Nachtschicht (Filmreihe)

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Seriendaten
OriginaltitelNachtschicht
ProduktionslandDeutschland (Hamburg)
OriginalspracheDeutsch
Jahr(e)seit 2002
Länge90 Minuten
Episoden14 (Liste)
GenreKriminalfilm-Reihe
ProduktionNetwork Movie (ZDF)
Erstausstrahlung2003 auf ZDF
Besetzung

Nachtschicht ist der Titel einer deutschen Kriminalfilm-Reihe von Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker. Die Reihe wird für das ZDF produziert. Seit 2003 wurden vierzehn Folgen ausgestrahlt.

Idee und Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptfiguren der „Nachtschicht“-Polizeifilmreihe sind vier Beamte der Nachtschicht-Besetzung des Kriminaldauerdienstes (KDD) in Hamburg: Hauptkommissar Erich Bo Erichsen (Armin Rohde), Hauptkommissarin Paula Bloom bis 2005 (Katharina Böhm), Lisa Brenner ab 2005 (Barbara Auer), Kommissarin Mimi Hu (Minh-Khai Phan-Thi) sowie bis 2008 der Polizist Teddy Schrader (Ken Duken). Erichsen ist im Nachtschicht-Team der erfahrene Straßenpolizist, Bloom eine Polizeipsychologin. Die beiden Neulinge Schrader und Hu repräsentieren die junge Generation im Polizeidienst.

Anders als bei konventionellen Krimiserien steht bei den „Nachtschicht“-Filmen nicht die Lösung eines Falls im Vordergrund, sondern vielmehr die Dynamik der jeweiligen Handlung sowie die Personen, die daran beteiligt sind. Die ersten vier „Nachtschicht“-Filme konzentrierten sich vor allem auf die kleinen und großen Katastrophen, die oft den Hintergrund von Polizeiarbeit abgeben und verdichteten sie zu Film-Noir-geprägten Großstadt-Thrillern: Bankraub mit Geiselnahme (Amok!), die Beziehung von verurteilten Straftätern zu ihren Kindern (Vatertag), Gewalt gegen Frauen (Tod im Supermarkt) sowie das Spektakel bei einem Gefängnisausbruch (Der Ausbruch).

Die Haupthandlung der einzelnen Folgen ist zeitlich jeweils auf den Turnus einer Nachtschicht – also von 18:00 Uhr abends bis 06:00 Uhr morgens – komprimiert. Aus dem Rahmen üblicher Polizeiserien fällt auch der stark an den Neo-Noir-Thriller angelehnte Inszenierungsstil. Die einzelnen Filme der „Nachtschicht“-Reihe haben zwar schon aufgrund ihrer Länge Spielfilmcharakter. Bestimmte Handlungsstränge kehren allerdings immer wieder – so etwa die Frage nach dem finanziellen Background von Hauptkommissar Erich Bo Erichsen. Die unbeantwortet gelassene Frage, ob Erichsen bei der Verhaftung des ehemaligen Bühnenroadies Randy Schlosser die Beute für sich selbst auf die Seite geschafft hat, ist in sämtlichen Nachtschicht-Filmen ein mehr oder weniger stark mitschwingendes Thema.

Genre und Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lars Becker, bekannt bislang vor allem durch Großstadtfilme wie zum Beispiel Kanak Attack (1996) oder Rette deine Haut, blieb auch bei der vom ZDF produzierten Reihe „Nachtschicht“ seiner Art von Dramaturgie treu. Das hinter der Serie stehende Konzept beschrieb er in einem ddp-Interview wie folgt: „Mich interessieren an Stoffen immer die Beziehungen von Menschen und wie sie sich zueinander verhalten – egal ob mächtig oder machtlos.“ Für die Kostümausstattung der Serie verantwortlich war seine Frau Fana Becker. Stark geprägt wurde die Serie auch durch die bis in die Nebenrollen präsente Besetzung mit bekannten Schauspielern – etwa der ehemaligen VIVA-Moderatorin Charlotte Roche in einer Szene als Supermarkt-Kassiererin oder Götz George in der zehnten Folge in einer Hauptrolle.

Die Kontinuität des Regisseurs bei der Besetzung von Rollen machte sich in der „Nachtschicht“-Reihe auf zweierlei Art bemerkbar – zum einen durch Nebenfiguren, die in mehreren Folgen auftauchen, wie zum Beispiel Rosas Freund, der Taxifahrer Floyd (Ill-Young Kim). Einige Schauspieler verkörpern in unterschiedlichen Episoden auch unterschiedliche Figuren: Ercan Durmaz etwa in Amok! den Nachbarn von Rosa, in Vatertag hingegen den Outcast Santini. Eine ähnliche Wandlung machte die Nebenrollen-Besetzung Oscar Ortega Sánchez durch: War er in der ersten Folge als Besitzer einer italienischen Espressobar zu sehen, gab er im Nachfolger Vatertag den Betreiber eines Strip-Ladens im Rotlichtmilieu. Einen Bruch gab es in der Folge Vatertag auch bei der Revierleitung des KDD: Anstelle des gewohnten Pierre Semmler spielte Christian Redl eine Folge lang den unmittelbaren Vorgesetzten der Nachtschicht-Truppe. Zwischenzeitlich hatte Peter Kremer die Rolle inne, die mittlerweile von Özgür Karadeniz übernommen wurde.

Episodenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folge Titel Regie Drehbuch Erstaufführung Erstausstrahlung (ZDF) Episodenschauspieler
1 Amok! Lars Becker Lars Becker 2002 (DVD) 24. März 2003 Uwe Ochsenknecht, Charlotte Roche, Cosma Shiva Hagen, Florian Lukas
2 Vatertag Lars Becker Lars Becker 22. März 2004 Jasmin Gerat, Anja Kling, Wotan Wilke Möhring, Axel Prahl
3 Tod im Supermarkt Lars Becker Lars Becker 24. Sep. 2005 Filmfest Hamburg 23. Jan. 2006 Devid Striesow, Susanne Bormann, Henriette Heinze, Christian Redl
4 Der Ausbruch Lars Becker Lars Becker 8. Okt. 2006 Filmfest Hamburg 29. Jan. 2007 Martin Brambach, Jan Josef Liefers, Anna Loos, Florian Lukas, Bela B.
5 Ich habe Angst Lars Becker Lars Becker 28. Jan. 2008 Ulrike Krumbiegel, Matthias Brandt, Manuel Cortez, Claudia Mehnert, Sandra Borgmann
6 Blutige Stadt Lars Becker Lars Becker 26. Jan. 2009 Sibel Kekilli, Maja Maranow, Fritz Karl, Uwe Kockisch
7 Wir sind die Polizei Lars Becker Lars Becker 1. Okt. 2009 Filmfest Hamburg 18. Jan. 2010 Roeland Wiesnekker, Oliver Stokowski, Elyas M'Barek, Cosma Shiva Hagen
8 Das tote Mädchen Lars Becker Lars Becker 3. Okt. 2010 Filmfest Hamburg 18. Nov. 2010 (ZDFneo) Jürgen Prochnow, Dietmar Bär, Anna Schudt, Kai Wiesinger
9 Ein Mord zu viel Lars Becker Lars Becker 17. Jan. 2011 Nora von Waldstätten, Martin Brambach, Mišel Matičević, Joachim Król, Katja Flint, Olli Dittrich
10 Reise in den Tod Lars Becker Lars Becker 5. Okt. 2011 Filmfest Hamburg 13. Jan. 2012 Christian Redl, Clemens Schick, Götz George
11 Geld regiert die Welt Lars Becker Lars Becker 28. Sep. 2012 Filmfest Hamburg 20. Jan. 2013 (ZDFneo) Ben Becker, Fahri Yardim
12 Wir sind alle keine Engel Lars Becker Lars Becker 27. Apr. 2015 Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Hans-Jochen Wagner
13 Der letzte Job Lars Becker Lars Becker 1. Feb. 2016 Jan Georg Schütte, Maja Maranow, Florian Lukas, Rainer Bock
14 Ladies First Lars Becker Lars Becker 1. Okt. 2016 Filmfest Hamburg 20. Feb. 2017 Nora von Waldstätten, Jürgen Vogel, Henry Hübchen

Erfolg und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstrahlung des ersten Films der Reihe verlief überdurchschnittlich erfolgreich. Mit insgesamt 5,7 Millionen Zuschauern hatte der am 25. März 2003 als Fernsehfilm der Woche ausgestrahlte „Nachtschicht“-Erstling einen Marktanteil von 17,3 Prozent. Auch bei der Kritik kam der Film gut an. Die Fernsehzeitschrift Prisma urteilte über Amok!: „Eine straffe Story, durchweg gute Darsteller, peppige Dialoge und die nötige Portion Spannung.“[1] 2004 wurde diese Debütfolge für den Adolf-Grimme-Preis nominiert, genauso, wie die siebte Folge Wir sind die Polizei 2011; die meisten Folgen liefen im Wettbewerb für Fernsehfilme beim Filmfest Hamburg. Zusätzlich zu der Erstausstrahlung beim produzierenden Sender ZDF wurden die bereits gedrehten Folgen mehrfach im TV wiederholt; Amok! etwa im Rahmen des 3sat-Zuschauerpreises Ende 2006. Nach ihrer Ausstrahlung im Fernsehen sind alle Folgen der Reihe seit 2007 beziehungsweise 2015 auf DVD erhältlich.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptdarstellerin Katharina Böhm lobte in einem Interview bei ZDF-online insbesondere die gesellschaftskritische Haltung der Serie: „Ich finde das etwas sehr Schönes an ›Nachtschicht‹, dass der Film ein Bild auf diese Gesellschaft wirft. Auf eine Gesellschaft, in der Kinder in einer Wohnung verhungern und Nachbarn sagen: ‚Das geht mich nichts an, dass sie schreien, die schreien ja immer.‘ Das hat ganz viel mit Wegschauen zu tun. In dieser Gesellschaft kommt es doch zu so vielen Extremsituationen, weil wir einfach nicht mehr aufeinander aufpassen und nicht mehr miteinander leben.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachtschicht: Amok! bei prisma.de, abgerufen am 22. Januar 2013