Geschichte des Wallis

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Urgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paläolithikum und Mesolithikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Reihe von Institutionen ist mit der Erforschung der Urgeschichte, deren älteste Artefakte im Wallis 35.000 Jahre zurückreichen, befasst, darunter die Walliser Archäologische Gesellschaft.[1]

Die letzte Kaltzeit (vor 115'000-15'000 Jahren) ließ in wärmeren Perioden den Aufenthalt von Menschen auch im Wallis zu. Dort stammen die ältesten, etwa 35'000 Jahre alten Artefakte des Paläolithikums aus der Region Tanay (Gem. Vouvry). Sie wurden in 1800 m Höhe entdeckt. Nach dem Ende dieser Kaltzeit wurde das Rhonetal ab 9000 v. Chr. von mesolithischen Jägern und Sammlern besiedelt. Wichtige Fundstätten liegen in der Ebene, so in Vionnaz oder im Abri beim Mörderstein im Pfynwald (Gem. Salgesch), doch auch in grosser Höhe fanden sich saisonale Lager, etwa im Val de Bagnes, um Zermatt odeer auf dem Simplon- und dem Albrunpass.

Neolithikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. lassen sich im Wallis Hirten und Bauern nachweisen, wohl partiell Zuwanderer aus neolithischen Gemeinschaften auf der Alpensüdseite (Sitten auf dem Schwemmkegel der Sionne und auf dem Hügel Tourbillon), wie etwa die Keramik belegt. Erste Getreidekörner in der heutigen Schweiz fand man im Wallis. Sie stammen aus dem 5. oder 4. vorchristlichen Jahrtausend. Doch die Siedlungen beschränkten sich zwischen 5500 und 2200 v. Chr. auf die tieferen Lagen bei Sitten, in der Region Saint-Léonard, auf dem Heidnischbiel in Raron und im Gebiet um Brig. Auf den Weiden oberhalb der Waldgrenze wurden im Sommer Ziegen und Schafe gehalten, seltener Rinder (Alp Hermetje (Gem. Zermatt) auf 2600 m). Kulturelle Einflüsse kamen weiterhin von der Alpensüdseite, vom Mittelland und aus dem Rhonetal. Im 4. Jahrtausend entstand das eigenständige Dekor der Keramik der Kultur von Saint-Léonard. Die Gräber waren in Nekropolen in der Ebene, darunter Sitten, Saint-Léonard, Glis, und am Eingang der Seitentäler angeordnet. Einzelbestattungen mit Steinkistengräbern (Typ Chamblandes) verweisen auf enge kulturelle Beziehungen zum Genfer See, zu den französischen Alpen und mit Norditalien. Ab Anfang des 3. Jahrtausends treten, nun oberirdisch, Gemeinschaftsgräber auf (Dolmen). Die Nekropole bei Le Petit-Chasseur (Sitten) mit ihren 13 Grabmälern ist von europäischer Bedeutung.

Bronzezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn der Bronzezeit (ca. 2200–1500 v. Chr.) beuteten im Wallis die Angehörigen der Rhonekultur vermutlich die Kupfervorkommen im Turtmanntal, im Val d’Hérens und im Val d'Anniviers aus. Über die Spätbronzezeit ist wenig bekannt, anscheinend überwiegen die Kultureinflüsse der Alpensüdseite im Oberwallis. Die Siedlungen wahrten ihre Kontinuität. Oberhalb von 1000 m entstanden in bis dato unbewohnten Gebieten befestigte Siedlungen, wie auf dem Schlosshubel in Grengiols, auf den Kasteltschuggen in Zeneggen und beim Scex Rouge in Fully. Für die Spätbronzezeit sind sporadisch Brandbestattungen belegt, Einzelbestattung mit Grabbeigaben zur Kennzeichnung des gesellschaftlichen Ranges war üblich. Wie in anderen Alpenregionen finden sich bis in grosse Höhen Prestigeobjekte wie Nadeln, Dolche und Beilklingen, so auf dem Col de Torrent (Evolène) in 2710 m Höhe.

Eisenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Eisenzeit, die im Wallis um 800 bis 15 v. Chr. angesetzt wird, erscheinen Gräberfelder bis in mittlere Höhen. Dies stand wohl in Verbindung mit den ersten Dauersiedlungen, so in Leukerbad, Oberstalden (Visperterminen) oder Bluche (Crans-Montana). Einige Täler wie jenes von Leuk oder das Lötschental, wurden nun erstmals dauerhaft besiedelt. Dies hängt mit dem anwachsenden transalpinen Handel zusammen. Das Wallis stand mit Gemeinden auf der Alpennord- als auch der Alpensüdseite in Kontakt. Mikroregionale Besonderheiten der Bekleidung zeigen sich z. B. in speziellem Ringschmuck aus Armreifen und Fussringen, die in den ersten Publikationen als „Walliserringe“ bezeichnet wurden. Während in der Spätbronzezeit und in der frühen Eisenzeit gelegentlich Brandbestattungen belegt sind, wurden Körperbestattungen nun wieder die Regel (Nekropole von Don Bosco in Sitten). Wie in der Bronzezeit wurden auf Anhöhen kleine befestigte Sitze errichtet, einige von ihnen lassen sich mit den Castella des 1. Jahrhunderts v. Chr. in Verbindung bringen, von denen Caesar berichtet.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl schon Caesar in seinem Bericht Der Gallische Krieg Orte und keltische Stämme im Wallis erwähnte, so zum Beispiel die Seduni, die bis heute im Namen der Kantonshauptstadt Sitten (franz. Sion) weiterleben, findet sich die erste schriftliche Erwähnung des Wallis in der Küstenbeschreibung Ora Maritima des römischen Schriftstellers Avienus. Zwar entstand das Werk erst um die Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr., doch bediente sich Avienus wahrscheinlich einer verlorenen griechischen Quelle aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.
Avienus beschreibt unter anderem den Verlauf und den Ursprung des Rhodanus (Rhone); auch die Stämme, die zu dieser Zeit das Wallis besiedelten, werden erwähnt. An der Quelle des Rhodanus (d. h. im Oberwallis) lebten die Tylangier, weiter westlich die Daliterner (der Name des Seitenflusses Dala scheint mit diesem Stamm in Verbindung zu stehen), im Unterwallis die Clahilcer und am Genfersee die Lemenicer (eine Ableitung vom antiken Namen des Genfersees Lacus Lemannus, vgl. heute franz. Lac Léman). Die Ursprünge dieser Stämme sind im Dunkeln, waren sie die Urbevölkerung, bevor die Kelten einwanderten? Auch eine Verbindung zu den Ligurern wird vermutet.

Das Wallis in römischer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wallis wurde seit vorrömischer Zeit von vier Keltenstämmen bewohnt, wie Caesar berichtet: im Westen am Genfersee von den Nantuaten, am Rhoneknie von den Veragrern, im Mittelwallis von den Sedunern und im Oberwallis im Osten von den Uberern.

Caesar beschreibt in seinem de Bello Gallico unter anderem die Eroberung des Wallis durch die Römer (3,1-6). Im Herbst des Jahres 57 v. Chr. schickte er die Legio XII Fulminata mit einer Reiterabteilung unter der Führung des Servius Sulpicius Galba in das Gebiet des Genfersees. Ziel Galbas war die Sicherung der Alpenübergänge, vor allem des Grossen St.-Bernhard-Passes. Galba näherte sich ohne grossen Widerstand von Norden her dem Wallis und unterwarf die Nantuaten und die Veragrer. Er beschloss, im Octodurus genannten Dorfe der Veragrer (das heutige Martigny) das Winterquartier aufzuschlagen; zwei Kohorten liess er im Gebiet der Nantuaten zurück. Das Dorf Octodurus wurde von einem Fluss geteilt. In der einen Dorfhälfte errichteten die Römer ein befestigtes Lager, die andere Hälfte überliessen sie den Einwohnern. Unterdessen brachten die Veragrer Verstärkung von den Sedunern herbei und stürmten von allen Seiten auf das befestigte Lager. Nach einem sechs Stunden anhaltenden Abwehrkampf beschlossen die römischen Truppen den Ausfall. Beim darauf folgenden Gemetzel wurden die Angreifer in die Flucht geschlagen; von den 30.000 (?) Barbaren (Kelten, Gallier, Walliser) soll jeder dritte gefallen sein. Da Die Römer knapp an Vorräten waren und der Winter vor der Tür stand, beschlossen sie trotz des Sieges über die Kelten, das Lager zu räumen und das Dorf niederzubrennen. Galba zog seine Legion ohne Verluste in das Gebiet der Nantuaten zurück und ging von dort zu den Allobrogern (Region Genf), wo er Winterquartier bezog.

Zeittabelle der Provinz Vallis Poenina (Wallis) 57 v. Chr. – 454 n. Chr.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Schlacht bei Octodurus (Martigny) 57 v. Chr. scheiterte der Versuch der Römer, durch Galba die direkte Verbindung zwischen Italien und Nordgallien über den Grossen St.-Bernhard-Pass zu sichern.

15 v. Chr. kam es zur Eroberung der Zentralalpen durch Tiberius und Drusus.

8–6 v. Chr. gab es erste Loyalitätsbezeugungen der Walliser Keltenstämme der Seduner und Nantuaten.

7/6 v. Chr. wurde das Siegerdenkmal Tropaeum Alpium in La Turbie zu Ehren des Kaisers Augustus errichtet, dessen Inschrift unter anderem die Namen der Walliser Volksstämme Uberi, Nantuates, Seduni und Veragri aufführt. Das Gebiet der Vallis Poenina wurde zunächst in die Provinz Raetia et Vindelicum eingegliedert.

23 n. Chr. errichteten die vier Stammesgemeinschaften (civitates) der Vallis Poenina Steindenkmäler zu Ehren des Drusus der Jüngere, Sohn des Tiberius und zu Ehren von Caligula.

41–47 erhob Kaiser Claudius das Wallis zur eigenen Provinz Vallis Poenina. Die Bewohner erhielten das latinische Bürgerrecht. Es ist nicht geklärt, ob die Regionen Vallis Poenina und Alpes Graiae (Grajische Alpen) bis zur Verwaltungsreform des Diokletian um 300 n. Chr. zusammen verwaltet oder möglicherweise eigenständige Provinzen waren. Die Hauptstadt von Alpes Graiae war Axima (Römischer Name: Forum Claudii Ceutronum), das heutige Aime-en-Tarentaise. Unter Diokletian wurde die Provinz Alpes Poeninae et Graiae der Präfektur Gallien unterstellt.

Ca. 47 wurde die Hauptstadt Hauptstadt Forum Claudii Augusti bei der Ortschaft Octodurus gegründet. Nach dem Tode des Claudius wurde die Stadt in Forum Claudii Vallensium umbenannt.

Ab 47 folgte der Ausbau der Passroute des Großen St. Bernhard, der den lateinischen Namen Summus Poeninus trug, mit Meilensteinen (Ausgangspunkt: Forum Claudii Vallensium).

69 überschritt ein Teil der Legionen des Vitellius im Winter den Großen St. Bernhard-Pass. Im März überquerte Aulus Caecina Alienus mit seiner Armee den Pass.

Ca. 100 wurde das Amphitheater errichtet und das Forum in Forum Claudii Vallensium vergrössert.

Das Amphitheater von Martigny (F. Claudii Vallensium) im Jahre 2000

Ca. 200 wurde ein Mithräum errichtet.

253 ließ Kaiser Valerian in Forum Claudii Vallensium ein Nymphäum und einen Aquädukt errichten.

275–277 (?) wurden bei Acaunus wahrscheinlich die Alamannen zurückgeschlagen. Die Provinz blieb aber von Zerstörungen verschont. Wirtschaft und Handel erlitten jedoch einen herben Rückschlag.

Ca. 300 weihte Publius Acilius Theodorus dem Sonnengott Mithras in Forum Claudii Vallensium einen Altar.

Legende vom Martyrium der Thebäischen Legion unter dem Hl. Mauritius in Acaunus (Saint-Maurice).

308–312 wurden entlang der Passstraße über den Großen St. Bernhard (Summus Poeninus) neue Meilensteine aufgestellt.

Ab 350 kam es zum allmählichen Niedergang der Stadt und der Civitas Forum Claudii Vallensium. Die Ortschaft wurde wieder vermehrt Octodurus genannt und entwickelte sich außerhalb des römischen Zentrums weiter.

Das Wallis in römischer Zeit

377 bekannte sich in Sitten (Drusumagnos?) der Provinzstatthalter Pontius Asclepiodotus offen zum Christentum und stiftete ein erstes (?) Gotteshaus. Das Christentum setzte sich allmählich gegen die gallo-römischen Religionen und den Mithraskult durch.

381 wurde der Hl. Theodor oder St. Joder von Octodurus erster namentlich bekannter Bischof im Wallis. Er war Teilnehmer an der Synode von Aquileja.

Ca. 350–400 entstand die erste bischöfliche Kathedrale von Octodurus am Stadtrand von Forum Claudii Vallensium. Hierbei wurde ein bestehendes römisches Gebäude umgebaut.

443 wurden unter Aëtius die Burgunden in der Westschweiz angesiedelt.

Um 450 schickte Bischof Eucherius von Lyon die Passion der Märtyrer von Acaunus an den  Walliser Bischof Slavius. Die Passion der Märtyrer von Acaunus ist die erste schriftliche Quelle der Legende des Hl. Mauritius und der Thebäischen Legion.

454 endete nach dem Tod des Aëtius die römische Herrschaft in Gallien. Das Wallis wurde dem burgundischen Königreich eingegliedert.

Das Wallis im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Burgunderkönig Sigismund gründete im Jahr 515 das Kloster Saint-Maurice zu Ehren der Märtyrer der Thebäischen Legion und des Hl. Mauritius. Der Ort Acaunus wurde seitdem Saint-Maurice genannt. Das Kloster Saint-Maurice existiert heute noch und ist somit eines der ältesten Klöster in Europa.

534 wurde das Königreich Burgund nach einer militärischen Niederlage (Schlacht von Autun) ins fränkische Königreich eingegliedert. Der Einfall der germanischen Langobarden über den Grossen St. Bernhard wurde 583 in der Schlacht von Bex gestoppt.

Bischof Heliodor verlegte den Bischofssitz nach dem Langobardeneinfall ab 585 von Octodurus (Martigny) nach Sion. Die Kirche übernahm somit die Verwaltungsstruktur des untergegangenen römischen Imperiums. Das Bistum Sitten gehörte bis 1513 zum Erzbistum Tarentaise/Savoyen. Dieses Erzbistum entsprach geografisch in etwa der antiken römischen Provinz Alpes Graiae und Vallis Poenina.

610 besiegten die Alemannen im Aaretal die Burgunder – ihre Herrschaft ging zurück.

Es kam 614 zu einer Neuordnung des fränkischen Königreiches, es begann die Christianisierung des Oberwallis und eine erste Kirche wurde in Glis bei Brig errichtet.

Hier findet sich die komplette Liste der Bischöfe des Bistums Sitten seit 381:Chronologische Liste der Walliser Bischöfe

Ausbreitung des Christentums im Wallis

Einwanderung der Alemannen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab ca. 800 wanderten allmählich die Alemannen aus dem Berner Oberland ein und zwar über zwei Routen:

Königreich Hochburgund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Rudolf I. gründete im Jahre 888 im Kloster Saint-Maurice das Königreich Hochburgund. Dieses umfasste unter anderem die Grafschaft Wallis. Nach dem Tod des Burgunderkönigs Rudolf II. im Jahre 937 heiratete Hugo König der Lombardei Rudolfs Witwe, Königin Bertha, und erhob Anspruch auf das Königreich Hochburgund. Er stützte sich vor allem am Mittelmeer und im Rhonetal auf die Sarazenen als Krieger und Händler. 938 stützte Otto I., König der Ostfranken, die Erbrechte des minderjährigen König Conrad III., Sohn Rudolfs II., über alle hochburgundischen Gebiete.

939 kam es zur Plünderung der Abtei Saint-Maurice durch die Sarazenen.

Lothar, Sohn von König Hugo, wurde 947 König der Lombardei. Er heiratete Adelheid, Tochter von Königin Bertha aus deren Ehe mit König Rudolf II. Lothar wurde jedoch bereits 950 ermordet. Der ostfränkische König Otto besiegte 951 die aufständischen Lombarden und heiratete Königin Adelheid. Ihr Bruder, König Conrad III., wurde König über Hochburgund. Er besiegte die Sarazenen und vertrieb sie aus dem Wallis.

Die Grafschaft Wallis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 999 überliess der letzte Burgunderkönig Rudolf III. die Grafschaft Wallis dem Bischof Hugo von Sitten als Lehen, das sogenannte Fürstbistum Sitten. Diese Belehnung, resp. Schenkung wurde und wird oft als „Carolina“ oder „Karolina“ bezeichnet, da lange fälschlicherweise angenommen wurde, beim Belehnenden hätte es sich um Kaiser Karl den Grossen gehandelt.

1032 ging das Königreich Burgund-Arelat an den fränkischen König Konrad II., da Rudolf III. ohne rechtmässigen Erben blieb. Das Wallis wurde Teil des Heiligen Römischen Reichs. Der Bischof von Sitten wurde gleichzeitig weltlicher Reichsfürst, sodass das Wallis reichsunmittelbar blieb. Es kam zu einer schnellen Alemannisierung des Oberwallis, einer Besiedlung der Bergtäler zur Sicherung der Alpenpässe und Urbarmachung des Landes. Die Sprachgrenze zwischen Frankoprovenzalisch und Deutsch verschob sich bis Ende des 12. Jahrhunderts nach Leuk.

Im 11. Jahrhundert wurde der Einfluss der Grafen von Savoyen im Wallis immer grösser. Die savoyischen Grafen setzten ihre Bischöfe auf den Stuhl von Sitten. Etliche Gebiete der Grafschaft fielen an das savoyische Hausgut: neben der Grafschaft Chablais am Genfersee Conthey (Gundis), Ering, Ayent und Mörel.

In der ersten Schlacht bei Ulrichen im Jahre 1211 versuchte Berchtold V. von Zähringen in einer Fehde mit dem Grafen von Savoyen Thomas I. das Wallis zu erobern. Ziel war der freie Übergang über den Griespass in die Lombardei. Das Unterfangen scheiterte jedoch mit der Niederlage bei Ulrichen gegen die Truppen des Bischofs von Sitten.

Im 12.–14. Jahrhundert etablierte sich im Oberwallis ein Kleinadel, zum Beispiel die Herren von Turn in Niedergesteln oder die Herren von Ornavasso in Naters um 1250.

Die Herren von Turn entwickelten sich zur wichtigsten Walliser Adelsfamilie. Ihre Stammburg, die Gestelnburg bei Niedergesteln, wurde wahrscheinlich zwischen 1100 und 1150 von Amadeus von Turn erbaut. Amadeus war auch Bischof von Sitten. Die Nachfolger Amadeus versuchten ihre Macht mit Hilfe des Hauses Savoyen im Wallis auszubauen, dies im Gegensatz zur weltlichen Macht des Bischofs. Diese Spannungen gipfeln in Kriegen, die ab 1260 das Wallis verwüsten.

1260 fiel Peter II. von Savoyen im Unterwallis ein, der Bischof verlor alle Besitzungen (Martigny, Ardon und Chamoson) westlich des Flusses Morge.

Bei der Schlacht bei Leuk auf der Seufzermatte im Jahre 1296 stellte sich der mächtige Landadel unter Peter von Turn mit Unterstützung der Savoyer gegen Bischof Bonifaz von Challant in Sitten. Die Landleute und die Stadt Bern unterstützten den Bischof und schlugen den Adel entscheidend. Folgen dieses Krieges waren die Entspannung in den Beziehungen zu Savoyen und die Schwächung des Feudalwesens. Die Landleute (vor allem Bauern) rangen dem Adel allmählich Rechte ab (z. B. die Niedere Gerichtsbarkeit und die Gründung von Bauernzünften und Bruderschaften, aus denen sich ab 1300 die ersten selbstständigen Gemeinden entwickelten.) Die Landleute wurden in Form des Landrates neben Adel und Bischof zur dritten politischen Kraft des Wallis.

1301 kam es zum Friedensvertrag des Bischofs Bonifaz von Challant mit Graf Amadeus V. „der Grosse“ von Savoyen, das Unterwallis wurde nun savoyisch im Tausch gegen die Besitzungen der Savoyer im Oberwallis (Mörel/Grengiols) die um 1337 an den Bischof gingen.

Die Grafschaft Wallis bis zum Friedensvertrag mit Savoyen 1301

Die Walserzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein typischer Walliser Spycher wie er in allen Walsersiedlungen gebaut wurde

Um 1200 scheint das Oberwallis schon sehr dicht bevölkert gewesen zu sein. Wahrscheinlich mit Unterstützung des Adels begannen die Walserzüge zur Besiedlung des noch freien Alpenraumes.

Verschiedene Adelsfamilien wie die Biandrate oder die Ornavasso stammten aus Norditalien; die Biandrate z. B. aus Biandrate in Novara. Die Biandrate besassen um 1237 Güter auf beiden Seiten des Simplonpasses und des Monte Moro Passes (Saastal). Es ist daher zu vermuten, dass sie die Walserzüge aktiv unterstützten und die Südtäler dieser Pässe zur Besiedelung freigaben. Zudem wird vermutet, dass diese Familien treue Vasallen der Staufer waren. Die Stauferkönige hatten wegen ihrer Italienpolitik ein Interesse an gesicherten Alpenpässen. Die Walserzüge endeten im 14. Jh.

Die Walserkultur lebt in vielen der von ihnen besiedelten Orte noch heute in Brauchtum, Baustil, Dialekt und Tradition.

Der 1. Bürger- und Freiheitskrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1342 wurde Witschard Tavelli Bischof von Sitten und geriet 1351 mit Peter III. von Turn bezüglich feudaler Rechte im Oberwallis in Uneinigkeit. Peter V. verlangte vom Bischof das Meiertum des Zenden Leuk, hierfür verbündete er sich mit den Freiherrn von Raron und Aniviers. Nachdem Anhänger von Tavelli Angehörige der Familie Peters in Visp hatten ermorden lassen und in deren Besitzungen in Niedergesteln und Lötschen brandschatzten und plünderten, entlud sich der Volkszorn gegen den Bischof. Die fünf oberen Zenden Goms, Brig, Visp, Raron und Leuk nahmen Partei für Peter III. von Turn. Der Bischof hatte keinen Rückhalt in der Bevölkerung und suchte eifrig Verbündete. Nachdem auch keine päpstliche Hilfe aus Avignon zu erwarten war, wandte er sich an Graf Amadeus VI. von Savoyen, genannt „der Grüne Graf“.

Im Zuge des erfolgreichen Feldzugs des Grünen Grafen im Jahre 1352 kam es zur kampflosen Besetzung der Stadt Sitten. Die Stadt Leuk trat in Verhandlungen ein und die Walliser gelobten dem Grafen Treue und wollten ihn als Oberherrn anerkennen. 1353 stellten die Savoyer Friedensbedingungen: die Wiedereinsetzung des Bischofs, die Erhebung militärischer Kontingente für Savoyen und die Einsetzung des Grünen Grafen als Landvogt für neun Jahre. Nach dem Abzug der savoyischen Truppen kam es erneut zu Aufständen der Walliser. Die oberen Zenden besetzten die Stadt Sitten und es folgte ein erneuter Feldzug der Savoyer. Diesmal wurde die Stadt Sitten von den Savoyern belagert, erobert und niedergebrannt. Nach weiteren Kämpfen und Scharmützeln in den folgenden Jahren beugten sich die Walliser den harten Bedingungen des Grünen Grafen. Anschließend beriefen sich 1354 die Zenden Leuk, Siders und Sitten auf die Reichsunmittelbarkeit und verlangten vom König des Hl. Römischen Reiches Karl IV., dass der Graf von Savoyen diese anerkennen solle. Diese Bemühungen blieben aber erfolglos. 1355 schlossen die Zenden Leuk, Raron, Visp, Brig und Goms ein Schutzbündnis ab.

Entstehung der sieben Zenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Grosspfarreien und den bischöflichen Verwaltungsbezirken des Wallis entstanden vermutlich die so genannten Zenden. Die genaue Entstehung der Zenden liegt im Dunkeln, 1355 wurden sie erstmals urkundlich erwähnt. Die sieben Zenden des Wallis waren Goms, Brig, Visp, Raron, Leuk, Siders und Sitten. Die Zenden entsprachen etwa den heutigen Bezirken des Kantons. Im Spätmittelalter entwickelten sich die Zenden zu eigenständigen Kleinstaaten mit eigenen Richtern, Zendenräten usw. Die einzelnen Zenden schlossen zum Beispiel mit den Eidgenossen Verträge ab, mit Frankreich schloss jeder Zenden separat Söldnerverträge ab.

Der 2. Bürger- und Freiheitskrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1361 kam es zum Friedensvertrag der Sieben Zenden des Wallis mit Savoyen, der Grüne Graf versuchte sich als Schiedsrichter zwischen Peter V. von Turn und Bischof Tavelli: Der Bischof wurde wieder als Landesfürst eingesetzt, Savoyen verzichtete auf Ansprüche im Oberwallis (Status quo von 1301.) Die Kriegskosten sollten von den Zenden übernommen werden. Am 16. Oktober wurde der Bischof beim Versuch, die Zahlungen des Zenden Goms einzufordern, im Dorfe Ernen verhaftet und für 11 Wochen in den Kerker geworfen. Nachdem er die Schulden der Gommer erlassen hatte, wurde er freigelassen.

1364 pflegte der Sohn Peters, Anton von Turn, gute Beziehungen zum Savoyischen Grafen. Die Spannungen mit Bischof Tavelli hielten aber an.

Im Jahre ließen 1375 Gefolgsleute Antons den Bischof Tavelli auf seiner Burg Seta bei Sitten ermorden. Daraufhin erhoben sich die Zenden gegen die Herren von Turn. Anton erhielt Hilfe von Savoyen. Die Stammburg Antons von Turn in Niedergesteln wurde belagert. Anton musste mit seiner Familie nach Savoyen flüchten. Der Grüne Graf beschlagnahmte alle Länder und Schlösser des Bischofs und kaufte der Familie von Turn die Güter im Wallis ab. Damit endete die Herrschaft der Familie von Turn im Wallis.

Als neuer Bischof von Sitten wurde Eduard von Savoyen durch Papst Gregor XI. eingesetzt. Dieser Bischof wurde auf Berufung des großen Schismas 1378 von den Wallisern nicht anerkannt. Papst Clemens VII. in Avignon erkannte Eduard als Bischof von Sitten an, Papst Urban VI. von Rom jedoch nicht. Zudem war Eduard ein Vetter des Grünen Grafen.

1383 wurde nach dem Tode Amadeus' VI. von Savoyen dessen Sohn Amadeus VII., genannt „der Rote Graf“, Graf von Savoyen. Erneut erhoben sich die Landleute unter Führung des Freiherrn Peter von Raron. Die Gestelnburg wurde zerstört und die Bischofsburgen Tourbillon und Seta in Sitten erobert. Die savoyische Verwaltung wurde verjagt.

1385 folgte die Abdankung Bischof Eduards. 1387 kam es im Zuge des Feldzugs Amadeus' VII. zur Rückeroberung Sittens und zu einem Vorstoß bis Leuk

Nach der Sage erlitt das savoyische Ritterheer gegen die Landleute in Visp am sogenannten Mannenmittwoch im Jahre 1388 eine vernichtende Niederlage. Die savoyischen Quellen schweigen sich aber über dieses Ereignis aus, somit muss angenommen werden, dass die Sage nicht den Geschehnissen entspricht. Der Tatsache entspricht, dass um 1384 Rudolf IV. von Greyerz im Namen des savoyischen Grafen das Oberwallis erobern sollte und nach einem verlorenen Gefecht bei Visp den geordneten Rückzug nach Sitten und dann über den Sanetschpass antrat.

Im Jahre 1391 starb der Rote Graf an den Folgen eines Jagdunfalls. 1392 schloss die Mutter des verstorbenen Grafen, Bonne de Bourbon, mit den sieben Zenden Goms, Brig, Visp, Raron, Leuk, Siders und Sitten Frieden. Es kam zur Wiederherstellung der Situation von 1301. Dies hatte zur Folge, dass sich die sieben Zenden als republikähnliche Kleinstaaten endgültig etablierten. Der Landrat des Wallis wurde stärkste politische Kraft im Wallis in Konkurrenz zum Bischof in Sitten, die Freiherren von Raron wurden zur wichtigsten Adelsfamilie im Wallis.

Die Freiherren von Raron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiherren von Raron sind wahrscheinlich seit dem 12. Jh. im Wallis. Vermutlich waren sie mit den Herren von Turn verwandt. Ihre Stammburg war in Raron, dem Hauptort des gleichnamigen Zenden (Bezirks). Heinrich von Raron (ca. 1200 bis 1271) war Bischof in Sitten und einer der ersten Vertreter dieses Adelsgeschlechtes. Die von Raron besassen auch im 13. Jh. im Berner Oberland in Ringgenberg-Brienz Besitzungen (Burg Ringgenberg). Nach der Vertreibung der von Turn 1375 waren sie die reichsten und einflussreichsten Adeligen des Wallis. Der Schwerpunkt ihrer Herrschaft verlagerte sich um 1400 ins Mittelwallis. Peter von Raron war Viztum von Leuk und Anniviers (Eifischtal). Neben der Burg in Raron besaßen sie noch die strategisch wichtige Festung Beauregard am Eingang des Eifischtales. Nach dem Tode Peters von Raron um 1412 wurde sein Sohn Witschard Familienoberhaupt bzw. Nachfolger.

1413 unterstützte Witschard von Raron den deutschen Kaiser Sigismund von Luxemburg im Feldzug gegen Mailand mit 700 Mann. Dafür verlieh ihm der Kaiser die Herrschaft über das Wallis, alle weltlichen Besitzungen und Rechte des Bischofs sollten in den erblichen Besitz der Familie von Raron übergehen. Mit der Folge, dass dieses Vorgehen von den Landleuten als Anmaßung betrachtet wurde. Die Gegner Witschards formierten sich 1414 in Brig und gründeten die Gesellschaft Von dem Hund –  es kam zum Aufstand.

Witschard flüchtete 1415 mit seiner Familie auf die Burg Seta des Bischofs bei Sitten. Diese wurde dann von den Landleuten belagert. Die Landleute zwangen dem Bischof, der ein Neffe Witschards war, den Vertrag von Seta auf. Darin verpflichtete sich der Bischof, das Mitspracherecht des Landrates anzuerkennen – u. a. bei der Wahl des Landvogtes und allen wichtigen Ämtervergaben und Entscheidungen, die das Wallis betrafen. Somit hatte das Bistum den Landrat als politische Kraft erstmals offiziell anerkennen müssen.

1416 wurden mittels Verträgen die Zenden Goms, Brig, Visp, Siders und Sitten Zugewandte Orte der eidgenössischen Orte Unterwalden, Uri und Luzern. Neue Streitigkeiten zwischen Witschard und den Zenden führten zum Bruch des Vertrages von Seta. Witschard verbündete sich mit dem Herzog von Savoyen, dieser ließ Witschard jedoch im Stich. Es kam zur Zerstörung der Burg Beauregard durch die Landleute, sowie zur Zerstörung der bischöflichen Burgen Tourbillon und Montorge.

1417 fand Witschard als Bürger der Aarestadt Bern einen neuen Verbündeten um seine Interessen im Wallis durchzusetzen. Somit stand die Eidgenossenschaft vor einer Spaltung. Die vier unbeteiligten Orte Schwyz, Glarus, Zug und Zürich versuchten zu vermitteln, blieben aber erfolglos. Der Bischof und Witschard von Raron wurden nach Bern ins Exil geschickt, was in Bern für Empörung sorgte. Im Oktober 1418 überfielen Berner Truppen die Stadt Sitten. Die Kathedrale wurde eingeäschert und die Stadt geplündert.

Um einen Bürgerkrieg zwischen den eidgenössischen Orten zu vermeiden, wurde 1419 in Zürich ein Schiedsgericht abgehalten, das Witschard von Raron in allen Punkten Recht gab. Der neue Walliser Bischof weigerte sich, den Schiedsspruch zu unterzeichnen und verließ bei Nacht und Nebel die Stadt. Die Stadt Bern musste nun die Rechte von Witschard mit Gewalt durchsetzen, im Herbst überschritten Berner Truppen den Sanetschpass und den Grimselpass und wollten das Wallis mit einer Zangenbewegung besetzen. Der hereinbrechende Winter und das verlorene Gefecht bei Ulrichen veranlassten die Berner den Feldzug abzubrechen.

1420 kam es zum Friedensschluss durch Vermittlung des Herzogs von Savoyen und des Erzbistums von Tarentaise. Witschard von Raron erhielt seine Besitzungen im Wallis zurück, jedoch war seine politische Macht im Wallis gebrochen. Als Folge verlor das letzte große Adelsgeschlecht seinen Einfluss im Wallis, es gab von nun an nur noch zwei politische Kräfte in der Republik der sieben Zenden – den Bischof und den Landrat.

Das Wallis am Vorabend des Burgunderkrieges

Die Eroberung des Unterwallis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1460 festigte der neue Bischof Walther II. Supersaxo von der Fluhe von Ernen wieder die weltliche Macht des Domkapitels, der Landrat ließ sich dem Bischof unterordnen.

Erfolglos verlangte Rudolf Asperlin im Jahre 1463 die Herrschaft über das Gebiet Anniviers, das den ehemaligen Herren von Raron gehörte. Rudolf Asperlin war mit der Familie von Raron verschwägert, somit sah er sich als legitimen Erben. Bischof Supersaxo widersetzte sich diesen Ansprüchen, Asperlin floh ins savoyische Gebiet nach Bex und führte seinen Rechtsstreit von dort aus weiter. Verschiedene andere Reibereien und Grenzstreitigkeiten mit Savoyen verschlechterten zudem das Verhältnis zwischen Bischof Walter Supersaxo und der Herzogin Jolanda von Savoyen.

1474 träumte Karl der Kühne Herzog von Burgund von einem Reich vom Mittelmeer bis zur Nordsee. Das Heilige Römische Reich (Habsburg) fühlte sich durch die Politik Karls bedroht. Es wurde ein Ewiger Friede der Habsburger mit der Eidgenossenschaft geschlossen. Darauf folgte die Kriegserklärung der Eidgenossen an Karl den Kühnen.

Karl verbündete sich 1475 mit dem Herzogtum Mailand und der Herzogin Yolanda von Savoyen. Somit wurde das Wallis von zwei Seiten bedroht. Am 7. September schloss Bern mit dem Wallis ein Schutzbündnis ab. Es folgte die Eroberung des savoyischen Waadtlandes durch die Berner und ein erfolgloser Angriff der Walliser bei Conthey. Der Bischof von Genf stellte schnell ein Heer zusammen und eilte ins Wallis. Am 12. November stand das savoyische Heer –  rund 10000 Mann mit 1500 Rittern – vor der Stadt Sitten. Am 13. November kam es zur Schlacht auf der Planta. Mit Hilfe der Berner wurde das savoyische Heer geschlagen, dieses setzte sich schnell nach Westen ab. Die nachsetzenden Walliser eroberten das Unterwallis bis nach Saint-Maurice.

1477 annektierte der Bischof die eroberten Gebiete, das Unterwallis wurde Untertanenland der sieben Zenden (Gemeine Herrschaft bis 1792).

Die Eroberungen der Walliser bis 1500

Die Südpolitik des Bischofs Jost von Silenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode Walter Supersaxos wurde Jost von Silenen im Jahre 1482 neuer Fürstbischof von Sitten. Er richtete sein Augenmerk auf die mailändischen Südtäler des Simplonpasses. Hier wollte er die Expansionspolitik seines Vorgängers fortsetzten. Auch die eidgenössische Expansion ins Tessin mag den Bischof dazu inspiriert haben. Der Umstand, dass der Herzog von Mailand 1474 den Savoyern und Karl dem Kühnen Söldner zugesandt hatte, war zudem ein Kriegsgrund.

1484 startete der Bischof nach einem Zwischenfall im Grenzgebiet des Simplonpasses bei Gondo einen ersten Feldzug ins Eschen- und ins Divedrotal. Die Einwohner mussten dem Bischof von Sitten den Treueid leisten, Crevola wurde von den Wallisern besetzt. Im November wurde durch die Eidgenossen zwischen dem Herzog von Mailand und den Wallisern ein Waffenstillstand vermittelt. Bei der schriftlichen Fassung des Friedensvertrags wurden vom Herzog von Mailand neue Bedingungen eingeschmuggelt. Die Leute vom Eschental sollten aus dem Treueid des Bischofs von Sitten entlassen werden. Ein Schiedsgericht der eidgenössischen Orte sollte darüber entscheiden. Die Mitglieder der Eidgenössischen Tagsatzung wurden vom Herzog bestochen. Die Walliser weigerten sich aber, die Südtäler zu räumen, worauf ein Rechtsstreit entstand, der als Walliserhandel in die Geschichte einging.

Im Jahre 1487 kam es zu einem endgültigen Entscheid im Walliserhandel durch die Eidgenössische Tagsatzung zugunsten Mailands. Daraufhin erklärte der Heerführer der Walliser – der Bruder Josts von Silenen, Ritter Albin von Silenen – dem mailändischen Herzog den Krieg. Die Niederlage der Walliser bei Domodossola und Crevola gegen den Herzog von Mailand hatte den Verlust des Eschentals und des Divedrotales und die endgültige Grenzziehung bei Gondo zur Folge.

1495 wurde zwischen Mailand und den Sieben Zenden ein Friedensvertrag abgeschlossen, den Jost von Silenen akzeptieren musste. Der Friedensvertrag wurde von Georg Supersaxo (auch Jörg uff der Flüe genannt) vermittelt, dieser war ein Anhänger der Mailändischen Partei im Wallis und wurde so zum gefährlichsten Gegenspieler des Bischofs. Der Bischof als Anhänger des französischen Königs versuchte die Söldneranwerbungen, die Supersaxo für Mailand unternahm, zu verbieten. Als 1496 eine Kampagne des Bischofs gegen Supersaxo fehlschlug, holte dieser zum Gegenschlag aus und erreichte mit der Ergreifung der Mazze dessen Absetzung. Am 13. April verließ Jost von Silenen das Wallis für immer, er fand Aufnahme beim König von Frankreich.

Die Ära Schiner-Supersaxo 1498–1522[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicolaus Schiner wurde zum bischöflicher Nachfolger des abgesetzten Jost von Silenen bestimmt. Um diesen Wechsel kirchenrechtlich absegnen zu lassen, sandte Supersaxo seinen Sekretär Matthäus Schiner (* 1465; † 1522), der seinerseits der Neffe des neuen Bischofs war, als Diplomaten nach Rom. Nach dem Tode von Nicolaus Schiner rückte 1498 Matthäus selber auf den Bischofsstuhl in Sitten. Von nun an prägte eine der grössten Persönlichkeiten ihrer Zeit die Geschicke des Wallis, siehe hierzu den Artikel Matthäus Schiner. Im Jahre 1512 erhielt das Wallis als Zugewandter Ort von Papst Julius II. eigens einen wertvollen «Juliusbanner» für die 1508–1510 im «Grossen Pavier Feldzug» geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.[2]

Früh-Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Wallis (Johannes Stumpf, Christoph Froschauer: Landtaflen, 1556)

Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1535 setzte sich unter Beiwirken Berns in der Stadt Genf die Reformation durch. Karl III., Herzog von Savoyen, verhängte als Gegenreaktion eine Lebensmittelsperre über die Stadt Genf. Hierauf erklärte Bern am 16. Januar 1536 Savoyen den Krieg. Bern besetzte kampflos das savoyische Waadtland und die Stadt Genf. Der Reformation stand man im Wallis aber eher ablehnend gegenüber. Ende Januar zogen die Sieben Zenden des Wallis deshalb ihre Truppen bei Saint-Maurice an der Grenze zusammen. Als die Berner Truppen nun ins Chablais vorstiessen, besetzten die Walliser das linke Rhoneufer und stiessen bis zum Genfersee vor, dann westwärts bis über Evian an den Fluss Drance, also auf savoyisches Gebiet. Somit wurde ein weiteres Vorgehen der Berner im Rhonetal vereitelt. (1528 hatte das Wallis mit Savoyen einen Friedensvertrag abgeschlossen, in dem auf gegenseitige Eroberungen verzichtet wurde.) Um die Besetzung der savoyischen Gebiete zu legitimieren, wurden die dortigen Gemeinden aufgefordert, um militärischen Schutz zu bitten. Die Zenden garantierten ihnen dann, den katholischen Glauben zu schützen. Ferner wurde dem Herzog versprochen, die besetzten Gebiete an Savoyen zurückzugeben, wenn Bern dies ebenfalls tun würde.

1544/45 erschien bei Sebastian Münster in Basel die erste Karte des Kantons Wallis, die zugleich die erste Karte eines einzelnen Kantons und eine der ersten Regionalkarten im Gebiet der Alpen ist. Ihr Autor ist der Priester Johann Schalbetter.

Als 1564 Bern die Gebiete südlich des Genfersees an Savoyen zurückgab, weigerten sich die Walliser, das Gleiche zu tun. Erst 1569 einigten sie sich mit dem Herzog von Savoyen und gaben die Landvogteien Evian und Hochtal an Savoyen zurück. Die Landvogtei Monthey, die dem Wallis den Zugang zum Genfersee sicherte, blieb jedoch Untertanenland der Sieben Zenden.

In der frühen Neuzeit war die Hexenverfolgung im Wallis sehr verbreitet, es gab mehr Opfer als in den meisten anderen Gebieten Europas.

Um 1585 entstanden in Sitten und Leuk reformierte Laienverbindungen, deren Mitglieder sich regelmässig zu gemeinsamer Bibellektüre, Diskussionen, Gebet und Gesang trafen. 1591 versuchte der Bischof erstmals diese reformierten Glaubenspraktiken zu unterbinden. 1603 kamen ihm die oberen Zenden, die katholischen eidgenössischen Orte und Frankreich zu Hilfe. 1604 beim sogenannten Visper Abschied mussten die Reformierten auswandern oder zu dem katholischen Glauben zurückkehren.

Im 16. Jahrhundert setzen die Zehnden ihre Unabhängigkeit vom Bischof durch. Der Landrat, worin Vertreter der Zenden und Gemeinden Einsatz nahmen, schrieb 1613 Freiheit (vom Bischof) und Demokratie fest. Der damalige Bischof Hildebrand Jost protestierte zwar erfolglos dagegen, und er gab erst 1634 seinen Widerstand gegen diese neue Ordnung auf.[3]

Siehe auch: Liste der Bischöfe von Sitten

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Eindruck der französischen Revolution brachen 1798 in der Landvogtei Monthey Unruhen aus – die Bürger wollten die politische Gleichberechtigung und Selbstbestimmung im Wallis. Der Landvogt wurde vertrieben, unter französischem Einfluss wurde die Revolution weiter ins Wallis getragen, Martigny schloss sich den Aufständischen an. In der Pfynschlacht (27.–28. Mai 1799) wurden die Walliser von den französischen Truppen besiegt. Das ganze Wallis wurde von den napoleonischen Revolutionstruppen besetzt. Das war das Ende der Republik der sieben Zenden und des Oberwalliser Patriziats..

Ferdinand Venetz

Hauptmann Ferdinand Venetz, 1764–1822, Kommandant der aufständischen Oberwalliser während der Pfynschlacht 1799

In napoleonischer Zeit wurde das Wallis nach der Eroberung durch französische Revolutionstruppen 1802 zunächst unabhängige Republik Wallis und ab 1810 französisches Département du Simplon. Nach dem Zusammenbruch des französischen Empires im Jahre 1813 marschierten die Österreicher im Wallis ein.

1815 folgte das Wallis wie Genf und Neuenburg auf Empfehlung Österreichs einem Beschluss des Wiener Kongresses, der Schweizer Eidgenossenschaft beizutreten, die damit ihre heutige territoriale Größe erreichte. Eine erste Verfassung wurde von weiteren Verfassungen in den Jahren 1839, 1844, 1848, 1852 und 1875 abgelöst.

1845 schloss sich der Kanton mit den sechs anderen katholischen Kantonen der Schweiz zum Sonderbund zusammen, der aber im Sonderbundkrieg 1847 gegen die eidgenössischen Truppen unterlag und damit sein Ende fand. Das Wallis war der letzte Kanton, der kapitulierte.

Anleihe über 500 Franken des Kantons Wallis vom 31. Dezember 1924

Nach dem verheerenden Rhone-Hochwasser von 1860 begann mit Unterstützung durch Bundesmittel 1863 die 1. Rhonekorrektion, um weitere erhebliche Hochwasserschäden einzudämmen und landwirtschaftliche Anbauflächen zu gewinnen. Diese Maßnahme wurde 1894 beendet.

Am 14. Juli 1865 wurde das Matterhorn, der bekannteste Berg der Walliser Alpen, von einer Siebener-Seilschaft, darunter vier Engländer und ein Franzose, das erste Mal bestiegen. Der Tourismus entdeckt auch das Wallis.

Mit der Eröffnung des Simplontunnels im Jahr 1905 erhielt das Wallis eine Eisenbahnverbindung nach Italien. 1913 folgte die Verbindung ins Berner Oberland durch die Lötschberglinie. Damit gab es eine direkte Bahnverbindung zwischen Bern und Mailand über das Wallis, neben der Gotthardstrecke die zweitwichtigste Alpenpassage der Schweiz.

Nach weiteren Hochwasser-Katastrophen wurde 1930–1960 eine zweite Rhonekorrektion nötig.

Am 8. März 1907 trat die noch heute gültige Kantonsverfassung in Kraft.

Am 12. April 1970 erhielten die Walliserinnen das kantonale Stimmrecht. Damit war das Wallis der siebte Kanton, in dem Frauen auf kantonaler Ebene die gleichen Stimmrechte wie Männer hatten. (Der letzte Kanton war Appenzell Innerrhoden 1990.) Im März 1971 wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht auf Bundesebene eingeführt. Die Schweiz war somit eines der letzten europäischen Länder, das seiner weiblichen Bevölkerung die vollen Rechte als Bürgerinnen zugestand.

Im Jahr 2000 beschloss der Große Rat des Kantons, die dritte Rhone-Korrektion einzuleiten, um die nach wie vor auch zerstörerische Kraft der Rhone noch besser zu bändigen und aus heutiger Sicht gemachte Fehler der vorigen Korrektionen zur korrigieren. Die Maßnahme soll bis 2030 dauern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Truffer und andere: Wallis. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Gregor Zenhäusern: Sitten (Fürstbistum). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Ebnöther, Christa (Red.): Vallis Poenina: das Wallis in römischer Zeit: 1. Jh. – 5. Jh. nach Chr. Kantonales Museum für Archäologie, Sitten 1998, ISBN 2-88426-039-0.
  • Gerold Walser: Summus Poeninus. Beiträge zur Geschichte des Grossen St. Bernhard-Passes in römischer Zeit (= Historia Einzelschriften. Heft 46). Franz Steiner, Stuttgart 1984, ISBN 3-515-04183-4.
  • Fibicher, Arthur: Walliser Geschichte. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Rotten, Visp 2004.
  • Gattlen, Anton: Die älteste Walliserkarte. In: Cartographica Helvetica. Heft 5, 1992, S. 31–40 (Volltext).
  • Das Wallis vor der Geschichte: 14000 v. Chr.–47 n. Chr. Kantonsmuseen, Sitten [1986].
  • Louis Carlen: Kultur des Wallis 1500–1800. Rotten, Brig 1984.
  • Blätter aus der Walliser Geschichte (BWG). Band 1 (1889/95) ff. Geschichtsforschender Verein Wallis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieser Abschnitt folgt Bernard Truffer: Wallis. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Januar 2018, abgerufen am 6. Juni 2019.
  2. Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund: Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. 126/7 (1973/4). doi:10.5169/seals-118647
  3. Caroline Schnyder: Reformation und Demokratie im Wallis (1524–1613), Mainz 2002, Seiten 33–42