet, ist allerdings unbelegt und nicht haltbar. Bereits in den 1930er Jahren baute Carl Hess vereinzelt Schleifladen.
Nach dem Tod von Carl Hess führte die Witwe Anni Hess geb. Meyer (1900–1981) den Betrieb bis zum Jahresbeginn 1961 weiter. Dann erlosch auch die Firma Hess.
[Bearbeiten] Voit-Orgeln
(Auswahl)
- Baden-Baden
- Kurhaus, 1916 (derzeit eingelagert)
- Stiftskirche, 1905 (einige Register erhalten)
- St. Bernhard, Teilbau 1921 (erhalten)
- Lutherkirche, 1907 (noch 1976 abgebrochen)
- Ev. Stadtkirche, 1864 (nicht erhalten)
- Dreieichenkapelle (durch Brand 1979 zerstört)
- St. Bonifatius, 1867 (einige Register erhalten)
- Hofgut Maria Halden, Hausorgel mit Organola, 1912 (erhalten)
- Bischweier
- Kath. Kirche, (erhalten)
- Budapest
- Franz-Liszt-Konservatorium, 1908 (Prospekt erhalten)
- Dirmstein
- Laurentiuskirche, katholischer Teil (technisch verändert erhalten)
- Edingen-Necharhausen
- Ev.Kirche, 1893 (erhalten)
- Forbach (Baden)
- St. Johannis, 1890 (erste Orgel Voits mit pneumatischen Kegelladen, 1965 abgebrochen)
- Heidelberg
- Stadthalle, 1903 (erhalten)
- Jesuitenkirche, 1875 (viele Register im Orgelmuseum Valley erhalten)
- St. Ingbert
- St. Joseph, 1894 (stark verändert erhalten)
- Karlsruhe
- Konzerthaus, 1915 (nicht erhalten)
- Lutherkirche, 1907 (nicht erhalten)
- St. Bernhard, 1905 (mit drei Hochdruckregistern, nicht erhalten)
- St. Bonifatius, 1908 (umgebaut durch Hess 1950, teils erhalten)
- St. Cyriakus, 1906 (Silbermanngehäuse aus Baden-Baden, erhalten und restauriert)
- Karlsruhe-Durlach
- Stadtkirche, 1895 (nicht erhalten)
- Kirrlach
- Kath. Kirche, 1891 (verändert erhalten)
- Krefeld
- Stadthalle, 1917 (nicht erhalten)
- Mannheim
- Musensaal des Rosengartens (nicht erhalten)
- Lutherkirche, 1907 (erhalten)
- Marbach am Neckar
- Orgel der Alexanderkirche (Marbach am Neckar) (früher St. Gallus, Ladenburg)
- Prag
- Smetana-Saal, 1912 (erhalten)
- Rotenberg (Rauenberg)
- St. Nikolaus Rotenberg, 1913 (nicht erhalten)
- Schopfheim
- Ev. (neue) Stadtkirche (erhalten und restauriert)
- Sinsheim-Hilsbach
- Ev. Kirche, 1873 (erhalten)
- Trier
- Treveris-Festhalle (teilweise in Mückeln (Eifel) erhalten)
- Weichtungen
- kath. Kirche St. Josef, 1758/59 (technisch verändert erhalten)
[Bearbeiten] Literatur
- Markus Zepp: „...ein Meisterwerk der bekannten Orgelfabrik H. Voit & Söhne in Durlach...“ Die Geschichte der Voit-Orgel im Kurhaus Baden-Baden. In: Ioculator Dei. Festschrift für Andreas Schröder zum 60. Geburtstag. Freiburg 1999
- Evangelisches Oberlandeskirchenarchiv Karlsruhe, Orgel- & Glockenprüfungsamt: Akte Orgelbauerempfehlungen
- Gerhard Wagner u.a.: Die Voit-Orgel in der Stadthalle Heidelberg, Orgelrestaurierung – ein Beitrag zur Kulturgeschichte. Heidelberg 1993. ISBN 978-3-924973-59-9
- Nachlass des Erzb. Orgelinspektors Otto Schäfer (1876–1967), Baden-Baden (Privatbesitz)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Voit, Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Orgelbauer |
| GEBURTSDATUM | 1834 |
| GEBURTSORT | Karlsruhe-Durlach |
| STERBEDATUM | 1914 |
| STERBEORT | unsicher: Karlsruhe |

