Kulm (Skiflugschanze)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kulm
Kulm

Die Skiflugschanze Kulm am Kulmkogel,
im Hintergrund das Massiv des Grimming

Kulm (Skiflugschanze) (Österreich)
Red pog.svg
Standort
Stadt Tauplitz
Land OsterreichÖsterreich Österreich
Verein WSV Tauplitz/Klachau
Zuschauerplätze bis zu 90.000 möglich
Baujahr 1950
Umgebaut 2004
Erweitert 1953, 1986, 2014
Schanzenrekord 237,5 m
DeutschlandDeutschland Severin Freund (2015)
Daten
Aufsprung
Hillsize HS 225
Konstruktionspunkt 200 m

47.54631666666713.995461111111Koordinaten: 47° 32′ 46,7″ N, 13° 59′ 43,7″ O

Die Schanze am Kulm im steirischen Tauplitz am Berg Kulmkogel (1123 m) gehört zu den größten Skiflugschanzen der Welt. Sie galt bis zum Umbau 2014 als die weltgrößte Naturschanze.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelten einige Enthusiasten die Idee, am Kulm eine Skisprungschanze zu errichten. Die erste Sprungkonkurrenz fand 1950 vor mehr als 10.000 Zuschauern statt. Hubert Neuper senior, der Vater des ehemaligen Skisprung-Weltcup-Siegers Hubert Neuper junior war einer der ersten Springer, der über die Schanze ging. Er erreichte dabei eine Weite von 96 Metern. Der erste Sieger war der Österreicher Rudi Dietrich mit einer Weite von 103,0 Metern. Auf der leicht umgebauten Schanze kam die österreichische Skisprung-Legende Sepp „Bubi“ Bradl ein Jahr darauf bereits auf eine Weite von 115,0 Metern.[2]

Nachdem schon 1975, 1986 und 1996 erfolgreich eine Weltmeisterschaft auf der Skiflugschanze Kulm durchgeführt wurde, war der Kulm zuletzt 2006 Schauplatz der Weltmeisterschaft. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde der Rücktritt von Andreas Goldberger offiziell bekannt gegeben. Mit seinem letzten Flug verabschiedete er sich am 13. Jänner 2006 endgültig von seiner aktiven Laufbahn.

Von den Österreichischen Bundesbahnen wurde anlässlich der Skiflug-Weltmeisterschaft 1996 auf der nahe dem Zielgelände vorbeiführenden Bahnstrecke der Salzkammergutbahn die Bedarfs-Haltestelle Schiflugschanze Kulm errichtet. Seitdem werden bei Skiflugveranstaltungen Zuschauer auch mit Sonderzügen zum Kulm befördert und entlasten so den Verkehr auf der Salzkammergut Straße (B 145).

Im Herbst 2004 wurde die Flugschanze neuerlich umgebaut und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Den Springern und Funktionären steht seitdem als Aufstiegshilfe ein neuer Doppel-Sessellift zur Verfügung.

Anlässlich der Skiflug-Weltmeisterschaft 2006 wurde direkt über der Anlaufspur für die Springer ein neues Starthaus mit Warteraum und Imbissstube errichtet. Im Bereich der Mittelstation des Sessellifts wurde im Kampfrichterturm ein kleines Skisprung-Museum eingerichtet.

Im Hinblick auf die Skiflug-Weltmeisterschaft 2016 wurde die Schanze im Sommer 2014 umgebaut. Der Schanzentisch wurde künstlich angehoben und nach hinten verlegt. Die Schanze hat nun eine Hillsize von 225 Metern. Durch den Umbau ging die Charakteristik einer Naturschanze verloren.

Den Schanzenrekord hält seit dem 9. Jänner 2015 Severin Freund (Deutschland), der im zweiten Training 237,5 Meter weit flog. Er löste damit den bisherigen Rekordhalter Gregor Schlierenzauer (Österreich) ab, der seit 2009 mit 215,5 Metern die Höchstweite hielt (Der Schanzenrekord wurde im Laufe des Trainings zuerst auch von Jurij Tepeš 220 m und Robert Kranjec 221 m verbessert).

Sommer am Kulm[Bearbeiten]

Beim RedBull400 wird im Sommer 400 Meter von unten nach oben gelaufen
Andreas Goldberger, Sieger 1996 und 2000

Am 25. September 2011 fand zum ersten mal das RedBull 400 statt. Bei dieser Laufveranstaltung musste die gesamte Schanze inklusive Auslauf von unten nach oben laufend bewältigt werden. Der Sieger Ahmet Arslan benötigte dafür 5:04,58 min. 2012 und 2013 fand diese Veranstaltung ihre Fortsetzung und Ahmet Arslan konnte seine Zeit auf 4:57,50 min. verbessern.

Ehrentafel der Sieger[Bearbeiten]

Die Skiflugschanze am Kulm in Tauplitz war bisher viermal Schauplatz der Skiflug-Weltmeisterschaften und regelmäßiger Austragungsort von Skisprung-Weltcup-Wettbewerben. In der Geschichte konnten sich bisher Springer aus neun verschiedenen Nationen in die Siegerliste eintragen.[3]

Datum Veranstaltung Sieger Nation Weite Anmerkung
1950 Rudi Dietrich OsterreichÖsterreich AUT 103,0 m
1951 Sepp Bradl OsterreichÖsterreich AUT 115,0 m
1953 Sepp Bradl OsterreichÖsterreich AUT 120,0 m
1956 Werner Lesser Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 122,0 m
1959 Torbjørn Yggeseth NorwegenNorwegen NOR 127,0 m
1962 Helmut Recknagel Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 136,0 m
1965 Henrik Ohlmeyer DeutschlandDeutschland GER 140,0 m
1968 Zbyněk Hubač TschechienTschechien CZE 126,0 m
1971 abgesagt (heftiger Wind)
1975 3. Skiflug-WM Karel Kodejška TschechienTschechien CZE 144,0 m
1978 Peter Leitner DeutschlandDeutschland GER 145,0 m
1982 Weltcup (3-Tages-Wertung) Hubert Neuper OsterreichÖsterreich AUT 167,0 m
1986 9. Skiflug-WM Andreas Felder OsterreichÖsterreich AUT 191,0 m
1991 Weltcup / 1. Wertungstag Stephan Zünd SchweizSchweiz SUI 179,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Stefan Horngacher OsterreichÖsterreich AUT 190,0 m
1992 Weltcup / 1. Wertungstag Jaroslav Sakala TschechienTschechien CZE 184,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Jaroslav Sakala TschechienTschechien CZE 190,0 m
1996 14. Skiflug-WM Andreas Goldberger OsterreichÖsterreich AUT 198,0 m
1997 Weltcup / 1. Wertungstag Takanobu Okabe JapanJapan JPN 205,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Primož Peterka SlowenienSlowenien SLO 203,0 m
2000 Weltcup / 1. Wertungstag Sven Hannawald DeutschlandDeutschland GER 198,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Andreas Goldberger OsterreichÖsterreich AUT 209,5 m gestürzt, Abbruch
2003 Weltcup / 1. Wertungstag Florian Liegl OsterreichÖsterreich AUT 208,5 m
Weltcup / 2. Wertungstag Sven Hannawald DeutschlandDeutschland GER 196,5 m
2005 Weltcup / 1. Wertungstag Andreas Widhölzl OsterreichÖsterreich AUT 206,5 m
Weltcup / 2. Wertungstag Adam Małysz PolenPolen POL 209,5 m
2006 19. Skiflug-WM Roar Ljøkelsøy NorwegenNorwegen NOR 201,5 m
2009 Weltcup / 1. Wertungstag Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich AUT 215,5 m
Weltcup / 2. Wertungstag Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich AUT 203,5 m
2010 Weltcup / 1. Wertungstag Robert Kranjec SlowenienSlowenien SLO 200,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich AUT 205,0 m
2012 Weltcup / 1. Wertungstag - Abbruch wegen Schlechtwetter
Weltcup / 2. Wertungstag Robert Kranjec SlowenienSlowenien SLO 206,0 m
2014 Weltcup / 1. Wertungstag Noriaki Kasai JapanJapan JPN 197,0 m
Weltcup / 2. Wertungstag Peter Prevc SlowenienSlowenien SLO 198,0 m
2015 Weltcup / 1. Wertungstag Severin Freund DeutschlandDeutschland GER 227,5 m
Weltcup / 2. Wertungstag - Wettbewerb wegen starken Windes abgesagt


Schanzenrekorde[Bearbeiten]

Jahr Sportler Nation Weite
1950 Hubert Neuper sen. OsterreichÖsterreich Österreich 96 m
1950 Rudi Dietrich OsterreichÖsterreich Österreich 103 m
1951 Sepp Bradl OsterreichÖsterreich Österreich 115 m
1953 Sepp Bradl OsterreichÖsterreich Österreich 122 m
1956 Werner Lesser Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 125 m
1959 Torbjørn Yggeseth NorwegenNorwegen Norwegen 127 m
1962 Peter Lesser Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 141 m WR
1965 Peter Lesser Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 145 m WR
1975 Karl Schnabl OsterreichÖsterreich Österreich 151 m
1978 Edi Federer OsterreichÖsterreich Österreich 164 m
1982 Hubert Neuper OsterreichÖsterreich Österreich 167m
1986 Andreas Felder OsterreichÖsterreich Österreich 191 m WR
1996 Janne Ahonen FinnlandFinnland Finnland 200 m
1996 Jens Weißflog DeutschlandDeutschland Deutschland 201 m
1997 Takanobu Okabe JapanJapan Japan 205 m
2003 Florian Liegl OsterreichÖsterreich Österreich 208,5 m
2003 Sven Hannawald DeutschlandDeutschland Deutschland 214 m
2009 Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich Österreich 215,5 m
2015 Jurij Tepeš SlowenienSlowenien Slowenien 220 m
2015 Robert Kranjec SlowenienSlowenien Slowenien 221 m
2015 Severin Freund DeutschlandDeutschland Deutschland 237,5 m

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Morgenstern bei Sturz am Kulm schwer verletzt. derstandard.at, 11. Januar 2014, abgerufen am 19. Januar 2014.
  2. Geschichte des Kulm, Austria Ski Nordic VeranstaltungsgesmbH, abgerufen am 28. Juli 2015
  3. Kulmsieger, Austria Ski Nordic VeranstaltungsgesmbH, abgerufen am 24. September 2013