Abentheuer

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Wappen Deutschlandkarte
Abentheuer
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Abentheuer hervorgehoben

Koordinaten: 49° 39′ N, 7° 6′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Birkenfeld
Verbandsgemeinde: Birkenfeld
Höhe: 421 m ü. NHN
Fläche: 6,12 km2
Einwohner: 430 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55767
Vorwahl: 06782
Kfz-Kennzeichen: BIR
Gemeindeschlüssel: 07 1 34 001
Adresse der Verbandsverwaltung: Schneewiesenstraße 21
55765 Birkenfeld
Website: www.abentheuer.de
Ortsbürgermeisterin: Andrea Thiel
Lage der Ortsgemeinde Abentheuer im Landkreis Birkenfeld
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Über dieses Bild

Abentheuer ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Birkenfeld an. Abentheuer ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt am Traunbach im Schwarzwälder Hochwald im Hunsrück. Am Ortsrand startet die Trauntalschleife, prämierter Wanderweg des Saar-Hunsrück-Steigs. 71,5 Prozent der Gemarkungsfläche sind bewaldet. Im Norden befindet sich Börfink, im Osten Buhlenberg und im Süden Brücken. Abentheuer ist eine Nationalparkgemeinde im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Zu Abentheuer gehören auch die Wohnplätze Arthenberg und Hujetsägemühle.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abentheuer ist Anfang des 20. Jahrhunderts aus den beiden ehemals getrennten Ortsteilen Leyen und Abentheuer bzw. Abentheuerhütte zusammengewachsen. Leyen, das im Südosten des heutigen Ortes am Traunbach lag, wurde erstmals 1367 erwähnt. Das nördlich davon gelegene Abentheuer lässt sich frühestens 1580 nachweisen. Beide Orte trugen bis zum 18. Jahrhundert noch unterschiedliche Namen.

Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte landesherrlich zur Grafschaft Sponheim. Der Traunbach fungierte als Grenze zwischen dem hunolsteinischen, ab 1598 zweibrückischen Amt Achtelsbach im Westen und dem sponheimischen Amt Birkenfeld im Osten. Im Laufe seiner Geschichte gehörte der Ort entweder der Pfarrei in Achtelsbach oder der Pfarrei in Birkenfeld an – heute zur Pfarrei Brücken.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts begann in Abentheuer die Verarbeitung von Eisen, zunächst aus den Gruben in Buhlenberg und Elchweiler, später aus Thalfang und Schwarzenbach. 1763 ging die Abentheuerer Hütte nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Besitz der Unternehmerfamilie Stumm über, die bereits über andere Hütten und Hammerwerke in der Region verfügte. Nach diesem Wechsel stieg die Produktion in Abentheuer deutlich an, seit 1770 stellte man vor allem Gusseisenwaren aus importiertem Roheisen her. 1835 wurde die Abentheuerer Hütte an die Gebrüder Böcking vererbt. Nach 1870 wurde der Betrieb infolge des Übergangs vom Holzkohlen- zum Koks-Hochofenbetrieb und vom Frischfeuer- zum Puddelofenbetrieb mehr und mehr eingeschränkt und 1875 wurde die Fertigung eingestellt. Die Besitzer siedelten zur Halbergerhütte an die Saar.

Im späten 17. Jahrhundert siedelte sich östlich des Ortes im bewaldeten Tal der Traun die Hujetssägemühle an. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus ihr eine Möbelfabrik mit mehreren Produktionsgebäuden, die in den 1960er-Jahren aufgegeben wurde, und ein heute nicht mehr betriebenes Gasthaus.

Im Jahre 1797 beging der als Schinderhannes bekanntgewordene Räuber Johannes Bückler in Abentheuer einen Pferdediebstahl.

Helene Kahn, geborene Marx, wurde 1864 in Abentheuer geboren. Sie wohnte in Abentheuer, bis sie unmittelbar nach der sogenannten "Machtergreifung" der Nationalsozialisten im Jahr 1933 nach Frankreich emigrierte. Helene Kahn wurde am 3. November 1942 vom Sammellager Drancy ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Sie ist die einzige Person jüdischer Herkunft aus Abentheuer, die von den Nazis deportiert und ermordet wurde.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Abentheuer, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 228
1835 450
1871 398
1905 339
1939 331
1950 390
1961 413
Jahr Einwohner
1970 419
1987 398
1997 507
2005 470
2011 459
2017 430
2021 430[1]
Einwohnerentwicklung von Abentheuer von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Abentheuer besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.[4]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hatte seit 1857 folgende Gemeindevorsteher und Ortsbürgermeister:

Amtsinhaber von bis
Gustav Adolf Böcking 11. Juni 1857 31. Okt. 1891
von Hammerstein 25. Apr. 1892 21. Apr. 1914
Wilhelm Antes 29. Sep. 1914 13. Aug. 1919
Karl Mersch 13. Aug. 1919 10. Jan. 1923
Kurt Böcking(1) 25. Feb. 1923 23. Okt. 1964
Richard Spreier 4. Dez. 1694 10. Juni 1972
Günther Jörg (1926–2011) 17. Juni 1972 17. Aug. 1999
Klaus Goldt 17. Aug. 1999 16. Juli 2019
Andrea Thiel [5][6] 16. Juli 2019
(1) Während seines Kriegseinsatzes vom 25. April 1940 bis 19. März 1945 wurde er von Karl Mersch vertreten.

Bei der Stichwahl am 16. Juni 2019 war Andrea Thiel mit einem Stimmenanteil von 54,30 % für fünf Jahre gewählt worden,[7] nachdem bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 keiner der ursprünglich vier Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.[8]

Nach der Kommunalwahl verurteilte das Landgericht Bad Kreuznach aufgrund einer Strafanzeige zweier unterlegener Bewerber den Wahlleiter Klaus Goldt wegen Wahlfälschung zu einer Geldstrafe. Dieser hatte die heute amtierende Bürgermeisterin der Ortsgemeinde Abentheuer trotz Versäumen der Bewerberfrist als Kandidatin zur Wahl zugelassen. In erster Instanz wurde dieser zu einer Geldstrafe verurteilt.[9][10]

Bei der Wiederholung der Urwahl am 7. November 2021 wurde Andrea Thiel mit einem Stimmenanteil von 84,6 % erneut gewählt und am 22. November in das Amt eingeführt.[11][12][13]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Abentheuer
Blasonierung: „Über zu zwei Reihen rot-silbern geschachtem Schildfuß in Grün ein konischer silberner Gusstiegel, begleitet von zwei zugeneigten (schräg und gegenschräg gestellten) goldenen Roggenähren.“

Das Wappen der Gemeinde Abentheuer wurde 1965 vom rheinland-pfälzischen Innenministerium genehmigt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmäler in Abentheuer stehen die in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragenen Kulturdenkmäler. Auf der Gemarkung der Gemeinde sind zudem mehrere Bäume und Felsformationen als Naturdenkmale ausgewiesen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Osten verläuft die Bundesstraße 41 und im Süden die Bundesautobahn 62. In Neubrücke ist ein Bahnhof an der Nahetalbahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Abentheuer geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Friedrich Stumm 1836

Mit Abentheuer verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Rüter (* 1940), ehemaliger Staatssekretär der Landesregierung Rheinland-Pfalz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Abentheuer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2021, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Februar 2022. S. 27 (PDF; 3,3 MB).
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  5. Unsere Gemeinden: Abentheuer. Verbandsgemeinde Birkenfeld, abgerufen am 15. September 2020.
  6. Klaus Goldt: Konstituierende Sitzung des Ortsgemeinderates Abentheuer. Einladung. In: Birkenfelder Anzeiger, Ausgabe 28/2019. Abgerufen am 15. September 2020.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. Abgerufen am 15. September 2020 (siehe Birkenfeld, Verbandsgemeinde, erste Ergebniszeile).
  8. Axel Munsteiner: Bürgermeister gesucht: Vorschau auf Stichwahlen in Abentheuer und Hoppstädten-Weiersbach. In: Nahe-Zeitung. Mittelrhein-Verlag GmbH, Koblenz, 13. Juni 2019, abgerufen am 15. September 2020 (Nur Artikelanfang frei zugänglich).
  9. Axel Munsteiner: Amtsgericht ist überzeugt: Ex-Ortschef beging Wahlfälschung. In: Nahe-Zeitung. Abgerufen am 15. März 2021 (kostenpflichtiger Artikel).
  10. Axel Munsteiner: Wahlfälschung in Abentheuer: Urteil gegen Ex-Bürgermeister bleibt bestehen. In: Nahe-Zeitung. Abgerufen am 12. Mai 2021 (kostenpflichtiger Artikel).
  11. Amtliche Mitteilung Verbandsgemeindeverwaltung Birkenfeld: Bekanntmachung. Abgerufen am 24. August 2021.
  12. OB-Wahlen in Abentheuer und Sonnenberg: Klare Siege für Thiel und Robbert. In: Nahe-Zeitung. Mittelrhein-Verlag GmbH, Koblenz, 7. November 2021, abgerufen am 15. November 2021.
  13. Rainer Gaukler: Sitzung des Ortsgemeinderates Abentheuer. In: Birkenfelder Anzeiger, Ausgabe 46/2021. Linus Wittich Medien GmbH, Höhr-Grenzhausen, abgerufen am 17. Juni 2022.