Volksverteidigungseinheiten

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Volksverteidigungseinheiten
Yekîneyên Parastina Gel
وحدات الحماية الشعب
Ala YPG.jpg
Aufstellung 2012
Land Syrien
Grobgliederung Hohes Kurdisches Komitee
Unterstellte
Truppenteile
  • Yekîneyên Parastina Jin (YPJ, „Frauenverteidigungseinheiten”, ausschließlich aus Frauen bestehende Brigaden)
  • Ahrar Al-Watan (Arabische Brigade)
Stärke 45.000 (nach eigenen Angaben im November 2013)[1]
Farben grün, rot, gelb
Schlachten Bürgerkrieg in Syrien
Schlacht um Ra's al-'Ayn
Kommandeur
Oberbefehlshaber Hamo Sîpan
Sprecher Rêdûr Khalil
Befehlshaber in Ra's al-'Ayn Cemşîd Osman

Die Volksverteidigungseinheiten (kurdisch Yekîneyên Parastina Gel, Kürzel YPG; arabisch ‏وحدات الحماية الشعب‎ Wahdat al-Himaya asch-Scha'ab) sind eine bewaffnete kurdische Miliz in Syrien und kontrollieren verschiedene kurdische Gebiete in Nordsyrien sowie Teile der kurdischen Viertel in Aleppo.

Die YPG gilt als der PKK nahestehend und wird auch als „syrischer Arm der PKK“ bezeichnet,[2][3][4] welche wiederum unter anderem in Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird, wenn auch 2014 mit dem Hintergrund des Engagements der PKK im Kampf gegen die terroristische Miliz Islamischer Staat Bestrebungen laut wurden, die PKK neu zu bewerten.[5] Entgegen der ihr nachgesagten Nähe der YPG zu der PKK und zur PYD gab die Führung der YPG an, unabhängig zu sein.[6]

Gründung und Ziele[Bearbeiten]

Die YPG erklärten ihre Gründung offiziell am 19. Juli 2012.[7] Bei späteren Anlässen erklärte ihre Führung, eine offizielle Gründung habe bereits im Jahr 2011 stattgefunden und deutete die Wurzeln der Organisation im Jahr 2004 an. Die Gründung erfolgte während des syrischen Bürgerkrieges durch die kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) . Sie unterstehen offiziell dem Hohen Kurdischen Komitee, werden jedoch oftmals als militärischer Arm der PYD betrachtet.[8][9]

Nach eigenen Angaben wurden die Volksverteidigungseinheiten zum Schutz der kurdischen Gebiete vor einem Einschwemmen des Krieges zwischen syrischer Armee und Freier Syrischer Armee (FSA) sowie der Gefahr vor militärischer Interventionen benachbarter Länder gegründet.[10] Nach dem Abzug großer Teile des syrischen Militärs aus den kurdischen Gebieten zugunsten einer Mobilisierung gegen die FSA konnten die YPG im Juli 2012 ihr militärisches Einflussgebiet sowie die Anzahl ihrer Kämpfer massiv ausbauen.[11]

Die YPG lehnen eine Präsenz der Freien Syrischen Armee in den kurdischen Gebieten mit dem Hinweis auf ihre autonome militärische Verwaltung ab.[12] Dies führte zeitweise zu Spannungen und Gefechten zwischen beiden Parteien.

Mittlerweile bestehen die YPG nach eigenen Angaben aus mehreren Brigaden in den kurdischen Gebieten Afrin, Ain al-Arab und Teilen des Gouvernement al-Hasaka und verfügen nach eigenen Angaben über bis zu 45.000 Kämpfern.[13][14][15] Die YPG begann außerdem Mitte 2013 die christliche aramäisch/assyrische Miliz Sutoro und die arabische Brigade Ahrar al-Watan in der nordöstlichen Provinz al-Hasaka auszubilden. Die Sutoro kämpft seitdem mit der YPG an der Front.[16][17] Am 9. Januar 2014 verkündete der ebenfalls aramäisch/assyrische Militärrat der Suryoye (SMC), dass er sich der Offensive der YPG gegenüber Islamisten in Nordosten Syriens angeschlossen hat.[18]

Bewaffnete Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Im November 2012 kam es nach einer Übernahme der mehrheitlich kurdisch bewohnten Grenzstadt Ra's al-'Ayn durch die Nusra-Front zu Spannungen zwischen Kurden und Dschihadisten. Diese mündeten schließlich in bewaffnete Kämpfe um die Stadt mit mehreren Toten.[19][20] Gefechte zwischen Dschihadisten und Kurden loderten seitdem immer wieder auf. Im Juli 2013 brachten die YPG die Grenzstadt schließlich komplett unter ihre Kontrolle. Die Nusra-Front und ISIS mobilisierten daraufhin ihre Truppen im Gouvernement al-Hasaka, um die von Kurden kontrollierten Ölfelder im Nordosten Syriens zu erobern.[21]

Gefechte zwischen YPG und al-Qaida weiteten sich indes aus und gleichen einer dritten Frontlinie im syrischen Bürgerkrieg. Im August 2013 wurden auch die Provinzen Raqqa besonders um die ethnisch gemischte Stadt Tall Abyad und Aleppo mit verschiedenen kurdischen Enklaven zum Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien. In den kurdischen Städten Tell Aran und Tell Hasel, östlich von Aleppo, wurde al-Qaida beschuldigt, gezielte Angriffe auf die kurdische Zivilbevölkerung ausgeführt zu haben. Die USA sowie Russland haben diese Angriffe gegen kurdische Zivilisten verurteilt. Daraufhin warnte auch der Präsident der Autonomen Region Kurdistan Masud Barzani den Dschihadisten mit einer Intervention, da er bereit sei, die Kurden in Syrien zu beschützten. [22]

Am 27. Juni 2013 schossen Mitglieder der YPG in Amude auf Demonstranten, von denen sie vorher mit Steinen beworfen wurden. Dabei gab es mehrere Tote, darunter ein zwölfjähriges Mädchen und ein fünfzehn Jahre alter Junge. Der UN-Menschenrechtsrat warf der YPG deswegen eine Menschenrechtsverletzung durch übermäßigen Gewalteinsatz vor. [23] Die YPG erklärte hingegen, dass es in diesem Zusammenhang einen bewaffneten Angriff auf den von Gefechten zurückkehrenden YPG Konvoi gegeben hat, bei dem ein YPG-Kämpfer starb und zwei verletzt wurden. [24]

Frauenverbände[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen dschihadistische Extremisten in der Irak-Krise 2014 berichteten verschiedene Medien von den Frauenverbänden der separatistischen PKK, der paramilitärischen YPG (für die Frauen: YPJ) und der offiziellen Armee der irakischen Kurden, den Peschmerga. Als Motiv für die Beteiligung der Frauen an den Kampfverbänden wurde angegeben, dass sie kämpfen wollten, „um ihr Recht auf Gleichberechtigung zu verteidigen“. Auch wurde entgegen der tatsächlichen Begebenheiten innerhalb der Dschihadisten davon gesprochen, die „kurdischen »Amazonen«“ würden Dschihadisten „jagen“, weil diese daran glauben würden, „dass wer durch weibliche Hand stirbt“, nicht in das „Paradies“ gelange.[25][26][27]

Die Beteiligung der Frauen an den Kampfverbänden der PKK war durch ihren Führer, Abdullah Öcalan, vorangetrieben worden. Bei den Peschmerga kämpften Frauen bereits seit 1996.[25]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Syrien - ISIS-Vormarsch: Syrische Kurden führen Wehrpflicht ein, DTJ, 20. Juli 2014, von Caspar Schliephack, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  3. Irak - Jesiden: Die Peschmerga haben uns verraten, DTJ, 5. August 2014, von Gohdar Alkaidy und Caspar Schliephack, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  4. Irak - Neues Massaker an Jesiden: Bis zu 200 Tote befürchtet, von Gohdar Alkaidy und Caspar Schliephack, 16. August 2014, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  5. Immer noch eine Terrororganisation? Koalitionspolitiker erwägen Ende des PKK-Verbots, FAZ.net, 28. August 2014, von Eckart Lohse, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  6. Syrian Kurds Win Support in Battle With Al-Qaeda Forces (englisch). Al Monitor, 25. Oktober 2013, von Wladimir van Wilgenburg, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  7. Gründungserklärung auf Arabisch
  8. "The battle for control in Syria" Website der Zeitung Daily News Egypt. Abgerufen am 16. November 2012
  9. "Kurds oust Syrian forces from northern towns" Website des Nachrichtensenders Al Jazeera. Abgerufen am 20. November 2012
  10. "A Rare Glimpse Into Kurdish Armed Forces in Syria" Website der Zeitung Rudaw. Abgerufen am 16. November 2012
  11. "Die vergessene Front in Syrien" Website des VICE-Magazins. Abgerufen am 20. November 2012
  12. "Kurds take another town in Syrian ‘dirty game’" Website des Nachrichtensenders al-Arabiya. Abgerufen am 20. November 2012
  13. "„Es gab keinen Deal der Kurden mit dem Regime“" Website der Zeitung Frankfurter Rundschau. Abgerufen am 1. Dezember 2012
  14. "„Kurds Build Bridges At Last“" Website der Independent European Daily Express. Abgerufen am 13. Oktober 2013
  15. "„Die Saat geht auf“" Website der Zeitung junge Welt. Abgerufen am 6. November 2013
  16. Die Christen in Syrien ziehen in die Schlacht In: Die Welt. Abgerufen am 23. Oktober 2013.
  17. Kurdish militia aims to connect Kurdish enclaves in Syria In: Al-Monitor. Abgerufen am 15. Dezember 2013
  18. http://diclenews.com/2/22/viewNews/379648
  19. "Dozens dead after clashes in Syrian border town" Website des Nachrichtensenders CNN. Abgerufen am 20. November 2012
  20. "Jihadist rebels in standoff with Syria Kurds: NGO" Website des Nachrichtensenders al-Arabiya. Abgerufen am 29. November 2012
  21. NGO: Clashes between Kurds, jihadists kill 29 in Syria In: Al-Arabiya. Abgerufen am 19. Juli 2013
  22. Kurdish-jihadist clashes fracture Syria opposition In: BBC. Abgerufen am 19 August 2013.
  23. UNHCR, 6th Report of Commission of Inquiry on Syria - A/HRC/24/46, 11. September 2013, S.9 (.doc, engl.; 6,0 MB)
  24. Interview von Karlos Zurutuza mit YPG-Sprecher Redur Khalil
  25. a b Kämpfende Frauen: Kurdische "Amazonen" jagen Dschihadisten, Kurier.at, 22. August 2014, von Evelyn Peternel und Leila Al-Serori, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  26. Weibliche Peschmerga-Einheiten - IS-Kämpfer fürchten diese Frauen, n-tv, 23. August 2014, von Jürgen Weichert, archiviert vom Original am 29. August 2014.
  27. Iraq Crisis: Kurds Push to Take Mosul Dam as U.S. Gains Controversial Guerrilla Ally (englisch). The Wall Street Journal, 18. August 2014, von Joe Parkinson, archiviert vom Original am 29. August 2014.