Lettland beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Lettlands
Übertragende Rundfunkanstalt
LTV
Erste Teilnahme
2000
Anzahl der Teilnahmen
18 (Stand 2017)
Höchste Platzierung
1 (2002)
Höchste Punktzahl
186 (2015)
Niedrigste Punktzahl
5 (2003)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
64,71 (Stand 2016)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
1,72 (Stand 2016)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Lettlands als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme und Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Estland und Litauen bereits 1993 ihre Teilnahme am ESC anstrebten, nahm Lettland erst 2000 zum ersten Mal teil. Seitdem nahm das Land immer teil.

Bei seiner ersten Teilnahme 2000 erreichte Lettland mit der Band Brainstorm den dritten Platz, dabei handelte es sich um eines der erfolgreichsten Debüts im Wettbewerb. Zwei Jahre später war Marie N trotz schlechter Wettquoten Überraschungssiegerin mit dem selbst komponierten Titel I Wanna. Im darauffolgenden Jahr fand der Wettbewerb in Riga statt, Gastgeber waren die Vorjahressiegerin sowie Brainstorm-Sänger Renārs Kaupers. 2003 erzielte Lettland eines der schlechtesten Ergebnisse eines Gastgebers: Die Gruppe F.L.Y. erreichte mit nur fünf Punkten – alle aus Estland – den drittletzten Platz.

2005 erreichten Valters & Kaža im Finale den fünften Platz. Im Halbfinale hatte sich das Duo knapp auf dem zehnten Platz für das Finale qualifiziert, in dem es dann unter den Halbfinalisten jedoch das dritterfolgreichste Land war und während der Wertung lange Zeit führte. Hätten nur die 15 Länder abgestimmt, die im Halbfinale ausgeschieden waren, hätte Lettland gewonnen.

2007 erreichte Lettland erneut die Finalrunde mit der Band Bonaparti.lv. Zwischen Halbfinale und Finale kam das Gerücht auf, die Gruppe hätte das Halbfinale gewonnen.[1] Tatsächlich erreichte die Gruppe nur den fünften Platz und im Finale sogar nur den sechzehnten und war damit der am wenigsten erfolgreiche Halbfinalqualifikant.

2009 und 2010 wurde Lettland das erste Land, welches zweimal hintereinander Letzter in seinen Halbfinals wurde. Dieses Schicksal ereilte das Land 2011 und 2012 nochmals, jedoch nur im Juryvoting. 2013 wurde man wiederum auch insgesamt Letzter im Semifinale und ist seit Einführung der beiden Halbfinals das mit Abstand erfolgloseste Land. Nach einem weiteren gescheiterten Versuch im Jahr 2014 konnte man sich 2015 zum ersten Mal seit 2008 wieder für das Finale qualifizieren. Dort holte man mit dem sechsten Platz das beste Ergebnis seit 2005 und mit 186 Punkten die höchste Punktzahl der lettischen ESC-Geschichte. Auch 2016 konnte sich Lettland für das Finale qualifizieren und erreichte Platz 15 von 26.

Insgesamt landeten 5 von 17 Beiträgen in der vorderen Tabellenhälfte, darunter ein Sieg und vier Top-10-Platzierungen.

Liste der Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farblegende:  – 1. Platz.  – 2. Platz.  – 3. Platz.  – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.  – Ausgeschieden im Halbfinale / Qualifikation / Osteuropäischen Vorentscheid.  – Keine Teilnahme / Nicht qualifiziert.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Sprache Übersetzung Finale Halbfinale/
Qualifikation
Platz Punkte Platz Punkte
2000 Brainstorm My Star
(Renārs Kaupers)
Englisch Mein Stern 03 / 24 136 Im Jahr vorher nicht teilgenommen
2001 Arnis Mednis Too Much
(Arnis Mednis / Arnis Mednis, Gustavs Terzens)
Englisch Zu viel 18 / 23 016 5-Jahres-
durchschnitt
2002 Marie N I Wanna
(Marie N / Marie N, Marats Samauskis)
Englisch Ich will 01 / 24 176 TOP 17 Vorjahr
Verzicht Portugals
2003 F.L.Y. Hello from Mars
(Mārtiņš Freimanis, Lauris Reiniks)
Englisch Hallo vom Mars 24 / 26 005 Sieger Vorjahr
Gastgeber
2004 Fomins & Kleins Dziesma par laimi
(Tomass Kleins / Guntars Račs)
Lettisch Ein Lied über das Glück ausgeschieden 17 / 22 023
2005 Valters & Kaža The War Is Not Over
(Mārtiņš Freimanis)
Englisch Der Krieg ist nicht vorbei 05 / 24 153 10 / 25 085
2006 Cosmos I Hear Your Heart
(Andris Sējāns, Reinis Sējāns / G. Račs, Molly-A. Leikin)
Englisch  Ich höre dein Herz 16 / 24 030 TOP 11 Vorjahr
2007 Bonaparti.lv Questa notte
(Kjell Jennstig / Francesca Russo, Torbjörn Wassenius, K. Jennstig)
Englisch, mit Sätzen in Italienisch Diese Nacht 16 / 24 054 05 / 28 168
2008 Pirates of the Sea Wolves of the Sea
(Jonas Liberg, Johan Sahlen, Claes Andreasson & Torbjorn Wassenius)
Englisch Seewölfe 12 / 25 083 06 / 19 086
2009 Intars Busulis Probka
(Kārlis Lācis / Jānis Elsbergs, Sergej Timofejev)
Russisch Stau ausgeschieden 19 / 19 007
2010 Aisha What For? (Only Mr God Knows Why)
(Jānis Lūsēns / Guntars Račs)
Englisch Wozu? (Bloß der Herrgott weiß warum) ausgeschieden 17 / 17 011
2011 Musiqq Angel in Disguise
(Marats Ogļezņevs)
Englisch  Engel in Verkleidung ausgeschieden 17 / 19 025
2012 Anmary Beautiful Song
(Ivars Makstnieks & Rolands Ūdris)
Englisch Schönes Lied ausgeschieden 16 / 18 017
2013 PeR Here We Go
(Ralfs Eilands & Arturas Burke)
Englisch Hier kommen wir ausgeschieden 17 / 17 013
2014 Aarzemnieki Cake to Bake
(Guntis Eilands)
Englisch, Lettisch Einen Kuchen backen ausgeschieden 13 / 16 033
2015 Aminata Love Injected
(Aminata Savadogo)
Englisch Injizierte Liebe 06 / 27 186 02 / 17 155
2016 Justs Heartbeat
(Aminata Savadogo)
Englisch Herzschlag 15 / 26 132 08 / 18 132
2017 Triana Park Line
(Agnese Rakovska, Kristaps Ērglis, Kristians Rakovskis)
Englisch Linie

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aarzemnieki, 2014 in Kopenhagen
Aminata, 2015 in Wien
Justs, 2016 in Stockholm

Die meisten lettischen Beiträge wurden auf Englisch gesungen, so auch die drei erfolgreichsten Beiträge 2000, 2002 und 2005. Der im Halbfinale 2004 ausgeschiedene Beitrag Dziesma par laimi des Duos Fomins & Kleins war der einzige lettische Beitrag, der komplett in der Landessprache vorgestellt wurde. Dieser Titel wurde von den Originalinterpreten in neun weiteren Sprachen aufgenommen, nämlich Englisch, Finnisch, Russisch, Polnisch, Niederländisch, Ukrainisch, Estnisch, Litauisch und Weißrussisch.[2] Dies stellt einen Rekord unter Eurovision-Song-Contest-Beiträgen dar.

Der Beitrag Questa notte aus dem Jahr 2007 wurde komplett auf italienisch gesungen. Bereits andere nicht-italienischsprachige Länder haben sich während der Abwesenheit Italiens beim ESC von 1998 bis 2010 dieser Sprache bedient, so wurden der zypriotische Beitrag 2000 und der rumänische Beitrag 2006 teilweise in dieser Sprache gesungen. Dieser Titel wurde auch auf Spanisch aufgenommen.

Der Beitrag Probka im Jahr 2009 wurde komplett auf russisch vorgetragen. Außerdem waren zwei Verse sowie ein Teil des Refrains von Cake to Bake im Jahr 2014 auf Lettisch.

Nationale Vorausscheidungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2000 bis 2014 wurden alle lettischen Teilnehmer in einem nationalen Vorentscheid, der Dziesma (früher Eirodziesma), ausgewählt. In den ersten beiden Jahren wurde bereits Telefonvoting zur Entscheidung mitverwendet, es zählte aber 2000 nur 1/15 sowie 2001 1/5. Seit 2002 wird ausschließlich per Telefon abgestimmt. Ab 2005 wurde der Vorentscheid durch zwei Halbfinalrunden mit je 10 Teilnehmern erweitert, im Finale treten seitdem jeweils die fünf Besten an.

2015 war erstmals seit dem Debüt des Landes nicht Dziesma, sondern die lettische Show Supernova die Vorentscheidung. Das Format soll junge, innovative Musiker fördern und kann bei zwei Finalteilnahmen in Folge bereits nach der zweiten Ausgabe 2016 als Erfolg verbucht werden. In Fankreisen hat der während der Werbeunterbrechungen auftretende sogenannte Rīgas Bebrs (Riga-Biber) Kultstatus, dessen Auftritte aber nur per Online-Stream verfolgt werden können.

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gruppe Brainstorm ist, ebenso wie Marie N, nach wie vor sehr erfolgreich in Lettland. Der Siegertitel I Wanna war jedoch ein geringer Erfolg und wurde nur in Lettland veröffentlicht, demzufolge war der Titel der kommerziell am wenigsten erfolgreiche Siegertitel aller Zeiten. Recht gute Verkaufserfolge erreichte Aminata, die Lettland 2015 in Wien vertrat. Sie erreichte mit dem Lied Love Injected Platz 51 in den deutschen, Platz 19 in den österreichischen und Platz 74 in den schweizerischen Charts.

Ausgetragene Wettbewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Stadt Austragungsort Moderation
2003 Riga Skonto Hall Marie N & Renārs Kaupers

Punktevergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Länder erhielten die meisten Punkte von oder vergaben die meisten Punkte an Lettland:

Die meisten im Finale vergebenen Punkte
Platz Land Punkte
1 RusslandRussland Russland 129
2 EstlandEstland Estland 072
3 UkraineUkraine Ukraine 071
4 SchwedenSchweden Schweden 067
5 DanemarkDänemark Dänemark 058
NorwegenNorwegen Norwegen 058
Die meisten im Finale erhaltenen Punkte
Platz Land Punkte
1 EstlandEstland Estland 73
2 LitauenLitauen Litauen 72
3 IrlandIrland Irland 58
4 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 44
5 BelgienBelgien Belgien 32
DeutschlandDeutschland Deutschland 32
Die meisten insgesamt vergebenen Punkte
Platz Land Punkte
1 RusslandRussland Russland 167
2 EstlandEstland Estland 157
3 LitauenLitauen Litauen 111
4 UkraineUkraine Ukraine 106
5 SchwedenSchweden Schweden 099
Die meisten insgesamt erhaltenen Punkte
Platz Land Punkte
1 LitauenLitauen Litauen 132
2 EstlandEstland Estland 121
3 IrlandIrland Irland 103
4 MaltaMalta Malta 069
5 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 067

Vergaben der Höchstwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den letzten zehn Contests vergab Lettland die Höchstpunktzahl an sechs Länder, davon viermal an Russland.

Erhaltenes Land
Jahr Land Platz
2006 RusslandRussland Russland 2
2007 UkraineUkraine Ukraine 2
2008 RusslandRussland Russland 1
2009 NorwegenNorwegen Norwegen 1
2010 DeutschlandDeutschland Deutschland 1
2011 ItalienItalien Italien 2
2012 SchwedenSchweden Schweden 1
2013 RusslandRussland Russland 5
2014 NiederlandeNiederlande Niederlande 2
2015 SchwedenSchweden Schweden 1
2016 UkraineUkraine Ukraine (J) 1
RusslandRussland Russland (T) 3

Stand: 2016

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es war Zufall, dass Lettland 2002 überhaupt teilnahm. Eigentlich wäre das Land wegen des schlechten Abschneidens 2001 nicht teilnahmeberechtigt gewesen, durch den Rückzug Portugals schloss Lettland auf.
  • Lettland hat im Wettbewerb am meisten Punkte von Litauen erhalten, im Durchschnitt 10,0. Am meisten Punkte gegeben hat Lettland seinem anderen baltischen Nachbarn Estland: 9,6.
  • 2001 erhielt Lettland genau 16 Punkte, davon acht aus Estland und acht aus Litauen.
  • I Wanna hieß beim Vorentscheid noch I Wonna, der gesamte Text wie auch der Titel wurden für die Studiofassung aber nochmals überarbeitet.
  • In den Jahren 2010 bis 2012 war Lettland immer Letzter im Juryvoting. 2013 wurde man Drittletzter, aber insgesamt doch wiederum auf Platz 17 Letzter.
  • Gemessen am Punkteschnitt aller Teilnehmen, ist Lettland das erfolgreichste baltische Land beim ESC.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. esctoday.com
  2. diggiloo.net