Vierländereck

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Als Vierländereck wird der geografische Grenzpunkt bezeichnet, an dem sich die Grenzen von vier benachbarten Staaten oder Ländern treffen. Es gibt derzeit weltweit kein echtes Vierländereck, an dem sich die Grenzen von vier unabhängigen Staaten treffen. Jedoch existieren einige Quasi-Vierländerecke, die sich aus zwei nahe beieinander liegenden Dreiländerecken zusammensetzen.

Vierländerecke sind in der Regel durch künstliche Grenzziehung entlang von Längen- und Breitenkreisen entstanden.

Quasi-Vierländereck[Bearbeiten]

Es gibt einige Fälle, in denen zwei Dreiländerecke sehr nahe beieinander liegen, sodass sie auf einer kleinmaßstäbigen Karte wie Vierländerecke aussehen. Die beiden nächstgelegenen Dreiländerecke zwischen unabhängigen Staaten finden sich in Afrika:

Echte Vierländerecke[Bearbeiten]

Four Corners Monument:
Vierländereck Arizona-Colorado-New Mexico-Utah

Echte Vierländerecke existieren derzeit nur zwischen verschiedenen Territorien ohne völkerrechtliche Souveränität, d. h. zwischen Verwaltungseinheiten innerhalb eines Staates. Hier einige Beispiele

Sonderfall Grenzpunkt Vaalserberg[Bearbeiten]

Das Dreiländereck Belgien-Deutschland-Niederlande auf dem Vaalserberg bei Aachen wird für die Zeit von 1839 bis 1919 bei Einbeziehung des damaligen neutralen Gebietes Neutral-Moresnet gelegentlich als Vierländereck bezeichnet. Heute ist es ein echtes Vierländereck auf Ebene der Gliedstaaten.

Postkarte von 1905 mit Vierländereck

Als auf dem Wiener Kongress 1815 die Grenzen in Mitteleuropa neu geordnet wurden, konnte zwischen dem Königreich Preußen und dem neugebildeten Königreich der Vereinigten Niederlande keine Einigung über Zuteilung der Galmei-Gruben bei Aachen erzielt werden. So entstand an der preußisch-niederländischen Grenze südwestlich von Aachen ein kleines neutrales Gebiet, das etwa die Form eines schmalen, nach Norden spitz zulaufenden Dreiecks mit einer Länge von 5 km und einer maximalen Breite von 1,3 km hatte und rund 3,4 km² groß war. Am nördlichen und südlichen Ende dieses neutralen Gebietes mit dem Namen Neutral-Moresnet gab es jeweils einen Dreigrenzenpunkt zwischen den Niederlanden, Preußen und Neutral-Moresnet. Als sich in der Belgischen Revolution von 1830 die südlichen Provinzen von den Vereinigten Niederlanden lösten und das neue Königreich Belgien bildeten, zweigte die neue Grenze zwischen den Niederlanden und Belgien zunächst etwas weiter nördlich von der Grenze zu Preußen ab, so dass nun Neutral-Moresnet ein neutrales Gebiet zwischen Belgien und Preußen war. 1839 trat Belgien die unmittelbar nördlich des neutralen Gebietes liegende Gemeinde Vaals an die Niederlande ab, und damit zweigte die belgisch-niederländische Grenze jetzt direkt am nördlichen Grenzpunkt von Neutral-Moresnet von der Grenze zu Preußen ab. So wurde dieser Punkt, auf dem Vaalserberg gelegen, zu einem Viergrenzenpunkt, an dem die drei Königreiche Belgien, Niederlande und Preußen sowie Neutral-Moresnet aneinanderstießen. 1871 trat an die Stelle von Preußen das Deutsche Kaiserreich. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Neutral-Moresnet wie auch ein östlich davon liegender, bis dahin deutscher Gebietsstreifen durch den Friedensvertrag von Versailles von 1919 ohne Abstimmung dem belgischen Staat zugesprochen. Aus Neutral-Moresnet wurde die belgische Gemeinde Kelmis, und der Grenzpunkt auf dem Vaalserberg war von nun an nur noch ein einfaches Dreiländereck zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

Der Grenzpunkt auf dem Vaalserberg, auf Niederländisch als Drielandenpunt bezeichnet, war zwar im geometrischen Sinn ein Grenzpunkt zwischen vier Territorien, aber kein echtes Vierländereck im staatsrechtlichen Sinn, da Neutral-Moresnet nach internationaler Rechtsauffassung kein selbständiger Staat war. Das Gebiet wurde immer gemeinsam von Belgien und Deutschland – beziehungsweise ihren Vorgängerstaaten – verwaltet; es hatte niemals eine Regierung, ein Parlament, geschweige denn ein Staatsoberhaupt. Am Grenzstein des Dreiländerecks auf dem Vaalserberg wird durch Unterschiede in der Pflasterung das keilförmige „Zusammenlaufen“ der drei Staatsgrenzen veranschaulicht. Ein dezent unterschiedlich gepflasterter Keil auf der belgischen Seite weist noch heute auf das ehemalige Neutral-Moresnet hin.

Auf regionaler Ebene ist jedoch der Grenzpunkt auf dem Vaalserberg auch heute wieder ein Punkt, an dem vier Gebiete zusammentreffen. Bei der föderativen Neugliederung Belgiens in drei nach Sprachen getrennte Gemeinschaften wurde die westliche Gemeindegrenze des deutschsprachigen Kelmis, die mit der Westgrenze des früheren Neutral-Moresnet identisch ist und nach wie vor auf das Dreiländereck auf dem Vaalserberg zuläuft, zum nördlichsten Abschnitt der Grenze zwischen der Französischen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Somit ist das Dreiländereck auf dem Vaalserberg zugleich auf regionaler Ebene ein Vierländereck zwischen der Deutschsprachigen und der Französischen Gemeinschaft Belgiens, der niederländischen Provinz Limburg und dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf kommunaler Ebene stoßen hier die vier Gemeinden Kelmis (B), Plombières (B), Vaals (NL) und Aachen (D) zusammen.

Exklaven mit Punktkontakt[Bearbeiten]

Exklaven mit Punktkontakt grenzen in einem Vierländereck an das Kernland, an dem jedoch nur zwei oder drei Gebietskörperschaften beteiligt sind.

Gemeinden Liesberg (BL) - Kleinlützel (SO) - Roggenburg (BL) - Soyhières (JU)
Gemeinden Seehof BE (BE) - Aedermannsdorf (SO) - Schelten (BE) - Vermes (JU)

Beide „Vierkantonsecke“ sind mit der Abspaltung des Kantons Jura und des Laufentals vom Kanton Bern entstanden; die deutschsprachigen Gemeinden Schelten und Roggenburg traten nicht zum französischsprachigen Kanton Jura über; Schelten verblieb bei Bern, Roggenburg wechselte mit dem Übertritt des Laufentals zum Kanton Basel-Landschaft.

  • Die österreichische Gemeinde Jungholz ist vollständig von Deutschland umgeben, auf dem Gipfel des Sorgschrofen laufen die Staatsgrenzen beider Länder kreuzförmig übereinander, so dass Jungholz an diesem Punkt die österreichische Gemeinde Schattwald berührt, dadurch ist Jungholz eine Exklave. Auf Gemeindeebene berühren sich auf dem Sorgschrofengipfel vier Körperschaften (in Deutschland Bad Hindelang und Pfronten). Auf Staatsebene treffen zwei Körperschaften, jeweils von zwei verschiedenen Seiten, aneinander.

Fünf- (und Mehr-)Länder-Eck[Bearbeiten]

„Fünfländereck“ der Gemeinden Wurmlingen, Rietheim-Weilheim, Dürbheim, Mühlheim an der Donau und Tuttlingen im Landkreis Tuttlingen

Ein noch seltenerer Sonderfall ist ein Fünfländereck. Es kommt nur auf kommunaler Ebene vor.

Ein Beispiel sind die fünf Gemeinden Wurmlingen, Tuttlingen (Stadtteil Nendingen), Mühlheim an der Donau, Dürbheim und Rietheim-Weilheim im Landkreis Tuttlingen, die an der im Mittelalter wichtigen Quelle des Ursentalbaches zusammentreffen.

In der Pfalz treffen die fünf Ortsgemeinden Schweisweiler und Höringen (Verbandsgemeinde Winnweiler) sowie Gehrweiler, Gundersweiler und Imsweiler (Verbandsgemeinde Rockenhausen) in einem Punkt zusammen.

Am Großen Dreiherrenstein am Rennsteig im Thüringer Wald treffen sich die Gebiete der fünf Gemeinden Stützerbach, Langewiesen, Neustadt am Rennsteig, Schleusegrund und Frauenwald. Seinen Namen erhielt der Punkt von einem früheren Dreiländereck, zunächst zwischen Henneberg, Schwarzburg und ernestinischem Sachsen und zuletzt (bis zur Gründung Thüringens 1920) zwischen Sachsen-Weimar-Eisenach, Schwarzburg-Sondershausen und Preußen.

Am Hohebannstein im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald treffen die fünf Gemeinden Bollschweil, Ebringen, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler und Schallstadt in einem Punkt zusammen.

In einem Punkt im westlichen Okeechobeesee im US-Bundesstaat Florida treffen sich die Grenzen von fünf Countys: Okeechobee County, Martin County, Palm Beach County, Hendry County und Glades County.

Bezüglich der fünf Parishes der Insel Nevis ist der Nevis Peak ein Fünfländereck auf kommunaler Ebene. Auf der Insel Niue mit insgesamt 14 Gemeinden stoßen in einem Punkt vier und in einem Punkt fünf Gemeinden aneinander.

Als besondere Kuriosität zählt der Siebenzwingstein, ein Grenzpunkt im Kanton Aargau in der Schweiz. Hier trafen früher sieben Gemeinden, Bezirke beziehungsweise Zwinge zusammen.

Ein weiteres Beispiel für ein Zusammentreffen von sieben teils historischen Gemarkungen stellt der „Siebenbannstein“ im Landkreis Lörrach dar.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: International tripoints – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach Google Maps Stand 2010
  2. Vierländereck mit Sonderstatus: Altai
  3. Marktgeflüster: Siebenbannstein Artikel der Badischen Zeitung vom 8. September 2009