Ulrike Nasse-Meyfarth

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Medaillenspiegel
Ulrike Nasse-Meyfarth (2012)
Ulrike Nasse-Meyfarth (2012)
DeutschlandDeutschland Deutschland
Olympische Sommerspiele
Gold 1972 München 1,92 m
Gold 1984 Los Angeles 2,02 m
Weltmeisterschaften
Silber 1983 Helsinki 1,99 m
Europameisterschaften
Gold 1982 Athen 2,02 m
Sommer-Universiade
Silber 1979 Mexiko-Stadt 1,92 m

Ulrike Nasse[1] (geb. Meyfarth; * 4. Mai 1956 in Frankfurt am Main) ist eine ehemalige deutsche Hochspringerin und zweifache Olympiasiegerin.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Meyfarth wurde 1971 im Alter von 15 Jahren Zweite bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften. Sie konnte den Erfolg im Folgejahr bestätigen und qualifizierte sich als Drittplatzierte für die Olympischen Spiele in München.

Im olympischen Wettkampf war Meyfarth eine der wenigen Athletinnen, die den vier Jahre zuvor vom US-amerikanischen Hochspringer Dick Fosbury erstmals gezeigten Fosbury-Flop sprangen. Vor heimischem Publikum gelang es Meyfarth, ihre persönliche Bestleistung, die zuvor bei 1,85 m lag, um fünf Zentimeter zu steigern. Mit übersprungenen 1,90 m sicherte sie sich die Goldmedaille vor der Bulgarin Jordanka Blagoewa und der Österreicherin Ilona Gusenbauer. Als der Olympiasieg bereits feststand, ließ Meyfarth die Latte auf die Weltrekordhöhe von 1,92 m legen. Auch diese Höhe meisterte die 16-jährige und stellte damit den bestehenden Weltrekord ein. Meyfarth ist bis dato die jüngste Leichtathletik-Olympiasiegerin in einem Einzelwettbewerb.

Stefka Kostadinowa Ludmilla Andonowa Tamara Bykowa Ulrike Meyfarth Sara Simeoni Rosemarie Ackermann Jordanka Blagojewa Ilona Gusenbauer Iolanda Balaș Mildred Singleton Fanny Blankers-Koen Dorothy Adams Jean Shiley Lien Gisolf Phyllis Green Nancy Vorhees

In den Jahren nach ihrem überraschenden Sieg geriet sie in eine sportliche Krise. Ihre Sprünge besaßen nicht mehr die gewohnte Konstanz, ihre persönliche Bestleistung konnte sie bis 1978 nicht steigern. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal qualifizierte sie sich nicht für das Finale, bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1974 in Rom und 1978 in Prag belegte sie einen siebten und einen fünften Platz. An den Olympischen Spielen 1980 in Moskau durfte sie wegen des Olympiaboykotts nicht teilnehmen.

Comeback[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1982 schaffte Meyfarth ihr Comeback. Bei den Europameisterschaften in Athen siegte sie mit dem Weltrekord von 2,02 m. Im Jahr darauf holte sie bei den Weltmeisterschaften in Helsinki nach einem spannenden Duell mit der Russin Tamara Bykowa die Silbermedaille.

Am 21. August 1983 gelang es bei einem Leichtathletik-Meeting in London sowohl Meyfarth als auch Tamara Bykowa, den Weltrekord auf 2,03 m zu steigern. Vier Tage später legte Bykowa noch einen weiteren Zentimeter nach.

Die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles waren der letzte große Wettbewerb, an dem Ulrike Meyfarth teilnahm. Am Ende setzte sich Meyfarth mit übersprungenen 2,02 m gegen die Titelverteidigerin Sara Simeoni aus Italien durch und gewann zwölf Jahre nach München ihre zweite olympische Goldmedaille. Allerdings waren aufgrund des Olympiaboykotts der Ostblockstaaten einige aussichtsreiche Mitbewerberinnen nicht am Start, darunter Tamara Bykowa. Zum Zeitpunkt ihres zweiten Triumphes war Meyfarth zugleich die jüngste und die älteste Hochsprung-Olympiasiegerin in der Geschichte der Olympischen Spiele. Zurzeit wird der Rekord der ältesten Olympiasiegerin im Hochsprung von Stefka Kostadinowa gehalten, die im Jahr 1996 im Alter von 31 Jahren Gold gewann.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre sportlichen Erfolge verhalfen Meyfarth zu einer großen Popularität. 1972 erhielt sie den Silbernen, 1974, 1975 und 1982 den Goldenen Bravo Otto der Jugendzeitschrift BRAVO. Von 1981 bis 1984 wurde sie viermal in Folge zur Sportlerin des Jahres gewählt. Im Jahr 1984 wurde sie zudem mit einem Bambi ausgezeichnet. Die Stadt Wesseling, in der Ulrike Meyfarth aufgewachsen ist, gab am 23. Mai 2004 ihrem bisherigen Kronenbuschstadion den Namen „Ulrike-Meyfarth-Stadion“. 2011 wurde sie in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. 2015 lehnte sie wegen des Skandals um den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack eine Aufnahme in die IAAF Hall of Fame ab.[2]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meyfarth ist Mitglied des Fördervereins sowie Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Ehrenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Meyfarth ist Mitglied im Kuratorium der Sportstiftung NRW.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Meyfarth ist 1,88 m groß und wog in ihrer aktiven Zeit 70 kg. Sie ist Diplom-Sportlehrerin und derzeit als Trainerin beim TSV Bayer 04 Leverkusen beschäftigt. 1987 heiratete sie den Kölner Anwalt Roland Nasse. Mit ihm und ihren beiden Töchtern lebt sie im Bergischen Odenthal.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrike Meyfarth: Nicht nur die Höhe verändert sich. Von Olympia nach Olympia, 12 Sommer Einsamkeit. Econ-Verlag, Düsseldorf u. a. 1984, ISBN 3-430-16665-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulrike Meyfarth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Auf Jungs konnte ich verzichten" welt.de 1. Mai 2016
  2. Nasse-Meyfarth lehnt Aufnahme in die Hall of Fame der Leichtathletik ab sports.yahoo.com 7. November 2015