Straßenname

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Straßennamensschild aus den 1970er Jahren

Als Straßenname bezeichnet man den Namen, den eine Straße zur Unterscheidung von anderen Straßen trägt. Straßennamen im weiteren Sinne sind auch Namen von Plätzen und Brücken. Die Namen von Weilern und Einzelsiedlungen ohne eigentliche Straßennamen werden in Straßenverzeichnissen und Postanschriften wie Straßennamen behandelt.

Straßennamen in Europa[Bearbeiten]

Benennung von Straßennamen allgemein[Bearbeiten]

Straßenbezeichnung in Kematen an der Ybbs in Niederösterreich

In europäischen Städten tragen die Straßen meist (Wort-)Namen (eine bekannte Ausnahme ist hier die Quadratestadt Mannheim, wo im relativ kleinen Gebiet der Innenstadt Planquadrate mit Buchstaben und Zahlen deren Funktion übernehmen), zwischenörtliche Verbindungsstraßen werden meist mit einer nach einem bestimmten System vergebenen Nummer bezeichnet.

Eine weitere Ausnahme ist auch in Kematen an der Ybbs in Niederösterreich zu finden, wo die Straßen nur numerisch bezeichnet werden.

Straßennamen in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland unterscheidet man in Bundesautobahnen (A), Bundesstraßen (B), Staatsstraßen oder Landesstraßen (St/S/L), Kreisstraßen (K) und Gemeindestraßen. All diese Gattungen besitzen jeweils eine eigene Nummerierung nach einem eigenen System.

Straßenschild einer Straße mit Nummer (Berlin-Karow)

Straßennamen in Deutschland folgen nach Marion Werner bestimmten Benennungsgrundsätzen. So sind sie auf Dauer ausgelegt (Namenswechsel sind eher selten), sie sind eindeutig (so gibt es keine zwei Dorfstraßen in einer Gemeinde), ihre Anzahl ist beschränkt. Ein weiterer Grundsatz ist jener der sogenannten Grundwortanalogie: die Straßenbenennung soll verdeutlichen, um welche Art Straße es sich handelt („Platz“, „Allee“, „Gasse“ „Ufer“). Allerdings können solche Grundsätze auch kollidieren, beispielsweise ist „Ulrichgasse“ in Köln keine kleine Gasse, sondern inzwischen eine mehrspurige Hauptstraße. Straßennamensbenennungen innerhalb eines Viertels sind oft thematisch, so gibt es Viertel mit Benennungen nach Autoren (Thomas-Mann-Straße, Goetheplatz) oder nach Regionen (Bayreuther Straße, Pfälzer Straße). Dies wird Grundsatz der Raumgliederung genannt. Ein weiterer Grundsatz ist jener der Richtungsweisung. So gibt es etwa eine Bonner Straße aus Köln in Richtung Bonn. Der Grundsatz der Gleichwertigkeit besagt, dass bedeutenden Personen auch bedeutende Straßen zustehen. Schließlich gibt es nach Werner einen Grundsatz der sozialen Verträglichkeit: wodurch ein schlechtes Licht auf die Straßenbewohner verhindert werden soll: beispielsweise sind Benennungen wie „Straße der Arbeitslosen“ nicht möglich. Straßennamen sind außerdem dem Grundsatz der nationalen Identität verpflichtet und spiegeln damit die Herrschaftsstrukturen und Ideologien der Namen wider.[1]

Projektierte Straßen im Bebauungsplan werden zunächst mit Buchstaben oder Nummern aufgeführt. Insbesondere wenn die Straßen nicht gleich angelegt werden oder die Bebauung nur langsam voranschreitet werden diese Bezeichnungen, beispielsweise in der Form Straße XX amtlich − ohne eigentliche Widmung − übernommen und zur Orientierung auch mit dieser Bezeichnung ausgeschildert. Diese Fälle von nummerierten Straßen finden sich häufig bei Straßen, die 1920 bei der Eingemeindung zu Groß-Berlin bereits in ehemaligen Vororten geplant und als solche angelegt waren. Erst unter bestimmten Umständen, wie Mehrdeutigkeit von Namen in der Gesamtstadt oder bei Wunsch der Anlieger, werden diese Straßen mit namentlichen Begriffen, etwa für ein Stadtviertel, gewidmet. Beispielsweise finden sich in Berlin-Karow Siedlungen zu beiden Seiten der Hauptstraße in diesem Sinne unbenannte Straßen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Straßen(wort)namen zeigt, dass es in den unterschiedlichen Epochen bestimmte prägende Muster gab, nach denen Straßen benannt wurden. Im Mittelalter gab es in größeren Städten meist zahlreiche kleine Gassen, und in jeder dieser Gassen lebte eine andere Handwerkszunft oder Bevölkerungsschicht. So trifft man heute in Altstädten noch häufig auf Straßennamen wie Schustergasse, Fleischergasse, Krämergasse oder Müllergasse. Namen nach Bevölkerungsgruppen sind ebenfalls häufig anzutreffen: wie Hugenottengasse oder Judengasse. Eine andere Form der Namenswahl im Mittelalter sind Heilige die Patrozinien angrenzender Kirchen, wie Marien- oder Johannesstraße, dies trifft vor allem auf Städten mit mehreren Kirchengemeinden zu. In der Erfurter Altstadt bestand eine besonders kleinteilige Gemeindestruktur mit über 25 Pfarreien, deren Namenspatrone noch heute in den meisten Fällen die an die Kirche angrenzende Straße bezeichnen.

Im Zeitalter des Absolutismus wurde es üblich, Straßen nach dem aktuellen Monarchen zu benennen, eine Tradition, die in Deutschland bis 1918 Bestand hatte, darauf gehen Straßennamen wie Friedrichstraße, Wilhelmstraße, Maximilianstraße oder Ludwigstraße zurück.

In der Gründerzeit wuchsen am Rande der Großstädte sehr schnell neue Viertel, deren Straßen alle nach demselben Muster bezeichnet wurden. Zum Beispiel tragen im Bayerischen Viertel in Berlin-Schöneberg die meisten Straßen Namen bayerischer Städte, wie Augsburger Straße, Bayreuther Straße oder Ansbacher Straße. Manchmal wurden flächendeckend Straßen nach bestimmten Persönlichkeiten benannt, wie die Löbervorstadt in Erfurt, wo die meisten Straßen nach Dichtern und Musikern benannt sind (Schillerstraße, Goethestraße, Mozartstraße). Eine andere Variante sind Straßennamen mit Bezug zu einer Person, wie in Berlin-Siemensstadt wo Geburtsort und Vornamen von Verwandten genutzt wurden.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Straßen zu Zwecken der Propaganda und Machtdemonstration nach bedeutenden lebenden NS-Persönlichkeiten benannt oder umbenannt, so gab es beispielsweise oft eine Adolf-Hitler-Straße. Straßen, deren Namen in direktem Bezug zum Nationalsozialismus standen, insbesondere die zahlreichen Adolf-Hitler-Straßen, wurden nach 1945 im Rahmen der Entnazifizierung in beiden Teilen Deutschlands vollständig umbenannt. Eine besondere Situation ist die SS-Siedlung in Zehlendorf, wo 14 Straßennamen mit Bezug zur NS-Ideologie über ein Preisausschreiben einer Zeitschrift ermittelt wurde und 1947 erfolgte für die meisten eine Umbenennung.

Stattdessen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Straßen etwa nach Gewerkschaftlern und kirchlichen Würdenträgern benannt; eine weitgehende politische Vereinnahmung von Straßennamen, wie im Nationalsozialismus üblich, unterblieb. In der Nachkriegszeit sind Tendenzen zur Verdrängung und die Sehnsucht nach einer heilen Welt feststellbar: so wurden in Köln Straßen etwa „Zum Milchmädchen“ oder „An der Paradieswiese“ genannt.[1]

Eine grundlegende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit begann etwa um 1970. Straßen wurden nun nach Opfern der Gewaltherrschaft benannt, etwa „Scheidemannstraße“ oder „Tucholskystraße“. Die Aufbruchstimmung der Zeit und der Glaube an den technischen Fortschritt führte zu Straßennamen mit Grundwörtern wie „Fahrt“, „Zubringer“, „Zentrum“, „Kreisel“ oder „Passage“.[1]

Politisch motivierte Umbenennungen von Straßen gab es in der DDR, wo Namen wie Friedrich-Engels-Straße, Karl-Marx-Straße, Leninstraße, Ernst-Thälmann-Straße, Karl-Liebknecht-Straße oder Rosa-Luxemburg-Straße, also ausschließlich Namen verstorbener Persönlichkeiten, zum „Standardrepertoire“ in größeren Städten gehörten. Auch begann man in der DDR, Straßennamen nach dem Muster „Straße (mit Genitiv)“ zu konstruieren, beispielsweise Straße des Aufbaus, Straße des Friedens, Straße der Widerstandskämpfer, Straße der Nationen, Straße des Komsomol, Straße der deutsch-sowjetischen Freundschaft, Straße der Jugend oder Straße des 7. Oktober, benannt nach dem Nationalfeiertag der DDR. Nach der Wiedervereinigung begann Anfang der 1990er Jahre eine zweite Welle der Straßenumbenennungen, bei der in Ostdeutschland vor allem Straßennamen, die realsozialistischen Politikern gewidmet waren, wie z. B. Otto-Grotewohl-Straße oder Leninallee, geändert wurden. Die Namen sozialistischer Theoretiker oder prä-realsozialistischer Politiker wie etwa Karl Marx, Friedrich Engels, Karl Liebknecht oder Rosa Luxemburg wurden hingegen vielerorts belassen. Eine Besonderheit bei der Praxis der Benennung von Straßen in der DDR stellte die Stadt Halle-Neustadt dar, bei der – ähnlich dem System in Mannheim und ganz nach der städteplanerischen Mode der 1960er Jahre – gänzlich auf Straßennamen verzichtet wurde und stattdessen jeder Häuserblock eine Blocknummer erhielt. In den meisten Straßen standen mehrere Häuserblöcke, so dass man sich tatsächlich nicht nach Straßen(namen) orientieren konnte, was bei Besuchern oft zu Verwirrung führte. Diese Praxis wurde 1990 zugunsten herkömmlicher Straßennamen geändert.

In der Bundesrepublik und auch im wiedervereinten Deutschland gab es seit 1945 verschiedene „Trends“, Straßen zu benennen. Wurden neue Wohngebiete angelegt, so benannte man die Straßen meist nach einem einheitlichen Muster, beispielsweise nach Pflanzen (wie Lindenstraße, Kastanienstraße oder Wacholderweg) oder Tieren (wie Bussardweg, Falkenstraße oder Löwenstraße). Gelegentlich werden Straßen mit Zahlen oder Buchstaben, teilweise auch in Kombination, benannt, wenn man sich noch nicht auf einen anderen Namen oder einen Namenstrend einigen konnte. So existieren beispielsweise in Berlin „Bundesstraße R“, „Straße 52a “ und „Straße 45“. Gerade letzteres kann aber zu Verwirrungen führen, da eine Adresse dann auf zwei numerische Bezeichnungen endet.

Seit den 1990er Jahren werden Straßen auch internationaler (etwa vor dem Hintergrund von Städtepartnerschaften) benannt, Beispiele sind „Namibiastraße“, „Wolgogradstraße“ oder „Itzhak-Rabin-Platz“. Auch die Ökonomisierung der Gesellschaft ist seitdem an Straßennamen ablesbar; so kamen von 1990 bis 1997 mehr als ein Viertel aller Gesamtbenennungen aus der Welt der Wirtschaft.[1]

In Deutschland gibt es in den letzten Jahren den deutlichen Trend, neue Straßen nach Frauen zu benennen, um die Dominanz der Straßen, die nach Männern benannt wurden, zurückzudrängen. Dies hat zur Folge, dass in vielen Neubaugebieten sämtliche Straßen nach bekannten Frauen benannt werden, beispielsweise werden für die neuangelegte Wasserstadt in Spandau vorrangig Frauen ausgewählt. Einige Städte haben sogar entsprechende Verordnungen erlassen, die die Vergabe weiterer nach Männern benannter Namen verbieten, solange das Geschlechterverhältnis nicht ausgeglichen ist. Solche Quoten werden gelegentlich kritisiert, dies sei übertriebene Politische Korrektheit. So bekam im April 2013 die auf einer solchen Quote basierende Ablehnung des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, den Platz vor dem Jüdischen Museum nach Moses Mendelssohn zu benennen, eine entsprechende deutschlandweite Presseresonanz.[2] [3] Im Ergebnis erhielt der Platz den Namen Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz, womit der Philosoph Mendelssohn und seine Frau gemeinsam geehrt wurden.

Benennung nach lebenden Personen[Bearbeiten]

In Deutschland ist es in der Regel nicht üblich, Straßen nach lebenden Personen zu benennen. Eine Ausnahme ist zum Beispiel der Kurt-Romstöck-Ring in Neumarkt in der Oberpfalz, der nach dem ehemaligen Oberbürgermeister anlässlich dessen 80. Geburtstages benannt wurde. Weitere Ausnahmen von dieser Regel bilden beispielsweise der Schlagersänger Tony Marshall, nach dem der Tony-Marshall-Weg in Baden-Baden benannt wurde, und der Unternehmer Dietmar Hopp, nach dem in Sinsheim, St. Leon-Rot und Walldorf Straßen benannt wurden. In Radolfzell wurde die Günter-Neurohr-Brücke nach dem früheren Oberbürgermeister Günter Neurohr benannt. Veranlassung für solche Namenswahl ist zumeist ein Jubiläum oder besondere Verdienste.

Schreibweise[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Schreibweisen für Straßenbezeichnungen, die jedoch häufig zu Verwirrungen führen (was wiederum zu falsch geschriebenen Straßennamen führt, teilweise sogar zu falschen offiziellen Beschilderungen).

  • Klassische Bezeichnung nach Subjekten: Lindenstraße (falsch: Linden-Straße), Meisenweg und Schlossplatz
  • Namensbezeichnung ohne Vornamen und ohne Bindestrich (wird jetzt nur noch selten verwendet): Goethestraße (falsch: Goethe-Straße), Dürerweg, Schillerplatz und Senefelderplatz (falsch: Senefelder Platz, weil nicht nach einer geografischen Bezeichnung, sondern nach dem Erfinder der Lithografie Alois Senefelder benannt).
  • Namensbezeichnung mit Vornamen und mit Bindestrichen: z. B. Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße, Albrecht-Dürer-Weg und Friedrich-Schiller-Platz
  • Nach Ortschaften oder bestimmten Plätzen benannte Straßen: Hauptstätter Straße (benannt nach der früheren Hauptstätte), Feuerbacher Weg (so nur, wenn nach der geografischen Bezeichnung Feuerbach benannt, wenn nach dem Bauernführer Matern Feuerbacher benannt, ist die korrekte Schreibweise "Feuerbacherstraße"), Cottbusser Platz, Stuttgarter Straße und Münsterstraße. Die Schreibweisen Stuttgarter-Straße oder Stuttgarterstraße werden in Deutschland und Österreich weithin als falsch angesehen, sind in der Schweiz und in Liechtenstein hingegen üblich und gängiger als die getrennt geschriebene Variante. (Beispiele: Schaffhauserplatz in Zürich, Lörracherstrasse oder Grenzacherstrasse in Riehen bei Basel.)
  • nach Eigenschaften benannte Straßen: Krumme Straße (falsch: Krumme-Straße oder Krummestraße), Blauer Weg und Alter Platz.

Die Deklination von Adjektiven in Straßennamen geschieht regional unterschiedlich. So bleiben in manchen Gebieten die Straßennamen in der Regel grammatisch unangepasst (z. B. „In der Hohe Straße“), während in vielen anderen deutschsprachigen Gegenden normal dekliniert wird.[4] Wahrigs Standardwerk Die deutsche Rechtschreibung gibt an, dass Straßennamen grundsätzlich dekliniert werden. Die im schweizerischen und österreichischen Raum verbreiteten zusammengeschriebenen Straßennamen werden im Allgemeinen nicht dekliniert.

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Den längsten deutschen Straßennamen hat die Bischöflich-Geistlicher-Rat-Josef-Zinnbauer-Straße in Dingolfing.[5]
  • In der Mannheimer Innenstadt (Quadratestadt) haben viele Straßen gar keine Namen.
  • Sehr häufig umbenannt wurden Straßen bis heute besonders in Ostdeutschland, was sich am Beispiel der Magdeburger Allee in Erfurt-Ilversgehofen, die in 80 Jahren acht verschiedene Namen trug, nachvollziehen lässt:
  1. Hauptstraße hieß sie bis zur Eingemeindung Ilversgehofens in die Stadt Erfurt.
  2. Poststraße hieß sie zwischen 1912 und 1933
  3. Horst-Wessel-Straße hieß sie nach Horst Wessel zwischen 1933 und 1945
  4. Straße der Guten Hoffnung hieß sie 1945/46
  5. Weißenseer Allee nach der Stadt Weißensee zwischen 1946 und 1950
  6. Stalinallee zwischen 1950 und 1961
  7. Karl-Marx-Allee zwischen 1961 und 1990
  8. Magdeburger Allee seit 1990[6]

So lässt sich an Straßennamen mitunter die politische Geschichte des Landes nachvollziehen. Straßennamen können ein Instrument der Geschichtspolitik und der Erinnerungskultur sein.[7]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Häufigster Straßenname in Deutschland ist Hauptstraße, sie gab es, Stand 2001, 7630 mal. Es folgen Dorfstraße (6988), Bahnhofstraße (4979), Kirchstraße (2893), Schillerstraße (2248), Goethestraße (2172), Friedhofstraße (1624) und Beethovenstraße (1264). Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik knapp 1,2 Million verschiedene Namen für Straßen und Plätze.[8]

In der Schweiz führt die Bahnhofstrasse mit 1368 Vorkommen, Stand 2003, die Liste der häufigsten Straßennamen an, in etwa jeder dritten Gemeinde ist er zu finden. Hier mag die relativ große Dichte des Schienenverkehrsnetzes des Landes eine Rolle spielen. Es folgen Hauptstrasse (1269), Dorfstrasse (1193), Industriestrasse (523), Schulstrasse (440) und Oberdorfstrasse (424). Im Vergleich zu Deutschland fällt auf, dass sich unter den 20 häufigsten Straßennamen keiner befindet, mit dem eine Person geehrt wird.[9]

Im Vereinigten Königreich liegt die High Street an erster Stelle. Der Name ist gleichbedeutend mit der Haupteinkaufsstraße. Es folgen Station Road (Bahnhofstraße), Main Street (Hauptstraße) und Church Street (Kirchstraße). Mit der Victoria Road folgt auf Platz fünf der erste Straßenname, der Bezug auf das britische Königshaus nimmt, hier auf Königin Victoria. Derartige Bezeichnungen sind relativ häufig anzutreffen, unter den 25 häufigsten Straßennamen ist dies bei sieben der Fall.[10]

Straßennamen außerhalb Europas[Bearbeiten]

Außerhalb Europas sind Straßennamen nicht immer üblich, so besitzen z. B. in Japan die Straßen im Allgemeinen keine Namen und die Adressierung und Orientierung erfolgt stattdessen nach den umfassten Parzellen oder Häuserblöcken.

Straßennamen in den Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

Eine besondere Systematik der Straßennamen gibt es in vielen Städten in den Vereinigten Staaten, das bekannteste Beispiel ist hier der Stadtteil Manhattan von New York. Die Straßen sind hier planmäßig in einem Gitter angeordnet. Die Straßen verlaufen in Ost-West-Richtung, die kleinsten Nummern sind im Süden. Die „Streets“ sind teils mit Nummern und teils mit Namen versehen. Die nummerierten Straßen erhalten westlich der 5th Avenue den Vorsatz „West“, östlich davon „East“, Beispiel: East 14th Street.

Die „Avenues“ verlaufen rechtwinklig dazu in Nord-Süd-Richtung. Die Avenues sind durchnummeriert (zum Beispiel „Fifth Avenue“), einige haben jedoch eigene Namen.

Manche Straßen eines Namens sind auch nicht zusammenhängend, zum Beispiel bestehen die 2nd Avenue bis 48th Avenue in San Francisco aus jeweils zwei Teilen südlich und nördlich des Golden Gate Parks.

In fast jeder Stadt gibt es nummerierte Straßen, wobei jedoch die 1st Street nicht am Rande gelegen ist, sondern meist eine zentrale Hauptverkehrsstraße ist. Aufgrund von Umbenennungen ist 1st Street nur der dritthäufigste Straßenname nach der 2nd Street und der 3rd Street.[11]

In Lateinamerika gibt es ebenfalls nummerierte Straßen nach dem USA-Vorbild.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d goethe.de: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz – Straßennamen als Spiegel der Geschichte. Abgerufen am 1. November 2012.
  2. Spiegel online: Deutscher Regelungswahn: Der Ehepaar-Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz, 24. April 2013
  3. Der Stern: Berliner Posse um Quote bei Straßennamen Warum Mendelssohns Frau mit aufs Schild darf, 27. April 2013
  4. Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Folge 3. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03742-0, S. 182 ff.
  5. Quelle: Geodaten von FUZZY! Post™, Stand: Juli 2007
  6. Walter Blaha u. a.:Erfurter Straßennamen in ihrer historischen Entwicklung. Erfurt 1992. S. 109.
  7. Fachtagung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zur Umbenennung NS-belasteter Straßennamen am 12. Juli 2011
  8. Pressemitteilung der Deutschen Post AG vom 18. Juli 2001, abgerufen am 24. Mai 2014
  9. Statistische Auswertung des Schweizerischen Telefonbuchs auf einer privaten Website, abgerufen am 24. Mai 2014
  10. Halifax Estate Agents reveals the UK's Top 50 street names Pressemitteilung der Immobilienabteilung der Halifax Bank vom 2. Januar 2009, abgerufen am 24. Mai 2014. PDF, 40kB (englisch)
  11. Auswertung aufgrund von 1993 Censusdaten

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Frese (Hg.): Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. Ardey, Münster 2012, ISBN 978-3-87023-363-1.
  • Arndt Kremer: Namen schildern: Straßennamen und andere Namensfelder im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht. In: Marc Hieronimus (Hrsg.): Historische Quellen im DaF-Unterricht. Materialien Deutsch als Fremdsprache. Bd. 86. Göttingen: Universitätsverlag, S. 135–176. ISBN 978-3-86395-061-3
  • Johanna Sänger: Heldenkult und Heimatliebe. Straßen- und Ehrennamen im offiziellen Gedächtnis der DDR. Christoph Links, Berlin 2006, ISBN 3-86153-398-7. (Rezension)
  • Berchtold Weber: Strassen und ihre Namen. Am Beispiel der Gemeinde Bern. Stämpfli, Bern 1990, ISBN 3-7272-9850-2.
  • Marion Werner: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz. Eine Kulturgeschichte der Kölner Straßennamen seit 1933. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2008, ISBN 978-3-412-20183-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Straßenname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen