Katarina Witt

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Katarina Witt Eiskunstlauf
Katarina Witt, 2014
Katarina Witt, 2014
Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
Geburtstag 3. Dezember 1965
Geburtsort Staaken, DDR
Größe 165 cm
Karriere
Disziplin Einzellauf
Trainer Jutta Müller
Status zurückgetreten
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 2 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
WM-Medaillen 4 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
EM-Medaillen 6 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Gold Sarajevo 1984 Damen
Gold Calgary 1988 Damen
ISU Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften
Silber Kopenhagen 1982 Damen
Gold Ottawa 1984 Damen
Gold Tokio 1985 Damen
Silber Genf 1986 Damen
Gold Cincinnati 1987 Damen
Gold Budapest 1988 Damen
ISU Eiskunstlauf-Europameisterschaften
Silber Lyon 1982 Damen
Gold Dortmund 1983 Damen
Gold Budapest 1984 Damen
Gold Göteborg 1985 Damen
Gold Kopenhagen 1986 Damen
Gold Sarajevo 1987 Damen
Gold Prag 1988 Damen
 

Katarina Witt (* 3. Dezember 1965 in Staaken, Kreis Nauen, heute zu Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin, Moderatorin und ehemalige Eiskunstläuferin, die im Einzellauf für die DDR und BRD startete. Sie ist die Olympiasiegerin von 1984 und 1988, die Weltmeisterin von 1984, 1985, 1987, 1988 und die Europameisterin von 1983 bis 1988.

Werdegang[Bearbeiten]

Witt wurde in Staaken (Kreis Nauen, heute Berlin-Staaken) geboren. Ihre schulische und sportliche Ausbildung erhielt Witt unter anderem an der Karl-Marx-Städter Kinder- und Jugendsportschule, dem jetzigen Sportgymnasium Chemnitz. Ab 1977 trainierte sie beim SC Karl-Marx-Stadt unter Jutta Müller.

Karriere[Bearbeiten]

Katarina Witt bei der DDR-Meisterschaft 1982

1979 erreichte Witt erstmals das Podium bei den DDR-Meisterschaften. Sie wurde Dritte hinter Anett Pötzsch und Carola Weißenberg und nahm in Zagreb an der Eiskunstlauf-Europameisterschaft 1979 teil. Im Jahr darauf wurde sie Vizemeisterin der DDR hinter Pötzsch und wurde in Dortmund bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 1980 Zehnte. Nachdem Pötzsch 1980 Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin geworden war, beendete diese ihre Karriere, und Witt gewann 1981 ihren ersten DDR-Meistertitel, den sie bis 1988 verteidigen konnte. Sowohl bei der Europameisterschaft in Innsbruck als auch bei der Weltmeisterschaft in Hartford erreichte sie jeweils den fünften Platz.

1982 wurde sie in Lyon Vize-Europameisterin hinter der Österreicherin Claudia Kristofics-Binder und dann in Kopenhagen Vize-Weltmeisterin hinter der US-Amerikanerin Elaine Zayak. 1983 wurde Witt in Dortmund Europameisterin. Bei der Weltmeisterschaft in Helsinki belegte sie nach der US-Amerikanerin Rosalynn Sumners, Claudia Leistner aus der Bundesrepublik Deutschland und Jelena Wodoresowa aus der Sowjetunion den vierten Platz, nachdem sie in Kurzprogramm und Kür vorne gelegen hatte, aber in der Pflicht nur den achten Platz erreichte.

1984 errang Witt in Budapest ihren zweiten Europameisterschaftstitel und bei ihren ersten Olympischen Spielen in Sarajevo die Goldmedaille. Dort war die amtierende Weltmeisterin Rosalynn Sumners favorisiert, die auch die Pflicht gewann, Witt erreichte dort den dritten Platz. Sie gewann das Kurzprogramm, das Sumners als Fünfte beendete. In der Kür schaffte Witt drei Dreifachsprünge, Sumners zeigte am Ende einen geplanten dreifachen Toeloop nur doppelt und einen geplanten Doppelaxel nur einfach. So entschied Witt die Kür mit fünf zu vier Punktrichterstimmen und 0,2 Punkten Unterschied knapp für sich und wurde Olympiasiegerin.

Bei der anschließenden Weltmeisterschaft in Ottawa gelang es Witt auch noch, ihren ersten Weltmeisterschaftstitel zu gewinnen. Sie gewann dort die Pflicht, das Kurzprogramm und die Kür. Wie ihre Landsfrau Anett Pötzsch vier Jahre zuvor hatte Witt im olympischen Jahr alle Titel auf sich vereint.

1985 wurde sie in Göteborg zum dritten Mal in Folge Europameisterin und in Tokio zum zweiten Mal Weltmeisterin, beide Male vor Kira Iwanowa aus der Sowjetunion. 1986 errang Witt erneut die Goldmedaille bei der Europameisterschaft, musste sich bei der Weltmeisterschaft in Genf aber der US-Amerikanerin Debi Thomas geschlagen geben. 1987 konnte sie beide großen Turniere wieder für sich entscheiden, in Sarajevo wurde sie Europameisterin und bei der Weltmeisterschaft in Cincinnati siegte sie vor Debi Thomas. Dabei lief sie die stärkste Kür ihrer Karriere. Sie landete fünf Dreifachsprünge, darunter einen dreifachen Rittberger.

Katarina Witt in der Kür der Olympischen Spiele 1988 in Calgary als Carmen

1988 gewann Witt in Prag ihren sechsten Europameisterschaftstitel in Folge, zum vierten Mal hintereinander wurde Kira Iwanowa Vizeeuropameisterin. Bei den Olympischen Spielen in Calgary galten Witt und Thomas als Favoritinnen. Es kam zur „Battle of the Carmens“, wie die Presse das Duell nannte, da beide Eiskunstläuferinnen ihre Kür zu Musik aus Georges Bizets Oper Carmen liefen. Witt beendete die Pflicht auf dem dritten Platz, einen Platz hinter Thomas, gewann aber das Kurzprogramm vor Thomas, so waren beide etwa gleich auf und die Kür brachte die Entscheidung: Witt zeigte vier Dreifachsprünge, den Rittberger nur doppelt. Thomas verfehlte drei ihrer geplanten fünf Dreifachsprünge. Die Kanadierin Elizabeth Manley war die Beste in der Kür, am Ende reichte ihr der Kürsieg allerdings nicht und Witt wurde knapp Olympiasiegerin. Sie war damit die zweite Eiskunstläuferin nach Sonja Henie, die ihren Olympiatitel verteidigen konnte.

Zum Abschluss ihrer Karriere gewann sie bei der Weltmeisterschaft in Budapest ihren vierten Weltmeisterschaftstitel, genau wie bei den Olympischen Spielen, vor Manley und Thomas. Katarina Witt war somit die dominierende Eiskunstläuferin der Achtziger Jahre. Sie ist mit zwei Olympiasiegen, vier Weltmeisterschaftstiteln und sechs Europameisterschaftstiteln eine der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen der Geschichte.

Witt war in der DDR eine prominente Sportlerin und wurde von der Staatsführung als Repräsentantin und Aushängeschild des Landes betrachtet; dabei traf sie sich unter anderem auch persönlich mit Erich Honecker und Egon Krenz.[1] Dem Spiegel gegenüber äußerte sie 2001, sie sei „von diesem Staat überzeugt“ gewesen.[2] Witt stand unter intensiver Beobachtung durch das Ministerium für Staatssicherheit und wurde unter anderem vom IM Ingo Steuer überwacht und bespitzelt; ihre Wohnung war verwanzt und ihr Telefon wurde abgehört.[2] Zugleich erhielt sie jedoch auch Vergünstigungen durch den Staat. Diese gingen neben außergewöhnlicher materieller Bevorzugung soweit, dass die Staatssicherheit dafür sorgte, dass Witt ihren Führerschein zurückerlangte, den sie zuvor wegen zu schnellen Fahrens verloren hatte. Nachdem sie eine Klage gegen die Veröffentlichung von 181 Seiten ihrer Stasi-Akte durch die damalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, im Jahr 2001 zurückzog, berichteten verschiedene Medien unter Verweis auf die Akten, Witt habe von der Stasi immer wieder materielle Zuwendungen erhalten. So berichtete die Tageszeitung Die Welt, aus den Akten zitierend, beispielsweise von einem VW Golf (den von Witt geäußerten Wunsch nach einem VW-Bus konnte die Stasi nicht erfüllen, und der mit aufwendiger Sonderausstattung ausgerüstete VW-Golf wurde nach einem selbst verschuldeten Unfall der Witt ein zweites Mal besorgt) sowie verschiedenen Wohnungen, die ihr gestellt worden seien.[3] Zudem sei ihr laut Spiegel ein Reisepass mit West-Visum zur Verfügung gestellt worden.[1] Witt wandte sich teilweise gegen diese Darstellungen; sie habe zwar kleinere Zuwendungen wie einen Geschirrspüler erhalten, für die Wohnungen habe sie jedoch Miete bezahlt.[4] Zudem bestritt sie die Einordnung der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, dass sie in den Akten teilweise als „Begünstigte“ der Stasi erscheine.[5]

1984 erhielt sie den Vaterländischen Verdienstorden in Gold und 1988 die dazugehörige Ehrenspange für ihre hervorragenden Leistungen bei den Olympischen Winterspielen. Außerdem wurde sie 1988 mit dem Olympischen Orden ausgezeichnet. Witt wurde 1984 von den Lesern der Tageszeitung Junge Welt zur DDR-Sportlerin des Jahres gewählt. Sie begann im Juli 1988 ihre damals für DDR-Sportler sehr ungewöhnliche Profikarriere mit einem kurzen Gastspiel bei Holiday on Ice gegen Devisen und tourte dann mehr als zehn Jahre lang in den großen Eisshows in Nordamerika. Sie wirkte außerdem in verschiedenen Filmen mit, so etwa spielte sie 1989 mit Brian Boitano und Brian Orser in Carmen on Ice, für den sie einen Emmy erhielt, Die Eisprinzessin (1996), den sie co-produzierte, oder Ronin (1998).

Titelrolle, Text und Musik des Films Die Eisprinzessin stammten von Diether Dehm, der ab 1989 auch ihr Management und die Medienberatung übernommen hatte. Bereits 1988 hatten sie gemeinsam auf der Berliner Radrennbahn Weißensee ein Konzert mit 120.000 Besuchern moderiert, bei denen Stars wie Hannes Wader, die Bots, City, Heinz Rudolf Kunze, Big Country und Bryan Adams auftraten [6] und Katarina Witt vom Publikum ausgepfiffen wurde[7].

1994 erreichte sie nach einer bis dahin beispiellosen Re-Amateurisierung ein Comeback als Olympiateilnehmerin. Sie trainierte wieder bei Jutta Müller und nahm an den Olympischen Winterspielen in Lillehammer teil, wo sie den siebten Platz erreichte. Zuvor war sie bei der Europameisterschaft Achte geworden. Im selben Jahr erschien ihre Autobiographie Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür. Als Witt 1998 für das Magazin Playboy Aktfotos machen ließ, war dies das zweite Mal nach einer Ausgabe mit Marilyn Monroe, dass die Zeitschrift weltweit ausverkauft war. Seit 1991 produziert sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Managerin Elisabeth Gottmann Eiskunstlauf- und Fernsehshows in den USA und Europa. Außerdem war Witt Jurorin bei Let’s Dance auf RTL und produzierte für ProSieben die Eislauf-Showserie Stars auf Eis. Im Februar und März 2008 gab sie ihre Abschiedstournee. Januar bis Februar 2009 war sie Moderatorin für die Abspeck-Spielshow The Biggest Loser auf ProSieben. Im Oktober 2009 trat sie (u. a. mit Herbert Feuerstein und Robert Kreis) als „Buhlschaft“ in der Inszenierung des Jedermann im Berliner Dom auf.[8] 2010 wurde sie Präsentations-Chefin der Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018.[9] In dem 2012 von Sat.1 gedrehten Eventmovie Das Verhängnis übernahm sie die Hauptrolle als Stalkingopfer.[10]

Der Musiker Klaus-Dieter Henkler widmete ihr 1988 seinen Titel Katarina, der in der TV-Show Ein Kessel Buntes Premiere feierte.[11]

Katarina Witt ist nicht verheiratet, liiert war sie unter anderem mit Ingo Politz, Richard Dean Anderson, Rolf Brendel und Danny Huston.[12][13]

Ergebnisse[Bearbeiten]

Wettbewerb / Jahr 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1994
Olympische Winterspiele 1. 1. 7.
Weltmeisterschaften 10. 5. 2. 4. 1. 1. 2. 1. 1.
Europameisterschaften 14. 13. 5. 2. 1. 1. 1. 1. 1. 1. 8.
DDR-Meisterschaften 3. 2. 1. 1. 1. 1. 1. 1. 1. 1.
Deutsche Meisterschaften 2.

Katarina Witt Stiftung[Bearbeiten]

Katarina Witt (rechts) als Laudatorin für die Special-Olympics-Sportlerin Teresa Breuer, Sportler des Jahres (Österreich) 2013

2005 initiierte sie die Katarina Witt Stiftung gGmbH mit Sitz in Brandenburg. Die Gesellschaft hilft unter dem Motto „gemeinsam mehr bewegen“ vorwiegend Kindern auf den Gebieten der Katastrophenhilfe, medizinischen Versorgung und Sportförderung. Zum einen hilft sie insbesondere behinderten Kindern, ihre Mobilität zurückzuerlangen oder zu steigern, indem Sportprojekte gefördert werden. Zum andern betreut die Gesellschaft Projekte, durch die Kinder medizinisch versorgt werden, z. B. nach Verletzung durch Landminen, bei Kindern mit Geburtsfehlern (z. B. Cleft- oder Klumpfußkinder). Mit Spendenaufrufen, einer Website und persönliche Auftritte bei Benefizveranstaltungen wie Ein Herz für Kinder wirbt Witt persönlich um Unterstützung.[14] Der Wirtschaftsjournalist Stefan Loipfinger warf der Stiftung u. a. Intransparenz vor,[15] die Stiftung wies die Vorwürfe zurück.[16]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Gastauftritte[Bearbeiten]

Moderation[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katarina Witt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vgl. Steffen Winter:West-östliche Diva. In: Der Spiegel. Nr. 2, 2009, S. 88.
  2. a b Klaus Brinkbäumer und Georg Mascolo: Gewichtige Allianz. In: Der Spiegel. Nr. 22, 2001, S. 71.
  3. Günther Lachmann und Ralf Georg Reuth: Die Stasi-Akten der Katarina Witt. In: Welt am Sonntag. 12. Mai 2002.
  4. „Stasi hat nichts zu meiner Karriere beigetragen“. In: Spiegel Online. 18. Juni 2002, abgerufen am 16. November 2012.
  5. VG Berlin: Stasi-Unterlagen – Eilverfahren von Katarina Witt erfolgreich. In: Zeitschrift für Vermögens- und Immobilienrecht. Nr. 4, 2002, S. 207.
  6. https://www.nd-archiv.de/artikel/320383..html
  7. http://www.mdr.de/sommer88/die-konzerte100.html
  8. http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article1190889/Wie-Katharina-Witt-auf-dem-Tisch-tanzt.html
  9. http://www.welt.de/sport/article9449867/Jetzt-soll-Witt-Olympia-2018-nach-Muenchen-holen.html
  10. Presseportal
  11. Hommage an Katarina Witt 1988
  12. BZ-Online
  13. Welt Online
  14. http://www.katarina-witt-stiftung.de/
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMatthias Wolf: Wo Stiftungsspenden zu PR-Zwecken genutzt werden. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 22.12.2012, abgerufen am 24. Dezember 2012.
  16. http://de.nachrichten.yahoo.com/presseerkl%C3%A4rung-katarina-witt-zu-vorw%C3%BCrfen-gegen-ihre-stiftung-000000547.html
  17. JPL Small-Body Database Browser: 36800 Katarinawitt (2000 SF45), Jet Propulsion Laboratory