Division 1 1969/70

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Division 1 1969/70
Meister AS Saint-Étienne
Europapokal der
Landesmeister
AS Saint-Étienne
Messepokal Olympique Marseille
CS Sedan
AS Angoulême
Pokalsieger AS Saint-Étienne
Europapokal der
Pokalsieger
FC Nantes
Relegation ↓ AC Ajaccio
SEC Bastia
Absteiger FC Rouen
Mannschaften 18
Spiele 306  + 8 Relegationsspiele
Tore 973  (ø 3,18 pro Spiel)
Torschützenkönig André Guy, (Olympique Lyon)
Division 1 1968/69

Die Division 1 1969/70 war die 32. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum vierten Mal in Folge die AS Saint-Étienne, die damit ihren sechsten Titel seit 1957 gewann.

Erster Spieltag war der 5. August 1969, letzter Spieltag der 23. Juni 1970. Eine „Winterpause“ gab es zwischen 22. Dezember und 24. Januar.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 16. Platz abgeschlossen hatten, dazu ein direkter Aufsteiger aus der zweiten Division sowie der Gewinner der Relegation, in der sich ebenfalls ein Zweitligist durchgesetzt hatte. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel:

(a) CS Sedan war aus der vor Saisonbeginn wieder aufgelösten Fusion zwischen Racing Paris und UA Sedan-Torcy hervorgegangen.

Saisonverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn dieser Saison trat eine wesentliche Neuregelung in Kraft: Spielerverträge wurden ab dem 1. Juli 1969 nicht mehr „auf (nahezu) Lebenszeit“, sondern nur noch befristet (contrat à temps, anfangs für mindestens vier Jahre) abgeschlossen.[1] Für diesen Erfolg hatte die Spielergewerkschaft UNFP bzw. deren frühe Protagonisten mehr als ein Jahrzehnt lang gekämpft.

Für Rethacker lässt „der Meisterschaftsverlauf sich an einem einzigen Spiel veranschaulichen“, nämlich dem Match zwischen Marseille und Saint-Étienne am 27. August 1969.[2] In einem überfüllten Stade Vélodrome mit Zuschauern, die bis an die Seitenlinie vorgerückt waren, lagen die Gäste zur Halbzeit mit 0:2 zurück, hatten das Spiel aber – gestärkt durch das Selbstbewusstsein, das auch aus einem 8:2 über Rennes in der Vorwoche erwachsen war – in der Schlussviertelstunde gedreht. Als der Schiedsrichter kurz vor dem Abpfiff einen Treffer Marseilles nicht anerkannte und ein Teil des Publikums auf den Rasen stürmte, brach der Referee die Begegnung ab; sie wurde vom Verband FFF anschließend mit dem Ergebnis zu diesem Zeitpunkt (2:3) gewertet,[3] und wenige Tage später erteilten die Verts – als „Grüne“ werden die Spieler der ASSE bis heute bezeichnet – auch dem Lokalrivalen Lyon, der nach dem 2. Spieltag sogar Tabellenführer gewesen war,[1] auf dessen Geläuf eine deftige Lektion (7:1). Nach der Hinrunde besaß Saint-Étienne neun Punkte Vorsprung auf den Zweiten, Bordeaux, und hatte noch kein Spiel verloren.[2] Dass sie sich in der Rückserie noch drei Niederlagen, davon zwei zuhause, leisteten, verhinderte nicht, dass es am Ende sogar elf Punkte vor Vizemeister Marseille waren. Die Verts hatten zudem auch den Pokal gewonnen, damit ihren zweiten Doublé nach 1968, und sich für den Europapokal der Landesmeister 1970/71 qualifiziert.

Darüber hinaus prägten zwei starke Aufsteiger, Angoulême als Vierter und Angers als Siebter, das Bild dieser Saison; ein noch stärkeres Echo rief allerdings das hervor, was sich nach dem 34. Spieltag ereignete. In den Barrages um Aufstieg bzw. Klassenverbleib hatten sich Bastia und die AS Nancy gegen Ajaccio und Olympique Avignon sportlich durchgesetzt, während Zweitligameister OGC Nizza sich direkt qualifiziert hatte; dann trat der FC Rouen aus finanziellen Gründen den Rückzug aus dem professionellen Betrieb an.[4] In der Sommerpause beschloss der Verband daraufhin kurzfristig die Ligaaufstockung auf 20 Teilnehmer, wodurch auch Ajaccio und Schlusslicht Valenciennes weiterhin der Division 1 angehören durften – nicht jedoch Avignon. An dessen Statt bescherte die zuständige FFF-Untergliederung dem Zweitliga-Vierten Stade Reims den Aufstieg, zur allgemeinen Überraschung, aber angesichts dessen großer Vergangenheit durchaus auch zur Freude der Öffentlichkeit: eine große Tageszeitung bezeichnete Stades Rückkehr in die erste Division damals als „Rückgabe des schönsten Ausstellungsstückes an das Museum des französischen Fußballs“.[5]

Abschlusstabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielorte der Division 1 1969/70
Pl. Verein Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. AS Saint-Étienne (M)  34  25  6  3 088:300 +58 56:12
 2. Olympique Marseille (P)  34  18  9  7 075:410 +34 45:23
 3. CS Sedan  34  17  8  9 054:420 +12 42:26
 4. AS Angoulême (N, R)  34  12  14  8 053:430 +10 38:30
 5. Racing Strasbourg  34  15  6  13 065:550 +10 36:32
 6. Girondins Bordeaux  34  13  10  11 054:480  +6 36:32
 7. SCO Angers (N)  34  13  9  12 053:530  ±0 35:33
 8. FC Metz  34  13  8  13 050:440  +6 34:34
 9. FC Sochaux  34  12  10  12 048:550  −7 34:34
10. FC Nantes  34  13  7  14 062:560  +6 33:35
11. Olympique Nîmes  34  13  6  15 060:550  +5 32:36
12. FC Rouen  34  10  12  12 041:450  −4 32:36
13. Red Star FC  34  11  8  15 045:670 −22 30:38
14. Stade Rennes UC  34  9  11  14 052:730 −21 29:39
15. Olympique Lyon  34  12  4  18 057:780 −21 28:40
16. AC Ajaccio  34  11  4  19 034:510 −17 26:42
17. SEC Bastia  34  10  4  20 050:740 −24 24:44
18. US Valenciennes-Anzin  34  8  6  20 032:630 −31 22:46

Platzierungskriterien: 1. Punkte – 2. Tordifferenz – 3. geschossene Tore

  • Französischer Fußballmeister und Teilnahme am Europapokal der Landesmeister 1970/71
  • Teilnahme als Pokalfinalist am Europapokal der Pokalsieger 1970/71
  • Teilnahme am Messepokal 1970/71
  • Rückzug aus finanziellen Gründen in die Division 2 1970/71
  • Teilnahme an der Relegationsrunde
  • (M) amtierender französischer Meister
    (P) amtierender französischer Pokalsieger
    (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1968/69
    (R) Relegationssieger

    Kreuztabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    AC
    Aja
    SCO
    Age
    AS
    Ago
    SEC
    Bas
    Gi.
    Bor
    Ol.
    Lyo
    Ol.
    Mar
    FC
    Met
    FC
    Nan
    Ol.
    Nîm
    FC
    RSt
    SUC
    Ren
    FC
    Rou
    AS
    StÉ
    CS
    Sed
    FC
    Soc
    RC
    Str
    US
    Val
    AC Ajaccio 0:1 0:0 2:0 1:1 2:0 2:4 0:0 2:1 1:0 2:2 4:2 1:0 1:2 0:1 1:0 1:0 3:1
    SCO Angers 3:2 2:2 5:0 3:1 3:2 2:1 0:0 0:3 1:0 5:1 1:0 1:1 0:0 1:3 2:2 4:1 0:1
    AS Angoulême 2:1 1:1 5:1 3:2 1:1 1:3 2:1 2:2 1:0 1:1 3:0 1:1 0:1 2:1 4:0 1:1 6:1
    SEC Bastia 2:0 3:1 1:1 2:2 2:4 3:2 2:2 3:2 2:5 3:0 4:0 0:2 0:1 2:3 2:0 2:1 3:1
    Girondins Bordeaux 2:1 1:0 5:1 1:0 3:0 2:2 1:0 3:0 1:0 0:1 1:1 1:1 1:4 4:1 3:0 4:2 0:2
    Olympique Lyon 2:1 2:1 1:2 2:1 1:3 1:0 2:4 2:5 3:0 2:0 4:4 3:0 1:7 4:2 2:2 0:1 1:0
    Olympique Marseille 1:0 5:2 1:1 3:3 3:1 4:1 3:2 4:2 4:0 4:0 1:0 2:0 2:3 2:0 0:0 2:0 3:1
    FC Metz 1:0 2:1 3:2 3:0 4:1 4:0 2:1 2:2 3:1 2:1 2:0 2:0 1:2 0:2 1:2 2:2 3:0
    FC Nantes 5:0 1:0 1:1 2:1 1:1 5:2 2:1 1:0 1:0 1:1 6:1 0:2 2:2 2:2 1:2 0:1 1:2
    Olympique Nîmes 2:0 1:1 2:2 4:1 3:0 5:2 1:1 2:1 4:2 1:3 2:3 6:1 1:3 5:1 2:0 3:2 2:1
    Red Star FC 4:1 3:4 0:0 2:1 1:1 1:5 1:6 3:1 3:0 3:0 2:4 2:0 1:5 0:2 1:0 2:1 1:1
    Stade Rennes UC 0:1 1:0 2:0 3:1 0:0 4:3 1:1 2:0 1:2 1:1 2:2 1:1 1:0 3:3 2:4 4:5 1:1
    FC Rouen 2:0 5:0 0:2 3:0 0:0 1:0 1:1 1:1 1:0 1:1 2:0 4:0 0:2 0:0 1:3 1:1 3:3
    AS Saint-Étienne 3:1 1:2 1:1 4:2 2:0 6:0 2:1 2:0 2:3 2:1 0:0 8:2 5:0 3:1 2:0 3:0 1:0
    CS Sedan 2:0 2:2 2:0 0:2 1:1 1:0 0:0 0:0 4:0 1:0 3:0 3:2 1:0 1:2 3:0 2:1 0:0
    FC Sochaux 0:2 1:1 1:0 2:1 3:2 0:2 2:2 4:1 0:3 2:2 0:3 2:2 1:1 3:3 1:0 2:0 6:1
    Racing Strasbourg 2:0 4:1 3:1 4:0 3:1 2:1 2:3 2:0 2:1 4:1 5:0 1:1 3:2 1:1 2:3 2:2 4:2
    US Valenciennes 2:1 0:2 0:1 2:0 1:4 1:1 0:2 0:0 2:1 0:2 2:0 0:1 1:3 0:3 1:3 0:1 2:0

    Relegationsrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die beiden Vereine der Division 1 trugen je zwei Relegationsspiele gegen die Zweitdivisionäre aus. Begegnungen zwischen Mannschaften aus der gleichen Liga gab es nicht. Durch die Aufstockung auf 20 Vereine für die folgende Spielzeit qualifizierten sich die drei besten Teams für die Division 1.

    Tabelle
    Pl. Verein Sp. S U N Tore Diff. Punkte
     1. SEC Bastia (D1)  4  2  1  1 008:500  +3 05:30
     2. AS Nancy (D2)  4  2  1  1 005:400  +1 05:30
     3. AC Ajaccio D1  4  2  0  2 008:500  +3 04:40
     4. Olympique Avignon (D2)  4  0  1  3 005:120  −7 01:70
    Platzierungskriterien: 1. Punkte – 2. Tordifferenz – 3. geschossene Tore
  • qualifiziert für die Division 1 1970/71
  • Kreuztabelle
    BAS NAN AJA AVI
    SEC Bastia 0:0 4:2
    AS Nancy 2:0 3:1
    AC Ajaccio 3:0 4:0
    Olympique Avignon 1:4 2:0

    Die Meistermannschaft AS Saint-Étienne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. AS Saint-Étienne
    AS Saint-Etienne (70er Jahre).svg

    Dazu kamen zwei Eigentore.[6][7][8]

    Erfolgreichste Torschützen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Pl. Spieler Verein Tore
    1 Hervé Revelli AS Saint-Étienne 28
    2 Kamerun 1961Kamerun Joseph Yegba Maya Olympique Marseille 24
    3 MaliMali Salif Keïta AS Saint-Étienne 21
    4 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Wolfgang Kaniber Racing Strasbourg 20
    Philippe Piat Racing Straßburg 20
    TschechoslowakeiTschechoslowakei Adolf Scherer Olympique Nîmes 20
    7 Bernard Blanchet FC Nantes 17
    André Guy Olympique Lyon 17
    Charly Loubet Olympique Marseille 17
    Marc Molitor Racing Straßburg 17
    11 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Selemir Milošević Red Star FC 16
    Daniel Rodighiéro Stade Rennes UC 16
    13 Marc-Kanyan Case SEC Bastia 15
    Gérard Grizzetti AS Angoulême 15
    15 Jacques Bonnet Olympique Nîmes 14
    Serge Dellamore CS Sedan 14
    Philippe Gondet FC Nantes 14

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9
    • Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5
    • Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b Guillet/Laforge, S. 169
    2. a b Rethacker, S. 118
    3. Beaudet, S. 100
    4. Beaudet, S. 102
    5. zitiert nach Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 143
    6. Guillet/Laforge, S. 169, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.
    7. Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 293
    8. Einsätze Ligue 1 1969/70. In: weltfussball.de. Abgerufen am 15. Februar 2018.