Hubert Aiwanger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hubert Aiwanger (2012)

Hubert Aiwanger (* 26. Januar 1971 in Ergoldsbach, Landkreis Landshut, Niederbayern) ist ein deutscher Politiker. Er ist Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Freie Wähler, der Partei Bundesvereinigung Freie Wähler, Landesvorsitzender der Freien Wähler in Bayern (Vorsitzender des Landesverbandes der Freien Wähler in Bayern e. V. und der Freien Wähler-Wählergruppe) sowie Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aiwanger wohnt in Rahstorf (zum Ortsteil Inkofen der Stadt Rottenburg an der Laaber gehörend). Er ist mit Tanja Schweiger aus Regensburg liiert. Sie war ebenfalls Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und ist nun Landrätin des Landkreises Regensburg sowie die jüngste Landrätin in ganz Bayern. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder.[1]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg und dem Grundwehrdienst absolvierte der gelernte Landwirt ein Studium zum Diplomingenieur (FH) der Landwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan mit Hilfe eines Stipendiums der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung.[2]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aiwanger schloss sich wenige Monate vor der Kommunalwahl 2002 den Freien Wählern an, war Kandidat für den Stadtrat von Rottenburg an der Laaber, scheiterte jedoch knapp. Seine Laufbahn bei den Freien Wählern (FW) verlief dann rasch über die Stationen Ortsvorsitzender von Rottenburg, ab November 2004 Kreisvorsitzender von Landshut und eine kurze Amtszeit als 1. Bezirksvorsitzender in Niederbayern.

Landesvorsitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Delegiertenversammlung der Freien Wähler am 25. März 2006 in Garching bei München wurde er überraschend in einer Stichwahl mit knapper Mehrheit (340 zu 322 abgegebenen Stimmen) zum Landesvorsitzenden gewählt, nachdem die bisherigen Vorsitzenden nicht mehr kandidiert hatten. Im Oktober 2014 wurde er für weitere zwei Jahre mit 92 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Aiwanger trat damit die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Armin Grein in einem der stärksten FW-Landesverbände (über 40.000 Mitglieder) an.

Europawahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An seinem Ziel, die Freien Wähler auch ins Europaparlament zu führen, scheiterte Aiwanger 2009. Nach den erfolgreichen Klagen gegen die Prozenthürde[3] zogen die Freien Wähler im Mai 2014 erstmals mit ihrer Abgeordneten Ulrike Müller ins Europaparlament ein.

Bundesvorsitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Vorstandswahlen des Bundesverbandes in Berlin am 27. März 2010 wurde Aiwanger zum Bundesvorsitzenden der Freien Wähler gewählt. Bereits am 20. Februar 2010 ist Hubert Aiwanger in Münster (Westfalen) zum neuen Bundesvorsitzenden der Bundesvereinigung Freie Wähler gewählt worden. Am 19. Oktober 2013 wurde er mit 88 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.[4] Die neugegründete Bundesvereinigung ersetzt die zuvor bestehende Bundeswählergruppe, welche zur Teilnahme an der Europawahl notwendig war.

Kritik an Aiwanger

Aiwanger wurde von Mitgliedern des Bundesvorstands fehlende Führungsstärke vorgeworfen, insbesondere hinsichtlich der unsoliden Haushaltsführung einiger Landesverbände. Dies führte zum Rücktritt der Bundesgeschäftsführerin Cordula Breitenfellner und des Justiziars Bernd Richter.[5] Nachdem der designierte Spitzenkandidat zur Bundestagswahl, Stephan Werhahn, Aiwanger unter anderem „diktatorische Führungsverhältnisse wie in Kuba“[6] vorgeworfen haben soll, forderte der Vorstand der Landesvereinigung Saarland seinen Rücktritt als Bundesvorsitzender.[7]

Auch die Teilnahme an der Bundestagswahl 2013 stieß innerhalb der Freien Wähler im Vorfeld auf Kritik.[8][9]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen bisher größten politischen Erfolg konnte er bei der Landtagswahl am 28. September 2008 verwirklichen, als er mit den Freien Wählern erstmals in den Bayerischen Landtag mit 10,2 % in den bayerischen Landtag einzog. Derzeit bilden die Freien Wähler Bayern mit 19 Sitzen[10] die drittstärkste Fraktion im bayerischen Landtag. Am 3. Oktober 2008 wurde er zum Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Landtag gewählt.

Am 13. Oktober 2012 wurde er als Spitzenkandidat der Freien Wähler in Bayern für die dortige Landtagswahl nominiert.[11] Wegen des bayerischen Wahlsystems mit Bezirkslisten hat dies lediglich symbolische Bedeutung. Er kandidierte für den Stimmkreis Landshut, führte die Liste Niederbayerns mit knapp 58.000 Gesamtstimmen an und zog im September 2013 zum zweiten Mal in den Landtag ein.

Hubert Aiwanger ist seit März 2008 Stadtratsmitglied in Rottenburg an der Laaber und Kreistagsmitglied in Landshut.

Weiteres Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist seit Frühjahr 2004 Erster Vorsitzender der Kreisgruppe Rottenburg des Bayerischen Jagdschutz-Verbandes. Weiterhin ist er Mitglied in zahlreichen Ortsvereinen wie der Freiwilligen Feuerwehr. Er ist Teilnehmer des am 7. April 2015 eingerichteten „Dialogforums Ost-Süd-Umfahrung Landshut im Zuge der B15neu“.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euro-Rettung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die griechische Finanzkrise nutzt Aiwanger, um die Freien Wähler als Protestpartei gegen die Euro-Rettungspolitik zu positionieren.[12] Die Demonstrationen fanden dabei die Unterstützung der NPD, von der sich Aiwanger und die Freien Wähler scharf distanzierten.[13] Außerdem gab es Kritik von Bündnis 90/Die Grünen.[14]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twitter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar[15] und Februar[16] 2012 wurden von Aiwanger Blondinenwitze und andere zweifelhafte Gags getwittert. Wegen der parteiübergreifenden Kritik wurde der Twitter-Account am 9. Februar 2012 gelöscht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hubert Aiwanger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der kleine Adrian ist geboren. Bayerische Rundfunk. 18. Oktober 2016. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  2. Angriff auf das CSU-Imperium. Deutschlandfunk. 20. August 2008. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  3. Karlsruhe kippt Drei-Prozent-Hürde. ARD. 26. Februar 2014. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  4. Aiwanger als Vorsitzender wiedergewählt. Münchner Merkur. 19. Oktober 2013. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  5. Vorwürfe gegen Freie-Wähler-Chef Aiwanger (Memento vom 28. März 2012 im Internet Archive) Bayerischer Rundfunk, 25. März 2012.
  6. Breitseite gegen Aiwanger (Memento vom 1. April 2013 im Internet Archive), br.de vom 28. März 2013.
  7. Murren über Aiwanger wird lauter. Münchner Merkur. 29. März 2013. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  8. Freie Wähler: Aufstand der Jungen. Augsburger Allgemeine. 25. Januar 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  9. Die Anti-Euro-Kampagne der Freien Wähler. Welt N24. 30. Mai 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  10. Dirk Oberjasper: FREIE WÄHLER begrüßen bisherigen FDP-Abgeordneten Bertermann als neues Mitglied ihrer Landtagsfraktion. In: Freie Wähler. 20. Februar 2013, archiviert vom Original am 2. März 2013, abgerufen am 15. Februar 2017.
  11. Klares Votum für Aiwanger. Mittelbayerische Zeitung. 13. Oktober 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  12. Scharfe Kritik an Aiwangers Tonfall. Süddeutsche Zeitung. 23. August 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  13. Euro-Protest: Unerwünschte Schützenhilfe für Freie Wähler. dpa, 31. Mai 2012, abgerufen am 15. Februar 2017.
  14. Grüne kritisieren Aiwanger. Donaukurier. 17. September 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  15. Witz komm ruas, du bist getwittert. Süddeutsche Zeitung. 24. Januar 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  16. Aiwangers letzter Tweet. Süddeutsche Zeitung. 9. Februar 2012. Abgerufen am 14. Februar 2017.