Mendionde

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Mendionde
Lekorne
Mendionde (Frankreich)
Mendionde
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre
Gemeindeverband Agglomération du Pays Basque
Koordinaten 43° 20′ N, 1° 18′ WKoordinaten: 43° 20′ N, 1° 18′ W
Höhe 58–846 m
Fläche 21,47 km2
Einwohner 843 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 39 Einw./km2
Postleitzahl 64240
INSEE-Code
Website //mendionde-lekorne.org/

Rathaus von Mendionde

Mendionde ist eine französische Gemeinde mit 843 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre (bis 2015: Kanton Hasparren).

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Lekorne. Die Bewohner werden entsprechend Lekondar genannt.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mendionde liegt ca. 30 km südöstlich von Bayonne in der historischen Provinz Labourd (baskisch Lapurdi) im französischen Teil des Baskenlands.

Die höchste Erhebung im Gebiet der Gemeinde ist der Erregelu (846 m).[2]

Umgeben wird Mendionde von den Nachbargemeinden:

Hasparren Bonloc
Ayherre
Macaye Nachbargemeinden Hélette
Ossès Irissarry

Mendionde liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Die Joyeuse, ein Nebenfluss der Bidouze, durchquert das Gebiet der Gemeinde ebenso wie die Mouline, ein Nebenfluss der Nive.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu umliegenden Gemeinden gibt es keine Anhaltspunkte für eine Besiedelung vor dem Mittelalter, in dem aufeinanderfolgende Invasionen von englischen Truppen die Geschichte Mendiondes prägten. Das Dorf war wie zahlreiche andere Dörfer die Quelle von Konflikten zwischen dem englischen König und dem König von Navarra. Im 17. Jahrhundert bildeten die Dörfer Mendionde und Gréciette, heute ein Ortsteil der Gemeinde Mendionde, zwei verschiedene Pfarrgemeinden, unterstanden aber dem gleichen Grundherrn von Garro. Während der Terrorherrschaft wurde wie viele umliegende Dörfer auch Mendionde wegen der Nähe zur spanischen Grenze zur commune infâme erklärt. In Folge des Erlasses vom 3. März 1794 wurden zahlreiche Bewohner vom Wohlfahrtsausschuss verhaftet und in „nationale Häuser“ in benachbarten Départements bis zum Erlass vom 29. September und 1. Oktober 1794 deportiert.[4]

Toponyme und Erwähnungen von Mendionde bzw. Lekorne waren:

  • Sancti Cipriani de Lacurren (1236),
  • Mendiondo (13. Jahrhundert, Manuskriptsammlung von André Duchesne, Band 114, Blatt 36),
  • Lecorryan (1304),
  • Del Coriayn (1309),
  • Mendiondo (1304 und 1309),
  • Lecorriayn (1304 und 1344),
  • Mendihondo (1305),
  • Mendionde (1750, Karte von Cassini),
  • Sanctus-Cyprianus de Mendionde (1766, Kollationen des Bistums Bayonne),
  • Mendionde (1793, Notice Communale),
  • Mendioude (1801, Bulletin des lois) und
  • Mendionde (1863, Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées).[5][6][7][8]

Toponyme und Erwähnungen von Gréciette waren:

  • Garro (1186, Kopialbuch des Bistums Bayonne, Blatt 16),
  • Garrasciet(t)e (1414),
  • Saint-Martin de Garro (1518, Urkunden des Domkapitels von Bayonne),
  • Guereciette (1575),
  • Guereciette (1750, Karte von Cassini) und
  • Guerreciette (1755, Kollationen des Bistums Bayonne).[5][6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Höchststand der Einwohnerzahl mit rund 1.680 Einwohnern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zur Jahrtausendwende auf rund 700. Anschließend setzte ein moderates Wachstum der Gemeinde ein.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2015
Einwohner 749 732 744 723 720 707 779 816 843
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Cyprien in Mendionde
  • Pfarrkirche in Mendionde, geweiht Cyprian von Karthago. Sie ist im 17. Jahrhundert in einem für das Baskenland typischen Baustil errichtet worden. Der Glockengiebel, dessen Fassade gleichzeitig ein Frontón ist, strahlt eine gewisse Strenge aus, die im Kontrast zur Innenausstattung der Kirche steht. Emporen auf mehreren Ebenen umsäumen innen das einschiffige Langhaus. Wie in allen Kirchen des Baskenlandes üblich, sind die Plätze auf den Emporen traditionell den Männern vorbehalten, da sich im Baskenland Männer und Frauen während einer Messe getrennt aufhalten.[11] Die Decke der Kirche zeigt ein großes Fresko mit leuchtenden Farben, ein Werk eines unbekannten Künstlers aus dem 20. Jahrhundert. Es werden die Aktivitäten eines Landlebens im Laufe der Jahreszeiten dargestellt, die Aussaat im Frühjahr, Spiele und Tanz im Sommer, die Erzeugung von Wein im Herbst und die Bewachung der Weideflächen durch die Hirten im Winter. Es kommt nicht selten vor, dass Decken von baskischen Kirchen bemalt sind, wie z. B. in den Kirchen von Saint-Jean-de-Luz, Espelette, Itxassou oder Urrugne.[12] Das Altarretabel ist wie die ganze Kirche dem heiligen Cyprian gewidmet. In seiner Mitte ist er auf einem Gemälde in Bischofskleidung illustriert mit einer Mitra auf seinem Kopf und einem Bischofsstab in seiner linken Hand. Reichhaltig verziert mit pflanzlichen Motiven in Goldauflagen und eingerahmt von Säulen mit Kapitellen, besteht das Retabel aus zahlreichen weiteren Gemälden und zwei Statuen, von denen eine den heiligen Cyprian darstellt. Im oberen Bereich fällt der Blick auf eine Verkörperung des gekreuzigten Christus.[13]
Pfarrkirche Saint-Martin im Ortsteil Gréciette
  • Pfarrkirche in Gréciette. Sie datiert aus dem 15. Jahrhundert und ist Martin von Tours geweiht.[14] Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof sind zahlreiche scheibenförmige Grabstelen zu sehen.
Scheibenförmige Grabstelen auf dem Friedhof in Gréciette
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Schloss von Garro
  • Schloss von Garro. Das erste Gebäude wurde im 13. Jahrhundert von der Familie Garro, einem der bedeutenden Adelsfamilien des Königreichs Navarra, errichtet. Die fortwährenden Konflikte zwischen dem König von Navarra und der englischen Krone führten jedoch bereits 1247 zu einer Zerstörung der Burg. Bayonne verweigerte den direkten Wiederaufbau, und es bedurfte der Erlaubnis vom englischen König Eduard I. im Jahre 1305, damit die Arbeiten aufgenommen werden konnten. Die Familie Garro begann allerdings erst gegen 1533 das Schloss zu bewohnen. Nach der Heirat von Marie de Garro mit Salvat d’Urtubie ist die Grundherrschaft 1641 zum Baronat erhoben worden. Am Ende des 17. Jahrhunderts ist das Schloss einem Brand zum Opfer gefallen, nach 1700 wieder aufgebaut. Das heutige Anwesen datiert aus dieser Zeit, wobei das ursprüngliche Feste Haus in die Architektur integriert ist. 1923 verstarb der letzte Nachfahre der Garro und 1930 wurde das Schloss an Jacques-Hyppolyte Lesca verkauft, der dort eine Landwirtschaftsschule einrichtete. Eine Tafel an der Fassade des Schlosses mit Inschriften in französischer und baskischer Sprache erinnert an den Kauf. Aus dieser Zeit stammen mythologische Bemalungen im Erdgeschoss, die heute vollständig verschwunden sind, aber die Wandtäfelungen sind immer noch in mehreren Räumen vorhanden. Zuerst gelangte das Schloss in den Besitz der Gemeinde Bayonne, anschließend der Gemeinde Mendionde. Nacheinander befanden sich auf dem Anwesen eine Käseproduktion, ein Ferienheim und eine religiöse Stätte. Heute hat sich eine Farm mit Anbau von biologischem Gemüse einschließlich entsprechender Schulungsaktivitäten etabliert. Überdies werden kulturelle Veranstaltungen auf dem Schlossgelände abgehalten.[15][16]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Landwirtschaft und Dienstleistungen sind die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde. Mendionde liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[17]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[18]
Gesamt = 99

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine private Vor- und Grundschule und eine öffentliche Grundschule mit 67 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[19]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der sehr leichte Rundweg Sur le sentier du Baïgura führt vom Parkplatz Bordaberria über eine Länge von 7,1 km und einem Höhenunterschied von 480 m durch den Wald am Fuße des Erregelu. Tafeln am Wegesrand informieren über die wild lebenden Tiere.[20]

Eine Erweiterung bildet der Rundweg Le massif du Baïgura führt vom Parkplatz Bordaberria über eine Länge von 8 km (Variante: 12 km) und einem Höhenunterschied von 600 m (Variante: 830 m) auf die Spitzen des Erregelu (846 m) und des Baïgura (897 m).[21]

Die Freizeitbasis in Bordaberria auf dem Gebiet der Gemeinde bietet vielfältige sportliche Aktivitäten an, u. a. Gleitschirmfliegen (mit Einführung und Tandem), Auffahrt mit dem Petit Train auf den Baïgura, optional mit Abfahrt auf Mountainbikes, Canyoning, Bergsteigen, Ponyreiten, Trampolinspringen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mendionde ist erreichbar über die Routes départementales 22, 119, 152 und 252.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Baptiste Martin Dartaguiette d’Iron, geboren 1682, gestorben 1748 in Paris, war Militärkommissar in Louisiana, Finanzbeamter des Bezirks von Auch und einer der reichsten Financiers im Paris des Jahres 1748.
  • Prosper Saint-Martin, geboren 1909 in Mendionde, war französischer Meister des Pelota im Jahre 1939.
  • Rudy Hirigoyen, geboren am 29. August 1919 in Mendionde, gestorben am 24. Oktober 2000, war ein baskischer Opernsänger.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mendionde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie: Lekorne (Lapurdi Ekialdea (-a)) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 17. September 2017.
  2. géoportail - Mendionde (fr) Institut national de l’information géographique et forestière. Abgerufen am 17. September 2017.
  3. Ma commune : Mendionde (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 17. September 2017.
  4. Mendionde (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  5. a b Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr) Universität Bordeaux. S. 48, 49. 2006. Abgerufen am 17. September 2017.
  6. a b Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 73, 111. 1863. Abgerufen am 17. September 2017.
  7. a b David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 17. September 2017.
  8. a b Notice Communale Mendionde (fr) EHESS. Abgerufen am 17. September 2017.
  9. Populations légales 2006 Commune de Mendionde (64377) (fr) INSEE. Abgerufen am 17. September 2017.
  10. Populations légales 2014 Commune de Mendionde (64377) (fr) INSEE. Abgerufen am 17. September 2017.
  11. Conseil régional d’Aquitaine: Eglise Saint-Cyprien (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  12. Conseil régional d’Aquitaine: Plafond peint de l’église Saint-Cyprien (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  13. Conseil régional d’Aquitaine: Retable de l’église Saint-Cyprien (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  14. Paroisse François Dardan (fr) Pfarrbezirk Hasparren. Abgerufen am 17. September 2017.
  15. Conseil régional d’Aquitaine: Château de Garro (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  16. Conseil régional d’Aquitaine: Jacques-Hyppolyte Lesca (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 17. September 2017.
  17. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 17. September 2017.
  18. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Mendionde (64377) (fr) INSEE. Abgerufen am 17. September 2017.
  19. Pyrénées-Atlantiques (64), Mendionde, écoles (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 17. September 2017.
  20. Sur le sentier du Baïgura (fr, PDF) Comité départemental du tourisme. Abgerufen am 17. September 2017.
  21. Le massif du Baïgura (fr, PDF) Comité départemental du tourisme. Abgerufen am 17. September 2017.