Igel (Mosel)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Igel
Igel (Mosel)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Igel hervorgehoben
Koordinaten: 49° 43′ N, 6° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Trier-Saarburg
Verbandsgemeinde: Trier-Land
Höhe: 164 m ü. NHN
Fläche: 7,3 km2
Einwohner: 2095 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 287 Einwohner je km2
Postleitzahl: 54298
Vorwahl: 06501
Kfz-Kennzeichen: TR, SAB
Gemeindeschlüssel: 07 2 35 051
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenfeldstraße 12
54295 Trier
Webpräsenz: www.gemeinde-igel.de
Ortsbürgermeister: Franz-Josef Scharfbillig (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Igel im Landkreis Trier-Saarburg
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Über dieses Bild
Alte Pfarrkirche Sankt Dionysius
Alte Pfarrkirche, „Igeler Säule“ eingerüstet
Das Grutenhäuschen im Weinberg bei Igel/Mosel

Igel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Trier-Land an. Historisch wie optisch herausragendes Monument ist ein römisches Grabmal, die Igeler Säule. Igel ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igel liegt am linken Moselufer westlich von Trier nahe der Grenze zu Luxemburg, unmittelbar flussabwärts der Einmündung des deutsch-luxemburgischen Grenzflusses Sauer ebenfalls am linken sowie gut einen Kilometer flussaufwärts der Einmündung der Saar am gegenüberliegenden Moselufer. Eine geologische Besonderheit ist die Igeler Verwerfung, eine tektonische Verschiebung von Buntsandstein- und Kalksteinfelsen am „Igeler Berg“. Sie setzt sich über die Mosel hinweg fort und lässt sich vom gegenüberliegenden „Liescher Berg“ aus gut beobachten.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gliedert sich in zwei Ortsteile und einer Anzahl von Wohnplätzen (Einwohnerzahlen am 1. Mai 2016):[3][4]

Ortsteil Zugehörende Wohnplätze Einwohner
Igel Haus Schau ins Land, Heintzhof, Löwener Mühle 1.807
Liersberg 294

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Igel leitet sich von der Adlerfigur (Adler = lat. aquila, frz. aigle, engl. eagle [iːɡɫ]) her, welche die Spitze der Igeler Säule zierte und von der noch heute Reste zu erkennen sind. Den alten Römern war der Adler das Symbol des Gottes Jupiter.[5][6] Ähnlich wurden mit Adlern bekrönte Gebäude in mehreren rheinischen Städten als „Eigelstein“ im Sinne von Adlerstein bezeichnet.[7] Der Heimatforscher Eberhard Zahn führte den Namen demgegenüber auf das mittellateinische Wort „agulia“ (Vgl. frz. aiguille = Nadel) zurück, der mittelalterliche Bezeichnung für die Obelisken in Rom.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Eroberung des Landes Gallien (58–51 v. Chr.) und des Gebietes der keltischen Treverer (um 50 v. Chr.) verblieb das Trierer Land bis um 450 n. Chr. unter römischer Herrschaft. Innerhalb dieses Zeitabschnitts entstand Igel aus einer Siedlung in der Nähe der Villa der Tuchfabrikanten- und Großgrundbesitzerfamilie der Sekundinier. Das Anwesen konnte noch nicht erkundet werden.

Es gibt eine Gemarkung „Königsacht“, wo heute das Neubaugebiet „Am Deibach“ ist. Das jetzige Bahngelände, das bis zu 5 m aufgeschüttet ist, gehörte vor dem Bahnbau teilweise zur „Königsacht“. Bei den Bauarbeiten „Am Deibach“ für Kanal, Strom, Gas, Keller wurde nichts gefunden; offen bleiben also noch Untersuchungen im Bahnhofsbereich. Die Frage, warum dieses Gebiet „Königsacht“ heißt, ist noch ungeklärt.

Weiter westlich, bei der Löwener Mühle in den Weinbergen wurden mehrere römische Münzen gefunden. Untersuchungen an und unter der „Igeler Säule“, dem Grabmal der Sekundiner, im Jahre 1911 haben ergeben, dass unter oder in der Nähe des Denkmals keine Grabkammer vorhanden ist. Etwa 1,6 km weiter westlich vom Grabmal befindet sich allerdings eine römische Grabkammer, die im Volksmund „das Grutenhäuschen“ (Grut = Grotte) genannt wird. Es wurde auf den Resten der ursprünglichen Grabkammer 1962 vom Landesmuseum in Trier restauriert. 2001 wurden die oberen und vorderen Teile des ursprünglichen Tempels rekonstruiert, so dass es der Besucher heute betrachten kann, wie es ursprünglich ausgesehen hat.[9]

Um 275/276 wurde Igel vermutlich wie viele andere Städte und Dörfer in der Gegend bei den Einfällen der Alemannen und Franken in Schutt und Asche gelegt.

Um 700 schenkte der fränkische König Childerich III. unter dem Hausmeier Pippin von Heristal (678–714) dem Erzbischof Lutwinus (695–713) in Trier seinen Besitz, das ehemalige Secundinier-Landgut in Igel. Vermutlich wurde schon um diese Zeit in Igel eine Kirche errichtet, die dem heiligen Dionysius geweiht war.

An den Ostertagen des Jahres 882 wurden die Stadt Trier und das umliegende Land, so auch Igel, beim zweiten Normanneneinfall erneut geplündert und verwüstet. Die Igeler Säule überstand diesen Normannensturm, wurde aber durch das Herausreißen der Eisenklammern beschädigt.

Im Jahre 929 wurde Igel erstmals urkundlich erwähnt. Es ist eine Schenkungsurkunde eines gewissen Megingaud, der damit drei Hufen Land, Weinberge und Zubehör in „Villa Aguilla“ der Trierer Abtei St. Maximin vermacht.

An der Stelle der um 700 errichteten Kirche wurde etwa 1250 die alte Pfarrkirche erbaut. Sie wurde dem hl. Dionysius geweiht, weil der Ort im Besitz einer Reliquie von ihm ist. Dieser Heilige ist auch der Schutzpatron der Gemeinde.

1712 waren Chor und Kirchenschiff verfallen, 1756 war die Kirche nur noch eine Ruine. 1759/60 wurde sie wieder aufgebaut unter Einbezug des romanischen Turms des ursprünglichen Baues. 1953/54 wurde die neue Pfarrkirche errichtet.

Von 1912 bis zu ihrer Zerstörung 1945 überspannte bei Igel eine inoffiziell Hindenburgbrücke genannte Eisenbahnbrücke die Mosel, gebaut zur Entlastung der älteren und noch heute bestehenden Konzer Moselbrücke unterhalb der Saarmündung.

Am 16. März 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Liersberg nach Igel eingemeindet.[10]

Die historischen Namen des Ortes waren Agullia, Egela (1052–1145), Egla (1052–1195), Egele (12. Jh.), Egle (1220–1515), Egel (1400–1648), Egell (458–1541), Eggel (1501–1528), Eegel (um 1540).

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Igel bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][11]

Jahr Einwohner
1815 406
1835 666
1871 694
1905 745
1939 1.177
1950 1.006
Jahr Einwohner
1961 1.203
1970 1.180
1987 1.873
1997 2.068
2005 2.019
2015 2.095

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

3
6
7
Von 16 Sitzen entfallen auf:

Der Ortsgemeinderat in Igel besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bei der Kommunalwahl 2014 setzte sich der amtierende Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig (CDU) gegen den Mitbewerber Michael Gründhöfer (WG Scharfbillig) durch. Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat:[12]

Wahl SPD CDU WGR Gesamt
2014 3 7 6 16 Sitze
2009 2 9 5 16 Sitze
2004 4 7 5 16 Sitze

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igeler Säule

Igel ist bekannt durch die berühmte Igeler Säule. Dieses Baudenkmal aus der römischen Zeit ist ein circa 23 Meter hohes Grabdenkmal aus rotem Sandstein. Die Tuchkaufmanns- und Großgrundbesitzer-Familie der Secundinier ließ es in der Mitte des 3. Jahrhunderts errichten.

Sie ist exakt 9 km von der Römerbrücke in Trier entfernt. Das ergibt sich auch aus der Inschrift „L IIII“, die auf dem säulenförmigen Meilenstein im Relief in der Attika der Westseite des Denkmals (in der Mitte des Hintergrunds des von zwei Pferden gezogenen Reisewagens) zu finden ist. „L IIII“ bedeutet „Leugae quattuor“ = 4 Leugen = 4 gallische Meilen = ca. 9 km. Sie fiel im Mittelalter nicht der Zerstörung anheim, da man die Dreifigurengruppe auf der Frontseite für eine Darstellung der Hochzeit des römischen Kaisers Constantius Chlorus mit Flavia Iulia Helena Augusta, Eltern von Konstantin dem Großen, hielt.

Im Rheinischen Landesmuseums in Trier steht im Innenhof eine Kopie des Originals, die mit der ursprünglichen Bemalung versehen wurde. Die Igeler Säule gehört zum UNESCO-Welterbe Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier und ist das älteste Römerdenkmal seiner Art nördlich der Alpen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die romanische Gerichtslaube (Steinlaube oder „Pützhaus“), in der die Sitzungen des Igeler Schöffengerichts und die Gerichtsverhandlungen stattfanden.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Igel

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Igel sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe nicht nur auf örtlicher Ebene, sondern auch in Langsur und Zewen.

Zudem gibt es einen Musikverein (MV Lyra Igel 1909 e. V.), einen Karnevalverein (ICV) sowie verschiedene Sportvereine.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhaltener Brückenkopf der 1945 zerstörten sogenannten Hindenburgbrücke bei Igel

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der Bundesstraße 49, die wenige Kilometer weiter in Wasserbilligerbrück an der luxemburgischen Grenze endet.

Igel ist im 20-Minuten-Takt – abends sowie am Wochenende im Stundentakt – an das Trierer Stadtbusnetz angebunden.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igel verfügt über einen Bahnhof entlang der Mosel-Syretal-Strecke (KBS 693[13]). Dort verkehrt die SÜWEX-Linie RE 11 (Koblenz Hbf – Cochem (Mosel) – Bullay – Wittlich – Trier Hbf – Wasserbillig – Sandweiler-Contern – Luxemburg-Gare). Auch zweigt zwischen Igel und der Moselbrücke die Trierer Weststrecke ab, auf der kein Personenverkehr stattfindet. Bis 1968 war Igel Start- bzw. Zielbahnhof der Nims-Sauertalbahn Erdorf – Irrel –Igel (– Trier-West). Von 1912 bis zu ihrer Zerstörung 1945 überquerte bei Igel eine Eisenbahnbrücke, genannt Hindenburgbrücke, die Mosel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franziska Kandel: Familienbuch St. Dionysius Wasserliesch 1706–1899. (privat, 1994)
  • H. Wurringen: Familienbuch der kath. Pfarrei Igel 1706–1798. (privat, 1939)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Igel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, S. 79 (PDF; 2,3 MB)
  4. Einwohner mit Hauptwohnung zum Stichtag 1. Mai 2016, Einwohnerstatistik Verbandsgemeinde Trier-Land
  5. Welterbe Trier – Igeler Säule
  6. Aloys Leonardy, Igel, Unter dem Schatten der Adlerflügel, 1972
  7. „Egelstein“ in Meyers Konversationslexikon 1905
  8. Eberhard Zahn: Die Igeler Säule bei Trier. Rheinische Kunststätten, Heft 6/7, 1968.
  9. www.eifel.de: Grutenhäuschen, Igel-Liersberg, abgerufen am 14. Dezember 2008
  10. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, S. 180 (PDF; 2,6 MB)
  11. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  12. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen