Evangelische Theologie

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Evangelische Theologie ist eine wissenschaftliche Disziplin. Der Begriff „evangelisch“ bezieht sich auf die Kirchen des Protestantismus, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Im Rahmen der Evangelischen Theologie sind zumeist die Subjekte, also die theologischen Forscher, evangelisch, oft aber auch die Objekte, nämlich die Kirchen. Zur Theologie gehören die Unterdisziplinen Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie (Dogmatik und Ethik) sowie Praktische Theologie. Manchmal werden auch Missionstheologie, Kirchenrecht und andere Teildiziplinen hinzugezählt. Als Theologie der reformatorischen Kirchen bezieht sie sich sowohl auf die Bibel als Quelle der Offenbarung als auch auf die Dogmen der Alten Kirche und die theologische Tradition. Im Umgang mit den Aussagen der Bibel und einem traditionellen Verständnis des kirchlichen Glaubens gibt es unter Theologen ein breites Spektrum, das von einer konservativen bis zu einer „liberalen“ oder „kritischen“ Einstellung reicht. Die theologische Forschung sucht in ihrem Reflektieren auch den Dialog mit den anderen Wissenschaften. Eine wesentliche Funktion der theologischen Ausbildung liegt in der Vorbereitung auf kirchliche Tätigkeiten.

Universität Wittenberg, 19. Jahrhundert

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Theologie befasst sich in ihren Teildiziplinen einerseits mit historischen Fragen und wendet dabei die Methoden der Geschichtswissenschaft und anderer historischer Wissenschaften an, andererseits mit der Exegese der Bibel wozu Methodiken aus der Literaturwissenschaft verwendet werden. Außerdem mit der Kirche im gegenwärtigen Lebensumfeld und das Handeln im Amt der Kirche, als Praktische Theologie, dabei bezieht sie Kenntnisse der Psychologie, Soziologie, Pädagogik und anderer Humanwissenschaften in ihre Theoriebildung mit ein. Des Weiteren mit den Grundfragen des christlichen Glaubens und der Moral und Ethik, als Systematische Theologie steht sie dabei auch im ständigen Dialog mit der Philosophie und den Naturwissenschaften. Hierbei steht ein konsequentes und wissenschaftliches Arbeiten mit anerkannten Methodiken im Mittelpunkt. Die evangelische Theologie dient der Kirche als Organisation, indem sie angehenden Pfarrern das nötige theoretische Wissen für ihre Arbeit vermittelt. Gerade unter letzterem Aspekt steht sie den Kirchen auch als korrigierende Instanz gegenüber und ist keinem Lehramt verpflichtet. Das ist einer der Gründe, weshalb sie ihren Ort an den staatlichen Universitäten findet. Die Dozenten sollen von den jeweiligen Kirchen unabhängig sein.

Bedeutende Theologen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige evangelische Theologen haben das Bild der evangelischen Theologie besonders geprägt, etwa August Hermann Francke, Albrecht Ritschl, Ernst Troeltsch, Friedrich Schleiermacher, Johann Hinrich Wichern, Friedrich Gogarten, Adolf von Harnack, Theodor Zahn, Albert Schweitzer, Adolf Schlatter, Paul Tillich, Karl Barth, Emil Brunner, Rudolf Bultmann, Dietrich Bonhoeffer, Helmut Thielicke, Kurt Aland, Dorothee Sölle, John Stott.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studium der evangelischen Theologie umfasst je nach Bundesland und Landeskirche 9 bis 10 Semester. Hinzu kommen je nach Bedarf 2 Semester für das Erlernen der Sprachen Althebräisch und Altgriechisch. Neben Hebraicum und Graecum (eine der beiden Sprachen beim M.A. sowie kombinierten BA und MA mit Theologie im Hauptfach, mit Theologie im Nebenfach keine der beiden) ist für das Studium das Latinum erforderlich, für dessen Erlernen jedoch in der Regel kein Semester hinzugefügt wird.
In der Regel wird während des Studiums auch ein Philosophicum und ein Biblicum abgelegt.

Der Studiengang Ev. Theologie kann mit dem 1. kirchlichen Examen oder dem Diplom abgeschlossen werden. Daneben ist auch ein Magister- / BA-MA-Studium möglich. Der dem Studium verwandte Lehramtsstudiengang heißt „Evangelische Religionslehre“ und schließt mit der 1. Staatsprüfung ab.

Das Grundstudium umfasst vier bis fünf Semester – zzgl. „Sprachsemester“ –, in denen der Schwerpunkt auf den Biblischen Wissenschaften und der Kirchen- und Dogmengeschichte liegt. Das Grundstudium schließt mit der Zwischenprüfung bzw. Diplomvorprüfung ab, die in der Regel aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung sowie einer sechswöchigen Hausarbeit besteht.

Im viersemestrigen Hauptstudium werden die Fächer etwa gleichmäßig behandelt, jedoch steht es den Studierenden frei, selbst Schwerpunkte zu setzen.
Im Diplom- bzw. Examensstudiengang wird die Regelstudienzeit noch um ein weiteres Semester zur Prüfungsvorbereitung ergänzt. Voraussetzung für den Abschluss des Studiums (außer M.A.) ist die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche, die der ACK angehört.

Nach dem Abschluss mit dem Diplom, erstem kirchlichem Examen, M.A. (Hauptfach) oder Master sind Promotion zum Dr. theol. und Habilitation möglich.

Geschichte der evangelisch-theologischen Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Theologie knüpft nicht nur an die Dogmen und Symbole (wie z.B. dem Glaubensbekenntnis) der Alten Kirche an, sondern ist auch geprägt vom Werdegang der großen Reformatoren. Zu nennen sind besonders Martin Luther, Ulrich Zwingli, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin.

Insbesondere ist die Rechtfertigung aus dem Glauben (sola fide) ein zentrales evangelisches Thema. Außerdem hat die Reformation etwaige Mängel der Scholastik stärker gewichtet und den Schwerpunkt der Theologie auf die Schrift und das „was Christum treibet“ verlagert (sola scriptura).

Die westliche Kirche spaltet sich im sogenannten konfessionellen Zeitalter in das Luthertum, den Calvinismus und den römischen Katholizismus, wobei der Anglikanismus als „via media“, in der sowohl katholische als auch evangelische Inhalte, Formen und Überzeugungen von Bedeutung sind, „in der Mitte stehend“, zwischen den beiden Polen Tradition und Schrift moderat vermittelnd, eine Sonder- bzw. Mischform darstellt. 1648 endet im Westfälischen Frieden der Dreißigjährige Krieg.

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Pietismus und der Aufklärung wurden die reformatorischen Ansätze einer grundsätzlichen Kritik unterworfen. Grundsätzliche Konfliktfelder ergaben sich durch die inzwischen selbstbewusst vorgetragenen Anfragen an die Theologie. Von führenden Philosophen der Aufklärung wurden beispielsweise die Fundamente des Glaubensbekenntnisses und der Bibel als alleiniger Quelle göttlicher Offenbarung in Frage gestellt.

Dass sowohl Georg Wilhelm Friedrich Hegel als auch Friedrich Schleiermacher an der neu gegründeten Universität von Berlin lehrten, hat die evangelische Theologie ebenso geprägt, wie die Proklamation der preußischen unierten Kirche des Königs Friedrich Wilhelm III. (Preußen). Im Umbruch der Theologie nach dem Ersten Weltkrieg entsteht unter anderem die Dialektische Theologie.

Universitäten und Hohe Schulen im Zeitalter des Konfessionalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten protestantischen Ausbildungsstätten (Universitäten) für den deutschsprachigen Raum waren bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen der lutherischen und reformierten Konfession getrennt. Sie lagen teilweise – besonders für die Ausbildung reformierter Theologen – im Bereich der heutigen Niederlande oder im angrenzenden „Ausland“. Lutherische Universitäten gab es auch in Skandinavien. Eine eigenständige Entwicklung im Bereich der protestantischen Theologie nahmen die englischen und schottischen Hochschulen. Ein Studium von Protestanten an katholischen Universitäten war – auch an den nichttheologischen Fakultäten – durch Immatrikulationseid oder Doktoreid nach einer Bulle von Papst Pius IV. (1564) bis auf wenige Ausnahmen (Padua, Bourges, Orléans, Ingolstadt) ausgeschlossen.

An Hohen Schulen oder Akademischen Gymnasien (Gymnasium Illustre, Gelehrtenschule, Akademie) wurden der Stoff der universitären Artistenfakultät vermittelt und propädeutische theologische Vorlesungen gehalten. Diese Lehranstalten hatten im Unterschied zu den Universitäten nicht das kaiserliche Privileg, akademische Grade zu verleihen.

Unterrichts- und Wissenschaftssprache an allen Ausbildungsstätten war bis in das 18. Jahrhundert hinein Latein. Promotionsschriften wurden noch im 19. Jahrhundert in lateinischer Sprache veröffentlicht.

Lutherisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformiert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Zahrnt: Die Sache mit Gott. Die protestantische Theologie im 20. Jahrhundert. Piper, München 2002, ISBN 3-492-20890-8.
  • Hermann Fischer: Systematische Theologie, Konzeptionen und Probleme im 20. Jahrhundert (Grundkurs Theologie; Bd. 6). Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-010027-0.
  • Hermann Fischer: Protestantische Theologie im 20. Jahrhundert, Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-015754-X.
  • Theologische Ausbildung in der EKD. Dokumente und Texte aus der Arbeit der Gemischten Kommission für die Reform des Theologiestudiums / Fachkommission I (Pfarramt, Diplom und Magister Theologiae) 2005–2013, hg. von Michael Beintker und Michael Wöller unter Mitarbeit von Michael Beyer und Alexander Dölecke, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2014, ISBN 978-3374037551.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]