Manfred Amerell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Manfred Amerell
Persönliches
Name Manfred Amerell
Geburtstag 25. Februar 1947
Geburtsort München
Land Deutschland
Einstufung
1984–1994 2. Bundesliga
1986–1994 1. Bundesliga

66

Manfred Amerell (* 25. Februar 1947 in München) ist ein ehemaliger deutscher Fußballfunktionär und -schiedsrichter. Er war von 1986 bis 1994 Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga in 66 Partien und war hauptberuflich Hotelier.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Karriere

Manfred Amerell fungierte von 1970 bis 1975 als Geschäftsführer beim TSV 1860 München, von 1975 bis 1979 in gleicher Funktion beim FC Augsburg und von 1979 bis 1984 war er Geschäftsführer beim Karlsruher SC.

Nebenher leitete er Fußballspiele im Jugend- und Amateurbereich, wobei er sich für höhere Aufgaben qualifizieren konnte. In der Saison 1984/85 debütierte er in der 2. Bundesliga. Am 28. März 1987 pfiff er sein erstes Spiel der 1. Bundesliga. 1991 und 1994 leitete er DFB-Supercup-Spiele. Höhepunkt seiner Laufbahn war die Leitung des Endspiels im DFB-Pokal 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen.

Seit Beendigung seiner Schiedsrichterzeit war Amerell als Funktionär des Deutschen Fußball-Bund tätig, zuletzt als Schiedsrichtersprecher für die über 80.000 im DFB tätigen Referees. In dieser Funktion kritisierte er wiederholt den mangelnden Respekt der Spieler vor Schiedsrichterentscheidungen[1] und das seiner Ansicht nach unangemessene Verhalten von Vereinsfunktionären am Spielfeldrand. Dabei sprach er von „Heuchlern auf der Bank“, die zu einer „Brutalisierung“ des Fußballs beitragen würden.[2] Für die Zeitung Der Tagesspiegel kommentierte Amerell in der Kolumne „Nach-Spiel“ aktuelle Schiedsrichterentscheidungen.[3]

Amerell betrieb bis November 2010 im Augsburger Stadtteil Haunstetten ein Hotel. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Zwillingstöchter.[4]

[Bearbeiten] Rücktritt und Schiedsrichteraffäre

Am 9. Februar 2010 gab Amerell bekannt, dass er seine DFB-Ämter aus gesundheitlichen Gründen ruhen lasse; auch seine Tätigkeit im Vorstand des Süddeutschen Fußball-Verbands (SFV) gab er auf. Am 12. Februar erklärte er dann, er trete aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er habe sich einem von ihm betreuten Schiedsrichter, Michael Kempter, gegen dessen Willen mit sexuellen Absichten genähert, von allen Ämtern zurück, da die „öffentlich gemachten Vorverurteilungen ein Ausmaß angenommen haben, das für mich und meine Familie nicht mehr erträglich“ sei.[5] Amerell sprach des Weiteren von einer Hetzkampagne gegen seine Person.[6] Der DFB erklärte, der Rücktritt sei „richtig und notwendig“.[7] Ein juristisches Vorgehen des DFB gegen Amerell lehnte DFB-Präsident Theo Zwanziger jedoch ab.[8] Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg hatte zuvor verlauten lassen, dass gegen Amerell nicht ermittelt werde.[9]

Am 5. November 2010 scheiterte Amerell mit einer Unterlassungsklage gegen Theo Zwanziger vor dem Landgericht Augsburg. Amerell wollte unterbinden lassen, dass ihm weiter Amtspflichtverletzung vorgeworfen werden kann. Das Gericht erklärte jedoch, dass Unterlagen und Vernehmungsprotokolle vorlägen, aus denen sich Amtspflichtsverletzungen ablesen ließen. Zudem habe Amerell selbst ausgesagt, die notwendige Distanz im Verhältnis zu Michael Kempter verloren zu haben.[10] Das Urteil wurde im Februar 2011 vom Oberlandesgericht München in letzter Instanz bestätigt.[11]

Im selben Monat begann ein Zivilprozess, in dem Amerell Kempter Verletzung des Persönlichkeitsrechts vorwarf und auf Schadenersatz verklagte, da Kempter bestritten hatte, dass die Beziehung zu Amerell einvernehmlich gewesen sei. Die Klage wurde zunächst am 12. Mai in erster Instanz abgewiesen.[12] Am 7. Dezember 2011 endete der Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht Stuttgart mit einem Vergleich. Kempter erklärte, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass in Amerells Wahrnehmung seine Ablehnung der Annäherungsversuche Amerells als nicht deutlich genug erschienen sein könnten. Amerell wiederum verzichtete auf seine Schadenersatzforderung. In den Medien wurde das Urteil überwiegend als Erfolg Amerells gewertet, da das Gericht "deutlichen Widerspruch zwischen den Aussagen [Kempters] beim DFB und der Staatsanwaltschaft sowie den Aussagen in der Presse" festgestellt habe.[13]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. „Schiri-Reform geplant – Der vierte Mann soll es richten“. Der Spiegel, 18. November 2001
  2. „Der Saustall gehört aufgeräumt“. Hamburger Abendblatt, 16. März 2005
  3. Manfred Amerells Kolumne „Nach-Spiel. Tagesspiegel
  4. Angie Tim-Merkel: „Manfred Amerell“. Südkurier, 12. Februar 2010
  5. Schiedsrichter-Funktionär Amerell bietet Rücktritt an, abgerufen am 1. März 2010
  6. Ex-Schiedsrichter: 'Wollte gütliche Einigung', abgerufen am 2. März 2010
  7. „DFB belastet Schiedsrichter Amerell“. Der Spiegel, 12. Februar 2010
  8. DFB geht nicht juristisch gegen Amerell vor. Die Welt, 17. Februar 2010
  9. Schiedsrichter-Funktionär Amerell bietet Rücktritt an. Spiegel, 12. Februar 2010
  10. http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/544503/artikel_Amerell-erleidet-juristische-Niederlage.html
  11. http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/sport_nt/fussball_nt/article12411125/Amerell-hat-Amtspflicht-verletzt.html
  12. http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/552354/artikel_amerell-verliert2c-will-aber-weiter-kaempfen.html
  13. Schiedsrichter: Rechtsstreit Amerell gegen Kempter beigelegt, SZ vom 7. November 2011
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge