Orsanco

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Orsanco
Ostankoa
Orsanco (Frankreich)
Orsanco
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre
Gemeindeverband Pays Basque
Koordinaten 43° 18′ N, 1° 4′ WKoordinaten: 43° 18′ N, 1° 4′ W
Höhe 72–307 m
Fläche 9,35 km2
Einwohner 109 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 12 Einw./km2
Postleitzahl 64120
INSEE-Code

Blick auf Orsanco von der Kapelle Soyarza

Orsanco ist eine französische Gemeinde mit 109 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre (bis 2015: Kanton Saint-Palais).

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Ostankoa. Die Bewohner werden entsprechend Ostankoar genannt.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orsanco liegt ca. 50 km südöstlich von Bayonne im historischen Landstrich Mixe (baskisch Amikuze) der historischen Region Nieder-Navarra im französischen Teil des Baskenlands.

Umgeben wird Orsanco von den Nachbargemeinden:

Beyrie-sur-Joyeuse Saint-Palais
Nachbargemeinden Uhart-Mixe
Lantabat Ostabat-Asme

Orsanco liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Die Joyeuse, ein Nebenfluss der Bidouze, durchquert das Gebiet der Gemeinde zusammen mit ihren Zuflüssen, dem Pagardoyko Erreka und dem Lapitchuta Erréka.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei Adelsfamilien bestimmten die Geschicke des Dorfes im Mittelalter. Aus der Grundherrenfamilie Ostankoa, die der Gemeinde ihren Namen gaben, leiteten sich drei Linien ab, die Familien Etxezar, Zohueta und Gensanne. Während der Hugenottenkriege, die ganz Navarra auseinanderrissen, lehnte sich der Grundherr Gensanne gegen seine Königin Jeanne d’Albret auf, was ihn ins Gefängnis brachte. Der Besitz der Familie wurde enteignet und der Grundherrenfamilie Montréal aus Peyrehorade im heutigen Département Landes übertragen. Während der Französischen Revolution wurden die Besitztümer der Kirche beschlagnahmt und der Pfarrer wurde deportiert, weil dieser sich geweigert hatte, den Eid auf die Zivilverfassung des Klerus abzulegen.[3]

Toponyme und Erwähnungen von Orsanco waren:

  • Orsanchoe, Orsacoe, Orsahaco und Orzanquem (1119),
  • Orsacoe (1120, Kopialbuch der Abtei Saint-Jean de Sorde, S. 22),
  • Sanctus Martinus de Orzachoe (1160),
  • Orçacua (1264),
  • Orçacoa (1292),
  • Orçancoa (1349 und 1350),
  • Orquancoe (1513, Urkunden aus Pamplona),
  • Orçanco (1750, Karte von Cassini) und
  • Orsanco (1793 und 1801, Notice Communale bzw. Bulletin des Lois).[4][5][6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl von rund 530 in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis in die 1970er Jahre auf 86 Einwohner, bevor ein Trend eines moderaten Wachstums einsetzte.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2016
Einwohner 116 106 86 91 89 96 96 96 109
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[7] INSEE ab 2009[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche, geweiht Martin von Tours. Nichts ist von der ursprünglichen, zweifellos romanischen Vorgängerkirche übrig geblieben. Die heutige Pfarrkirche datiert aus dem 19. Jahrhundert. Sie besitzt einen Glockenturm über dem Eingangsvorbau, ein einschiffiges Langhaus und eine flache Apsis, die hochliegend oberhalb einer halbunterirdischen Sakristei gebaut ist. Eine Außentreppe führt an der Südseite zur innenliegenden Empore. Das barocke Altarretabel im Innern der Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert.[9][10] Auf dem angrenzenden Friedhof stehen neben rund 30 scheibenförmigen Grabstelen, Hilarri genannt, auch mit Navarrakreuzen versehene Grabstätten. Die Hilarri knüpfen an die Tradition der vorchristlichen Zeit und übermitteln nicht immer eine christliche Botschaft. Einige weisen eine Höhe zwischen 50 cm und 60 cm auf und datieren aus dem 17. Jahrhundert, andere sind älteren Datums und stammen vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Keine der Stelen gibt Aufschluss über den Namen des oder der Verstorbenen, viele tragen zumindest ein Datum. Die Navarrakreuze hingegen tragen generell keine Inschriften. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre charakteristische Form mit einem breiten Längsbalken und geschwungenen Umrissen.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Die Landwirtschaft ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.[3] Orsanco liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[12]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[13]
Gesamt = 11

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein leichter Rundweg mit einer Länge von 7 km mit einem Höhenunterschied von 190 m führt vom Zentrum der Gemeinde über Felder und Wäldern an der Quelle Fontaine de la Vierge und an der Kapelle Soyarce (oder Soyarza) vorbei.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orsanco wird durchquert von der Route départementale 78.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Orsanco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie: Ostankoa (Amikuze) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  2. Ma commune : Orsanco (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  3. a b Orsanco (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  4. Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr) Universität Bordeaux. S. 69. 2006. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  5. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 127. 1863. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  6. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  7. a b Notice Communale Orsanco (fr) EHESS. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  8. Populations légales 2014 Commune d’Orsanco (64429) (fr) INSEE. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  9. Église Saint-Martin (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  10. eglise paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  11. Cimetière traditionnel d’Orsanco (fr) visites.aquitaine.fr. Archiviert vom Original am 21. Oktober 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  12. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher-un-produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  13. Caractéristiques des établissements en 2015 d’Orsanco (64429) (fr) INSEE. Abgerufen am 21. Oktober 2017.
  14. Circuit Soiartz à Orsanco (fr) Office de tourisme de Basse Navarre. Abgerufen am 21. Oktober 2017.