Rumänien beim Eurovision Song Contest

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Bilanz

Flagge Rumäniens
Übertragende Rundfunkanstalt
TVR
Erste Teilnahme
1993
Bisher letzte Teilnahme
2015
Anzahl der Teilnahmen
18 (Stand 2015)
Höchste Platzierung
3 (2005, 2010)
Höchste Punktzahl
172 (2006)
Niedrigste Punktzahl
6 (1998)
Punkteschnitt (seit erstem Beitrag)
68,11 (Stand 2015)
Punkteschnitt pro abstimmendem Land im 12-Punkte-System
2,01 (Stand 2015)

Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Rumäniens als Teilnehmer am Eurovision Song Contest.

Regelmäßigkeit der Teilnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumänien nahm bereits 1993 an der osteuropäischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil, konnte sich aber mit der Sängerin Dida Drăgan und deren Lied Nu pleca nicht für Millstreet qualifizieren. Die erste Finalteilnahme fand somit 1994 statt, wegen schlechter Platzierung musste aber bereits im Folgejahr eine Pause eingelegt werden. 1996 wurde der von Monica Anghel & Sincron gesungene Beitrag Rugă pentru pacea lumii eingereicht, der sich aber in der internen EBU-Vorauswahl nicht für das Finale qualifizieren konnte. 1997 verzichtete Rumänien auf die Teilnahme, 1999 und 2001 durfte wegen schlechter Vorjahresplatzierungen kein Beitrag eingereicht werden. Wegen Schulden des rumänischen Senders TVR bei der EBU in Gesamthöhe von 16 Millionen Schweizer Franken (rund 14,5 Millionen Euro), wurde Rumänien am 22. April 2016, also kurz vor dem ESC, für den Wettbewerb disqualifiziert. Laut der EBU habe der rumänische Rundfunk TVR seit Januar 2007 Schulden angehäuft.[1] Im Oktober 2016 bestätigte man jedoch, dass man 2017 wieder teilnehmen werde.[2]

Erfolge im Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumänien war anfangs wenig erfolgreich und platzierte sich bei den ersten drei Teilnahmen immer im hinteren Drittel. Dies änderte sich 2002, als die 1996 an der Vorauswahl gescheiterte Monica Anghel zusammen mit Marcel Pavel mit ihrem neunten Platz die ersten Platzierung unter den ersten zehn holten. Von nun an war Rumänien deutlich erfolgreicher und erreichte 2003, 2005, 2006, 2010, 2012, 2013 und 2014 die vordere Tabellenhälfte. Am erfolgreichsten war das Land bisher 2005, als Luminița Anghel & Sistem das Halbfinale gewannen und im Finale den dritten Platz erreichten. 2010 gelang die gleiche Platzierung im Finale Paula Seling & Ovi mit dem Titel Playing With Fire. Gemeinsam mit Russland und der Ukraine qualifizierte sich Rumänien seit der Einführung des Halbfinales im Jahr 2004 immer für das Finale.

Liste der Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farblegende:  – Siege.  – Punktgleichheit mit dem letzten Platz.  – Beiträge ohne Finalteilnahme.

Jahr Interpret Titel
(Musik / Text)
Sprache Übersetzung Platz Punkte
1993 Dida Drăgan[3] Nu pleca
(Dida Drăgan / Adrian Ordean)
Rumänisch Geh nicht weg 07 / 7 (SF) 38
1994 Dan Bittman Dincolo de nori
(Antonio Furtuna, Dan Bittman)
Rumänisch Jenseits der Wolken 21 / 25 14
1995 Nicht qualifiziert
1996 Monica Anghel & Sincron Rugă pentru pacea lumii
(Cornel Fugaru / Mirela Voiculescu Fugaru)
Rumänisch Gebet für den Frieden der Welt 29 / 29
(Qfkr.)
11
1997 Auf Teilnahme verzichtet
1998 Mălina Olinescu Eu cred
(Adrian Romcescu / Liliana Ștefan)
Rumänisch Ich glaube 22 / 25 6
1999 Nicht qualifiziert
2000 Taxi The moon
(Dan Teodorescu)
Englisch Der Mond 17 / 24 25
2001 Nicht qualifiziert
2002 Monica Anghel & Marcel Pavel Tell me why
(Ionel Tudor / Mirela Voiculescu Fugaru)
Englisch Sag mir warum 09 / 24 71
2003 Nicola Don’t break my Heart
(Mihai Alexandru / Nicola)
Englisch Brich mein Herz nicht 10 / 26 73
2004 Sanda Ladoși I admit
(George Popa / Irina Gligor)
Englisch Ich gestehe 18 / 24 18
2005 Luminița Anghel & Sistem Let me try
(Cristian Faur)
Englisch Lass es mich versuchen 03 / 24
SF: 01 / 25
158
2006 Mihai Trăistariu Tornerò
(Eduard Cîrcotă / Cristian Hriscu, Mihaela Deac)
Englisch, Italienisch Ich werde zurückkehren 04 / 24 172
2007 Todomondo Liubi liubi, I love you
(Mister M, Ghedi Kamara, Vlad Crețu)
Englisch, Italienisch, Spanisch,

Russisch, Französisch, Rumänisch

Liebe, Liebe, ich liebe dich 13 / 24 84
2008 Nico & Vlad Miriță Pe-o margine de lume
(Andrei Tudor / Andreea Andrei & Adina Șute)
Rumänisch, Italienisch Am Rand der Welt 20 / 25
SF: 07 / 19
45
2009 Elena Gheorghe The Balkan Girls
(Laurentiu Duta)
Englisch Die Mädchen vom Balkan 19 / 25
SF: 09 / 18
40
2010 Paula Seling & Ovi Playing With Fire
(Ovidiu Cernăuțeanu)
Englisch Mit dem Feuer spielen 03 / 25
SF: 04 / 17
162
2011 Hotel FM Change
(Gabriel Băruță / Gabriel Băruță & Alexandra Ivan)
Englisch Verändern 17 / 25
SF: 04 / 19
77
2012 Mandinga Zaleilah
(Ioniţă Costi / Elena Ionescu & Omar Secada Dihigo)
Spanisch, Englisch 12 / 26
SF: 03 / 18
71
2013 Cezar It’s My Life
(Cristian Faur, Florin Cezar Ouatu)
Englisch Es ist mein Leben 13 / 26
SF: 05 / 17
65
2014 Paula Seling & Ovi Miracle
(Ovidiu Cernăuțeanu, Phillip Halloun, Victor Forberg Skoberg, Frida Amundsen)
Englisch Wunder 12 / 26
SF: 02 / 15
72
2015 Voltaj De la capăt – All Over Again
(M/T: Gabriel Constantin, Călin Gavril Goia, Adrian Cristescu, Victor-Răzvan Alstani, Silviu-Marian Păduraru)
Rumänisch, Englisch Von Anfang an – Dasselbe Wieder 15 / 27
SF: 05 / 16
35
2016 Ovidiu Anton Moment of Silence
(Ovidiu Anton)
Englisch Moment der Stille disq. disq.
2017

Nationale Vorentscheide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cezar, 2013 in Malmö
Paula Seling & Ovi, 2014 in Kopenhagen
Voltaj, 2015 in Wien

Alle rumänischen Beiträge zum Eurovision Song Contest wurden im Rahmen eines nationalen Vorentscheids gewählt, wobei die Auswahlverfahren wechselten.

1993 bis 2002, 2005, 2010 bis 2012 und seit 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 bis 2002 wurde der rumänische Vertreter jeweils im Rahmen eines „klassischen“ Vorentscheids gewählt, wobei jedes Jahr im Rahmen einer Show zwischen elf und 20 Beiträge vorgestellt. Dabei stellte auch öfters ein Sänger zwei oder mehrere Beiträge vor. Auch 2005, 2010 bis 2012 und seit 2014 wird dieses System angewandt.

2003 und 2004 sowie 2006 und 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 wurde ein neuer Vorentscheid-Modus entwickelt, wobei vor dem Finale noch zwei Halbfinalrunden stattfinden sollten. Insgesamt sollten sich je Halbfinale (mit in etwa zwölf Teilnehmern) sechs Kandidaten für die Endrunde qualifizierten, was nicht immer auch so im Endeffekt passierte: 2003 nahmen am Finale nur zehn Sänger teil, nachdem ein Beitrag disqualifiziert und ein zweiter zurückgezogen wurde.[4] 2007 erwies sich Vorausscheidung als besonders skandalträchtig: Nach zwei Disqualifikationen nahmen bereits in den Halbfinals statt 24 nur 22 Sänger teil. Vor dem Finale wurden drei weitere Titel disqualifiziert und ein vierter freiwillig zurückgezogen, sodass nur noch acht Lieder übrigblieben.[5]

2008, 2009 und 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 und 2009 gab es zwei Halbfinalrunden, aus denen sich jeweils sechs Teilnehmer für das Finale qualifizierten. Abgestimmt wurde zu 50 % per Jury und zu 50 % durch Televoting. 2010 bis 2012 wurden die Halbfinals gestrichen und es gab ein Finale an einem einzigen Abend. Für 2013 wurden die Halbfinalrunden wieder eingeführt, diesmal jedoch mit jeweils 16 Teilnehmern. Seit 2014 findet wiederum nur eine einzige Show statt.

Abstimmungsmodi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 wurde der Sieger durch eine Umfrage bei 1100 Haushalten ermittelt, wobei nicht nur rumänische sondern auch moldawische Haushalte befragt wurden. 1994 und 1996 wurde der Sieger durch regionale Jurys ermittelt,[6][7] 1998 wurden die Jurys durch Televoting ergänzt.[8] 2000 wurde erstmals und bisher zum einzigen Mal ausschließlich per Telefon abgestimmt, was zu einem Skandal führte: Die Komponisten des zweitplatzierten Titels Why verklagten den rumänischen Fernsehsender, da sie, nachdem die Telefonleitungen geöffnet waren, in Führung lagen, und die Abstimmung nur eine Stunde dauern sollte. Aus unbekannten Gründen waren die Leitungen zwei weitere Stunden geöffnet, sodass Taxi an die Spitze kamen.[9]

Häufige Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Sängerinnen und Sänger hatten, bevor sie ihr Land vertreten durften, schon häufig an der Vorentscheidung teilgenommen, allen voran Monica Anghel 2002 (fünf Mal mit insgesamt sieben Beiträgen), Nicola 2003 (sechs Mal) und Mihai Trăistariu (fünf Mal). Mit insgesamt acht Beiträgen führt Monica Anghel damit die Liste der häufigsten Vorentscheid-Teilnehmer an. Das Duo Paula Seling & Ovi vertrat bereits zweimal (2010 und 2014) ihr Land beim ESC und erreichte in beiden Jahren einen Platz in der linken Tabellenhälfte; 2010 sogar einen dritten Platz.

Kommerzielle Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige rumänische Beiträge wurden nationale Hits: 1994 wurde Dincolo de nori trotz schlechten Abschneidens zum beliebtesten Lied des Jahres gewählt.[6] Weitere Hits wurden 2003, 2005 und 2006 erzielt. International war vor allem Tornerò erfolgreich und erzielte unter anderem in Malta, Island und Griechenland hohe Verkaufszahlen; der Sänger alleine verdiente an dem Lied rund eine Million Euro.[10] Playing with Fire, der Beitrag von 2010, erreichte die Top-50 der Charts in Finnland, der Schweiz, Norwegen und Schweden.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Fall der Sprachregel 1999 wurde kein rumänischer Beitrag ganz in der Landessprache vorgetragen, meist wurde auf Englisch zurückgegriffen. 2006 wurde Tornerò mit englischer Strophe und italienischem Refrain gesungen; 2007 wurde Liubi liubi, I love you in sechs Sprachen gesungen: Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Französisch und Rumänisch tauchten alle im gleichen Umfang auf. Der Beitrag von 2008 wurde auf Rumänisch und Italienisch gesungen, während Zaleilah 2012 Spanisch und Englisch enthielt. De le capăt von 2015 wird zum Großteil auf Rumänisch gesungen, der letzte Refrain auf Englisch. Ferner wurde von den Beiträgen 1994 und 1998 englische Fassungen, vom Beitrag 2000 und vom Beitrag 2006 eine englisch-italienisch-griechische Fassung eingesungen.[11]

Punktevergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Länder erhielten die meisten Punkte von oder vergaben die meisten Punkte an Rumänien:

Die meisten im Finale vergebenen Punkte
Platz Land Punkte
1 GriechenlandGriechenland Griechenland 106
2 MoldawienMoldawien Moldawien 94
3 TurkeiTürkei Türkei 70
4 RusslandRussland Russland 67
5 SchwedenSchweden Schweden 57
Die meisten im Finale erhaltenen Punkte
Platz Land Punkte
1 MoldawienMoldawien Moldawien 125
2 SpanienSpanien Spanien 121
3 IsraelIsrael Israel 89
4 PortugalPortugal Portugal 59
5 GriechenlandGriechenland Griechenland 53
Zypern RepublikZypern Zypern 53
Die meisten insgesamt vergebenen Punkte
Platz Land Punkte
1 GriechenlandGriechenland Griechenland 165
2 MoldawienMoldawien Moldawien 158
3 TurkeiTürkei Türkei 107
4 RusslandRussland Russland 100
5 UngarnUngarn Ungarn 91
Die meisten insgesamt erhaltenen Punkte
Platz Land Punkte
1 MoldawienMoldawien Moldawien 185
2 IsraelIsrael Israel 162
SpanienSpanien Spanien 162
4 GriechenlandGriechenland Griechenland 106
5 Zypern RepublikZypern Zypern 87

Stand: 2015

Vergaben der Höchstwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei zehn Contests vergab Rumänien die Höchstpunktzahl an fünf verschiedene Länder, davon siebenmal an Moldawien.

Erhaltenes Land
Jahr Land Platz
2005 MoldawienMoldawien Moldawien 6
2006 MoldawienMoldawien Moldawien 20
2007 MoldawienMoldawien Moldawien 10
2008 GriechenlandGriechenland Griechenland 3
2009 MoldawienMoldawien Moldawien 14
2010 DanemarkDänemark Dänemark 4
2011 MoldawienMoldawien Moldawien 12
2012 MoldawienMoldawien Moldawien 11
2013 MoldawienMoldawien Moldawien 11
2014 SchwedenSchweden Schweden 3
2015 ItalienItalien Italien 3

Stand: 2015

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rumänien ist das erste Land, das wegen nicht getilgter Schulden bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) disqualifiziert wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NDR: Rumänien vom ESC 2016 ausgeschlossen. In: www.eurovision.de. Abgerufen am 17. Oktober 2016.
  2. Anthony Granger • 4 days ago: Romania: Eurovision 2017 Participation Now 100% Certain. In: Eurovoix. 13. Oktober 2016, abgerufen am 17. Oktober 2016.
  3. Schied im osteuropäischen Vorentscheid in Ljubljana aus und durfte nicht am Finale in Irland teilnehmen.
  4. [1]
  5. [2]
  6. a b [3]
  7. [4]
  8. [5]
  9. [6]
  10. [7]
  11. [8]