Saint-Esteben

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Saint-Esteben
Donoztiri
Wappen von Saint-Esteben
Saint-Esteben (Frankreich)
Saint-Esteben
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre
Gemeindeverband Agglomération du Pays Basque
Koordinaten 43° 20′ N, 1° 12′ WKoordinaten: 43° 20′ N, 1° 12′ W
Höhe 118–465 m
Fläche 13,71 km2
Einwohner 436 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 32 Einw./km2
Postleitzahl 64640
INSEE-Code
Website www.saintesteben.fr

Rathaus von Saint-Esteben

Saint-Esteben ist eine französische Gemeinde mit 436 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Pays de Bidache, Amikuze et Ostibarre (bis 2015: Kanton Hasparren).

Der Name der Gemeinde lautet in der baskischen Sprache Donoztiri. Die Bewohner werden entsprechend Donoztiritar genannt.[1] Der Name lässt sich in Don Eztebe Hiri zerlegen (deutsch Dorf des heiligen Estebe (‚Stephan‘)).[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Esteben liegt ca. 35 km südöstlich von Bayonne im historischen Landstrich Arberoue (baskisch Arberoa) der historischen Provinz Nieder-Navarra im französischen Teil des Baskenlands.

Die höchste Erhebung im Gebiet der Gemeinde befindet sich unterhalb des Gipfels des Pic de Garralda (470 m).[3]

Umgeben wird Saint-Esteben von den Nachbargemeinden:

Ayherre Isturits
Nachbargemeinden Saint-Martin-d’Arberoue
Hélette Armendarits

Saint-Esteben liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Der Garraldako Erreka, ein Nebenfluss der Joyeuse, entspringt in Saint-Esteben. Außerdem durchquert der Ruisseau l’Arbéroue, ein Nebenfluss des Lihoury und Namensgeber des Landstrichs, das Gebiet der Gemeinde.[4]

Haus in Saint-Esteben in traditioneller Bauweise
Frontón an der Wand einer Pelotahalle

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Adelshaus der Siedlung, das Haus Jauregi, wurde 1249 erstmals erwähnt. 1321 wurde das Haus San Estevan de Arberoa bei der Finanzkammer von Pamplona genannt. Gegen 1350 etablierten sich die ersten Grundherren von Saint-Esteben im Arberoue. Sie spielten eine entscheidende Rolle in der Geschichte von Navarra, mehrere von ihnen waren Soldaten unter der Führung des französischen Königs. Im 15. Jahrhundert wurde eine große Zahl an Häusern im Arberoue in den Adelsstand gehoben, zwölf davon in Saint-Esteben im Jahre 1435. Auf diese Weise wollte der König von Navarra das Volk an sich binden im Kampf gegen England während des Hundertjährigen Krieges. Gegen 1750 wurde die Grundherrschaft von Saint-Esteben zur Vicomté erhoben.[2]

Toponyme und Erwähnungen von Saint-Esteben waren:

  • de Sancto Stephano (1249),
  • San-Estevan de Arberoa (1321, Urkunden der Camara de Comptos),
  • Sant Esteven (1350),
  • Sent Estenen (1366),
  • Sant-Esteban (1513, Urkunden aus Pamplona),
  • Saint-Esteve d’Arberoue (1703, Inspektionen des Bistums Bayonne),
  • Saint Esteven (1750, Karte von Cassini),
  • Esteben (1793, Notice Communale) und
  • Saint-Esteben (1801, Bulletin des lois).[5][6][7][8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Saint-Esteben

Die Gemeinde trägt das Wappen der Grundherren von Saint-Esteben seit 2003. Es lässt sich nach Guy Ascarat, Heraldiker und Historiker, folgendermaßen interpretieren.

Der Baum steht für die Eiche im Baskenland, eines der stärksten Symbole. Wegen des Widerstands gegenüber den Elementen und der Erhabenheit seines Holzes gebietet er Respekt durch seine Kraft und Stärke. An seiner Fähigkeit der ständigen Regeneration ist er der Inbegriff von Dauer und Unsterblichkeit. Der Baum steht für das Leben auf der Erde. Der Vogel ist eine Elster, in früheren Zeiten ein Glücksbringer. Seine Position auf der Baumkrone liegt zwischen Himmel und Erde und er ist somit ein Symbol für einen Boten, denn er befördert die Seelen der Verstorbenen in den Himmel.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Höchstständen der Einwohnerzahl von rund 800 in der Mitte des 19. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zur Jahrtausendwende auf rund 360. In der Folge ist bis heute ein beachtliches Wachstum zu verzeichnen.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2015
Einwohner 457 454 439 420 391 359 390 416 436
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[8] INSEE ab 2009[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Étienne
  • Pfarrkirche, geweiht dem heiligen Stephanus. Ab 1320 wurde die Pfarrgemeinde und der Glockenturm in den Aufzeichnungen erwähnt. Es handelt sich hierbei um einen Hinweis auf eine erste Kirche, von der keine Spuren übrig geblieben sind. Sie wurde wahrscheinlich in den Hugenottenkriegen zerstört, und am Ende der aufeinanderfolgenden Auseinandersetzungen wurde die heutige Kirche im Laufe des 17. Jahrhunderts errichtet. Die ersten Arbeiten am Neubau wurden nach 1620 durchgeführt. Die Fassade wurde 1692 fertiggestellt, wie die entsprechende Jahreszahl über dem Eingang an der Westseite belegt. Im 18. Jahrhundert wurde ein Pfarrhaus an das Gebäude angefügt und das Kircheninnere mit Emporen und dem Chor ausgestattet, der im folgenden Jahrhundert mit einem Geländer komplettiert wurde. Das heutige Gotteshaus birgt Elemente einer traditionellen baskischen Kirche, ein einfaches, mit Täfelwerk versehenes Langhaus, Emporen auf zwei Ebenen und reich ausgeschmückte Gegenstände im Chor. Die Pfarrkirche von Saint-Esteben ist seit dem 29. April 1999 als Monument historique klassifiziert.[11][12] Das Altarretabel im Chor ist reich verziert mit Pflanzenmotiven auf Goldauflagen, Säulen mit Kapitellen, Skulpturen von Cherubinen und einer Vielzahl von Statuen. Eine stellt in der Mitte den heiligen Stephanus in der Kleidung eines Diakons dar, oberhalb des Gesimses eine andere den gekreuzigten Christus.[13] An einem Nebenaltar ist die Statue von Josef von Nazaret mit einer Schwertlilie als Symbol der Reinheit in seiner linken Hand zu sehen.[14] Ein Glasfenster der Kirche ist ebenfalls dem heiligen Stephanus gewidmet. Es zeigt ihn aufrecht in der Kleidung eines Diakons und ein Buch haltend, ein wiederkehrendes Attribut, das auf seine Belesenheit hinweist.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Die Landwirtschaft ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.[2] Saint-Esteben liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Osserain-Rivareyte Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[16]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[17]
Gesamt = 52

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 31 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[18]

Blick auf den Pic de Garralda

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein mittelschwerer Rundweg mit einer Länge von 12 km und einem Höhenunterschied von 460 m führt vom Zentrum der Gemeinde auf den Gipfel des Pic de Garralda (470 m).[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Esteben wird durchquert von den Routes départementales 14, 245 und 251.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saint-Esteben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie: Donoztiri (Arberoa) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 28. November 2017.
  2. a b c Conseil régional d’Aquitaine: Saint-Esteben (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 28. November 2017.
  3. géoportail - Saint-Esteben (fr) Institut national de l’information géographique et forestière. Abgerufen am 28. November 2017.
  4. Ma commune : Saint-Esteben (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 28. November 2017.
  5. Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr, PDF) S. 61. 2010. Abgerufen am 28. November 2017.
  6. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 147. 1863. Abgerufen am 28. November 2017.
  7. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 28. November 2017.
  8. a b Notice Communale Saint-Esteben (fr) EHESS. Abgerufen am 28. November 2017.
  9. Guy Ascarat: Armorial Communes Basques (fr) Archiviert vom Original am 16. November 2016. Abgerufen am 28. November 2017.
  10. Populations légales 2014 Commune de Saint-Esteben (64476) (fr) INSEE. Abgerufen am 28. November 2017.
  11. Église Saint-Étienne (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 28. November 2017.
  12. Eglise Saint-Etienne (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 28. November 2017.
  13. Retable de l’église Saint-Etienne (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 28. November 2017.
  14. Statue de saint Joseph (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 28. November 2017.
  15. Vitrail représentant saint Étienne (fr) visites.aquitaine.fr. Abgerufen am 28. November 2017.
  16. Institut national de l’origine et de la qualité : Rechercher un produit (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 28. November 2017.
  17. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Saint-Esteben (64476) (fr) INSEE. Abgerufen am 28. November 2017.
  18. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 28. November 2017.
  19. Le mont Garralda (fr, PDF) www.tourisme64.com. Abgerufen am 28. November 2017.