Boizenburg/Elbe

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Dieser Artikel befasst sich mit der der Stadt Boizenburg/Elbe in Mecklenburg-Vorpommern. Für weitere Bedeutungen von Boizenburg siehe Boizenburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Boizenburg/Elbe
Boizenburg/Elbe
Deutschlandkarte, Position der Stadt Boizenburg/Elbe hervorgehoben
53.36666666666710.7166666666679Koordinaten: 53° 22′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 47,26 km²
Einwohner: 10.254 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19258
Vorwahl: 038847
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 014
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kirchplatz 1
19258 Boizenburg/Elbe
Webpräsenz: www.boizenburg.de
Bürgermeister: Harald Jäschke (parteilos)
Lage der Stadt Boizenburg/Elbe im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Brandenburg Niedersachsen Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Nordwestmecklenburg Banzkow Plate Plate Sukow Bengerstorf Besitz (Mecklenburg) Brahlstorf Dersenow Gresse Greven (Mecklenburg) Neu Gülze Nostorf Schwanheide Teldau Tessin b. Boizenburg Barnin Bülow (bei Crivitz) Crivitz Crivitz Demen Friedrichsruhe Tramm (Mecklenburg) Zapel Dömitz Grebs-Niendorf Karenz (Mecklenburg) Malk Göhren Malliß Neu Kaliß Vielank Gallin-Kuppentin Gischow Granzin Obere Warnow Gehlsbach (Gemeinde) Kreien Kritzow Lübz Lübz Marnitz Passow (Mecklenburg) Siggelkow Suckow Tessenow Gehlsbach (Gemeinde) Werder (bei Lübz) Goldberg (Mecklenburg) Dobbertin Goldberg (Mecklenburg) Mestlin Neu Poserin Techentin Goldberg (Mecklenburg) Balow Brunow Dambeck Eldena Gorlosen Grabow (Elde) Karstädt (Mecklenburg) Kremmin Milow (bei Grabow) Möllenbeck (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Muchow Prislich Steesow Zierzow Alt Zachun Bandenitz Belsch Bobzin Bresegard bei Picher Gammelin Groß Krams Hoort Hülseburg Kirch Jesar Kuhstorf Moraas Pätow-Steegen Picher Pritzier Redefin Setzin Strohkirchen Toddin Warlitz Alt Krenzlin Bresegard bei Eldena Göhlen Groß Laasch Leussow Lübesse Lüblow Rastow Sülstorf Uelitz Warlow Wöbbelin Blievenstorf Brenz (Mecklenburg) Neustadt-Glewe Neustadt-Glewe Cambs Dobin am See Gneven Pinnow (bei Schwerin) Langen Brütz Leezen (Mecklenburg) Pinnow (bei Schwerin) Raben Steinfeld Domsühl Domsühl Obere Warnow Groß Godems Zölkow Karrenzin Lewitzrand Rom (Mecklenburg) Spornitz Stolpe (Mecklenburg) Ziegendorf Zölkow Barkhagen Ganzlin Ganzlin Ganzlin Plau am See Blankenberg (Mecklenburg) Borkow Brüel Dabel Hohen Pritz Kobrow Kuhlen-Wendorf Langen Jarchow Mustin (Mecklenburg) Sternberg Sternberg Weitendorf (bei Brüel) Witzin Zahrensdorf Zahrensdorf Dümmer (Gemeinde) Holthusen Klein Rogahn Klein Rogahn Pampow Schossin Stralendorf Warsow Wittenförden Zülow Wittenburg Wittenburg Wittenburg Wittendörp Gallin Kogel Lüttow-Valluhn Vellahn Zarrentin am Schaalsee Boizenburg/Elbe Ludwigslust Lübtheen Parchim Parchim Parchim HagenowKarte
Über dieses Bild

Boizenburg/Elbe ist eine Stadt im Westen des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Stadt ist Verwaltungssitz des Amtes Boizenburg-Land, dem elf Gemeinden angehören, ist selbst aber amtsfrei.

Boizenburg profitiert von der Lage in der Metropolregion Hamburg und verzeichnet Einwohnerzuwächse. Sie ist die westlichste Stadt Mecklenburgs und liegt am rechtselbischen Ufer der Elbe an der Grenze zu Niedersachsen. Zudem fließt die Boize durch das Stadtgebiet, das im Naturpark Mecklenburgisches Elbetal eingebettet ist.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Bahlen
  • Bahlendorf
  • Gehrum
  • Gothmann
  • Heide
  • Metlitz
  • Schwartow
  • Streitheide
  • Vier[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Die Boize - geheimnisvolle Namensgeberin der Stadt

Der Name der Stadt verweist auf eine ehemalige Burg an dem Fluss Boize. In alten Urkunden wird dieser Name zunächst nur als Landschaftsbezeichnung gebraucht. Die älteste Erwähnung[3] als territorio boyceneburg[4] findet sich in einer Urkunde Heinrich des Löwen aus dem Jahre 1171 , dann in einem Dokument von 1223 die terra boyzenburc[5] und schließlich im Ratzeburger Zehntregister von 1230 die terra boyceneburch. In einer Bestätigung des Grafen Gunzelin von Schwerin aus dem Jahre 1255[6] wurde dann erstmals[7] eine Stadt mit dem Namen Boitzenborg erwähnt. Dieser zusammengesetzte Ortsname ist deutschen Ursprungs.[8] Ungeklärt sind dagegen Herkunft und Bedeutung des bestimmenden Gewässernamens Boize. Ein deutsch-sprachlicher Erklärungsversuch[9] will ihn von niederdeutsch bõke bzw. boic, also Buche ableiten.[10] Der Name der Stadt bedeutete dann soviel wie Buchenwaldburg.[11] Demgegenüber deutet der slawisch-sprachliche Erklärungsansatz[12] Boize wahlweise als Fluss der Bethenzer oder Umkämpfter Fluss, letzteres abgeleitet von dem slawischen Wort boj für Kampf.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Name mit einem t, also Boitzenburg geschrieben.

Mittelalter[Bearbeiten]

Nach dem Abwandern der Elbgermanen besiedelten ab dem 8. Jahrhundert Abodriten das Land an der Boize. Durch dieses Gebiet verlief ein Fernweg vom Harz in den Ostseeraum, der bei Gothmann die Elbe und dann im heutigen Stadtgebiet die Boize durchfurtete. Im Fürstengarten entstand zur Überwachung des Handelsweges im 9. Jahrhundert eine slawische Niederungsburg mit Graben, Erdwall und hölzernen Palisaden. Diese einfache Befestigung diente zugleich als untergeordnetes Verwaltungszentrum und Handelsplatz. Ob neben dem Burgwall bereits zu slawischer Zeit eine Siedlung bestand, konnte bislang durch Grabungsfunde noch nicht belegt werden.

Der letzte Polabenfürst Pribislaw wurde von seinem Volk aufgrund seines christlichen Glaubens verjagt. Daraufhin vergab Heinrich der Löwe Polabien 1142 als erbliches Lehen an Heinrich von Badewide. Den wirtschaftlich und militärisch bedeutsamen Elbübergang bei Gothmann, die Burg an der Boize und das Land Boizenburg behielt der Sachsenherzog jedoch für sich. In der Burg wurde eine Zollstelle eingerichtet, von der aus der Salzhandel zwischen Lüneburg und dem Ostseeraum auf dem Boizenburger Frachtweg besteuert wurde.[13] Zur Verwaltung des Landes Boizenburg setzte Herzog Heinrich den Grafen Meinricus ein, der die vordem slawische Burg um einen steinernen Wohnturm erweiterte.[14] Für das Gesinde entstand südöstlich der Burg eine Siedlung, das spätere Altendorf. Ab der Verbannung des Sachsenherzogs 1181 unterstand das Land Boizenburg zunächst seinem Lehnsmann Bernhard I.. Dieser errichtete zur Sicherung des Elbüberganges bei Gothman gegen Einfälle aus dem nun feindlichen Süden noch im gleichen Jahr auf dem Bollenberg die hölzerne Befestigung castrum wotmunde. Spätestens mit der Niederlage Bernhards in der Schlacht bei Boizenburg 1191 gegen seinen Sohn verlor das Land Boizenburg seine administrative Sonderstellung und gehörte von nun an zur Grafschaft Ratzeburg.

Die Zugehörigkeit Boizenburgs zur Grafschaft Ratzeburg war nur von kurzer Dauer. 1201 fiel diese an die Dänen, deren König Waldemar II. auch das Land Boizenburg eroberte und das castrum wotmunde niederbrannte. Anschließend legte er Boizenburg zur Grafschaft Schwerin. Als deren Grafen abtrünnig wurden und einen Verbündeten des Dänenkönigs angriffen, entsandte Waldemar II. ein Heer unter seinem Statthalter Albrecht von Orlamünde, der 1208 die Burg und das wieder aufgebaute castrum wotmunde zerstörte und das Land Boizenburg verwüstete. Die bis zur Schlacht bei Bornhöved im Jahr 1227 währende dänische Herrschaft brachte Boizenburg jedoch nicht nur Zerstörung. Die Marienkirche wurde in dieser Zeit errichtet und zwischen dem Kirchplatz und der Niederungsburg entstand eine Kaufmannskolonie.

Im Jahre 1241 verwaltete sich diese Kaufmannskolonie bereits selbst. Sie verfügte mit Heinrich von Zweedorf über einen Ratsvorsitzenden und weitere Ratsmänner, und in einer Urkunde vom 22. Juli 1255 kaufen Boizenburger Bürger ein Vorwerk an der Boize. Aufgrund dieses Nachweises vom Vorhandensein einer Bürgerschaft feierte die Stadt Boizenburg 2005 ihr 750-jähriges Jubiläum. Offiziell erhielt die Kaufmannssiedlung das Lübecker Stadtrecht jedoch erst 1267 verliehen.[15]

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ehemaliges Postamt

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die weitere Burganlage auf dem hohen Elbufer, dem Schlossberg, durch die abrückenden Dänen zerstört. Im Jahr 1709 fielen einem Stadtbrand das Rathaus, ein Großteil der mittelalterlichen Kirche und über 160 andere Häuser zum Opfer. Die Kirche wurde 1709 auf den geringen Resten im barockem Stil wieder aufgebaut und auch das Rathaus wurde 1712 als barockes Fachwerkhaus neu errichtet. Nach und nach entstanden zumeist im 18. Jahrhundert die Wohnhäuser als Fachwerkhäuser und später als klassizistische Putzbauten. 1793 wurde bereits die Lemmsche Bootswerft gegründete und ab 1852 zu einem Industriebetrieb ausgebaut, die Holz- und Stahlschiffe baute.

Nachdem 1826 bereits die HamburgBerliner Chaussee, die heutige Bundesstraße 5, eröffnet wurde, zog die Eisenbahn 1846 mit der Inbetriebnahme des gleichen Streckenabschnittes nach. Daran angeschlossen wurde 1890 die Stadt- und Hafenbahn.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Katholische Heilig-Kreuz-Kirche in Boizenburg

Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Werft Thomsen & Co. insgesamt mehrere hundert sowjetische, polnische, französische, niederländische und belgische Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie lebten unter unmenschlichen Bedingungen in einem Ostarbeiterlager auf dem Elbberg. Von 1944 bis 1945 wurde danach an gleicher Stelle das Außenlager KZ Boizenburg („KZ Vier“) des KZ Neuengamme errichtet, in dem etwa 450 Frauen (meist ungarische Jüdinnen) interniert waren. Die SS trieb die Lagerinsassen am 28. April 1945 in Richtung Wöbbelin, doch sie, wie auch die Gefangenen im KZ Wöbbelin, wurden nach Kapitulation der 21. Deutschen Armee am 2. Mai 1945 bereits in Groß Laasch von der 82. US-Airborne Division befreit.

Nach der deutschen Teilung wurde Boizenburg eine isolierte Grenzstadt. 1952 mussten in der Aktion Ungeziefer viele Bewohner den Ort zwangsweise verlassen. Die Verbliebenen unterlagen starken und mit dem Mauerbau 1961 weiter verschärften Kontrollen durch die DDR-Behörden. Tourismus konnte sich deshalb nicht entwickeln. Boizenburg lag bis in die 1970er Jahre im direkten Sperrgebiet entlang des Verlaufs der innerdeutschen Grenze. Der Kontrollpunkt lag zwischen Zahrensdorf und Neu Gülze und wird heute als Einfamilienhaus genutzt. Zum Einreisen in die Fünf-Kilometer-Sperrzone war ein Passierschein notwendig. Mit Ausbau der Grenzsicherungsanlagen wurde die Kontrollstelle für das Grenzgebiet weiter in Grenznähe verlegt. Grund dafür war, wie auch in Dömitz oder Lenzen (Elbe) die schwierige Kontrollsituation von Städten, die für das Umland zentrale infrastrukturelle Funktion hatten. Spötter meinten, dass dadurch die DDR das „Zaungeld“ (einen Gehaltszuschlag für Bewohner des Sperrgebietes) für die Einwohner von Boizenburg einsparen würde.

Reste des letzten Kontrollpunktes sind bis heute erhalten, dort hat sich nach der Wende ein Imbiss mit dem Namen „Checkpoint Harry“ niedergelassen. Die Reise nach Boizenburg wurde aber dennoch streng kontrolliert, vor allem bei Bahnreisenden. Wer in Richtung Boizenburg fuhr, wurde durch die Transportpolizei (Trapo) nach seinem Reiseziel gefragt. So waren Hafen- und Grenzbesichtigungen nicht gestattet. Ein Antrag für Besuche von Verwandten und Bekannten war nach dem veränderten Sperrgebietsverlauf um Boizenburg nicht mehr notwendig.

Die Elbewerft begann 1973 mit der Produktion von Binnenfahrgastschiffen für die Sowjetunion. Im Jahre 1997 wurde sie wegen Insolvenz geschlossen. Auf dem Werftgelände sollten um 2009 wieder kleinere Aktivitäten für den Schiffbau erfolgen. Die Stadt- und Hafenbahn wurde 1980 durch Busse und LKW abgelöst.

Von 1960 bis 1985 entstanden die großen Wohngebiete Ziegelberg und Schwartower Steig mit 579 bzw. 618 Wohnungen in Plattenbauweise.

Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit dem Rathaus, den Wallanlagen und dem Hafenbereich unter anderem im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert.

Politik[Bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die Sitze der Stadtvertretung wie folgt auf die einzelnen Parteien und Listen:

Kommunalwahl 2014 in Boizenburg
Wahlbeteiligung 39,42 %
 %
40
30
20
10
0
38,11 %
28,19 %
19,57 %
10,29 %
2,96 %
0,85 %
Partei / Liste Sitze
CDU 9
SPD 7
Die Linke 5
Bürger für Boizenburg 3
NPD 1

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 36 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Blau eine goldene Burg mit gezinnter Mauer und geöffneten Torflügeln; darüber ein Turm mit drei Fenstern und Kuppeldach, flankiert von Seitenflügeln mit je vier Fenstern und gegipfeltem Dach, beide Dächer mit einem Knopf besteckt.“[16]

Das Wappen wurde 1995 von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick neu gezeichnet.

Flagge[Bearbeiten]

Flagge der Stadt Boizenburg/Elbe

Die Flagge der Stadt Boizenburg/Elbe ist gleichmäßig längsgestreift von Gold (Gelb) und Blau; in der Mitte liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des goldenen (gelben) und des blauen Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.[16]

Partnerstädte und Partnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte

Partnerschaften

  • 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Graben um die Boizenburger Innenstadt
Fachwerk-Rathaus von Boizenburg
St.-Marien-Kirche
Heimatmuseum, Markt 1, der Bau ist dem Schweriner Hofbaumeister Georg Adolph Demmler zugeschrieben[17]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Boizenburg/Elbe

Innenstadt[Bearbeiten]

Die Innenstadt ist von einer ringförmigen mittelalterlichen Wallanlage umgeben. Der „Wall“ ist auf ganzer Länge mit Linden aus dem späten 19. Jahrhundert bestanden und beidseitig von Gräben umschlossen. Die vielen kleinen Fachwerkhäuser, die unmittelbar an den inneren der beiden Gräben grenzen und das gesamte Stadtbild maßgeblich prägen, sind über 45 Brücken mit dem Mittelwall verbunden, was der Elbestadt auch den Namen „Klein Venedig des Nordens“ einbrachte. Besonders reizvoll ist auch der sogenannte „Wallpavillion“, ein kleiner sechseckiger Bau, der, von einem Morgenstern bekrönt, unmittelbar über den Wassern des Wallgrabens steht und ebenfalls über eine Brücke mit dem Wall verbunden ist. Die Lindenallee des Kurzen Walls soll seit 1789 bestehen.

Nach dem Stadtbrand von 1709 wurde die Stadt, auch im Sinne des Brandschutzes, mit schachbrettartigem Grundriss wieder aufgebaut. Zu dieser Zeit erhielt die Stadt ihre barocke Prägung. Einige Fachwerkhäuser wie Wallstraße 32, Klingenbergstraße 39, Große Wallstraße 19 (Sparkasse) (18. Jh.), Reichenstraße 1, 15 und 17, Königsstraße 24, Fiefhusen 6 bis 8 und im Bollenberg sind bemerkenswert und gut saniert.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathaus: Ein bedeutendes Beispiel barocker Fachwerksbaukunst ist das freistehende Boizenburger Rathaus auf dem Marktplatz aus dem Jahr 1711. Es ist ein zweistöckiger Fachwerkbau mit Laubengang, getragen von hölzernen Stützen, und dem abgewalmten Mansarddach mit einem Laternentürmchen.
  • Die dreischiffige, evangelische St.-Marien-Kirche liegt am Markt. Die Ursprünge ihres Baus sind romanisch, es gibt aber zum großen Teil auch gotische Bauelemente. Nach dem Stadtbrand von 1709 wurden Veränderung des Baus im Stil der Barockzeit vorgenommen. Die Pfarrkirche erhielt einen neuen Turm. Eine Besonderheit ist die Turmhaube: Aus dem quadratischen Grundriss des Turms formt sich eine achtseitige Laterne, von der aus man eine gute Aussicht über die Stadt und die Elbtalaue hat. Es gibt neugotische Anbauten von 1860 bis 1865 sowie einen gläsernen Einbau innerhalb der vormaligen Apsis, der aus den 1980er Jahren stammt. Die Innenausstattung des Gotteshauses ist neogotisch, so auch die romantische Orgel des Schweriner Hoforgelbauers Friese von 1892. Erhalten sind der barocke Altar und die Kanzel, die nach dem Stadtbrand des 18. Jahrhunderts von einer Hamburger Kirche gestiftet wurden.
  • Erstes Deutsches Fliesenmuseum Boizenburg, Reichenstraße 4: Zweigeschossiges verklinkertes Giebelhaus, seit 1998 Museum
  • Ehemaliges Postamt, Markttorstraße 5: Zweigeschossiger Gründerzeitbau
  • Heimatmuseum Boizenburg, Markt 1: Dreigeschossiges ehemaliges Wohnhaus das planerisch dem Schweriner Hofbaumeister Georg Adolph Demmler zugeschrieben wird.
  • Katholische Heilig-Kreuz-Kirche
  • Wohn- und Geschäftshaus, Klingbergstraße 39: Das zweigeschossige Fachwerkhaus ist eines der ältesten seiner Art.

Stadthafen Boizenburg[Bearbeiten]

Unmittelbar am westlichen Rand der Altstadt liegt der neu gestaltete (Planung von Schweitzer, Berlin) Hafen mit Liegeplätzen für Sport- und Segelboote. Die Nähe zur Elbe, Sude und Boize verschafft ihm nicht nur im Mittelalter eine attraktive Lage. Das alte Werftgelände wird dabei neuen Nutzungen zugeführt. Die Verbindung zur nahen Altstadt ist noch nicht optimal ausgebaut. Attraktiv ist angrenzend „De lütte Marsch“, eine unverbaute Niederung.

Natur[Bearbeiten]

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Denkmal für die Gefallenen von 1870/71
  • Denkmal für die Gefallenen von 1914/18
  • Denkmal aus dem Jahre 1969 von G. Zecher auf der Elbbergkuppe zur Erinnerung an die Opfer des Außenlagers des KZ Neuengamme
  • Ehrenmal von 1948 auf dem Hauptfriedhof für die Opfer des Faschismus
  • Gedenkstein von Anfang der 1960er Jahre auf dem Hauptfriedhof für 24 Opfer von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit

Wirtschaft[Bearbeiten]

Fliesenwerk, Süßwarenproduktion, CD/DVD-Produktion, Printmaschinenbau, Schlauchproduktion, Folienherstellung, Fleischverarbeitung, Stahlbau

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Boizenburg:

Vier:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boizenburg/Elbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. § 2 der Hauptsatzung (PDF; 97 kB) der Stadt
  3. Die häufig als Ersterwähnung angeführte Dotationsurkunde Heinrich des Löwen aus dem Jahr 1158 ist eine Fälschung aus dem 13. Jahrhundert, Karl Jordan, Die Bistumsgründungen Heinrich des Löwen. Untersuchungen zur Geschichte der ostdeutschen Kolonisation, Leipzig 1939. Einzelheiten dazu hier
  4. Mecklenburgisches Urkundenbuch I, Urkunde Nr. 101
  5. MUB I, Nr. 290
  6. MUB II, Nr. 755[1]
  7. Allerdings erwähnt bereits MUB I, 529 Heinrich von Zweedorf und die übrigen anwesenden Ratsmänner von Boizenburg, aber die Amtsbezeichnung als Bürgermeister wird für Heinrich von Zweedorf noch nicht verwendet.
  8. Ernst Eichler und Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock, 2002, Seite 24, ISBN 3-935319-23-1
  9. Hans Walter: In: Eichner/Mühlner, ebenda, Seite 47; Dieter Greve: Flurnamenatlas für das südliche Westmecklenburg, Band I, 89 Seiten, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-25-8. Diese Deutung geht zurück auf den Boizenburger Heimatforscher und Museumsgründer Hans Vick (1893–1966) der auf Boken für das 15 km nordwestlich gelegene Büchen verweist.
  10. Problematisch an dieser Deutung ist die Dauerhaftigkeit von Gewässernamen. Diese sind meist sehr alt, was gegen eine Namensgebung durch deutsche Zuwanderer des 12. Jahrhunderts sprechen würde. Zu dem sind Flussauen keine geeigneten Standorte für Buchenwachstum. Zweifelhaft ist auch der Hinweis auf niederdeutsch boic oder boik für Buche: Eine solche Schreibweise findet sich nicht in zeitgenössischen Texten und ist dem Niederdeutschen generell fremd.
  11. So ausdrücklich Walter, a. a. O., Seite 47
  12. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46 (1881), S. 3–168 [2]; Richard Hagen und Uwe Wieben: Ein Überblick über die Geschichte der Stadt Boizenburg bis 1917, Seite 8 f., in: Rat der Stadt Boizenburg (Hrsg.): Boizenburg. Beiträge zur Geschichte der Stadt. 1255–1280. Schwerin 1980
  13. MUB I, 221 aus dem Jahre 1216 berichtet davon, bereits Heinrich der Löwe habe die Hamburger Kaufleute von der Zahlung des Zolls in Boizenburg befreit
  14. Meinricus wird erwähnt als Zeuge in Urkunden Heinrich des Löwen aus den Jahren 1163 (MUB I, 80), 1167 (MUB I, 88), 1169 (MUB I, 91) 1170 (MUB I, 96) und 1171 (MUB I, 99)
  15. MUB I, Nr. 1127 [3]
  16. a b § 1 der Hauptsatzung (PDF; 97 kB) der Stadt
  17. Museum Boizenburg, museum-boizenburg.de, abgerufen am 17. September 2012
  18. Erika Will: Hermann Burmeister, ein bemerkenswerter Mecklenburger. In: Nordkurier/Heimatkurier. Neubrandenburg, 27. Februar 2012. (Volltext, nordkurier.de, abgerufen am 13. Juli 2012)