Psalm 151

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Der „überzählige“ Psalm 151 in der Übersetzung von Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg (Druckfassung 1827)

Psalm 151 ist die moderne Bezeichnung für einen kurzen Psalm, der in den meisten Handschriften der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, enthalten ist, nicht jedoch im masoretischen Text des Tanach. Eine hebräische Fassung des Psalms ist in der großen Psalmenrolle von Qumran enthalten.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem heutigen 151. Psalm liegen zwei ursprünglich selbständige Kompositionen zugrunde, wie die Handschrift aus Qumram zeigt: Psalm 151A (entspricht den Versen 1–5 der Septuaginta-Version) erzählt von der Salbung des jüngsten Isai-Sohnes zum Fürsten seines Volkes. Psalm 151B (entspricht den Versen 6–7) berichtet von der ersten Heldentat Davids, dem Kampf gegen den Riesen Goliath. Dieser zweite Psalm ist in der Qumranfassung jedoch nur ausgesprochen fragmentarisch erhalten.

Gattung und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel des Psalms in der Septuaginta lautet: „Dieser Psalm wird David zugeschrieben und ist außerhalb der Zahl. Als er Goliath im Alleinkampf erschlug“ und deutet darauf hin, dass er überzählig ist und ihm anders als den übrigen Psalmen der Bibel keine Nummer zugewiesen war; die Bezeichnung „Psalm 151“ ist erst in der Neuzeit üblich geworden. Die meisten Bibelwissenschaftler sehen den Vorspruch als einen durch die Septuaginta-Übersetzer angefügten Zusatz an.

Der Titel des Psalms deutet an, dass er von König David nach seinem Sieg gegen den Riesen Goliath geschrieben wurde. Der Text ist von häufigem Parallelismus gekennzeichnet. In der Ich-Form wird David als jüngster unter seinen Brüdern beschrieben, der jedoch von Gott zum König erwählt wurde. Anschließend wird geschildert, wie David den Philister Goliath mit dessen eigenem Schwert tötet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die orthodoxen Kirchen des Ostens haben „Psalm 151“ immer als Bestandteil des biblischen Psalmenbuchs betrachtet, während er in der Tradition der Westkirche und dementsprechend von der römisch-katholischen und von den evangelischen Kirchen sowie auch im Judentum nicht als Teil des Kanons anerkannt und als apokryph angesehen wird. Allerdings ist der Psalm als Anhang in einigen katholischen und ökumenischen Bibeln zu finden, z. B. in der Bibelübersetzung von Johann Martin Augustin Scholz oder in der englischen New Revised Standard Version.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William H. Brownlee: The 11Q Counterpart to Psalm 151,1–5. In: Revue de Qumran, 1963, S. 379–387.
  • Avi Hurvitz: The Language and Date of Psalm 151 from Qumrân. In: Eretz Israel VIII. Jerusalem 1967, S. 82–87 (hebräisch).
  • Rudolph Meyer: Die Septuaginta-Fassung von Psalm 151,1–5 als Ergebnis einer dogmatischen Korrektur. In: Fritz Mass (Hrsg.): Das ferne und nahe Wort. Festschrift für Leonhard Rost zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 30. November 1966 gewidmet (= Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Band 105). Berlin 1967, S. 164–172.
  • James A. Sanders: Ps 151 in 11Q Pss. In: Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft, 1963, S. 73–86.
  • Patrick W. Skehan: The Apocryphal Psalm 151. In: Catholic Biblical Quarterly, 1963, S. 407–409.
  • Adam S. van der Woude: Die fünf syrischen Psalmen (einschließlich Psalm 151). In: Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit. IV Poetische Schriften. Gütersloh 1974/1977/1983, S. 29–47.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]