Lanuvio

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Lanuvio
Wappen
Lanuvio (Italien)
Lanuvio
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Rom (RM)
Koordinaten: 41° 41′ N, 12° 42′ O41.67527777777812.698333333333324Koordinaten: 41° 40′ 31″ N, 12° 41′ 54″ O
Höhe: 324 m s.l.m.
Fläche: 43 km²
Einwohner: 13.163 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 306 Einw./km²
Postleitzahl: 00040
Vorwahl: 06
ISTAT-Nummer: 058050
Volksbezeichnung: Lanuvini oder Civitani
Schutzpatron: San Flippo e Giacomo
Website: Lanuvio
Lanuvio
Lanuvio

Lanuvio (in der Antike Lanuvium, bis 1914 Civita Lavinia) ist eine italienische Gemeinde in der Provinz Rom in der Region Latium mit 13.163 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012).

Name[Bearbeiten]

In der Antike hieß der Ort Lanuvium. Aber auch die Form Lanivium erschien vor allem in der Kaiserzeit in Inschriften. Die Herkunft des Namens ist unbekannt. 1358 wird der Ort erstmals seit der Antike mit dem Namen Civita Lanuvina wieder erwähnt. Später wurde Civita Lavinia der offizielle Name, bis der Ort 1914 wieder in Lanuvio umbenannt wurde.

Geographie[Bearbeiten]

Lage von Lanuvio in der Provinz Rom

Lanuvio liegt 34 km südöstlich von Rom und 37 km nordwestlich von Latina. Der historische Ortskern von Lanuvio liegt auf einem Hügel der Colli Lanuvini, den südlichen Ausläufern der Albaner Berge, mit einem beherrschenden Blick über die Ebene bis hin zum Meer. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 64 m s.l.m. bis 326 m s.l.m. und reicht bis in die Pontinische Ebene. Lanuvio gehört zu den Gemeinden der Castelli Romani.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).[2]

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Ariccia, Genzano di Roma, Velletri, Genzano di Roma und Aprilia (LT).

Verkehr[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Statue der Juno Sospita Lanuvium, heute in der Sala Rotonda im Museo Pio-Clementino (Vatikanische Museen)

Lanuvium soll der Legende nach von Diomedes nach dessen Rückkehr vom Trojanischen Krieg gegründet worden sein.[3] Wahrscheinlicher erscheint aber eine Gründung als Kolonie des Nahen Alba Longa[4]

Das antike Lanuvium war ein Mitglied der Latinischen Liga und blieb bis zur Eroberung durch Rom 338 v. Chr. unabhängig. Anfangs erhielt Lanuvium nicht das römische Bürgerrecht, später dann doch; noch in kaiserlicher Zeit trugen der oberste Magistrat und der Gemeinderat die Titel Diktator beziehungsweise Senat.

Lanuvium war berühmt für seinen reichen und stark verehrten Tempel der Juno Sospita, von dem sich Octavian 31 v. Chr. Geld lieh, und für seine Besitzungen, die sich bis an die Küste erstreckten. Der Kult der Juno geht auf den archaischen Kult einer Ziegengöttin zurück. Lanuvium besaß viele weitere Tempel, die Antoninus Pius, der ebenso wie Commodus in der Nähe geboren wurde, restaurieren ließ.[5]

Reste des alten Theaters und der Stadtmauern existieren noch in der modernen Stadt; oberhalb der Mauern gibt es ein Gebiet, das von einer Portikus in opus reticulatum umgeben ist, an deren Nordseite sich ein rechteckiges Gebäude in opus quadratum anschließt, das vielleicht mit dem Juno-Tempel verbunden war. Hier wurde bei Ausgrabungen, die Lord Savile vornehmen ließ, archaische dekorative Terrakotta entdeckt. Die Akropolis der ursprünglichen Stadt lag vermutlich auf dem höchsten Punkt nördlich des Tempels. Die Nachbarschaft, die jetzt aus Weingärten besteht, enthält Reste vieler römischer Villen, von denen eine traditionell Antoninus Pius zugerechnet wird.

Mit der Schließung des Tempel der Juno Sospita, der gut ein Jahrtausend das pulsierende Herz Lanuviums war, per Edikt des Kaisers Theodosius I. 391, begann der Verfall der Stadt. Im Mittelalter wurde an dem Ort ein Benediktinerkloster gegründet. Civita Lanuvina, wie der Ort nun hieß wurde 1410 von Gegenpapst Johannes XXIII. (Gegenpapst) den Colonna übergeben. 1564 kaufte Giuliano Sforza Cesarini den Ort für 105.000 Scudi den Colonna ab. 1870 kam Lanuvio als Teil des Kirchenstaates zum Königreich Italien.[6]

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt Lanuvio am 17. Februar 1944 beim Vormarsch der Alliierten starke Zerstörungen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 926 1.481 2.204 2.636 3.846 5.228 8.177 9.994 13.006

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten]

Luigi Galieti (Bürgerliste) wurde im Mai 2012 zum Bürgermeister gewählt. Er gewann die Wahl mit 48,81 % der Stimmen gegen seinen Vorgänger Umberto Leoni vom Mitte-links-Bündnis L’Unione, gegen den er noch 2007 knapp unterlegen war. Seine Bürgerliste Galieti Sindaco stellt auch 7 der 10 Gemeinderäte.[7]

Bürgermeister von Lanuvio:

  • 2002 - 2007: Rossano De Santis
  • 2007 - 2012: Umberto Leoni
  • seit 2013: Luigi Galieti

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen stellt die antike Göttin Juno Sospita Mater Regina dar, der im antiken Lanuvium ein Tempel geweiht war.[8]

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ponte Loreto
  • Die mächtige mittelalterliche Burg geht auf das 9. Jahrhundert zurück.
  • Auf dem Colle di San Lorenzo wurde 1914 die antike Arx, der Tempel der Juno Sospita und ein Theater ausgegraben.[9]
  • Der Palazzo Colonna blieb nach dem Verkauf an Giuliano Sforza Cesarini 1564 unvollendet. Im öffentlich zugänglichen Park sind die Ruinen einer Portikus aus der Zeit des Antonius Pius zu sehen.[10]
  • Südlich der Altstadt befindet sich die antike Brücke Ponte Loreto.[11]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

In Lanuvio werden die DOC Weine Colli Lanuvini und Colli Lanuvini superiore produziert.[12]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lanuvio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Italienischer Zivilschutz
  3. Appian, Bürgerkriege 2, 20 (englische Übersetzung).
  4. Edward Herbert Bunbury: Lanuvium. In: William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geography. London 1854.
  5. Philipp: Lanuvium. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XII,1, Stuttgart 1924, Sp. 694.
  6.  Luigi Devoti: Castelli Romani. Libreria Cavour, Frascati 2008, S. 148-150.
  7. Wahlseite des Innenministeriums
  8. Statut der Gemeinde pdf. (italienisch), abgerufen am 27. Juli 2013
  9. Beschreibung der Ausgrabungen (italienisch)
  10. Beschreibung der Villa Sforza Cesarini (italienisch)
  11. Beschreibung des Ponte Loreto mit Fotos (deutsch)
  12. Homepage der Gemeinde