L’Abergement-de-Cuisery

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L’Abergement-de-Cuisery
L’Abergement-de-Cuisery (Frankreich)
L’Abergement-de-Cuisery
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département Saône-et-Loire
Arrondissement Louhans
Kanton Cuiseaux
Gemeindeverband Terres de Bresse
Koordinaten 46° 35′ N, 4° 58′ OKoordinaten: 46° 35′ N, 4° 58′ O
Höhe 171–212 m
Fläche 7,96 km2
Einwohner 784 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 98 Einw./km2
Postleitzahl 71290
INSEE-Code

L’Abergement-de-Cuisery ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Louhans und zum Kanton Cuiseaux. Die Gemeinde hat 784 Einwohner (Stand 1. Januar 2016), sie werden Abergementais, resp. Abergementaises genannt[1].

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SimandreLoisyCuiseryPrétyLacrostTournusl'Abergement-de-Cuisery mit seinen Nachbarorten
Über dieses Bild

Die Gemeinde liegt in der Landschaft Bresse im äußersten Südwesten des Arrondissement Louhans, sie grenzt im Westen an das Arrondissement Mâcon. Durch das nördliche Gemeindegebiet fließt der Bief du Moulin Richy[2] quer durch die Gemeinde, um kurze Zeit später in die Saône zu münden. Der nächste Punkt der Gemeinde liegt lediglich 600 Meter von der Saône entfernt, dazwischen liegt der südliche Ausläufer der Gemeinde Simandre. In West-Ost-Richtung durchquert die Departementsstraße D175 (LacrostMogny bei Branges) die Gemeinde, etwas nördlich, von Südwest nach Nordost die Departementsstraße D44 (Lacrost–Simard). Ganz im Süden der Gemeinde, durchzieht die Departementsstraße D975[3] (Abschnitt Lacrost–Brienne) das Gemeindegebiet über eine kurze Strecke. Das besiedelte Gebiet befindet sich zwischen den beiden Departementsstrassen D175 und D44, weist jedoch keinen eigentlichen Ortskern auf. Im nördlichen und südlichen Gemeindegebiet sind etliche zusammenhängende Waldflächen vorhanden. Im Südosten stößt die Gemeinde an Cuisery, wo sich der Flugplatz Tournus–Cuisery[4] befindet. Ein Teil der Piste liegt auf dem Gemeindegebiet von L’Abergement-de-Cuisery. Zur Gemeinde gehören die folgenden Weiler und Fluren: Basse-Froidière, Batonnades, Bonde, Bordes, Boulets, Breuille, Champ-de-l’Escalier, Charmes, Chêne, Cours-Michelet, Croix-du-Chard, Etang-Chaud, Fourneaux, Fraigne, Froidière, Gâte-Pain, Journette, Loire, Malatière, Mare, Moulin-Richy, Moulin-Terrier, Porteau-Richy, Prés-Brûlés, Sables, Sougeraie, Teppe, Vers-l’Eglise, Villeneuve[5].

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima in L’Abergement-de-Cuisery ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die effektive Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger ist Cfb. Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 11,1 °C. Innerhalb eines Jahres fallen 786 mm Niederschläge.

L’Abergement-de-Cuisery
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: climate-data.org
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für L’Abergement-de-Cuisery
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 5,0 6,9 12,4 15,9 19,9 23,4 25,7 25,2 21,7 15,7 9,6 5,5 Ø 15,6
Min. Temperatur (°C) -1,0 -0,3 2,7 5,6 9,1 12,5 14,5 14,0 11,4 7,0 3,3 2,9 Ø 6,8
Temperatur (°C) 2,0 3,3 7,5 10,7 14,5 17,9 20,1 19,6 16,5 11,3 6,4 2,9 Ø 11,1
Niederschlag (mm) 58 55 55 56 77 77 57 76 76 65 73 61 Σ 786
T
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7,0
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Toponymie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labergement wird erstmals 1376 erwähnt, hundert Jahre später taucht die Bezeichnung Labergement lez Cuiserey auf. Dass es sich bei dieser Schreibweise ganz einfach um die Assimilation des Artikels mit dem Substantiv handelt ist nachvollziehbar. Umstritten bleibt der Begriff Abergement. Naheliegend wäre die Verbindung mit der Auberge, wobei gerade im Zusammenhang mit der althochdeutschen Ableitung von heri berga und dem damit verbundenen Zweck der Unterbringung eines Heeres unser Abergement ziemlich ungeeignet sein dürfte.

Hingegen darf es als wahrscheinlich gelten, dass der Begriff des Abergement (der übrigens vorwiegend in den Departementen Jura und Saône-et-Loire vorkommt) im Zusammenhang steht mit Rodungsverträgen. Ab dem 13. Jahrhundert bekamen die Rodungen einen neuen Stellenwert, für die wachsende Bevölkerung war es notwendig, neue Kulturflächen zu gewinnen, die bestehenden Flächen genügten nicht mehr für die Ernährung. Mit dem Abergement entstand im Mittelalter eine neue Vertragsform, eine Vereinbarung zwischen Feudalherren, die nicht denselben Rang aber dieselbe Absicht hatten. So stellte beispielsweise ein Herr ein Gebiet seiner Herrschaft einem geistlichen Herrn zur Verfügung, dieser stellte das Rodungspersonal (in der Regel Mönche). Der weltliche Herr verpflichtete sich zur Zahlung von einmaligen oder wiederkehrenden Beträgen und sehr oft zum Bau einer Kirche. War die Rodung abgeschlossen, konnte der Herr das neu gewonnene Gebiet gezielt besiedeln, urbar machen und die Kirche bauen lassen. Die Vorteile dieser Zusammenarbeit lagen auf der Hand:

  • für den geistlichen Herrn
    • Stärkung seiner Stellung durch die Zunahme der Gläubigen
    • Stärkung seiner Stellung durch mehr Kirchenbauten
    • finanzieller Ertrag für seine Diözese und den Unterhalt der Klöster und ihrer Bewohner
  • für den weltlichen Herrn
    • gezielte Ausweitung des Siedlungsraums
    • Stärkung seines Ansehens durch eine wachsende Bevölkerung und neue Siedlungen
    • Stärkung der Wohlfahrt seiner Leute durch zunehmende Ackerflächen
    • Stärkung des Seelenheils als Folge der Stiftung einer Kirche auf der neuen Fläche

Aufgrund der konkreten Lage ist es durchaus denkbar, dass der Abt der Benediktinerabtei Tournus eine derartige Vereinbarung mit dem Kastellan von Cuisery traf, da eine Rodung dieser Fläche für beide Parteien sicher ein erstrebenswertes Ziel war, insbesondere für den Kastellan, der auf diese Weise den Westhang gegen die Saône zusätzlich sichern konnte. Dazu ist anzumerken, dass die nördlich gelegenen Gebiete von Ormes und Simandre nicht mehr zur Kastellanei Cuisery gehörten, so dass L’Abergement einen willkommenen vorgeschobenen Posten für die Kastellanie bildete.[A 1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

L’Abergement-de-Cuisery liegt an einer alten Straße von Tournus zur Römerstraße von Chalon-sur-Saône nach Bourg-en-Bresse (in etwa der heutigen D44 entsprechend). Henri de Bagé hatte Cuisery mit seiner Umgebung 1220 von Hugues IV., Herzog von Burgund, zu Lehen übernommen. Durch die Heirat von Sybille de Bagé als einzige Tochter von Guy de Bagé († 1248), gelangte die Herrschaft 1272 an Amé V., Graf von Savoyen. Er tauschte 1289 Ländereien mit Robert II, Herzog von Burgund, wodurch L’Abergement de Cuisery mit dem Herrschaftsgebiet der Herren von Bagé wieder burgundisch wurde. Nach diesem Tausch entstand das heutige Gemeindegebiet mit seiner Siedlung. 1281 erscheint Froidière noch als Besitzung der Pfarrei von Préty und die Gebiete bleiben bis ins 17. Jahrhundert getrennt. 1443 gehört das Gebiet zwar den Herzögen von Burgund, aber der Abt von Tournus ist weiterhin zehntenberechtigt. Die Apsis der heutigen Kirche ist ein Überbleibsel der Kapelle aus dem 15. Jahrhundert, die dem Heiligen Christophorus geweiht war. Das Kirchenschiff stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert, der Glockenturm wurde 1833 beendet[6]. In Gâte-Pain bestanden eine Mühle und ein Waschhaus, die zwischen 1950 und 1970 zerstört wurden. Die Häuser von Champ-de-l’Escalier sind vollständig verschwunden, da das Gebiet sehr hochwassergefährdet ist. In Fraigne stand ein Gutsbetrieb des Hospitals von Tournus, der 1930 verkauft wurde. Der Mühlstein habe noch bis 1950 funktioniert, angetrieben durch den Étang, später durch eine Quelle und seit 1930 durch einen Motor. Das Wasserrad scheint noch vorhanden zu sein. Die Mühle am Étang de la Bonde war bis 1920 oder 1930 in Betrieb und wurde dann zu einer Molkerei von 1920 bis 1970. Die Mühle Richy wurde kurz nach dem Bau verkauft und war im Besitz der Janin. Sie wurde angetrieben von einem Étang, der heute weitgehend verlandet ist. Später wurde sie mit Dampf angetrieben, dann durch einen Gas- und 1940 durch einen Dieselmotor. Heute werden jährlich rund 4 Tonnen produziert, früher waren es 100 dank der 3 Paar Mühlsteinen. Früher wurde Hanf angebaut, der nach Tournus verkauft werden konnte. Das Maison Michaud war früher das Café Perret-Janin, das den Betrieb 1940 schloss. In Mare bestand eine Schmiede bis 1980, zudem bestand ein Waschhaus. 1856 bestanden 6 Mühlen und 3 Ölmühlen, sowie 1988 22 Landwirtschaftsbetriebe.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: [7])
179318001821183118411851186118721881189119011911192119311946196219751990199920062011
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Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde befinden sich neun Landwirtschaftsbetriebe, ein Möbelhaus, ein Geschäft für elektrische und elektronische Geräte, ein Möbelgeschäft, ein Garagenbetrieb, vier Betriebe der Baubranche, ein Gastronomiebetriebe. Als AOC-Produkte sind in L’Abergement-de-Cuisery Crème et beurre de Bresse[8][9] zugelassen, ferner Volaille de Bresse[10] und Dinde de Bresse.[11]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde bestehen folgende Bildungseinrichtungen:

die beide der Académie de Dijon[12] unterstehen. Für die Schulen gilt der Ferienplan der Zone A[13].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claude Courtépée (1721–1781): Description historique et topographique du Duché de Bourgogne. Band 5. Chez Causse, Dijon 1780 (französisch, Google Books).
  • Lucien Guillemaut (1842–1917): Histoire de la Bresse Louhannaise. Bd. 1, Louhans 1897.
  • Lucien Guillemaut (1842–1917): Armoiries et familles nobles de la Bresse louhannaise: armoiries ouvrières, armoiries particulières et de familles. Vve L. Romand, Louhans 1909 (französisch, gallica).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: L'Abergement-de-Cuisery – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • L’Abergement-de-Cuisery. auf INSEE. Institut national de la statistique et des études économiques, abgerufen am 18. Januar 2015 (französisch).
  • L’Abergement-de-Cuisery. im Verzeichnis der Gemeinden Frankreichs. Abgerufen am 18. Januar 2015 (französisch).
  • L’Abergement-de-Cuisery. in der Base Mérimée. Ministère de la Culture, abgerufen am 18. Januar 2015 (französisch).
  • L’Abergement-de-Cuisery. in Archives départementales. Département Saône-et-Loire, abgerufen am 21. Januar 2016 (französisch).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Kastellanie von Cuisery umfasste Cuisery mit L’Abergement-de-Cuisery, Loisy, Huilly-sur-Seille, Rancy, Jouvençon, Brienne, La Genête, Montpont, Ménetreuil, La Chapelle-Thècle, Bantanges, Montret, Saint-Étienne-en-Bresse, Juif, Savigny-sur-Seille, Branges, La Chapelle-Naude, Sornay, die Hälfte der Stadt Louhans und schließlich La Truchère und die Pfarrei Préty.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. L’Abergement-de-Cuisery. auf habitants.fr. Abgerufen am 13. Januar 2015 (französisch).
  2. Bief du Moulin Richy, Länge 8,3 km, Zufluss zum Bief du Moulin Bernard, Quelle bei 46° 34′ 12″ N, 4° 58′ 52″ O in Cuisery auf ca. 193 m, Mündung bei 46° 35′ 45,2″ N, 4° 56′ 7,4″ O in auf ca.  m, Bief du Moulin Richy auf sandre.eaufrance.fr
  3. Departementsstraße D975. auf routes.wikia.com. Abgerufen am 16. April 2015 (französisch).
  4. Informationen Flugplatz Tournus-Cuisery, französisch, abgerufen 12. Januar 2015
  5. Dictionnaire Topographique de Saône-et-Loire. (PDF) Comité des Travaux Historiques et Scientifiques, abgerufen am 16. April 2015 (französisch, Suchbegriff: Ctrl+F Abergement-de-Cuisery).
  6. Kurzbeschrieb der Kirche. von L’Abergement-de-Cuisery. Paroisse Saint Jean-Baptiste en Bresse, abgerufen am 30. Mai 2015 (französisch).
  7. Einwohnerstatistik auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 11. Januar 2015 (französisch).
  8. Crème de Bresse. auf INAO L’Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 3. Juli 2015 (französisch).
  9. Beurre de Bresse. auf INAO L’Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 3. Juli 2015 (französisch).
  10. Poulet de Bresse. auf INAO, L'Institut national de l'origine et de la qualité. Abgerufen am 26. Juni 2015 (französisch).
  11. Dinde de Bresse. auf INAO, L'Institut national de l'origine et de la qualité. Abgerufen am 26. Juni 2015 (französisch).
  12. Homepage der Académie de Dijon. Abgerufen am 10. Januar 2016 (französisch).
  13. Ferien- und Feiertagsplan der Zone A. L’Abergement-de-Cuisery. Abgerufen am 10. Januar 2016 (französisch).