Parteihochburg

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Als Parteihochburg werden Orte, Wahlbezirke, Wahlkreise oder Regionen, bezeichnet an denen die jeweilige politische Partei mehrfach besonders hohe Stimmenanteile erhalten hat. Das ist durch die Parteitradition, durch bestimmte Wählerschichten, durch Stammwähler, die in der Region überwiegend leben oder durch andere Umstände zu begründen.

Deutschland[Bearbeiten]

Beispiele für konstante Parteihochburgen in Deutschland:

Die CDU hat hier eine vorgehobene Stellung, insbesondere in den ländlichen Landesteilen im Südosten (Oberschwaben) und Nordosten (Franken). Der mittlere Teil des Bundeslandes ist eine Hochburg der FDP, die in den 50er Jahren sogar den Ministerpräsidenten stellte. Lediglich im Mannheimer Norden dominiert seit jeher die SPD. Die Grünen sind vor allem in Universitätsstädten stark vertreten. In Freiburg im Breisgau und Tübingen stellen sie den Oberbürgermeister. Bei der Landtagswahl 2011 erreichten sie 24,2 % und stellen seitdem mit Winfried Kretschmann erstmals einen Ministerpräsidenten in Deutschland. Seit dem 7. Januar 2013 wird auch die Landeshauptstadt Stuttgart von einem grünen Oberbürgermeister regiert.
In Bayern ist die CSU in fast allen Wahlbezirken die stärkste Partei. Besonders stark ist sie in den Bezirken Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Unterfranken. In München und Nürnberg ist dagegen die SPD deutlich stärker vertreten und stellt hier auch zumeist den Oberbürgermeister.
Hochburg der Partei Die Linke vor allem im Ostteil der Stadt, welche hier alle ihre drei Direktmandate bei der Bundestagswahl 2005 erringen konnte und bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 mit 28,1 % zweitstärkste Partei wurde (damals als Linkspartei.PDS). Außerdem haben die Grünen dort bereits dreimal ein Direktmandat bei Bundestagswahlen erhalten. Ebenso errangen sie bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 mit 17,6 % ihr bestes Landesergebnis. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erreichten die Grünen 35,5 % bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung 2011.
Hier erzielt die SPD regelmäßig den Wahlsieg zur Bundes- und Landtagswahl.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land durchgehend von einer SPD-Mehrheit geführt. Auch die Grünen sind hier stark.
Neben Baden-Württemberg zweites Flächenland mit kontinuierlich recht hohen Stimmanteilen für die Grünen und die FDP, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet. Der nördliche Teil des Bundeslandes wird von der SPD dominiert.
Die CDU kommt im Emsland, im Landkreis Cloppenburg und im Landkreis Vechta regelmäßig auf mehr als 50,0 % der Stimmen, die SPD hingegen erzielte bei der Bundestagswahl 2005 im Wahlkreis Aurich - Emden das bundesweit beste Zweitstimmenergebnis, erreichte 2009 jedoch nur noch 38,8 %.
Das zentral gelegene Ruhrgebiet wählt traditionell SPD, in den ländlichen Regionen im Süden (Eifel), Norden (Münsterland) sowie im Südosten (Sauerland und Siegerland) dominiert die CDU.
Traditionell ist die CDU stärkste Kraft im Land. Insbesondere der Landkreis St. Wendel, in dem nahezu alle Städte und Gemeinden mit absoluter Mehrheit von der CDU regiert werden. Bei der Landtagswahl 2009 erreichte Die Linke mit 21,3 % der Stimmen ihr bislang mit Abstand bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland.
Sachsen ist eine Hochburg der CDU, die jedoch bei der Landtagswahl 2004 erstmals ihre absolute Mehrheit abgeben musste, nicht zuletzt aufgrund der hohen Stimmenanteile für die NPD, insbesondere im wirtschaftlich schwächeren Ostteil des Landes.

Hochburgen nach Partei (Zweitstimmen)[Bearbeiten]

Es sind alle Parteien, die im gesamten Wahlgebiet mindestens ein halbes Prozent der gültigen Stimmen (Hürde für die staatliche Parteienfinanzierung) erhielten, aufgelistet.

Parteihochburgen bei der Bundestagswahl 2013
Partei Bundestagswahlkreis Land Zweitstimmen[1]
AfD Görlitz SachsenSachsen Sachsen 8,2 %
CDU Cloppenburg – Vechta NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen 63,2 %
CSU Rottal-Inn BayernBayern Bayern 58,8 %
FDP Düsseldorf I Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen 9,2 %
Freie Wähler Landshut BayernBayern Bayern 5,3 %
Grüne Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost BerlinBerlin Berlin 20,8 %
Linke Berlin-Lichtenberg BerlinBerlin Berlin 34,6 %
NPD Sächsische Schweiz – Osterzgebirge SachsenSachsen Sachsen 5,1 %
Piraten Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost BerlinBerlin Berlin 5,8 %
SPD Gelsenkirchen Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen 44,0 %

Österreich[Bearbeiten]

Es sind alle Parteien, die im gesamten Wahlgebiet mehr als ein Prozent der gültigen Stimmen (Hürde für die einmalige Parteienförderung) erhielten, aufgelistet.

Parteihochburgen bei der Nationalratswahl 2013
Partei Regionalwahlkreis Land Stimmen[2]
BZÖ Kärnten Ost KarntenKärnten Kärnten 12,1 %
FPÖ Wien Süd WienWien Wien 27,6 %
FRANK Oststeiermark SteiermarkSteiermark Steiermark 13,4 %
GRÜNE Wien Innen-West WienWien Wien 27,6 %
KPÖ Graz und Umgebung SteiermarkSteiermark Steiermark 2,7 %
NEOS Vorarlberg Süd VorarlbergVorarlberg Vorarlberg 13,7 %
ÖVP Waldviertel NiederosterreichNiederösterreich Niederösterreich 40,4 %
SPÖ Wien Süd WienWien Wien 38,5 %

Schweiz[Bearbeiten]

Die Ermittlung der Parteihochburgen der Schweiz gestaltet sich wesentlich schwieriger als die Ermittlung der Parteihochburgen Deutschlands und Österreichs. Die Wahlen des Nationalrats und des Ständerats eignen sich kaum zur Feststellung von Parteipräferenzen der Kantone, weil manche Kantone nur einen Abgeordneten je Kammer wählen. In dieser Hinsicht sind die Wahlen der Kantonsparlamente aussagekräftiger. In manchen Kantonen wird jedoch die Sitzverteilung in den Kantonsparlamenten durch Majorzwahlen ermittelt, wodurch keine vergleichbaren Ergebnisse vorliegen. Deshalb wurden die Parteihochburgen in der folgenden Tabelle durch die Berechnung des Anteils der gewonnen Mandate an der Gesamtzahl der Mandate ermittelt. Nur das Parlament (Grosser Rat) von Appenzell Innerrhoden, dem Kanton mit der niedrigsten Einwohnerzahl, gibt keine Auskunft über die Parteizugehörigkeit der Mitglieder. Es sind alle Parteien aufgelistet, die in der Bundesversammlung vertreten sind und mindestens ein Mandat bei der letzten Wahl eines Kantonsparlaments gewannen.

Parteihochburgen bei den kantonalen Parlamentswahlen
Partei Kanton Mandate[3] Mandatsanteil Wahljahr
BDP Kanton GraubündenKanton Graubünden Graubünden 28 von 120 23,3 % 2014
CSP OW Kanton ObwaldenKanton Obwalden Obwalden 8 von 55 14,5 % 2010
CVP Kanton WallisKanton Wallis Wallis 61 von 130 46,9 % 2013
EVP Kanton BernKanton Bern Bern 12 von 160 7,5 % 2014
FDP Kanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Ausserrhoden 24 von 65 36,9 % 2011
glp Kanton ZürichKanton Zürich Zürich 19 von 180 10,6 % 2011
GPS Kanton Basel-LandschaftKanton Basel-Landschaft Basel-Landschaft
Kanton NidwaldenKanton Nidwalden Nidwalden
12 von 90
8 von 60
je 13,3 % 2011
2014
Lega Kanton TessinKanton Tessin Tessin 21 von 90 23,3 % 2011
MCR Kanton GenfKanton Genf Genf 20 von 100 20,0 % 2013
SP Kanton Basel-StadtKanton Basel-Stadt Basel-Stadt 33 von 100 33,0 % 2012
SVP Kanton SchwyzKanton Schwyz Schwyz 35 von 100 35,0 % 2012

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Siehe Rote Staaten und blaue Staaten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Bundeswahlleiter: Endgültige Wahlkreisergebnisse
  2. Bundesministerium für Inneres: Österreich - Nationalratswahl 2013
  3. Bundesamt für Statistik, Zentrum für Demokratie Aarau: Kantonale Parlamentswahlen: Mandatsverteilung nach Parteien und Kanton (XLS-Datei, 362 KB)