Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin

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Kleist (links) im Gespräch mit Franz Josef Jung

Ewald-Heinrich Hermann Konrad Oskar Ulrich Wolf Alfred von Kleist-Schmenzin (* 10. Juli 1922 auf Gut Schmenzin, Landkreis Belgard (Persante), Pommern; † 8. März 2013 in Prien am Chiemsee) war ein deutscher Offizier der Wehrmacht und Widerstandskämpfer aus dem Stauffenberg-Kreis.

Leben[Bearbeiten]

Der Infanterie-Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist, ältestes von sechs Kindern von Ewald von Kleist-Schmenzin (1890–1945) aus dessen erster Ehe mit Anna von der Osten (1900–1937), wurde von Stauffenberg für den Widerstand gegen Adolf Hitler angeworben. Von 1936 bis 1940 besuchte Kleist die von dem Reformpädagogen Kurt Hahn gegründete Schule Birklehof in Hinterzarten im Schwarzwald. Für seinen Vater, einen konservativen und hitlerfeindlichen Gutsbesitzer, agierte er als unverdächtige Kontaktperson zu militärischen und zivilen Widerstandskreisen. Nachdem der Attentäterkandidat Axel von dem Bussche im Januar 1944 an der Ostfront schwer verwundet worden war und somit als Attentäter ausschied, trat Stauffenberg im Februar 1944 an Kleist heran. Wie zuvor bei von dem Bussche war an ein Attentat gegen Adolf Hitler während einer Uniformvorführung gedacht. Kleist bat darum, vor dem Entschluss zu einem Selbstmordattentat mit seinem Vater sprechen zu dürfen. Sein Vater meinte, er könne sich dem Anliegen Stauffenbergs nicht entziehen: „Ja, das musst Du tun. Wer in einem solchen Moment versagt, wird nie wieder froh im Leben.“

Das Vorhaben scheiterte, weil Hitler den Vorführtermin von Tag zu Tag verschob.[1] Am 20. Juli 1944 fungierte Kleist im Bendlerblock in Berlin als einer der zahlreichen Unterstützer und Helfer des Attentats. Kleist gelang es nach Scheitern des Attentats, seine Aktivitäten im Widerstand zu vertuschen. Ein Verfahren gegen ihn wurde im Dezember 1944 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Er entging somit einer Anklage vor dem Volksgerichtshof. Ein befreundeter hoher Offizier stellte ihm teilweise gefälschte Papiere aus und Kleist flüchtete nach Italien, wo er mit Hilfe der Papiere vorgab, einen Geheimauftrag durchzuführen. Kurz vor Ende der Kampfhandlungen gab er seinen angeblichen Geheimauftrag wegen Undurchführbarkeit auf, meldete sich für eine Kampfeinheit und führte diese bis an den Po. Dort geriet Kleist in amerikanische Gefangenschaft. Die Amerikaner versuchten, ihn für Propagandazwecke zu gewinnen, was Kleist aber ablehnte.

Im Jahr 1962 gründete er die Wehrkundetagung in München, die später in internationale „Konferenz für Sicherheitspolitik“ umbenannt wurde. Kleist moderierte sie bis 1998. Der Ewald-von-Kleist-Preis der Münchner Sicherheitskonferenz, der 2009 zum ersten Mal verliehen wurde, ist nach ihm benannt.

Er arbeitete als Verleger und war Rechtsritter des Johanniterordens.

Kleist heiratete am 2. Juni 1960 in München Gundula Freude (* 3. Dezember 1930 in Rostock), die Tochter von Major Richard Freude und Irmgard Castendyk. Das Ehepaar hat einen Sohn und eine Tochter und lebte in München.

Nach dem Tod von Philipp Freiherr von Boeselager galt Kleist als der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg, zu dessen 100. Geburtstag am 15. November 2007 er eine Rede hielt.[2] Am 20. Juli 2010 sprach er zu den Rekruten, die an einem feierlichen Gelöbnis am Reichstag in Berlin teilnahmen, und erinnerte sie an das Hitler-Attentat.[3]

Ewald von Kleist starb am 8. März 2013 in seinem Wohnhaus am Chiemsee.[4][5]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Fest: Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli; Berlin: Siedler, 1994; ISBN 3-88680-539-5; S. 228
  2. bmvg.de Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin am 15 November 2007 zu Stauffenbergs 100. Geburtstag
  3. Text der Rede (Abruf am 28. März 2013; PDF; 50 kB)
  4. David Rising: Ewald-Heinrich von Kleist, last surviving member of anti-Hitler plot, dies at 90. In: Associated Press auf newser.com, 12. März 2013.
  5. Tobias Kniebe: Unbeirrbarer Humanist. In: Süddeutsche Zeitung, 12. März 2013.
  6. Todesanzeige in Süddeutsche Zeitung vom 15. März 2013.
  7. American Academy in Berlin: Henry A Kissinger Prize. Zugriff am 15. August 2014.