Etcharry

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Etcharry
Etxarri
Etcharry (Frankreich)
Etcharry
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre
Gemeindeverband Agglomération du Pays Basque
Koordinaten 43° 19′ N, 0° 56′ WKoordinaten: 43° 19′ N, 0° 56′ W
Höhe 86–227 m
Fläche 7,43 km2
Einwohner 120 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 16 Einw./km2
Postleitzahl 64120
INSEE-Code

Rathaus und Schule von Etcharry

Etcharry ist eine französische Gemeinde mit 120 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre (bis 2015: Kanton Saint-Palais).

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Etxarri. Die Bewohner werden entsprechend Etxarriar genannt.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etcharry liegt ca. 65 km südöstlich von Bayonne in der historischen Provinz Soule im französischen Teil des Baskenlands.

Umgeben wird der Ort von den Nachbargemeinden:

Saint-Gladie-Arrive-Munein
Espiute
Domezain-Berraute Nachbargemeinden Aroue-Ithorots-Olhaïby
Aroue-Ithorots-Olhaïby

Etcharry liegt im Einzugsgebiet des Adours. Ein Nebenfluss des Saison, der Ruisseau Lafaure, strömt mit seinem Zufluss, dem eiherabideko erreka, durch das Gebiet der Gemeinde. Ebenso fließt ein Nebenfluss des Lauhirasse, der Thiankoenerreka, an der südwestlichen Grenze zur Nachbargemeinde entlang.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden des heutigen Gemeindegebiets befand sich eine Wallburg aus der Bronze- oder Eisenzeit. Im Mittelalter wurde der Ort von verschiedenen Adelshäusern regiert.[3]

Toponyme und Erwähnungen von Etcharry waren:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von 530 Einwohnern in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Zahl bei kurzen Wachstumsphasen bis heute um über 75 % reduziert.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2014
Einwohner 205 148 146 153 143 122 127 128 120
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[5] INSEE ab 2006[6][7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Pierre
Château d’Elgart
  • Pfarrkirche, gewidmet dem Apostel Simon Petrus. Sie ist zusammen mit dem Friedhof von einer Mauer umgeben. Auf diesem sind mit scheibenförmigen Grabstelen, genannt Hilarri, und mit Navarrakreuzen versehene Gräber zu sehen. Die Hilarri knüpfen an die Tradition der vorchristlichen Zeit an und erfuhren zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert eine große Beliebtheit im Baskenland. Die Kirche ist 1875 neu gebaut worden, wie ein entsprechendes Datum über dem Eingang belegt. Sie ist im neugotischen Stil erbaut, der im 19. Jahrhundert verbreitet war und sich durch architektonische Elemente des Spätmittelalters auszeichnete, wie hier z. B. die spitzbogenförmigen Fenster. Der Langbau hat einen Glockenturm über dem Eingang, ein Hauptschiff und zwei Seitenkapellen. Wie die meisten baskischen Kirchen, so besitzt auch dieses Gotteshaus einen Altarretabel im barocken Stil aus dem 17. Jahrhundert.[8][9]
  • Château d’Elgart. Das Schloss ist im 17. Jahrhundert im Stil der Renaissance errichtet, im 19. Jahrhundert umgebaut und restauriert. Die markanten hohen Dächer erlaubten die Errichtung von zwei Dachgeschossen. Zwei Türme mit hohen und spitzen Dächern flankieren das Hauptgebäude, aus dem die ursprünglichen, hohen Kamine steil aufragen. Heute ist im Schloss ein Bildungs- und Entwicklungszentrum auf den Gebieten Landwirtschaft und Soziales eingerichtet.[10]
  • Haus Elizabaratia. Das Bauernhaus ist vermutlich im 19. Jahrhundert gebaut worden und vermittelt in seinen Ausmaßen eher den Eindruck eines Schlosses oder Herrenhauses und weist auf den Wohlstand seiner Erbauer hin. Mit den sichtbaren, im Baskenland traditionell verwendeten roten Ochsenblutfarben zeigt das Gebäude die vermischten Einflüsse der traditionellen Bauweise in der Soule und in Nieder-Navarra.[11]
  • Wallburg. Unter den archäologischen Stätten des Baskenlands fällt die Wallburg auf dem Gebiet der Gemeinde Etcharry durch seine Dimensionen heraus. Es handelt sich um eine Verteidigungsanlage mit Brustwehren aus Erde mit einer Flächenausdehnung von insgesamt 3,5 Hektar. Wie bei den meisten frühgeschichtlichten Anlagen ist die genaue Datierung ebenso wie die Funktion schwierig zu bestimmen. Möglicherweise diente sie zum Schutz der Bewohner vor Angriffen von außen. Im Mittelalter könnte die bereits vorhandene Anlage auch mit einem hölzernen Turm ergänzt worden sein.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Schwerpunkte der Wirtschaft sind die Landwirtschaft und der Lehrbereich.[3] Etcharry liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, ein traditionell hergestellter Schnittkäse aus Schafmilch, und der Schweinerasse „Kintoa“.[13]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2014[14]
Gesamt = 17

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etcharry verfügt über eine öffentliche Grundschule.[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde wird durchquert von den Routes départementales 11 und 316 und ist über eine Linie des Busnetzes Transports 64 mit anderen Gemeinden des Départements verbunden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Etcharry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie: Etxarri (Pettarra (-a)) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  2. Ma commune : Etcharry (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  3. a b Conseil régional d’Aquitaine: Etcharry (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  4. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 62. 1863. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  5. a b Notice Communale Etcharry (fr) EHESS. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  6. Populations légales 2006 Commune d’Etcharry (64221) (fr) INSEE. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  7. Populations légales 2014 Commune d’Etcharry (64221) (fr) INSEE. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  8. Conseil régional d’Aquitaine: Eglise Saint-Pierre (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  9. église paroissiale Saint-Pierre (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  10. Conseil régional d’Aquitaine: Château d’Elgart (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  11. Conseil régional d’Aquitaine: Maison Elizabaratia (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  12. Conseil régional d’Aquitaine: Motte du Tuquet (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  13. Institut national de l’origine et de la qualité (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  14. Caractéristiques des établissements en 2014 Commune d’Etcharry (64221) (fr) INSEE. Abgerufen am 20. Mai 2017.
  15. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 20. Mai 2017.